193.84 Brief RA Johann Turnovsky an Samek
Materialitätstyp:
- Typoskript
Sender
JUDr. JOHANN TURNOVSKY | AdvokatVodičkova 33
Prag
Empfänger
An: P.T. | Herrn Dr. Oskar Samek, | AdvokatReindorfgasse 18
Wien – XIV
Sehr geehrter Herr Doktor.
Ich bestätige mit bestem Dank Ihrfreundliches Schreiben vom 18. d.M. und gestatte mir, Ihnen folgen-des mitzuteilen: Gerade heute habe ich die ofizielle Verständi-gung erhalten, dass die Einvernahme der Zeugen vorgenommen wor-den ist und dass ich im Sinne des § 224 St.P.O. in die AktenEinsicht nehmen und weitere Anträge stellen kann.
Ich will in der achttägigen Frist, d.i. bis zum 28. d.M., den An-trag stellen, dass die Zeugen zu der Hauptverhandlung vorgela-den werden und diesen Antrag möchte ich mit dem Antrag auf An-ordnung der Hauptverhandlung für die Zeit zwischen dem 2. und 9.III. d.J. verbinden. Gleichzeitig möchte ich aber allfällige wei-tere Beweisanträge schon in dieser Eingabe stellen, um zu er-wirken, dass sie in der entsprechenden Formulierung bei dernächsten Hauptverhandlung bereits vorliegen und nicht durch eine un-angemessene Protokollierung entstellt werden. Gegen diese ist sehrschwer anzukämpfen und man hat eigentlich bei jedem Satz Wider-stände zu überwinden und mit dem Vorsitzenden um jedes Wort hartzu kämpfen.
Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Doktor, mirmöglichst bald die Wünsche des Herrn K. betreffend die weiterenBeweisanträge bekanntzugeben, damit ich die Eingabe fristgemässüberreichen kann. Diese achttägige Frist kann allerdings nichterstreckt werden. Je früher die Eingabe überreicht wird, destoeher kann ich beim Referenten wegen Anordnung der Hauptverhand-lung zu dem gewünschten Termin intervenieren.
Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtungund mit den besten Grüssen an Herrn Kraus und Sie bin ich
Ihr ergebener:Dr. Turnovsky
Kraus – Sozialdemokrat 22. FEB. 1936