Digitale Karl-Kraus-Bibliographie. Basierend auf Sigurd Paul Scheichls Kommentierter Auswahlbibliographie zu Karl Kraus

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0.1 – Bibliographien, Hilfsmittel, Rezensionen

Kerry, Otto. Karl-Kraus-Bibliographie. Mit einem Register der Aphorismen, Gedichte, Glossen und Satiren. München: Kösel 1970, 478 S.

Kommentar
Vollständiges Verzeichnis der Primärliteratur, nahezu vollständiges der Sekundärliteratur bis Mitte 1969, Kerry hat nahezu alle von K. in der "Fackel" verzeichneten Äußerungen zu seinem Werk aufgenommen, darunter auch zahlreiche periphere und kaum zugängliche Arbeiten (vor allem aus Zeitungen), die den Band aufschwemmen, aber z. B. für rezeptionsgeschichtliche Arbeiten nützlich sein können. Die Zuordnung der Beiträge zu den einzelnen Themen ist oft irreführend; Querverweise fehlen; der Aufbau ist nicht gerade praktisch. Die besonders nützlichen Register beziehen sich auf die Kösel-Ausgabe, weisen aber den Erstdruck in der "Fackel" nach. Sie sind für die Gedichte ganz, für die Aphorismen nahezu vollständig, für die anderen Texte lückenhaft. Trotz allen Einwänden ein unentbehrliches Werk. Vgl. die Rezension von Wagenknecht in: Germanistik 12. 1971. S. 172 f.

Kerry, Otto. "Nachträge. Primär-Literatur zu Kerry: Karl Kraus Bibliographie." Die Pestsäule (Wien) 1. 1972/74. (Heft 6, 1973) (1972): 527–531.

Kommentar
Trägt vier Aufsätze aus den Jahren vor 1899, mehrere Neuausgaben, Nachdrucke und Übersetzungen nach (zum Teil oben berücksichtigt); enthält auch einige Berichtigungen von Zitaten in 0.1.1. Kerry hat einen weiteren, die Sekundärliteratur seit 1969 erfassenden Nachtrag zu seiner Bibliographie angekündigt, der in Modern Austrian Literature 8. 1975. Heft 1/2 erscheinen soll. Das Heft liegt noch nicht vor.

Bode, Ingrid. Die Autobiographien zur deutschen Literatur, Kunst und Musik 1900–1965. Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte. Stuttgart: Metzler 1966, 308 S.

Kommentar
Verzeichnet S. 204 f. 28 autobiographische Werke von Zeitgenossen, in denen von K. die Rede ist. Alle auch bei Kerry.

Raabe, Paul, ed. Index Expressionismus. Bibliographie der Beiträge in den Zeitschriften und Jahrbüchern des literarischen Expressionismus. 18 Bände. Nendeln (Liechtenstein): Kraus Reprint 1972.

Kommentar
In Band 7 (Serie B: Systematischer Index, Teil 3), S. 2406–2416, die Zusammenstellung aller Veröffentlichungen von und über K. in den expressionistischen Zeitschriften. Die hier verzeichneten Arbeiten, oft Polemiken, werden im folgenden auch dann nicht verzeichnet, wenn sie bei Kerry fehlen.

Ullmann, Ludwig. Die Fackel. April 1899 – März 1910. Elf Jahrgänge. Register der Autoren und Beiträge von 300 Nummern. Wien: Fackel 1910, 23 S.

Kommentar
Verzeichnet alle Mitarbeiter der "Fackel", soweit ihre Beiträge gezeichnet waren (was namentlich in der antikorruptionistischen Frühzeit nicht immer der Fall gewesen ist). Besonders wertvoll für die 'literarische' Periode der "Fackel", deren Beiträge zum größten Teil in den erfaßten Zeitraum fallen. Als Beiheft zu Nr. 300 der "Fackel" erschienen. Vgl. auch 8.02.9 (Weiermair).

[Pfäfflin, Friedrich]. "Bibliographie Werner Kraft." Nachrichten aus dem Kösel-Verlag 18. Herbst 1963 (1963): 18–20.

Kommentar
Verzeichnet Krafts zahlreiche Veröffentlichungen über K. Kraft nimmt im übrigen in fast allen Publikationen auf K. Bezug, auch dort wo von diesem im Titel nicht die Rede ist.

Kerry, Otto. "Nachtrag zur Karl-Kraus-Bibliographie. München: Kösel-Verlag, 1970." Modern Austrian Literature 8. 1975. Heft 1/2. Special Karl Kraus Issue (1975): S. 103–180.

Kommentar
Erfaßt vor allem die 1969 bis 1973 erschienene Sekundärliteratur, trägt aber auch zahlreiche ältere Artikel nach. Die Primärliteratur bleibt ausgeschlossen. Alphabetisch nach Autoren angeordnet, aber mit Nummern, die die Einordnung in das System von KKB gestatten.

Kohn, Caroline. "Publications sur Kraus en France." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 375–377.

Kommentar
Erfaßt zahlreiche Publikationen in französischer Sprache, auch entlegene, von denen einige in KKB fehlen. Die Zitate sind teilweise fehlerhaft.

Schlösser, Manfred and Werner Kraft. "Bibliographie aller Schriften und Einzelbeiträge von Werner Kraft." In: Der Chandos-Brief und andere Aufsätze über Hofmannsthal. Darmstadt-Berlin (W): Agora 1977, S. 81–99.

Kommentar
Vollständiger als 0.1.6, erfaßt noch Veröffentlichungen des Jahres 1977

Göbel, Wolfram. "Bibliographie des Kurt Wolff Verlages und der ihm angeschlossenen Unternehmungen." Archiv für die Geschichte des Buchwesens 16 (1976): Sp. 1299–1456.

Kommentar
Sp. 1395 f. "Die Publikationen des Verlages der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff)"; ferner Sp. 1322 (KKB EA 9). Exakte Angaben zu den 14 bzw. 15 Veröffentlichungen des Verlags, einschließlich der Übernahmen aus anderen Verlagen. Laut Sp. 1306 beruhen die Angaben allerdings nicht auf Autopsie, sondern auf KKB.

Hagen, Waltraud u. a. Handbuch der Editionen. Deutschsprachige Schriftsteller. Ausgang des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Berlin (DDR), München: Volk und Wissen, C. H. Beck 1979, 608 S.

Kommentar
351–353 sorgfältige analytische Angaben über die verschiedenen K.-Ausgaben.

0.2 – Bibliographien, Hilfsmittel, Rezensionen

Karl Kraus. Zum 100. Geburtstag. 1874–1974. Ausstellung der Stadt Wien. Gestaltet von Josef Vass, Echth Grünsteidl und Manfred Arndorfer. Wien: Stadtbibliothek 1974, [32 S.].

Kommentar
Der Ausstellungskatalog enthält einen Aufsatz von Paul Schick (2.2.14), eine Geschichte des Karl-Kraus-Archivs in der Wiener Stadtbibliothek und ein Verzeichnis der 366 gezeigten Objekte, das einen wertvollen Einblick, in die Kraus-Bestände der Stadtbibliothek und anderer österreichischer Sammlungen bietet. U. a. wurden auch Quellen zu Glossen, Korrekturbögen und nicht wenige Inedita (vor allem Briefe von und an K.) ausgestellt.

Greve, Ludwig and Meyer, Jochen, ed. Das 20. Jahrhundert. Von Nietzsche bis zur Gruppe 47. Ständige Ausstellung des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Marbacher Kataloge. Marbach: Deutsche Schillergesellschaft (München: Kösel in Kommission) 1980, 336 S.

Kommentar
Auf K. bezügliche Exponate 64 ff. und 164. 65 und 109 wird nachgewiesen, daß das Titelblatt der "Demolirten Literatur" einen Umschlag der "Jugend" (1/12 vom März 1896) abwandelt. Das ausgestellte Exemplar der Akt-Ausgabe der "Letzten Tage der Menschheit" stammt aus der Bibliothek René Schickeles (1 64). 240 f. Nachweis eines Vortrags von Bin Gorions Polemik "Der Fackelreiter" (KKB K 1 167) am 14. Februar 1932.

Lunzer, Heinz and Sigurd Paul Scheichl. Karl Kraus 1874–1936. Katalog einer Ausstellung des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Zirkular. Wien: Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur. 1986, 83 S.

Kommentar
Enthält neben einigen unbekannten Bildern (z. B. von Annie Kalmar, 47)Beschreibungen von Materialien, die zum Verständnis von K. beitragen. Die chronologisch angeordnete Ausstellung ergibt durch die Begleittexte und die Beschreibung in Ansätzen eine Gesamtdarstellung von K. Die in dem Band enthaltenen Artikel sind einzeln verzeichnet.

0.3 – Bibliographien, Hilfsmittel, Rezensionen

Bäuml, Gustav H. and Bäuml, Franz H. "Namenverzeichnis zu Karl Kraus DIE FACKEL." Modern Austrian Literature 6. 1973. Heft 1/2 6. 1973. Heft 3/4 7. 1974. Heft 1/2 (1973): 151–182 139–160 141–173 Heft 1/2. S. 151–182 [A–D]; Heft 3/4. S. 139–160 [E–G]. 7. 1974. Heft 1/2. S. 141–173 [H–K]. 8. 1975. Heft 3/4. S. 197–221 [L–N]. 9. 1976. Heft 1. S. 44–83 [O–S]; Heft 2. S. 10–44 [T–Z].

Kommentar
Umfaßt die in der "Fackel" (auch in den Notizen des Herausgebers) erwähnten Namen von A–D (Heft 1/2) und von E–G (Heft 3/4) und von H–K (7. Heft 1/2). Ohne Kommentar zu den Personen. Anscheinend unvollständig. Soll in dieser Zeitschrift fortgesetzt werden.Die letzte Lieferung enthält (S. 30–44) auch einen Stellennachweis der nicht in das Namenverzeichnis aufgenommenen Namen, angeordnet unter schlagwortartigen Bezeichnungen für die sozialen Gruppen, für die diese Namen repräsentativ sind bzw. für die historischen Ereignisse, denen sie zuzuordnen sind.

Ögg, Franz. "Über die Schwierigkeit, "Die Fackel" von Karl Kraus zu lesen. Bemerkungen zum Namenverzeichnis von Gustav H. Bäuml und Franz H. Bäuml." Literatur und Kritik 9. 1974 (1974): 622–624.

Kommentar
Weist auf die Fehlerhaftigkeit und Unvollständigkeit des Registers von Bäuml hin und informiert über drei unveröffentlichte Namenverzeichnisse zur "Fackel".

Jenaczek, Friedrich. Zeittafeln zur "Fackel". Themen – Ziele – Probleme. Adalbert Stifter Verein e. V. München. Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Abteilung. Gräfelfing: Gans 1965, LV + 192 S.

Kommentar
Wertvoll ist die chronologische Übersicht über das Werk von K., wobei wichtige Stellen jeweils zitiert oder kurz zusammengefaßt werden, was die Orientierung wesentlich erleichtert. Der interpretierende Teil (S. 85–120) ist mit seiner rationalisierenden und systematisierenden Tendenz problematisch, vor allem auch zu sehr auf die Gesellschaftskritik hin orientiert. Praktische Dokumentation der Äußerungen anderer Autoren über K. (S. 121–142). Der Aufbau ist unnötig kompliziert. Vgl. 0.4.3 (Timms) und 0.5.3 (Alff).

Bäuml, Gustav H. and Bäuml, Franz H. "Sachnamen- und Jargonregister zu Karl Kraus' DIE FACKEL." Modern Austrian Literature 8 Heft 1/2. Special Karl Kraus Issue (1975): S. 181–210.

Kommentar
Erklärt zahlreiche bei Kraus vorkommende Wörter und Wendungen aus dem jüdischen Jargon und dem Wiener Dialekt. Im gleichen Alphabet wird eine Art Sachregister zur "Fackel" mit Erläuterungen geboten. Die Auswahl der erklärten Wörter und noch mehr der Schlagwörter für das Sachregister wirkt zufällig ; die Stellennachweise sind sehr unvollständig. Dennoch ist das Register gelegentlich von Nutzen; die Worterklärungen müßten nicht-österreichischen Lesern sogar sehr willkommen sein.

Ögg, Franz. Personenregister zur Fackel von Karl Kraus. Supplementband zum Reprint der Fackel. München: Kösel 1977, XIII + 567 S.

Kommentar
In einer Ganzleinen- und in einer broschürten Ausgabe im Handel. Bietet ein nicht ganz, aber doch sehr vollständiges Verzeichnis der in der "Fackel" vorkommenden Personennamen, einschließlich der Anspielungen auf nicht namentlich genannte Personen (besonders gekennzeichnet). Zu vielen Personen hat Ögg auch knappe biografische Angaben eruieren können. Leider hat Ögg sein Register mit dem von Bäuml (KAB 1, 0.3.1) nicht kollationiert, so daß man bei häufig genannten Personen auch dieses zu Rate ziehen muß. Im Anhang ein Verzeichnis abgekürzter Personennamen, eine Liste nicht aufgenommener Stellen, Errata und Addenda sowie ein Nachwort von Friedrich Pfäfflin über die bisherigen Bemühungen um ein "Fackel"-Register. Im ganzen ein unentbehrliches, insgesamt auch sehr sorgfältig gearbeitetes Hilfsmittel. Vgl. die Rezensionen von Avery, in: Germanistik 19.1978 Nr. 5456, und von Scheichl, in: Literatur und Kritik 15.1980 248–251 (mit Ergänzungen).

Ögg, Franz. Personenregister zur Fackel von Karl Kraus. Frankfurt: Zweitausendeins 1977, VIII + 568 S.

Kommentar
Mit eigener Paginierung im letzten Band des in Kraus-Heft 12, 16 verzeichneten Nachdrucks. Gegenüber dem Original durch einen textkritischen Hinweis zu F 1 im Nachwort Pfäfflins (559) erweitert, sonst mit diesem identisch.

0.4 – Bibliographien, Hilfsmittel, Rezensionen

Hartl, Edwin. "Der ignorierte Karl Kraus." Die Presse (Wien) (1966-06-11): Wochenendbeilage, S. III.

Kommentar
Überblick über die K.-Literatur bis 1965 (von Liegler bis Wagenknecht); polemisch gegen die Germanistik, die K. nicht oder nicht ausreichend beachte.

Scheichl, Sigurd Paul. "Publikationen des Auslandes über Karl Kraus." Literatur und Kritik 5. 1970 (1970): 557–560.

Kommentar
Sammelrezension von Field (7.4.1.1), Iggers (2.1.02) und Kohn, K. als Lyriker (8.09.1.2).

Timms, Edward Francis. "[Sammelrezension]." Modern Language Review 63. 1968 (1968): 1014–1017.

Kommentar
Zu Kohn (2.1.03.1). Field (7.4.1.1), Schick (2.1.08), Jenaczek (0.3.2), Stephan (6.1.11), Wagenknecht (6.2.2). Wichtiger als die (methodisch lehrreichen) Rezensionen ist der konsequente Hinweis, daß Kraus' satirischer Monolog nicht der einfache Ausdruck der persönlichen Allsichten des Autors sei, sondern die sorgfältige Stilisierung einer satirischen Haltung, die ihre Dynamik der phantasievollen Ausnutzung der Mittel der Sprache verdankt (1015).

Zohn, Harry. "Krausiana." Modern Austrian Literature 3. 1970. Heft 2 (1970): 25–35.

Kommentar
Einige Bemerkungen zu Problemen der Übersetzung von K. ins Englische und eine sehr flüchtige Übersicht über die K.-Literatur (S. 31 bis 33). Vgl. auch 2.2.10 (Missac).

Urbach, Reinhard. "Karl Kraus und die Nachwelt." Neue Zürcher Zeitung (7./8.Juni 1975): S. 61.

Kommentar
Rezensiert Fischer, Kraus (KAB 2.1.01); Kraft, Neinsager (KAB 7.6.00.2) und Bohn (KAB 7.1.04). Krafts Vermutung, hinter Schnitzlers Rapp (Der Weg ins Freie) verberge sich K., wird abgelehnt.

0.5 – Bibliographien, Hilfsmittel, Rezensionen

Müller, Gerd. "Das hat Karl Kraus nicht verdient." Moderna Sprak 63. 1969 (1969): 359–365.

Kommentar
Einige wenig ergiebige, sehr allgemeine Bemerkungen zu K. aus Anlaß einer (negativen) Rezension des Buches von Weigel (2.1.09).

Wagenknecht, Christian Johannes. "Kein Standardwerk über Karl Kraus. Zur deutschen Ausgabe des Buches von Caroline Kohn." Wirkendes Wort 18. 1968 (1968): 33–37.

Kommentar
Zu 2.1.03.1. Korrigiert zahlreiche Fehler und zeigt die Mängel dieses Buches wie anderer apologetischer K.-Literatur vorbildlich auf. Wichtige methodische Hinweise.

Alff, Wilhelm. "Karl Kraus – ein Metaphysiker? Friedrich Jenaczeks Zeittafeln zur "Fackel" von Karl Kraus." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1966-12-06): Literaturblatt, [S. 6].

Kommentar
Betont die Schwierigkeit, die extreme zeitgeschichtliche Aktualität, die das Werk von Karl Kraus bezeugt, mit seinen metaphysischen Grenzaussagen zu versöhnen. Setzt sich auch mit Schönauer (4.4) auseinander.

Schick, Sophie. "Vorwort." In: Zeitgenossen der "Fackel". Hrsg. v. Martina Bilke Wien: Löcker 1981, S. 7–13.

Kommentar
Polemisches Plaidoyer für eine – sehr eng verstandene – wissenschaftliche Quellenforschung über K. Wichtiger sind die Überlegungen zum Wesen der Satire (die sich eng an K. anschließen) und zu den typischen Reaktionen auf den Satiriker. Mit einem Zitat aus K.s Notizbuch von 1915 (10) und einem Hinweis auf das verschlüsselte Vorkommen K.s in einem späten Roman von Bahr (11).

1.1 – Biographische Darstellungen

Kraus, Karl. Briefe an Sidonie Nádherny von Borutin. 2. Band: Editorischer Bericht. Bildteil. München: Kösel 1974, 440 S.

Kommentar
Zur ganzen Ausgabe siehe oben. Der Kommentar trägt reiches biographisches Material für die Jahre 1913–1936 zusammen, unter anderem zum Ersten Weltkrieg, zum Konflikt mit Werfel und zu K.'s Haltung gegenüber Hitler, Dollfuß und der Sozialdemokratie nach 1933.

Arntzen, Helmut. "[Rezension von:] Karl Kraus: Briefe an Sidonie Nádherny." Neue deutsche Hefte 21. 1974 (1974): 399–402.

Kommentar

Blume, Bernhard. "Karl Kraus und Sidonie Nádherny von Borutin." Neue Zürcher Zeitung (1974-04-28): S. 53.

Kommentar
Arbeitet das Wesentliche an der Beziehung zwischen K. und Sidonie Nádherny heraus: seine in diesen Briefen sichtbar werdende Hast, seine Todesangst, die immer wieder spürbare Fremdheit zwischen beiden, seine Bewältigung der Leidenschaft durch das Aufschreiben. Argumentiert gegen Pfäfflins These, Rilke habe durch antisemitische Hinweise eine Heirat zwischen beiden hintertrieben.

Ficker, Ludwig von. "[Über die Auffindung der Briefe von Karl Kraus an Sidonie Nádherny]." Das Fenster (Innsbruck) Heft 14. 1974 (1974): 1394 f.

Kommentar
Ein unvollendet gebliebener Essay aus dem Jahre 1967; letztes Zeugnis für Fickers Verhältnis zu K.

Siegert, Michael. "Sehnsucht nach aristokratischem Umgang. Karl Kraus und Sidonie Nádherny von Borutin." Neues Forum (Wien) 21. 1974. Heft 244 (April) (1974): 49–51.

Kommentar
Siegert versucht, die Hypothese, daß das Klassen-Unbewußte die Grundstrukturen unseres Lebens organisiere, an dem Briefwechsel K.-Nádherny zu exemplifizieren. K.'s Beziehungen zur Aristokratie erscheinen hier in neuem Licht. Methodisch ziemlich plump, so daß schließlich das Werk K.'s und die historischen Informationen erst wieder unverbunden nebeneinander stehen.

de Mendelssohn, Peter. "Gruppenbild ohne Dame. Die Briefe von Rilke und Karl Kraus an Sidonie Nadherny von Borutin." Süddeutsche Zeitung (1974-04-27): S. 113.

Kommentar
K.'s Briefe erweckten den Eindruck, wie eine große, hilflose Liebe sich selbst zerredet. Rilke habe in seiner Warnung vor K. – trotz der Abscheulichkeit der Einmischung – nicht ganz unrecht gehabt, wo er K. charakterisiert.

Heller, Erich. ""Liebes Leid und Lust"." Merkur 28. 1974 (1974): 1071–1079.

Kommentar
Anregende Überlegungen zum Verhältnis des Öffentlichen und des Privaten bei K., ausgehend von Unterschieden in der Sprachbehandlung in Werk und Brief. Bemerkungen zu einzelnen Gedichten. Essayistisch.

Timms, Edward. "When the satirist falls in love." Times Literary Supplement Nr. 3.796. 6. Dezember 1974 (1974): 1393 f.

Kommentar
Betont den Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen K.; der Satiriker K. sei die Maske des Autors in seinem eigenen Werk. dieses Auseinanderklaffen von Privatleben und öffentlichem Werk, das durch die Briefausgabe erkennbar geworden sei, habe auch Folgen für K.'s Lyrik. Einige Bemerkungen über die amerikanische Übersetzung der "Letzten Tage" (1974; vgl. 3.1.43).

Canetti, Elias. "Der Neue Karl Kraus." Neue Rundschau 86. 1975 (1975): 1–21.

Kommentar
Setzt mit Überlegungen zu K.'s Mordgelüsten, zur Lust und Unersättlichkeit des Angriffs ein, dem es immer auf sich selbst ankomme (2 f.). Im weiteren eine ausführliche Darstellung der aus den Briefen zu erschließenden Beziehungen K.'s zu Sidonie Nádherny, besonders im Jahr 1914/15. In den langen Briefen der Verzweiflung aus dieser Zeit erlebe man K. staunend als Romancier (14). Das Wiedereinsetzen der "Fackel" im Herbst 1915 und vor allem der Beginn der Arbeit an den "Letzten Tagen" sei auf die Erneuerung der Beziehungen zu Sidonie Nádherny zurückzuführen. Vgl. auch die Rezension des Briefwechsels von Brügel in 7.4.4.6.

Goblot, Germaine. "Les parents de Karl Kraus." Etudes Germaniques 5. 1950 (1950): 43–53.

Kommentar
Biographisches Material zur Familie, in den Gesamtdarstellungen verwertet.

Pfäfflin, Friedrich, ed. Heinrich Fischer zum 22. August 1971. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Sonderheft. München: Kösel 1971, 32 S.

Kommentar
Dokumentiert genau Fischers Beziehungen zu K. und erhellt dabei auch den Hintergrund einiger "Fackel"-Beiträge. Alle Äußerungen Fischers über K. sind verzeichnet. Das Heft enthält auch einen Neudruck von Fischers Rede "Karl Kraus und die Jugend" aus dem Jahre 1934 (zum 60. Geburtstag von K.). K 2149.

Pfäfflin, Friedrich, ed. Berthold Viertel (1885–1953). Eine Dokumentation. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Sonderheft. München: Kösel 1969, 64 S.

Kommentar
Dokumentiert auch die Beziehungen Viertels zu K. (mit seinen Briefen an diesen). Bibliographie der Veröffentlichungen Viertels über K. und Nachweis der Stellen, an denen Viertel in der "Fackel" genannt wird.

Sternbach-Gärtner, Lotte [= Caroline Kohn]. "Mechtilde Lichnowsky und Karl Kraus." Forum (Wien) 5. 1958 (1958): 324–326.

Kommentar
Rein biografisch, zum Teil durch Pfäfflin (1.1.1) überholt. Hinweise auf Quellen zu K's Werk. Vgl. 1.2.12 (Lichnowsky), 7.6.09 (Fließbach).

Sternbach-Gärtner, Lotte [= Caroline Kohn]. "Karl Kraus in Frankreich." Literatur und Kritik 6. 1971 (1971): 523–527.

Kommentar
Einige Informationen (leider ohne Belege) über K.'s Verhältnis zu Frankreich, über Parallelen zwischen ihm und französischen Autoren (Peguy, Bloy, Valery, Prevert) und über die französische Kraus-Rezeption.

Canetti, Elias. "Der Neue Karl Kraus." In: Das Gewissen der Worte. München: Hanser 1975, S. 234–256.

Kommentar
Identisch mit 1.1.1.8.

Casanova, Nicole. "Les lettres de Karl Kraus à Sidonie Nádherný von Borutin." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 293–304.

Kommentar
Paraphrasiert die Briefe und Teile des Kommentars mit viel journalistischer Sentimentalität und einigen sachlichen Fehlern.

Göbel, Wolfram. "Der Kurt Wolff Verlag 1913–1930." Archiv für Geschichte des Buchwesens 15 (1975): Sp. 521–962.

Kommentar
Auch selbständig erschienen. Sp. 793–807 ein Kapitel über den "Verlag der Schriften von Karl Kraus" und über die Beziehungen Wolff-Kraus, die hier viel präziser dargestellt werden als in Wolffs Erinnerungen (KAB 1.2.20). Enthält auch Hinweise auf Kraus' Beziehungen zu Werfel und zu anderen Expressionisten.

Kraus, Karl. Briefe an Sidonie Nádherný von Borutin 1913–1936. 2. Band: Editorischer Bericht. Bildteil. Anmerkungen von Friedrich Pfäfflin. dtv-bibliothek. München: dtv 1977, 439 S.

Kommentar
Gegenüber der Ausgabe von 1974 (1.1.1) ist das chronologische Verzeichnis der datierbaren Gedichte weggefallen; auch der Bildteil ist sowohl durch Weglassungen wie durch Ergänzungen stark verändert. Der Kommentar wurde durch neue Informationen und durch die Einarbeitung der Rezensionen wesentlich verbessert. Im großen und ganzen mit der Erstausgabe seitengleich. 409–412 eine "Nachbemerkung zur Taschenbuchausgabe", die auch kurz auf die Beziehungen Kraus – Rilke – Sidonie Nádherný eingeht. Der Kommentar ist jetzt nur in dieser Ausgabe zu benützen.

Zohn Harry. "[Rezension von:] Karl Kraus: Briefe an Sidonie Nádherný." Modern Austrian Literature 8, Heft 3/4 (1975): S. 365 bis 368.

Kommentar
Mehr eine Nacherzählung. Betont die Identität von privater und öffentlicher Sphäre (368).

Pfäfflin, Friedrich. "Der zweite Leser. Anmerkungen eines Herausgebers." In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. Jahrbuch. Heidelberg: Schneider 1975, S. 134–145.

Kommentar
Fragen der Briefedition, mit einigen Hinweisen zu den Handschriften der Briefe von K. an Sidonie Nádherný.

Blume, Bernhard. "[Rezension von:] Karl Kraus: Briefe an Sidonie Nádherný." German Quarterly 49 (1976): S. 121–123.

Kommentar
Nicht was Karl Kraus gedacht hat, wird dabei deutlich, doch wie er gelebt hat (122). Bemüht sich vor allem um eine Präzisierung der Rolle Rilkes in den Beziehungen zwischen K. und Sidonie Nádherný.

Scheichl, Sigurd Paul. "[Rezension von:] Karl Kraus: Briefe an Sidonie Nádherný." Sprachkunst 7 (1976): S. 146–151.

Kommentar
Betont die Parallelen zwischen Briefen und Fackel, die Identität zwischen dem Menschen Karl Kraus und dem 'satirischen Ich' der 'Fackel' (148). Die Korrekturen und Ergänzungen zum Kommentar wurden in der Neuausgabe (1.1.1.0) bereits berücksichtigt, sind daher überholt.

Pfäfflin, Friedrich. "Karl Kraus und Arnold Schönberg. Fragmente einer Beziehung." Text + Kritik (2.3.2): S. 127–144.

Kommentar
Stellt aufgrund aller bisher bekannten Dokumente, darunter auch unveröffentlichter Briefe, die Beziehungen zwischen K. und Schönberg dar, die möglicherweise schon 1905 begonnen haben. Auch die Zeitschrift 23 wird behandelt. Auf eine Interpretation verzichtet der Artikel weitgehend.

Pfäfflin, Friedrich. "Heute ist mir sehr katzenjämmerlich zu Mute. Zum 100. Geburtstag von Arnold Schönberg: Aus seinen Briefen an Karl Kraus." Süddeutsche Zeitung 13. September (1974): S. 35.

Kommentar
Enthält die gleichen Briefe wie 1.1.8, jedoch ohne K.s Gegenbriefe und mit wenig Kommentar, dafür eine dort fehlende K. betreffende Notiz Schönbergs von 1950

Steiner, George. "Karl Kraus & a Period-Piece Love." Encounter 44. Nr. 1.Januar (1975): S. 59–61.

Kommentar
Essayistische Rezension von BSN. Hebt die Briefe vom 9. 10. 1916 und 21./22. 5. 1924 hervor, da sie zu den wenigen gehören, die literarischen Rang hätten. Betont die Beziehung der "Letzten Tage der Menschheit" zu diesem Liebesverhältnis. Die Rolle der aristokratischen Gesellschaft wird unterstrichen. Das Verhältnis zwischen K.s privater Existenz und seinem öffentlichen Wirken sei kontrapunktisch gewesen. Auch einige interessante allgemeine Bemerkungen über K.

1.2 – Biographisches Material

Aufricht, Ernst Josef. Erzähle, damit du dein Recht erweist. Berlin: Propyläen 1966, 283 S.

Kommentar
Mehrere Hinweise auf K.'s Beziehungen zum Berliner Theaterleben; besonders interessant S. 82 über seine Intransigenz gegenüber notwendigen Strichen in seiner Fassung der "Perichole".

Burgert, Helmuth. "Er haßte das Ungefähre. Eine Nacht mit Karl Kraus im November 1933." Almanach für Literatur und Theologie (Wuppertal) 1. 1967 (1967): 83–89.

Kommentar
Belanglose Erinnerung des katholischen Publizisten an eine Begegnung mit K. Interessant höchstens der Hinweis auf dessen Begeisterung für das Gedicht "Reisebegleitung" von Julius Zerzer. Vgl. dazu 7.6.10 (Kraft).

Fischer, Heinrich. "[Das Private an Karl Kraus]." Hochland 50. 1957/58 (1957): 190–192.

Kommentar
Über K.'s Beziehungen zu Annie Kalmar und Sidonie Nádherny. Das Gedicht "Schäfers Abschied" beruhe zur Gänze auf dem Spiel mit S, D und I (Sich).

Fischer, Heinrich. "Karl Kraus als Privatmann." Hochland 44. 1951/52 (1951): 569–572.

Kommentar
Betont das Elementare am Menschen K. In seiner Beziehung zu anderen Menschen sei die Kontrolle des Instinkts durch eine überwache Verstandesschärfe am Werk gewesen.

Fischer, Heinrich. "Erinnerung an Karl Kraus." Forum (Wien) 8. 1961 (1961): 225–228.

Kommentar
Zum Teil identisch mit dem Vorhergehenden, doch reicher an anekdotischem Material, u. a. über K.'s Arbeitsweise, über die Polemik gegen Kerr, über das Verhältnis zu Brecht. Vgl. auch die Nachworte Heinrich Fischers zu den Bänden der Kösel-Ausgabe, besonders zu Band 1 (S. 308: Erinnerungen an K.'s Gründe, "Dritte Walpurgisnacht" nicht erscheinen zu lassen) und zu Band 13 (S. 363–366: Erinnerungen an den optimistischen Grundton von K.'s Vorlesungen gegen Ende des Weltkriegs), sowie Fischers Nachwort zur Taschenbuchausgabe (dtv) der "Letzten Tage der Menschheit", in dem (II, S. 313 f.) er K.'s Äußerung von 1935 mitteilt: Gegen Hitler gibt es nur eines: die Waffe.

Ginsberg, Ernst. "Karl Kraus und die Schauspieler." Forum (Wien) 8. 1961 (1961): 229.

Kommentar
Persönliche Erinnerungen an Theaterarbeit mit K. und der Versuch, dessen Verhältnis zum Theater zu charakterisieren. Seine Gestaltungsart habe etwas von der Leidenschaftlichkeit eines genialen Laien gehabt.

Ginsberg, Ernst. Abschied, Erinnerungen, Theateraufsätze, Gedichte. Zürich: Arche 1965, 262 S.

Kommentar
S. 125–129 identisch mit dem Vorhergehenden. An einigen Stellen Erinnerungen an den großen Eindruck, den K. auf den Verfasser gemacht hat.

Kann, Helene. "Karl Kraus und sein Alltag." Forum (Wien) I. 1954. Heft 4 (April) (1954): S. 20 f.

Kommentar
Zum Teil recht anekdotisch; zum Teil aufschlußreich (etwa über K.'s Geselligkeit).

[Kann, Helene]. "Erinnerungen an Karl Kraus." In: Wiener Festwochen im Theater an der Wien, [Programmheft zu "Die letzten Tage der Menschheit"]. [Wien] 1964, [S. 12–17].

Kommentar
Interessante Mitteilungen über K.'s Arbeitsweise. Teilweise identisch mit dem Vorhergehenden.

Kokoschka, Oskar. Mein Leben. München: Bruckmann 1971, 340 S.

Kommentar
Kokoschka erinnert sich mehrfach an Kontakte mit K. Am interessantesten die Erinnerung an gemeinsame Besuche in einem Wiener jiddischen Theater und an K.'s materielle Unterstützung für den "Sturm".

Krenek, Ernst. "Erinnerung an Karl Kraus (1936)." In: Zur Sprache gebracht. München: Längen-Müller 1958, S. 229–240.

Kommentar
K.'s Sprachdenken habe in der Trennung des Gedanklichen vom Stofflichen die neue Musik-Theorie antizipiert. Radikalität im Konservativen als Wesensmerkmal K.'s. S. 237 der Bericht über K.'s Insistieren auf Beistrichfragen bei der Beschießung von Shanghai.

Lasker-Schüler, Else. Briefe an Karl Kraus. Köln: Kiepenheuer & Witsch o. J. [1959], 181 S.

Kommentar
Für K. nicht besonders ergiebig. Zur editorischen Problematik vgl. Carr (7.6.02.2.2). Mit einem ebenfalls von Carr berichtigten Nachwort über die Dichterin, das mehrfach auf die Beziehungen zu K. eingeht.

Lichnowsky, Mechtilde. "Karl Kraus zum Gedächtnis." Merkur 10. 1956 (1956): 162–165.

Kommentar
Vgl. 1.1.5 (Sternbach-Gärtner), 7.6.09 (Fließbach).

Malmberg, Helga. Widerhall des Herzens. Ein Peter Altenberg-Buch. München: Längen-Müller 1961, 276 S.

Kommentar
Naive und im einzelnen vielleicht nicht immer zuverlässige Erinnerungen an die Begegnungen der Verfasserin mit Peter Altenberg. Das Buch gewährt einen gewissen Einblick in die Atmosphäre jenes Kreises; interessant das ungewollt entstehende Bild von K. als dem Realistischen und Zuverlässigen in der Wiener Boheme.

Mittler, Franz. "Es war nicht leicht, aber schön …." Forum (Wien) 3. 1956 (1956): S. 225 f.

Kommentar
Erinnerungen des letzten Klavierbegleiters von K., besonders an die Offenbach-Vorlesungen.

Radecki, Sigismund von. "Erinnerungen an Karl Kraus." In: SvR: Wie ich glaube. Köln und Ölten: Hegner 1953, S. 21–45.

Kommentar
Zahlreiche kleine Anekdoten über den Menschen K., von denen viele recht aufschlußreich scheinen. U. a. über K.'s Verhältnis zu Rilke, über sein schauspielerisches Talent, über seine Beziehung zur Kirche. K 959.

Roedl, Urban [= Bruno Adler]. "Ein Abend mit Franz Marc." Die Zeit 21. Nr. 10. 4. März 1966 (1966): S. 22.

Kommentar
Über ein Zusammentreffen von K. und Marc in München.

Torberg, Friedrich. "Zwischen Schmunzeln und Höllengelächter." Forum (Wien) l. 1954, Heft 4 (April) (1954): S. 18 f.

Kommentar
Darstellung der Wirkung K.'s auf den jungen Torberg und Erinnerungen an Begegnungen mit ihm (ab etwa 1930).

Torberg, Friedrich. "Er war genau so – und er war ganz anders. Persönliche Erinnerungen an Karl Kraus." Neue Zürcher Zeitung (1974-04-28): S. 51f.

Kommentar
Teilweise identisch mit dem Vorhergehenden; aufschlußreich.

Tucholsky, Kurt. Ausgewählte Briefe. 1913–1935. KT: Gesammelte Werke. Reinbek: Rowohlt 1962, 570 S.

Kommentar
S. 100 f. ein Brief an Siegfried Jacobsohn vom 9.3.1925 über K.'s Polemik gegen Jacobsohn (vgl. "Der Fall Jacobsohn", F 686/90, Mai 1925, S. 54–69) und über sein Verhalten gegenüber Marcel Ray. S. 262 die Anekdote, K. habe 1933 zu den nach Wien Emigrierten gesagt: Die Ratten betreten das sinkende Schiff! S. 359 f. eine sehr begeisterte Äußerung über die Berliner Vorlesung vom 5. Mai 1918. Vgl. auch 9.3.09 (Enseling).

Wolff, Kurt. Autoren. Bücher, Abenteuer. Betrachtungen und Erinnerungen eines Verlegers. Quarthefte. Berlin: Wagenbach 1965, 117 S.

Kommentar
Darin S. 75–99 Wolffs sehr informative Erinnerungen an K. aus den Jahren 1912 bis 1922, u. a. wichtig für K.'s Beziehungen zu Werfel, aber auch sonst sehr interessant. Identisch mit K 966, K 967. Vgl. 9.2.7.

Zenker, Ernst Viktor. Ein Mann im sterbenden Österreich. Erinnerungen aus meinem Leben. Reichenberg: Kraus 1935, 265 S.

Kommentar
S. 126: 1906/07 habe K. gemeinsam mit Otto Stoessl, Robert Scheu und Zenker eine Tageszeitung ohne fremdes Kapital gründen wollen. Zenker gilt im allgemeinen als verläßlich, doch wird man an dieser Mitteilung doch zweifeln dürfen.

Soyka, Otto. "Begegnungen mit Karl Kraus." Die Schau (Wien) 1. 1953. Nr. 19/20 (Oktober) (1953): S. 9 f., 21.

Kommentar
Soyka war zeitweise Mitarbeiter der "Fackel"; über diese Zeit (1904 bis 1913) berichtet der spätere 'Abtrünnige'. Er spricht dabei auch über Schattenseiten von K.'s Persönlichkeit; den Tisch, an dem K. im Cafe saß, nennt er einen totalitären Tisch. Recht interessant.

Kornauth, Egon. "Meine Erinnerungen an Karl Kraus." Freude an Büchern. Monatshefte für Weltliteratur (Wien) 5. 1954 (1954): S. 81 f.

Kommentar
Erinnerungen an Nestroy-Vorlesungen, die Kornauth 1916/17 begleitete, und an die Entstehung der Melodien nach Angaben des Vortragenden. 1918 habe K. es Kornauth freigestellt, als Begleiter zurückzutreten, wenn er sich politisch nicht exponieren wolle. Vgl. die oben angeführten Briefe; ferner 3.4.7 (Briefe Trakls an K.); 7.6.02.4 (Briefe von Franz Janowitz an K.); 7.6.08.1 (Briefe Rilkes an Sidonie Nádherny). Briefe von Eisner, Landauer, Liebknecht, Liliencron, Strindberg, Wedekind, Hugo Wolf und anderen an K. sind in der "Fackel" veröffentlicht worden. Erinnerungen an K. enthalten auch 6.3.3 (Rychner), 9.2.8 (Hiller) und 9.2.12 (Brod). Siehe auch 10.3.1 (Greve und Volke).

Jahoda, Martin. "Karl Kraus et son imprimeur." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 229 f.

Kommentar
Aufschlußreiche, wenn auch knappe Erinnerungen an das Verhältnis zwischen Kraus und Georg Jahoda und an die Entstehung des Gedichts An meinen Drucker.

Deutsch, Max. "Souvenirs d'un ami." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 202 f.

Kommentar
Ein Fürst Starhemberg habe Kraus um 1918 wegen der Letzten Tage der Menschheit geohrfeigt; in Paris habe Kraus nach seinen Vorlesungen Cocteau, Goll, Tzara, Poulenc und Milhaud kennengelernt.

Munzer, Zdenka. "Karl Kraus und Prag. Bemerkungen zu einer Briefsammlung." Aufbau (New York) 9. August (1974): S. 11 f.

Kommentar
Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über die Briefe an Sidonie Nádherný Erinnerungen an K.'s Beziehungen zu Prager tschechischen Intellektuellen, besonders zu Jan Münzer.

Kaus, Gina. Und was für ein Leben . Hamburg: Knaus 1979, 288 S.

Kommentar
Unergiebige und wohl auch unverläßliche Autobiografie einer Freundin von K. Dieser wird auf seine erotischen Vorlieben reduziert (siehe vor allem 122–132, 141 f.).

Rukschcio, Burkhard and Schachel, Roland. Adolf Loos. Leben und Werk. Veröffentlichung der Albertina. Salzburg: Residenz 1982, 696 S.

Kommentar
Die überaus genaue Dokumentation von Loos' Leben dokumentiert – fast ausschließlich aus schon veröffentlichten Quellen – auch die Beziehungen zwischen Loos und K., die einander spätestens 1897 kennengelernt haben dürften (37), und damit gelegentlich auch den weiteren Freundeskreis sowie Gemeinsamkeiten der Auffassungen (78, 118). Zum Teil scheinen Loos' Auftraggeber aus dem Kreis um K. gekommen zu sein (69 f.). Nicht weiter belegt wird die Behauptung, K. habe an den von Loos herausgegebenen "Richtlinien für ein Kunstamt" (1919) mitgewirkt (229). Durch ein Register erschlossen.

Salvesen, Hugh. "A Pinch of Snuff from Pandora's Box. New Light on Karl Kraus and Frank Wedekind." Oxford German Studies 12 (1981): S. 122–138.

Kommentar
Behandelt weniger die (durchaus auch ergänzend erläuterten) Beziehungen zwischen K. und Wedekind als die K.s zur Wiener Schauspielerin Bertha Maria Denk, die kurz mit Wedekind liiert gewesen war. Aus K.s Briefen an sie zwischen 1905 und 1908 wird ausführlich zitiert, mit interessanten Belegen für K.s literarischen Geschmack, insbesondere auch mit Empfehlungen K.s für neue Romane (136). Von mehreren Aphorismen wird eine Vorform aus den Briefen an B. M. Denk mitgeteilt. Bedenkenswert die Schlußfolgerung, daß K.s private Erfahrung mit Bertha Maria Denk und sein öffentliches Bild des 'Weibes' einander ergänzen und daß K. dieses Bild des 'Weibes', das von seiner persönlichen Erfahrung abwich, als das einer Bewahrerin natürlicher Werte für seine Satire benötigt hat (138).

Halliday, John. "Satirist and Censor: Karl Kraus and the Censorship Authorities during the First World War." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 174–208.

Kommentar
Ausführliche Darstellung der K. betreffenden Wiener Zensurverhältnisse, mit unveröffentlichtem Archivmaterial. Merkwürdigerweise hatte K. ab 1916, als insgesamt eine Lockerung der staatlichen Kontrollmaßnahmen eingetreten war,größere Schwierigkeiten mit der Zensur als vorher (188). Bis dahin hatte K. mit dem Pressestaatsanwalt Hager immer tragbare Kompromisse erzielen können. Offensichtlich genoß K. auch den Schutz hoher Beamter und/oder Offiziere,möglicherweise auch Schobers (191).

1.3 – Zur Persönlichkeit

Nunberg, Herman and Federn, Ernst, ed. Minutes of the Vienna Psychoanalytic Society. Bd. 2: 1908–1910. New York: International Universities Press 1967, XV + 582 S.

Kommentar
Darin S. 382–393 in englischer Übersetzung das Protokoll der Sitzung vom 12. Januar 1910 über das Referat "The "Fackel"-Neurosis" von Fritz Wittels. Ergiebiger als dessen Versuch, K.'s Werk aus einer Neurose zu erklären, scheint die anschließende Diskussion, an der sich Freud beteiligte und in der eine sonst schwer faßbare Reaktion der Zeitgenossen auf K. sichtbar wird. Vgl. auch im 1. Band (1962) dieser Ausgabe, S. 195–201, die Diskussion über einen Beitrag Wittels' zur "Fackel" ("Weibliche Ärzte", F 225, Mai 1907).

Schick, Paul. "Der Satiriker und der Tod. Versuch einer typologischen Deutung." In: Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Wiener Stadtbibliothek 1856–1956. Wien: Jugend und Volk 1956, 200–231.

Kommentar
Geht von K.'s mehrfach verbürgter Angst vor dem Sterben aus, die auch bei Nestroy ähnlich ausgeprägt gewesen sei. Schick versucht, diese Scheu mit typischen Charakterzügen des Satirikers zu erklären: u. a. dem Fehlen primitiven Muts durch die von der Satire geforderte Reflexion; dem durchdringenden Blick, der den Tod aller Verklärung beraubt; der Diesseitsverbundenheit. Mit einigen Informationen über K.'s Testament und Bemerkungen zu seinem Charakter. S. 222 ff. über das Bild des Todes bei anderen Satirikern.

Viertel, Berthold. "Erinnerungen an Karl Kraus." Lynkeus (Wien) 1. 1949. Nr. 3 (1949): 16–20.

Kommentar
K 964. Weniger Erinnerungen als Urteile über K.'s Persönlichkeit und Werk. Vgl. zur Persönlichkeit u.a. auch 1.1.1.8 und 3.1.03 (Canetti) sowie 3.1.02 (Benjamin).

Mitscherlich-Nielsen, Margarete. "Sittlichkeit und Kriminalität. Psychoanalytische Bemerkungen zu Karl Kraus." Text + Kritik (2.3.2): S. 21– 38.

Kommentar
Versuch einer psychoanalytischen Darstellung von K.s Persönlichkeit. Angesichts der weitgehenden Unbekanntheit von K.s Biografie scheint die Vorgangsweise bedenklich. Viele Behauptungen – etwa daß die Sprache für K. eine Art erotisiertes Übergangsobjekt zur Überwindung von Trennungsängsten gewesen sei (32) – können nicht überzeugen, andere sind nicht verifizierbar. Doch ist es ein Verdienst, das Bild völliger seelischer Gesundheit (25), das K. und die K.-Hagiografie entworfen haben, in Frage zu stellen und auf unheimliche Aspekte von K.s Persönlichkeit hinzuweisen, ob nun die posthume Diagnose Melancholie (21) stimmt oder nicht. Im Detail nicht sehr exakt.

2 – Gesamtdarstellungen

Fischer, Jens Malte. Karl Kraus. Sammlung Metzler. Stuttgart: Metzler 1974, 80 S.

Kommentar
Eine nüchterne Zusammenstellung der gesicherten Fakten zu Leben und Werk, die bewußt auf neue Thesen verzichtet. Einzelne Angaben scheinen durch die Ausgabe der Briefe an Sidonie Nádherny revisionsbedürftig. Eine sehr brauchbare, faktenreiche Einführung mit Hinweisen auf den Stand und auf die Aufgaben der Forschung. Reichhaltige Literaturangaben.

Iggers, Wilma Abeles. Karl Kraus. A Viennese Critic of the Twentieth Century. Den Haag: Nijhoff 1967, XVII + 248 S.

Kommentar
Nahezu unveränderte Veröffentlichung einer amerikanischen Dissertation von 1952 (K 918); die seither erschienene Literatur wurde nicht berücksichtigt. Versucht eine Zusammenschau der ästhetischen und vor allem der sozialen sowie politischen Ideen von K. (u. a. auch seiner Stellung zum Judentum), berücksichtigt aber die formale Seite seiner Satire so wenig, daß K. letztlich nur als ein Journalist unter anderen erscheint. Der dem Gegenstand gegenüber kritische Standpunkt ist manchmal anregend, oft aber bloß unbegründet. Vgl. die Rezension von Helmut Kühn in: Historische Zeitschrift 209. 1969. S. 566, sowie 0.4.2 (Scheichl).

Kohn, Caroline. Karl Kraus. Le polemiste et l'ecrivain, deienseur des droits de l'individu. Germanica. Paris: Dicher 1962, 425 S.

Kommentar

Kohn, Caroline. Karl Kraus. Stuttgart: Metzier 1966, IX + 353 S.

Kommentar
Überarbeitete deutsche Fassung des Vorigen. Unkritisch und im Tone der Bewunderung werden inhaltliche Paraphrasen der Polemiken aneinandergereiht, für deren Form die Verfasserin so wenig Sinn hat wie für deren tiefere, oft komplexe Beweggründe. Der Schwerpunkt liegt – auch das problematisch – auf dem politischen Bereich, wobei die 'reaktionäre' Komponente von K.'s Denken verdrängt wird. Zahlreiche Behauptungen werden nicht belegt; andere sind falsch. Auch der Versuch, K.'s Stellung innerhalb der deutschen Geistes- und Literaturgeschichte zu bestimmen, ist mißglückt. Im ganzen, trotz den Verbesserungen gegenüber der französischen Ausgabe, sehr oberflächlich und unverläßlich, wenn auch bisher noch durch keine andere ebenso materialreiche Arbeit ersetzt. Am nützlichsten einige Informationen zur Biographie (offenbar auf privaten Mitteilungen beruhend) und über den Nachlaß (15 ff.). Vgl. die Rezensionen von Timms (0.4.3); Wagenknecht (0.5.2); Klaus Völker ("KK im Dienst der ewigen Werte"), in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Oktober 1966. Literaturblatt S. 4; Donald G. Daviau, in: Germanic Review 42. 1967. S. 156–158.

Kraft, Werner. Karl Kraus. Beiträge zum Verständnis seines Werkes. Salzburg: Otto Müller 1956, 367 S.

Kommentar
Keine geschlossene Darstellung, sondern eher eine Reihe von Einzeluntersuchungen (die zum Teil bereits anderwärts publiziert worden waren). Schwerpunkte sind K.'s Werk vor 1914 und die Lyrik, die im Werk die gleiche Funktion wie die Sprache selbst, die eines Maßstabs, habe (180). Kraft arbeitet die Bedeutung der Jugenderlebnisse für K. heraus, stellt in einem besonders gelungenen Abschnitt die Beziehungen zu Weininger dar und gibt schließlich eine Reihe von Einzelinterpretationen von Gedichten, wobei er besonders Motivwiederholungen nachgeht. Auf die Lyrik kommt er auch dort zu spredien, wo man es nicht erwartet: von ihr aus versucht er das Werk aufzuschließen. Wichtige Kapitel über "Nestroy und die Nachwelt", "Heine und die Folgen" und die Sprachauffassung. Das sehr subjektive, aber doch nicht kritiklose Buch betont richtig die nichtgesellschaftlichen Grundpositionen K.'s (Ursprung). Auch wenn ein Wissenschaftler heute mandies anders sagen müßte, so ist das Buch doch an Verständnis für seinen Gegenstand kaum zu übertreffen. Vgl. die Rezension von Fritz Schalk, in: Euphorion 53. 1959. S. 223 bis 226; 3.1.12 (Goldmann).

Liegler, Leopold. Karl Kraus und sein Werk. Wien: Lányi 1920, 435 S.

Kommentar
Unter den Abbildungen zwei Fahnen aus den "Letzten Tagen" mit K.'s Korrekturen. Nach wie vor nicht überholt. Das Buch ist nicht, wie manchmal behauptet wird. von K. 'autorisiert'; es ist allerdings in einer Zeit entstanden, in der Liegler eng mit K. zusammenarbeitete. Im ersten Teil werden die historisch-sozialen Voraussetzungen von K.'s Werk dargestellt, mit besonderer Berüdcsichtigung der österreichischen Presse. Unter dem Titel "Persönlichkeit" werden dann die Grundlinien des offenen Systems von K.'s Denken nachgezeichnet. Besonders wichtig die Darstellung seiner Sprachauffassung mit Hinweisen auf Parallelen im Sprachdenken der Romantik, mit einer exemplarischen Darstellung des Geflechts sprachlicher Assoziationen am Beginn von "In dieser großen Zeit", mit der vorsichtigen Einführung des – freilich problematischen – Begriffs Sprachmystik (312). Liegler zeigt auch den bedeutungstragenden Aufbau der "Fackel"-Hefte und der Gedichtbände. Im ganzen läßt sich dieser Versuch einer Systematisierung von K.'s Denken auch heute noch mit Gewinn benützen; der Mangel an Distanz, der Irrationalismus und manche zeitgebundene Schwächen werden durch die genaue Kenntnis des Werkes und das feine Verständnis des Verfassers aufgewogen.

Rollett, Edwin. "Karl Kraus." In: Deutsch-österreichische Literaturgeschichte. 4. Band: Von 1890 bis 1918. Hrsg. v. Johann Willibald Nagl, Jakob Zeidler, and Eduard Castle Wien: Fromme 1937, 1909–1930.

Kommentar
Sieht in K. vor allem den publizistischen Kämpfer, den Ethiker und Kulturkritiker, warnt jedoch vor einseitigen politischen Deutungen seines Werkes. Wenig über Form und Sprachthematik. Im ganzen eine saubere, Problemen aber aus dem Weg gehende Einführung, die heute nur mehr wenig zur Erkenntnis von K. beitragen kann.

Schick, Paul. Karl Kraus in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rowohlts monographien. Reinbek: Rowohlt 1965, 168 S.

Kommentar
Zugleich liebevolle und sachliche Darstellung, die neben vielen biographischen Informationen auch wichtige Ansätze zur Interpretation des Werkes enthält, dessen im Grunde religiös-metaphysischer Charakter immer wieder betont wird. Im Gefolge Lieglers wird K. vor allem als Ethiker gesehen. die Verstrickung des Satirikers in die konkreten, auch politischen Konflikte der Zeit wird hier etwas zurückgedrängt, um die Werte herauszuarbeiten, die er durch seine Satire zu bewahren versuchte. Obwohl der Verfasser auf diese Weise einigen umstrittenen Fragen ausweicht, bleibt dieses Buch die informativste und verläßlichste Gesamtdarstellung neben J. M. Fischer (2.1.01), dem Schick sein Engagement voraus hat. Vgl. 0.4.3 (Rezension von Timms).

Weigel, Hans. Karl Kraus oder die Macht der Ohnmacht. Glanz und Elend der Meister. Wien: Melden 1968, 3 43 S.

Kommentar
Das im Grunde journalistische und in vielen Einzelheiten anfechtbare Buch ist doch geeignet, in manchem die Diskussion anzuregen, etwa in der Grundannahme, K.'s Werk sei einerseits aus seinem unerfüllten Schauspielertum zu erklären, andererseits aus seiner materiellen Unabhängigkeit. Am interessantesten sind die Passagen über K. und das Theater, K. und das Judentum sowie K. und die Monarchie (167 ff.). Schwierigeren Problemen geht das gut lesbare Buch meist aus dem Weg; dafür zahllose Detailinformationen. Ohne Quellenangaben bei den Zitaten und ohne Namensregister. Vgl. die Rezensionen von Arntzen (7.1.02), Cysarz (3.1.04), Müller (0.5.1) und Krolop, in: Germanistik 10. 1969. S. 195 f.

Weigel, Hans. Karl Kraus oder die Macht der Ohnmacht. dtv-Taschenbücher. München: dtv 1972, 359 S.

Kommentar
Im Text mit dem Vorhergehenden identisch, jedoch ohne Bildteil, dafür mit einem in der Originalausgabe fehlenden Namensregister.

Zohn, Harry. Karl Kraus. Twayne's World Authors Series. New York: Twayne 1971, 178 S.

Kommentar
Eine kurze Einführung in Persönlichkeit und Werk für ein amerikanisches Publikum. Das nüchterne und in den Fakten recht verläßliche Buch verzichtet weitgehend auf Interpretationen und ist dadurch in Abschnitten wie "Presse" und "Sprache" etwas oberflächlich. Auch formale Probleme werden kaum berücksichtigt. Auf S. 157 bis 165 sind ausgewählte Aphorismen übersetzt. Vgl. die Rezensionen von Franz H. Bäuml in: Modern Austrian Literature 6. 1973. Heft 1/2. S. 225– 227; Wagenknecht, in: Germanistik 15. 1974, S. 456; Erika A. Theobald, in: Monatshefte 65. 1973. S. 81 f. Vgl. 0.3.2 (Jenaczek) und 7.4.1.1 (Field).

Alker, Ernst. "Karl Kraus." Schweizer Monatshefte 48. 1968/69 (1968): 1044–1050.

Kommentar
Knapper Überblick über K.'s Werk und die Sekundärliteratur. die Wider-sprüche zwischen seiner urtümlich konservativen Gesinnung und seinen politischen Stellungnahmen seien im Grunde Widersprüdie zwischen dem ethischen Gelühl des Moralisten und seiner prophetischen Klarsicht, was besonders im "Nachruf" feststellbar sei.

Arntzen, Helmut. "Exkurs über Karl Kraus." In: Deutsche Literatur im 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Hermann Friedmann and Otto Mann Heidelberg: Rothe 1961, 244–255.

Kommentar
Dasselbe u. d. T.: Karl Kraus oder Satire aus Sprache in 7.1.03 (Arntzen), S. 203– 216. Satire und Sprachglaube bedingen sich wechselseitig. Eingehend über K.'s Technik des Zitierens. In der Lyrik werde der Sprachglaube zum Problem, weil die reine Sprache nur in der Negation beschworen werden könne, aber nicht real existiere. Bemerkungen zum 'Natur'-Begriff (252) und zur "Dritten Walpurgisnacht".

Cases, Cesare. "Karl Kraus." In: CC: Stichworte zur deutschen Literatur. Wien: Europa 1969, 179–194.

Kommentar
Die apokalyptische Schau K.'s; seine Auffassung von der durch die bürgerliche Zivilisation geschändeten Natur; sein nicht irrationaler Ursprungs-Begriff; seine Sprachauffassung; der experimentelle Charakter seines Werks (Gattungswechsel). Besonders wichtig in diesem sehr konzentrierten Aufsatz die abschließende Kritik an der "Dritten Walpurgisnacht". Übersetzung des Folgenden.

Cases, Cesare. "Karl Kraus: La parola e l'apocalissi." Lo Spettatore Italiano 9. 1956 (1956): 393–399.

Kommentar

Cases, Cesare. "Karl Kraus." In: CC: Saggi e note di letteratura tedesca. Turin: Einauch 1963, 176–190.

Kommentar
Wiederabdruck des Vorhergehenden.

Cysarz, Herbert. "Karl Kraus." In: Neue Österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. 16. Band. Wien: Amalthea 1965, 153 bis 169.

Kommentar
Nicht unkritische geistesgeschichtliche Würdigung, die K. vor allem an Nietzsche mißt. Behandelt die politischen Vorstellungen, die Sexualthematik und die Sprachprobleme, übergeht dagegen alle formalen Fragen. Einige brillante Formulierungen; im ganzen eher oberflächlich. Am interessantesten die Einwände gegen K.

Heidemann, Christel. "Karl Kraus." In: Deutsche Publizisten des 15. bis 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Heinz-Dietrich Fischer München-Pullach: Dokumentation 1971, 337–345.

Kommentar
Auszüge aus der Dissertation der Verfasserin (5.2.2), vor allem aus den allgemeinsten Kapiteln.

Heller, Erich. "Karl Kraus (1954)." In: EH: Studien zur modernen Literatur. Frankfurt: Suhrkamp 1963, 53–90.

Kommentar
Identisch mit K 20 und K 2061. Geht von dem Konfuzius-Zitat über die Sprache – das K. von Heller erfahren hatte – und von K.'s Sprachauffassung aus, welche die Distanziertheit des Gefühls vom Gedanken (58) in der Sprache der Zeit nicht akzeptiert und in seinen präzisen Worten die gleichzeitige Gegenwart aller Erlebnisschichten verwirklicht habe (59). diese Beziehung zur Sprache, die sittliche Radikalität und der natürliche Konservativismus eines österreichischen Aristokraten aus der Zeit vor 1848 (64) seien grundlegend für K., den Feind aller Ideologien. Seine satirische Methode wird als die Kontrastierung der Realität mit einer natürlichen Ordnung von Normen des menschlichen Betragens (67) definiert, vor der jene nicht bestehen kann. Für K. gebe es in moralischen Dingen kein psychologisches Verstehen, sondern nur ein absolutes ,'Ja. Ja' oder 'Nein, Nein'. In Zusammenhang mit den „Letzten Tagen" geht Heller auf die von K. erkannte Kluft zwischen dem geistigen und seelischen Vermögen des modernen Menschen und der Wirklichkeit, die er geschaffen hat, ohne ihr geistig und seelisch gewachsen zu sein (73), ein. Einiges über die Lyrik und das "Theater der Dichtung". Siehe zu diesem Aufsatz 7.6.01.2 (Sailer).

Heller, Erich. "Karl Kraus: THE LAST DAYS OF MANKIND. (1948)." In: EH: The Disinherited Mind. Cleveland: The World Publishing Co. 1959, 233–256.

Kommentar
Identisch mit K 195, weitgehend gleich mit dem Vorhergehenden. Bemerkenswert die Formulierung über die Verschmelzung von Spontaneität und Subtilität, von sittlicher Integrität und intellektueller Komplexität bei K. (238).

Krolop, Kurt. "Dichtung und Satire bei Karl Kraus." In: Karl Kraus: Ausgewählte Werke. Hrsg. von Dietrich Simon, 3. Band. München: Längen-Müller 1971, 651–691.

Kommentar
Eine sehr ausgewogene, alle Seiten von K.'s Werk einbeziehende Darstellung. Sie betont seine progressiven Züge, weist aber auch auf die Gefährlichkeit seiner Vorstellung vom natürlichen Menschen hin. Sein Wirklichkeitssinn wird als Korrektiv seiner – ausführlich behandelten – Ursprungsvorstellung gewürdigt. Viel über formale Fragen, z. B. den Formenreichtum des Werks und das Problem Satire/Polemik.

Krolop, Kurt. "Dichtung und Satire bei Karl Kraus." In: Kurt Krolop und dietrich Simon: Kommentare zu Karl Kraus. Beiheft zur dreibändigen Karl-Kraus-Auswahl. Berlin (DDR): Volk und Welt 1971, 89–127.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Mautner, Franz H. "Karl Kraus. Zu seinem 100. Geburtstag." In: Views and Reviews of Modern German Literature. Festschrift for Adolf D. Klarmann. Hrsg. v. Karl S. Weimar München: Delp 1974, 188–194.

Kommentar
K.'s Bedeutung liege in seiner Kulturkritik, in seinem satirischen Werk und in der Weitergabe seiner Erfahrung der Sprache. Seine Auffassung der Sprache als unmittelbarer Vergegenwärtigung in 'guter Dichtung', als Anlaß unmittelbar gedanklicher Erkenntnis und als Prüistein ethischer und intellektueller Wahrhaitigkeit habe im besonderen weitergewirkt. Eine knappe, aber textnahe und sehr ausgewogene Präsentation der wichtigsten Aspekte von K.'s Werk.

Mautner, Franz H. "Karl Kraus. Zu seinem hundertsten Geburtstag." Neue Zürcher Zeitung (1974-04-28): S. 51.

Kommentar
Kürzere Fassung des Vorhergehenden.

Mayer, Hans. "Karl Kraus (1957)." In: HM: Der Repräsentant und der Märtyrer, Konstellationen der Literatur. Frankfurt: Suhrkamp 1971, 45–64.

Kommentar
In Einzelheiten problematisch und nicht immer exakt; im ganzen sehr anregend. Wesentlich der Hinweis auf die Ursprungsidee und ihre Verankerung in K.'s Jugenderlebnissen, auf die Dialektik von Ursprung und Untergang, auf die Besonderheit seiner Idee vom Epigonentum, auf die Zugehörigkeit K.'s als einer zeittypischen 'unzeitgemäßen Existenz' zu seiner Zeit (in Analogie zu George). Interpretiert das Epigramm "Nach Goethe".

Mayer, Hans. "Karl Kraus und die Nachwelt." Sinn und Form 9. 1957 (1957): 934–949.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden und mit K 1039.

Missac, Pierre. "Karl Kraus." Critique 20. 1967 (1967): 912–934.

Kommentar
Berührt viele Aspekte; im ganzen oberflädilich. Am interessantesten die Bemerkung über K.'s nicht revolutionäre, sondern eher noch anarchistische Grundhaltung und über den totalitären Charakter seiner Sprachauffassung. Eigentlich eine Sammelrezension (Kösel-Ausgabe; Kraft; Kohn; Schick), als solche wenig ergiebig.

Naumann, Michael. Der Abbau einer verkehrten Welt. Satire und politische Wirklichkeit im Werk von Karl Kraus. Schriftenreihe zur Politik und Geschichte. München: List 1969, 221 S.

Kommentar
Der Schwerpunkt liegt trotz dem angeblich politikwissenschaftlichen Ansatz (aus der Schule E. Voegelins) auf der literarischen Interpretation. K.'s Werk wird aus der existentiellen Offenheit des Verfassers zur Welt (11) erklärt, aus seiner Erfahrung des Widerspruchs zwischen der Realität und den durch Apperzeptionsverweigerung zu kennzeichnenden sozialdominanten Ideologien. Auch andere wertvolle Beobachtungen, z. B. zu K.'s Verständnis der Phantasie als eines rationalen Instruments (75) und zu den apokalyptischen und utopischen Zügen des Werks (150 ff.). Ober Einzelheiten von K.'s Reaktionen auf die Politik erfährt man dagegen wenig (am wichtigsten S. 165 ff. über "Dritte Walpurgisnacht"). Leider ist das sehr anregende Buch methodisch problematisch, mit einer Fülle von irrelevanten Assoziationen und Lesefrüchten überladen und gelegentlich unleidlich formuliert. Vgl. die Rezension von J. M. Fischer in: Germanistik II. 1970. S. 817 f.

Pfeiffer, Johannes. "Beispiel für Satire: Karl Kraus." In: Deutsche Literatur im 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Hermann Friedmann and Otto Mann Heidelberg: Rothe 1956, 418–133.

Kommentar
Identisch mit K 1387, K 1710. Die widersprüchliche politische Entwicklung K.'s sei nur Oberflächenerscheinung; wesentlich sei die Ursprungsvorstellung, die durch 'Natur', 'Weib' und 'Geist' bestimmt wird. Es folgen Beobachtungen zur satirischen Technik, besonders zum Wortspiel und zu den Epigrammen, der normative Grundsinn dieses Lebenswerkes verbiete den Vorwurf einer verneinenden Haltung, doch fehle K. letztlich der Glaube. Einige Bemerkungen zu seiner meditierenden Lyrik, der alle gegenständlichen Eindrücke zur transparenten Zeichenschritt werden. Im ganzen ein nicht zu unterschätzender Beitrag.

Pötschke, Joachim. "Karl Kraus. Spruch und Widerspruch." In: Karl Kraus: Polemiken, Glossen, Verse und Szenen. Leipzig: Reclam 1971, 297–316.

Kommentar
Eine kritisch distanzierte Würdigung aus marxistischer Sicht, die die idealistische Verzerrung von K.'s Perspektive und deren gesellschaftliche Ursachen herauszuarbeiten versucht. Betont die hoffnungsvollen Elemente seiner Satire und den, vor allem in den Glossen, mehr publizistischen als literarischen Charakter des Werkes, das auch viele gesellschaftlich bedeutsame Widersprüche dargestellt habe und von einem unbedingten humanistischen Ideal zeuge.

Schick, Paul. "Form und Gedanke." In: Karl Kraus. Zum 100. Geburtstag. (Katalog der) Ausstellung der Stadt Wien. Wien: Stadtbibliothek 1974, [S. 6–121.

Kommentar
Nach einer Polemik gegen die neuere K.-Literatur geht der gehaltvolle Aufsatz auf das Problem von 'Meinung' und 'Gedanke' bei K. ein, das bei jeder Untersuchung bedacht werden müsse; auf den Zusammenhang der Gedanken mit der Wortwahl (und dabei auf die Rolle des Korrekturenlesens für die Gedankenfindung); auf die Hauptformen des Werkes: Aphorismus, Glosse, Gedicht (welches nicht allein auf das Sidonie-Erlebnis zurückgeführt werden dürfe), auf die Dramen und schließlich auf die späten Essays, deren Stil durch den Vortrag bestimmt sei. Auch neue Informationen zu den Umarbeitungen der "Letzten Tage" und zur Entstehungszeit von "Traumtheater" (1912!). Im Mittelpunkt steht K.'s ethisches Wollen.

Simon, Dietrich. "Karl Kraus. Stimme gegen die Zeit." In: Kurt Krolop und DS: Kommentare zu Karl Kraus. Beiheft zur dreibändigen Karl-Kraus-Auswahl. Berlin (DDR): Volk und Welt 1971, 3–88.

Kommentar
Eine, analog der Ausgabe, bis 1932 reichende Darstellung der Entwicklung von K., ebenso interessant wie einseitig. Wertvoll das Hintergrundsmaterial zu einigen Texten (z. B. zur ersten Kerr- und zur Piscatorpolemik). Problematisch der Versuch, eine Geschichtstheorie von K. zu konstruieren; wichtig dagegen das Bemühen, Parallelen zwischen der jeweiligen politischen Situation und der Haltung K.'s aufzuzeigen, besonders in den Kriegsjahren (52 ff.). Einige Deutungen wirken überspitzt; so wird der Heine-Essay als Standortbestimmung gegenüber der kapitalistischen Gesellschaft verstanden. Sowohl im positiven – K. habe die Entfremdung […] als menschenfeindliches Produkt der spätbürgerlichen Gesellschaft interpretiert (4) – wie im negativen Urteil – die Grenzen seiner Erkenntnis seien in der Verabsolutierung von Teilstücken des Geschichtsverlaufs gelegen (17) – bedenkenswert.

Simon, Dietrich. "Nachwort." In: Karl Kraus: Aphorismen und Gedichte. Auswahl 1903–1933. Berlin (DDR): Volk und Welt 1974, S. 429–157.

Kommentar
Ein konsequenter Versuch, K.'s Werk aus seinen sozialen Voraussetzungen, aus K.'s Ausgeschlossenheit von der Wiener Gesellschaft zu erklären. Die Aphorismen seien in ihrer Abstraktheit die deutlichste literarische Entsprechung zu Karl Kraus' Isolation in der Gesellschaft (446); der Übergang zu Lyrik und Sprachtheorie habe ebenfalls gesellschaftliche Ursachen. Die Idee des 'Ursprungs' sei als klassenindifferenter Fixpunkt (450) des Satirikers zu verstehen. Einige Hinweise auf die Beziehungen Brechts zu K. und auf die marxistische K.-Rezeption. Gelegentlich konstruiert, geht kaum auf die Texte ein, im ganzen jedoch sehr anregend.

3.1 – Deutungsversuche

Becher, Hubert. "Karl Kraus." Stimmen der Zeit Band 168. 1960/61 (1960): S. 23–35.

Kommentar
Ziemlich verständnislos. Interessant als eine der wenigen katholischen Stimmen, die K, trotz partiellem Lob, ablehnen, da ihm jede echte Beziehung zum Christentum fehle.

Benjamin, Walter. "Karl Kraus (1931)." In: WB: Über Literatur. Frankfurt: Suhrkamp 1969, S. 104–139.

Kommentar
An zahlreichen anderen Orten gedruckt: vgl. K 1343, K 2033. Einer der schwierigsten, zugleich aber auch wichtigsten Aufsätze über K. Benjamin betont vor allem das Dämonische und Irrationale an K., der als Allmensch, als Dämon und als Unmensch gedeutet wird. Von Benjamins Einsichten seien genannt: die Parallele des Bestrebens, Kunst und Information voneinander zu trennen, zum Denken von Adolf Loos; die Verbundenheit mit der österreichischen Tradition, wie sie besonders in Stifter ausgeprägt ist; K.'s mimisches Genie; der Bezug zum verachteten Expressionismus; die Blindheit des Naturverhafteten gegenüber dem soziologischen Bereich; der anarchische Zug seiner Liebe zu Offenbach; der Zusammenhang seiner Lyrik mit dem bürgerlichen Lesebuch, dessen Epigone K. sei; die Verlegung des 'Ursprungs' in das Goethesche Weimar. Manches ist überspitzt, manches zu sehr von Benjamins Voraussetzungen bestimmt. Im ganzen jedoch fast unerschöpflich in seinen Anregungen und Einsichten. Über den Essay und das Verhältnis K.-Benjamin siehe jetzt 7.6.00.2 (Kraft), S. 231–244.

Canetti, Elias. "Karl Kraus, Schule des Widerstands." In: EC: Macht und Überleben. Berlin: Literarisches Colloquium 1972, S. 25–37.

Kommentar
Identisch mit K 1747. Einer der eindringlichsten Berichte über die Wirkung von K., besonders auch im Vortragssaal. Hauptmittel dieser Wirkung seien Wörtlichkeit und Entsetzen gewesen. Betont K.'s Gefühl absoluter Verantwortlichkeit. Andrerseits spricht Canetti vom Mangel an über den Satz hinausreichenden Strukturen bei K., von der Verwandlung der Vorlesungsbesucher in eine Hetzmasse und vom Verzicht auf eigenes Urteilen, den K.'s Werk seinen Lesern aufzwang. Vgl. 1.1.1.8 (Canetti).

Canetti, Elias. "Warum ich nicht wie Karl Kraus schreibe." Wort in der Zeit (Graz) 12. 1966. Heft 1 (1966): S. 41–47.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Canetti, Elias. "Karl Klaus. Schule des Widerstandes." In: Aufforderung zum Mißtrauen. Literatur, Bildende Kunst, Musik in Österreich seit 1945. Hrsg. v. Otto Breicha and Gerhard Fritsch Salzburg: Residenz 1967, S. 432–441.

Kommentar
Identisch mit den Vorhergehenden.

Cysarz, Herbert. "Glossen zu Karl Kraus bei Gelegenheit einer neuen Monographie." Modern Austrian Literature 3. 1970. Heft 2 (1970): S. 43 bis 47.

Kommentar
Eine knappe Würdigung K.'s, der im ganzen doch ein Epigone Zarathustras genannt werden müsse. Das "Theater der Dichtung" sei sein schattenlosestes Werk. Anschließend einige positive Bemerkungen zur Monographie Weigels (2.1.09).

Engelmann, Paul and Elazar Benyoetz, ed. Dem Andenken an Karl Kraus (1949). Wien: Kerry 1967, 60 S.

Kommentar
K 938. Enthält u. a. Paul Engelmann: Dem Andenken an Karl Kraus; die Sprache des Dichters; die unverstandene Botschaft des Satirikers Karl Kraus, Joseph Markus: Sprache und Ursprung. Von Werner Kraft zwei Vorstufen zu seinem K.-Buch von 1956. Die Essays, durchwegs von Bewunderung für K. erfüllt, sind trotz ihrer Subjektivität anregend; sie berühren Probleme von K.'s Sprachdenken, seine Auffassung von der Presse und seine Untergangsmetaphorik.

Engelmann, Paul. Ludwig Wittgenstein. Briefe und Begegnungen. Wien und München: Oldenbourg 1970, 127 S.

Kommentar
Originalfassung von K 2113. Darin S. 101–110 Kapitel VII: Kraus, Loos, Wittgenstein. Zeigt geistige Beziehungen Wittgensteins zu K. (in Hinblick auf die Identität von Ethik und Ästhetik) und sieht in beiden sowie in Loos schöpferische Separatoren, die Höheres (Kunst) vom Niederen (Handwerk, Information) trennen und dadurch befreien.

Ficker, Ludwig von. Denkzettel und Danksagungen. Aufsätze. Reden. München: Kösel 1967, 360 S.

Kommentar
Enthält alle Aufsätze Fickers über Kraus (welche durchwegs zuerst im "Brenner" erschienen sind). Vieles darin ist sehr allgemein gehalten und heute vor allem als Dokument der Wirkung von K. wichtig, doch enthält der Band auch bedeutende Einsichten: schon 1913 sieht Ficker die Nähe von K.'s Satire zur Lyrik (19); er zieht eine Parallele zwischen K. und Leon Bloy (124); besonders wichtig die Vermutung, K. habe mit Trakl im Grunde nichts Rechtes anzufangen gewußt, denn er liebt die idealen, die klassisch aufgeräumten Geisteshorizonte (119). In den Anmerkungen viel Material zu den Beziehungen zwischen K. und dem "Brenner". Vgl. auch 1.1.1.3 (Picker).

Fischer, Ernst. "Karl Kraus." In: EF: Von Grillparzer zu Kafka. Sechs Essays. Wien: Globus 1962, S. 209–229.

Kommentar
Eine sehr differenzierende Deutung aus marxistischer Sicht. K.'s Haltung wird als die eines romantisch Revoltierenden definiert, der die Entfremdung im Kapitalismus erlebt, aber als Gegenbild zu ihr den großen romantischen Traum vom Goldenen Zeitalter geträumt habe. Seine antipolitische, ästhetische Weltanschauung habe den verfaulenden Kapitalismus nicht als Ursache der allgemeinen Verwesung durchschaut. Trotz dieser kleinbürgerlichen Verneinung der Politik dürfe man den Wert von K.'s Kampf nicht unterschätzen, da sich aus der ökonomischen nicht automatisch die geistige Umwälzung ergebe, zu der er einiges beitragen könne. Im Schlußteil Beobachtungen zu den "Letzten Tagen", vor allem zur Sprache in diesem Drama.

Forst de Battaglia, Otto. "Karl Kraus (1961)." In: OFB: Abgesang auf eine große Zeit. Wien: Herold 1967, S. 32–17.

Kommentar
Identisch mit K 2290. Gedenkessay zum 25. Todestag. Nimmt K. für eine konservative Position in Anspruch; von der katholischen Kirche habe ihn nur seine Auffassung von der Geschlechtsmoral getrennt. Wenig ergiebig.

Franzel, Emil. "Karl Kraus, ein diener am Wort." Neues Abendland 8. 1953 (1953): S. 139–146.

Kommentar
Behandelt vor allem K.'s Entwicklung im Bereich der Politik, in dem er seine Urteile, unbeirrt durch politische Taktik, aus unmittelbarer Evidenz besaß. K. wird auch hier einem katholisch-konservativen Standpunkt angenähert, doch ist die Arbeit sehr differenziert. Franzel hat sehr viel – und sehr viel Richtiges – über K. geschrieben, besonders über sein Verhältnis zur Politik; die Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit sind meist die überzeugenderen. Einige Beiträge zum Prager "Sozialdemokrat" wurden in der "Fackel" nachgedruckt. Vgl. die Nachweise bei Kerry. Siehe auch unten 3.1.38.

Fürnberg, Louis. "Zu einem Vorleseabend aus Werken von Karl Kraus [1941]." Weimarer Beiträge [13], 1967 (1967): S. 373–375.

Kommentar
K. war ein typisches Produkt der bürgerlichen Epoche, die ihren Geistern das Odium des Außenseiters der Gesellschaft auferlegte, ein Odium, das sie um so lieber ertrugen, als es ihnen die Scheinfreiheit der Anarchie gestattete […] (374).

Fürnberg, Louis. "Zu einem Vorleseabend aus Werken von Karl Kraus. (1941)." In: LF: Reden. Aufsätze. Literatur und Kunst. Berlin (DDR) und Weimar: Aufbau 1971, S. 35–38.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Goldmann, Lucien. "Un grand polemiste: Karl Kraus (1945, 1957)." In: LG: Recherches dialectiques. Paris: Gallimard 1959, S. 229–238.

Kommentar
In der deutschen Übersetzung des Buches (Neuwied 1966) ist der K.-Aufsatz nicht enthalten. Wiederabdruck von K 2055 und K 1073. Goldmann sieht in K. einen großen Reaktionär, der auf die Ideale Goethes und Schillers festgelegt sei. Daraus erklärten sich seine Hoffnungslosigkeit und seine Isolierung, die wiederum seine Unduldsamkeit verständlich machten. Trotz Kritik an K.'s politischer Position sieht Goldmann in ihm einen der wichtigsten deutschen Intellektuellen seiner Zeit und einen Vertreter des Humanismus. Der zweite Teil eine Rezension von Krafts Buch (2.1.04).

Haensel, Ludwig. "Karl Kraus." Hochland 32. 1934/35. Halbband I (1934): S. 237–250.

Kommentar
K 2056, K 2057. Ein schönes Zeugnis für die Wirkung K.'s auf einen, der in vielem andere Positionen einzunehmen scheint. Besonders wertvoll der Nachweis von K.'s Verwurzelung im klassischen Liberalismus. Hinweise auf Beziehungen zu Nietzsche, Wilde und anderen.

Hanser, Richard. "Karl Kraus: A Torch-Bearer for His Time." American-German Review 34. 1967/68. Nr. 5 (1967): S. 24–27.

Kommentar
Ziemlich belanglos. Im letzten Viertel einige Bemerkungen zum Buch Fields (7.4.1.1).

Hartwich, Alexander. "Anmerkungen zu Karl Kraus." Der Turm (Wien) I. 1945/46 (1945): S. 325 f.

Kommentar
Wenig tiefes essayistisches Bekenntnis zu K. (aus Anlaß des 10. Todestages).

Hatvani, Paul [= Paul Hirsch]. "Versuch über Karl Kraus." Literatur und Kritik 2. 1967 (1967): S. 269–278.

Kommentar
Gibt einen knappen Überblick über die wichtigsten Aspekte von K.'s Schaffen, das Hatvani unter dem Zeichen der totalen Satire zu stehen scheint. Damit habe K. ein Bezugssystem geschaffen, von dem er keine Abweichung dulde. Hatvani weist auch auf die Bedeutung der allerletzten "Fackel"-Hefte hin. Einiges über K.'s Verhältnis zur Politik und über die Gedichte.

Heller, Erich. Flucht aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Eine kulturkritische Skizze. Wien: Saturn 1938, 63 S.

Kommentar
Der Abschnitt III, S. 21–35, dieser vor allem Thomas Manns Joseph-Roman gewidmeten Studie versucht eine originelle Deutung K.'s, vor allem auch, aus dem unmittelbaren Eindruck heraus, seines Schweigens nach 1933. Hebt die Schlichtheit des reinen einfachen Gefühls für das, was die Welt sein soll, das alte 'Ja, ja' und 'Nein, nein' als Wesenszüge K.'s hervor.

Hennecke, Hans. "Einer gegen alle. Ein kritischer Versuch über Karl Kraus." Neue Deutsche Hefte 5. 1959 (1959): S. 974–988, 1081–1096.

Kommentar
Variiert immer wieder den Vorwurf der Weltlosigkeit. K.'s Konzentration auf Sprache und Satire gestatte kein substantielles und somit auch kein vielschichtiges Weltbild (1084). Eine der wenigen interessanten Passagen dieses K. gegenüber sehr kritischen Essays behandelt die problematische Anrufung Gottes durch den Satiriker (981 f.). Relativ ausführlich über die Lyrik. Als Korrektiv lesbar, jedoch sind die Maßstäbe Henneckes problematisch. Vgl. die ähnlichen Gedankengänge Siegfried Weitzmanns (8.09.1.5).

Kars, Gustav. "1874." Literatur und Kritik 9. 1974 (1974): S. 144–161.

Kommentar
Behandelt sehr umrisshaft Hofmannsthal, Schönberg, Schaukal und (S. 156–161) K. Am aufschlussreichsten die Kontrastierung Schaukal – K. (151 f.). K. wird unter dem Gesichtspunkt seines Verhältnisses zu Freud, zu Nietzsche und zu Marx gedeutet. Trotz einer gewissen Oberflächlichkeit recht anregend.

Krenek, Ernst. "Karl Kraus †." Der christliche Ständestaat (Wien) 3. 1936 (1936): S. 593f.

Kommentar
Betont das vom Vormärz geprägte unerhört hohe Idealbild des Österreichertums bei K., einen bis heute nicht ausreichend analysierten Sachverhalt. Deutet auch eine Beziehung K.'s zum Christentum an.

Krenek, Ernst. "Ansprache bei der Trauerfeier für Karl Kraus (1936)." In: EK: Zur Sprache gebracht. München: Längen-Müller 1958, S. 224–228.

Kommentar
K 2232. Kreist um die Dialektik von Rationalität und Ursprungsdenken bei K. Ein schöner Gedanke über das Schweigen, das zu seinen Ausdrucksmitteln genauso gehört hat wie die Sprache (227).

Krenek, Ernst. "Karl Kraus und Schönberg (1934)." In: EK: Zur Sprache gebracht. München: Langen-Müller 1958, S. 172–174.

Kommentar
K 1734. Behandelt nicht die Beziehungen zwischen beiden, sondern versucht, ihre trotz den verschiedenen Sphären gemeinsamen Wesenszüge sichtbar zu machen.

Leschnitzer, Franz. "Der Fall Karl Kraus (1934–1964)." In: FL: Von Börne zu Leonhard oder Erbübel – Erbgut?. Rudolstadt (DDR): Greifenverlag 1966, S. 88–131.

Kommentar
Arbeiten zu K. aus 30 Jahren (aber nicht aus der Zeit, in der Leschnitzer K. nahestand). Auf die einleitende, 1935 in Moskau erschienene Polemik hat K. selbst noch reagiert (F 917/22, Februar 1936). Arbeitet aus marxistischer Sicht kritisch die bürgerlich-idealistischen Komponenten von K.'s Denken, seinen Irrationalismus und seine Sprachmetaphysik heraus; K. erscheint so als Ideolog des kleinbürgerlichen Anarchismus. Zwar undifferenziert, aber anregend. Mit dem zeitlichen Abstand von 1933/34 werden die Arbeiten weniger polemisch, so die Ausführungen über K.'s Reflexionslyrik und über Brechts Verhältnis zu K. Enthält K 880 = K 881, K 1608 = K 1612.

Liegler, Leopold. In memoriam Karl Kraus. Wien: Lányi 1936, 14 S.

Kommentar
Beruht auf K 2237. Sehr allgemeine, aber dennoch treffende Aussagen. Der Kampf gegen die Presse sei das übergeordnete Motiv von K.'s Werk. Menschlichkeit und Geist waren die beiden Brennpunkte seiner Existenz (6). Am Phänomen der Geschichte musste er versagen, weil er relative Maßstäbe nicht anerkannte. Liegler sieht K. schließlich als den Vertreter des geistigen Menschen aus der Welt der Bürgerlichkeit zu Ende des XIX. Jahrhunderts (9). Spricht auch von K.'s unerbittlichem Verhalten gegenüber anderen Menschen.

Nemo, Korbinian [= Friedrich M. Reifferscheidt]. "Karl Kraus. Zur 20. Wiederkehr seines Todestages." Die Weltbühne (Berlin, DDR) II. 1956 (1956): S. 801–805.

Kommentar
Diese große Seele […] war […] das immer wache Gewissen der untergangsreifen Gesellschaft, die sie hervorgebracht. Dagegen eine Glosse von Franz Leschnitzer auf S. 1036 f. desselben Jahrgangs.

Politzer, Heinz. "Die letzten Tage der Schwierigen. Hofmannsthal, Karl Kraus und Schnitzler." Merkur 28. 1974 (1974): S. 214–238.

Kommentar
Über K. S. 221–230. Ausgezeichnet formulierter, aber letztlich wenig ergiebiger Versuch, K. als nachbiblischen Propheten zu deuten, an dessen Integrität sich die Korruption der Realität entlarvt habe. Kurze Charakterisierung des Konflikts mit Hofmannsthal. Die Metapher des aus seiner Kirche austretenden Gottes ("Bunte Begebenheiten") wird hervorgehoben, aber nicht erschöpfend interpretiert.

Ludwig von Ficker, ed. Rundfrage über Karl Kraus. Innsbruck: Brenner-Verlag 1917, 43 S.

Kommentar
Zuerst im 3. Jahrgang des "Brenner" (Juni/Juli 1913) publizierte bekenntnishafte Stellungnahmen zu K., unter anderem von Wedekind, Thomas Mann, Loos, Schönberg, Broch, Kokoschka, Stefan Zweig (die einzige kritische Äußerung). Verzeichnis der Beiträge: K 1817. Heute nur mehr als Dokument der Wirkung interessant.

Schaukal, Richard von. "Karl Kraus (1933)." In: RvS: Über Dichter. München: Längen-Müller 1966, S.259–291.

Kommentar
K 861. Der um 1892 mit K. bekannte Dichter versucht eine Würdigung des Satirikers, von dessen Einseitigkeit er sich distanziert, den er aber außerordentlich hoch schätzt. Konkretes ist dem Essay wenig zu entnehmen, obwohl der Gedanke, daß K. von seiner intellektualistischen Erblast weg zum organischen Denken hinfinde (265) – weniger zeitgebunden formuliert – sicher zur Deutung der Persönlichkeit beitragen könnte. Einige Hinweise auf die Bildung K.'s an Lessing und Schopenhauer sollten ernstgenommen werden (281 ff.).

Scheu, Robert. Karl Kraus. Wien: Jahoda & Siegel 1909, 39 S.

Kommentar
Auch in F 277/78, März 1909, S. 1–24. Eine interessante Übersicht über die Wichtigsten Themen der "Fackel" in ihrem ersten Jahrzehnt, besonders die Pressekritik und die Kritik an der Sexualmoral. Schönheit und Persönlichkeit werden als zentrale Werte gesehen, das Verhältnis zu Staat und Gesellschaft als das Problematische an K. verstanden.

Scheu, Robert. "In memoriam Karl Kraus." Die Glocke (Wien) 2. 1936, Nr. 31 (l. Oktober) (1936): S. 4–12.

Kommentar
K. bleibt der Mann von Fall zu Fall (5), der nie ein vorgefaßtes Schema anwende; jede Abstraktion sei ihm verdächtig. Daraus erkläre sich seine Abkehr von der Politik. Trotzdem sei er vor allem ein streitbarer Humanist gewesen. Scheu spricht auch von der 'positiven' Seite des Satirikers, von seinem Enthusiasmus für alles Schöne, der sich mit seinen Zweifeln an der Weltordnung eigentümlich verbinde. Erwähnt das Nebeneinander seiner messerscharfen Logik und seiner Neigung zum Irrationalen.

Schott, Rolf. "In Erinnerung an Karl Kraus." Studi Germanici 2. 1964. Heft 2 (1964): S. 83–103.

Kommentar
Unergiebig. Enthält keine persönlichen Erinnerungen.

Sperber, Manès. "Größe und Misere des Satirikers." Süddeutsche Zeitung 27./28. April 1974 (1974): S. 109 f.

Kommentar
U. a. über K.'s Verhältnis zum Judentum und über seine Einstellung nach 1933. Interessant die Vermutung, die Größe des Satirikers beruhe auf dem Bruch mit seinem Milieu, sein Elend auf der Unfähigkeit, sich einer Gemeinschaft einzuordnen. Nur in der kämpferischen Einsamkeit dürfte er seiner Souveränität sicher gewesen sein.

Stimmen über Karl Kraus. Zum 60. Geburtstag. Hrsg. von einem Kreis dankbarer Freunde. Wien: Lányi 1934, 48 S.

Kommentar
Interessant vor allem als Dokument für die Wirkung von K. Vom Inhalt her sind die interessantesten Beiträge die von Brecht ("Über die Bedeutung des zehnzeiligen Gedichtes …", 3.4,2.3), Karel Capek (mit dem Wort von K.'s Moralphilologie), Josef Hora, Jan Münzer und Marcel Ray.

Studien über Karl Kraus. Carl Dallago: Karl Kraus, der Mensch. Ludwig von Ficker: Notiz über eine Vorlesung von Karl Kraus. Karl Borromäus Heinrich: Karl Kraus als Erzieher. Innsbruck: Brenner-Verlag 1913, 75 S.

Kommentar
Alle Beiträge zuerst im "Brenner" erschienen, Fickers "Notiz" wieder in 3.1.07. Alle drei Beiträge sind aus einer K. verwandten kulturkritischen und antiintellektuellen Position heraus geschrieben. In vielem zeitgebunden – etwa in der Bedeutung, die Dallago und Heinrich K.'s jüdischer Abstammung beimessen –, in manchem immer noch anregend. Heinrichs Aufsatz wurde von K. zum Anlaß für Gedanken über den Krieg genommen (F405, Februar 1915, S. 15).

Taucher, Franz. "Karl Kraus." In: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Hrsg. v. Walter Pollak Wien: Jugend und Volk 1974, S. 328–332.

Kommentar
Popularisierende und simplifizierende Darstellung, die den Anti-Korruptionisten betont. K. gegenüber eher kritisch. Identisch mit K 1720, im wesentlichen auch mit K 1721.

Viertel, Berthold. "Karl Kraus: "Die letzten Tage der Menschheit" (1944)." In: BV: Schriften zum Theater. Hrsg. v. Gert Heidenreich München: Kösel 1970, S. 78–80.

Kommentar
Identisch mit K 239. Weniger über das Kriegsdrama als über die Gestalt K.'s (dem seine Haltung im Jahre 1934 zum Vorwurf gemacht wird). Betont die Aktualität der "Letzten Tage" für das Jahr 1944.

Viertel, Berthold. Karl Kraus. Ein Charakter und die Zeit (1917). Dresden: Kaemmerer 1921, 94 S.

Kommentar
K 2102. Vor allem auf die Persönlichkeit K.'s und auf den gedanklichen Gehalt des Werkes ausgerichtet. Wichtig für die Einordnung K.'s in seine Zeit (z.B. umfangreiche Überlegungen zu Weininger). Hervorzuheben sind die Abschnitte über die Presse, über das Verhältnis von K.'s Rechtsbegriff zum Privatleben und über das – im Grunde positive – Verhältnis zu Österreich (24). Viertel erkennt, daß Schweigen bei K. Ausdruck der Achtung gegenüber der nicht erwähnten Person ist, betont K.'s Politikfremdheit und sieht in seiner Intellektualität nur einen Umweg zum Gedicht, zur Ursprünglichkeit zurück (64). Ausführlich über K.'s Erzjudentum (53–62, 89–94), womit sich Liegler (2.1.06), S. 145 f., kritisch auseinandergesetzt hat. Sehr wenig über Krieg und Kriegs-"Fackel", was angesichts der Entstehungszeit überrascht. Nicht nur als Zeugnis für K.'s Wirkung immer noch lesenswert.

Viertel, Berthold. "Karl Kraus. Ein Charakter und die Zeit." In: BV: Dichtungen und Dokumente. Hrsg. v. Ernst Ginsberg München: Kösel 1956, S. 203–280.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden, jedoch um einige zeitkritische Passagen und um einen großen Teil der Auseinandersetzung mit K.'s Judentum gekürzt. Vgl. in diesem Band, S. 45 f., Viertels Gedicht "Karl Kraus" (1941).

Franzel, Emil. "Karl Kraus – sechzig Jahre." Sozialdemokrat (Prag) (1934-04-28).

Kommentar
Betont den episodischen Charakter von K.'s politischen Sympathien. Für seine Satire gebe es den Begriff des Möglichen nicht, daher kenne er auch keine Kompromisse. Dem einzelnen Politiker werde er dort gerecht, wo er die Persönlichkeit spüre, Lenin (!) so gut wie Franz Ferdinand. Trotz allen Differenzen bestünden wesentliche Übereinstimmungen zwischen den Hoffnungen K.'s und den Zielen der Sozialdemokratie. K., der den Verfasser kannte, hat sich in F 890/905 (Juli 1934) mit diesem Artikel auseinandergesetzt.

Torberg, Friedrich. "im Wechsel der Zeit." Süddeutsche Zeitung (1974-04-27): S. 109 f.

Kommentar
Auszüge aus dem Vortrag Torbergs bei der Wiener K.-Woche. Geht vor allem auf K.'s politisches Verhalten ein. K. sei in diesem Bereich kein wirklichkeitsfremder Idealist gewesen; 1934 habe er sich nicht als Opportunist verhalten, sondern ehrlich an die Rettung Österreichs durch Dollfuß geglaubt. K.'s Bewunderer hätten sein Eintreten für Dollfuß und überhaupt seine Bereitschaft, in veränderten Situationen umzulernen, nicht verstanden; auf sie habe sein Verhalten wie Häresie und Verrat gewirkt.

Ebner, Ferdinand. "[Karl Kraus]. Zum Problem der Sprache und des Wortes." In: FE: Fragmente. Aufsätze. Aphorismen. Hrsg. v. Franz Seyr München: Kösel 1963, 662–668.

Kommentar
Versuch einer philosophischen Deutung von K. Seine publizistische Wirksamkeit bedeute nicht mehr und nicht weniger als die letzte existentielle Position des Idealismus. Charakteristisch für ihn sei die Icheinsamkeit seines Denkens.

Schmid, Richard. "Die Fackel des Karl Kraus." Merkur 28 (1974): 1053–1070.

Kommentar
Gibt eine Übersicht über einige Polemiken K.'s, vor allem aus den ersten Jahren der "Fackel", und betont daher die antikorruptionistische und sozialkritische Seite von K. Der bedeutsamste Zug seines Werkes sei: die Umwelt in deren Sprache zu erleben und darzustellen und ihr ein Gegenbild in seiner Sprache vorzuhalten.

Fürnberg, Louis. "Vorrede zu einem Karl-Kraus-Abend." In: LF: Reden. Aufsätze. Literatur und Kunst. Berlin (DDR) und Weimar: Aufbau 1971, 46–53.

Kommentar
Sehr widersprüchlicher Essay, in dem K. einerseits als Zerrbild eines Kämpfers (46) abgewertet wird, andrerseits aber einzelne Werke und vor allem die Vorlesungen hymnisch gepriesen werden. Vgl. die polemischen Erwähnungen K.'s auf S. 16 und S. 355 dieses Bandes.

Ungar, Frederick and Übersetzt von Alexander Code und Sue Ellen Wright. "Introduction." In: Karl Kraus: The Last Days of Mankind. Hrsg. v. Frederick Ungar New York: Ungar 1974, IX–XXII.

Kommentar
Sehr allgemeine und nicht immer exakte Einführung in das Gesamtwerk von K.

Calasso, Roberto. "Dell' opinione." Adelphiana [Verlagsalmanach] (1971): 51–69.

Kommentar
Baut eine K.-Deutung auf dem Gegensatz von 'Meinung' und 'Gedanke' auf, wobei versucht wird, das Entstehen von 'Meinung' in der Geistesgeschichte zurückzuverfolgen. Diese historischen Exkurse sind recht anregend; sonst ist der auf den Aphorismen und der "Dritten Walpurgisnacht" beruhende Aufsatz eher allgemein gehalten, sieht man von einigen Einzelbeobachtungen ab, etwa zur Vagheit der Gestalt Hitlers in "Dritte Walpurgisnacht" (68).

Calasso, Roberto. Una muraglia cinese. Vorwort zu: Karl Kraus: Detti e contradetti. Biblioteca Adelphi. Mailand: Adelphi 1972, 9–66.

Kommentar
Geschickte Einführung weniger in das Werk als in die Gedankenwelt von K., geht allerdings über Bekanntes selten hinaus, etwa in einigen Gedanken über den 'Ursprung' (34 ff.) und in dem Hinweis auf mögliche stilistische Wirkungen K.'s auf Adorno (42). Im Anhang zur Übersetzung (einer Auswahl aus den drei Aphorismenbüchern) nützliche Erläuterungen zu einigen Aphorismen, auch zu ihrem ersten Kontext in Essays (367–375).

Simons, Thomas W., Jr. "After Karl Kraus." In: The Legacy of the German Refugee Intellectuals. Hrsg. v. Robert Boyers New York: Schocken 1972, 154–173.

Kommentar
Der 'Ursprung' dürfe nicht in einer historischen Zeit gesucht werden, sondern existiere durch die Sprache jederzeit in uns (156). Auf Nützlichkeit ausgerichteter Sprachgebrauch sei für K. mit einem Wirklichkeitsverlust verbunden. Über die Hälfte der Arbeit besteht aus Übersetzungen ausgewählter Passagen. Am Schluß wird der Rang von "Dritte Walpurgisnacht" betont (168 ff.). Im ganzen wenig konkret.

Simons, Thomas W., Jr. "Alter Karl Kraus." Salmagundi (Skidmore College, Saratoga Springs, N. Y.) Heft 10/11 (Herbst 1969/Winter 1970): 154–173.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden. Die Zeitschrift ist u. a. in der Bayer. Staatsbibliothek vorhanden.

Canetti, Elias. "Karl Kraus, Schule des Widerstands." In: Das Gewissen der Worte. München: Hanser 1975, S. 39–49.

Kommentar
Identisch mit 3.1.03.

Torberg, Friedrich. "Karl Kraus in seiner Zeit." Emuna 9 (1974): S. 278–285.

Kommentar
Torbergs Vortrag zur Wiener Kraus-Woche setzt drei Schwerpunkte: Kraus' Verhältnis zur Politik (dieser Teil identisch mit 3.1.39), seine Einstellung zum Judentum und seine Wirkung auf junge Menschen. Unterstreicht besonders den jüdischen Charakter von Kraus' Publikum. Das eigentlich Jüdische an Karl Kraus sei seine Wortgläubigkeit (284).

Brassloff, Friedrich Lothar. "Karl Kraus – Der Außenseiter, der dazugehörte." Emuna 9 (1974): S. 286–291.

Kommentar
Der Verfasser war in den zwanziger Jahren sehr von Kraus beeindruckt und würdigt ihn aus dieser Perspektive. Er betont Kraus' Distanzierung von jeglicher Gesinnungsgemeinschaft (287) und die konservativen Züge seines Denkens. Einige Hinweise auf Kraus' Verbundenheit mit dem Judentum.

[Kraft, Werner]. "Karl Kraus zum 100. Geburtstag. Ein Interview Erich Gottgetreus mit Werner Kraft." In: Emuna. Frankfurt 1974, S. 245–247.

Kommentar
Streift mehrere Aspekte von Kraus' Denken, u. a. die bejahende Seite seines Werkes und sein Verhältnis zum Judentum.

Fischer, Ernst. Karl Kraus. suhrkamp taschenbuch. Frankfurt: Suhrkamp 1975, S. 243–266.

Kommentar
Nachdruck von 3.1.08.

Goldmann, Lucien. "Un grand polémiste." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 107–111.

Kommentar
Nachdruck des ersten Teils von 3.1.12 (KKB K 2055).

Sperber, Manès. "Grandeur et misère de la satire." In: L' Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 117–122.

Kommentar
Im wesentlichen identisch mit 3.1.32, wo jedoch der interessante Hinweis (121) fehlt, daß man auf gewisse, fast zwangslhafte Wiederholungen stoße, wenn man die Fackel in einem Zuge lese.

Wollschläger, Hans. "Die Instanz K. K. oder Unternehmungen gegen die Ewigkeit des Wiederkehrenden Gleichen." Text + Kritik (2.3.2): S. 5–20.

Kommentar
Sehr engagierter Essay, mit wichtigen Überlegungen zur Pressekritik von 1914 (8–12), zu den "Letzten Tagen der Menschheit" (13 f.), vor allem aber zum eigentlichen Entstehen der Instanz K. K. nach 1918 – Wollschläger unterstreicht diesen Einschnitt besonders – und ihrer von K. selbst beanspruchten Gottähnlichkeit (16), in der der Verfasser ein bewußtes, noch im Mystischen nüchternes Wirkungskonzept (17) erblickt. Die aktuellen Polemiken entsprächen einem Willen, auch unter der Ebene der Absolutheit zu wirken. Der Zwiespalt zwischen der wissentlichen Hoffnungslosigkeit und der Hoffnung wider besseres Wissen (13) wird hervorgehoben. Sehr anregend.

Springer, Michael. "Am Grabmal des guten Gewissens. Über Karl Kraus." kürbiskern Jg. 1979. Heft 1 (1979): S. 121–127.

Kommentar
Stellt aus marxistischer Sicht und aus einer aktuellen Perspektive K.s Kulturkritik am Beispiel seiner Kritik an der Presse dar. K. habe das Gewissen des Bürgertums personifiziert: arbeitsteilig außer ihm, altväterlich und grillenhaft (122); seine Satire beruhe auf dem Widerspruch zwischen Anspruch und Realität des Bürgertums. Wichtig der Hinweis, daß eine aus konservativen Quellen gespeiste Kulturkritik bei ausreichender Konsequenz von selbst in die Nähe fortschrittlicher Klassenpositionen gelangen kann (126). Auch im Aufzeigen der Grenzen von K. anregend.

Broch, Hermann. "Hofmannsthal und seine Zeit (1947/48)." In: HB: Schriften zur Literatur 1. Kritik. Frankfurt: Suhrkamp 1975, S. 111 – 284.

Kommentar
Im hier erstmals veröffentlichten III. Kapitel ein – gewiß nicht zufällig – am Ende der Studie stehender, wichtiger Abschnitt über K. (270–275) als ersten Vertreter der Absolut-Satire (271), unter der Broch die Kunst des radikalen Angriffes auf "alles", was verlogen ist, versteht (271), gestützt auf die Absolutheit ihres Hohnes (271) und nicht auf die Zusatzlegitimation anderer Absolutheitsinstanzen (270). Die Einzelaussagen über K. treten an Bedeutung hinter diesen grundsätzlichen Erwägungen zurück; das Sprachthema wird kaum erwähnt.

Schneider, Manfred. ""Ich zahle für jeden Literarhistoriker dreizehn Heller .". Möglichkeiten und Grenzen, Karl Kraus zu verstehen." Merkur 34 (1980): S. 1212–1223.

Kommentar
Essayistische Auseinandersetzung mit den subjektiven Vorbedingungen einer wissenschaftlichen Behandlung des Werkes von K. (und damit mit der Rolle, die dieses dem Leser zuweist) einerseits, mit diesem Werk selbst andrerseits. Zwei zentrale Gedanken: Nicht der Inhalt, sondern die Bewegung, das Ritual einer Grenzziehung zwischen dem Sprecher und einer feindlichen Welt, die sich in Gesprochenem repräsentiert, bildet das spezifische Moment der unendlichen Rede in der "Fackel" [ ... ] Einfühlbar sind lediglich die 'negativen ' Affekte. nicht aber die 'positiven ' (1216). Und die These, daß der "Fackel"-Diskurs der Rettung eines Schweigens gilt, das den Bereich authentischer Erfahrung versiegelt (1220), daß sich die "Fackel" der Rettung von Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten verschrieben habe (1221). Gerade in seiner Subjektivität sehr anregend.

Serner, Walter. "Karl Kraus." In: WS: über Denkmäler, Weiber und Laternen. Frühe Schriften. München: Renner 1911, S. 81–85.

Kommentar
Identisch mit KKB K 2091. Preisender Essay, an dem vor allem die mehrfachen Hinweise auf K.s Wesensverwandtheit mit Nietzsche (82) bemerkenswert sind.

Serner, Walter. "Karl Kraus." In: WS: über Denkmäler, Weiber und Laternen. Frühe Schriften. München: Renner 1913, S. 115–119.

Kommentar
Identisch mit KKB K 1942. In expressionistischem Stil formulierte hymnische Paraphrase wichtiger Gedanken K.s. Hebt besonders seine noch nicht dagewesene Sprache (117), seinen Stil (118) hervor.

Wollschläger, Hans. "Die Instanz K. K. oder Unternehmungen gegen die Ewigkeit des Wiederkehrenden Gleichen." In: Das Karl Kraus Lesebuch. Hrsg. v. HW. Zürich: Diogenes 1980, S. 395–419.

Kommentar
Identisch mit 3.1.49 (Kraus-Heft 10/11).

Kars, Gustav. "1874 (1974)." In: GK: Spätlese. Lebensernte eines Außenseiters. St. Mandé: Selbstverlag (Auslieferung über Böhlau, Wien) 1985, S. 67–85.

Kommentar
Neudruck.

Chorherr, Thomas. "Karl Kraus 1874–1936." In: Große Österreicher. Hrsg. v. TC Wien: Ueberreuter 1985, S. 192 f.

Kommentar
Anekdotischer Beitrag zu einem Repräsentationswerk.

Kars, Gustav. "Die Wortprobe." In: GK: Spätlese. Lebensernte eines Außenseiters. St. Mandé: Selbstverlag (Auslieferung über Böhlau, Wien) 1985, S. 146 f.

Kommentar
Ein etwas spielerischer, aber reizvoller Versuch, an dem (wahrscheinlich nicht von K. stammenden) Scherzvers "und es brodelt und werfelt und kafkat und kischt" die Gültigkeit K.scher Sprachdogmen zu überprüfen.

[Liegler, Leopold] and Michael Horowitz, ed. Karl Kraus und seine Nachwelt. Ein Buch des Gedenkens. Wien: Brandstätter (1938), 96 + XV S.

Kommentar
Faksimileausgabe des erhaltenen Umbruchs der von Liegler als "Erste Veröffentlichung des Karl Kraus-Archivs" zusammengestellten, aber 1938 nicht mehr erschienenen Sammlung von Nachrufen auf K. (KKB K 951 b). Mit einigen kaum bekannten Nachrufen. Ein wertvolles Zeugnis für die divergierenden Richtungen der K.-Rezeption zur Zeit seines Todes. Einige bibliographische Hinweise am Ende.

3.2 – Polemiken (vor 1945)

Mühsam, Erich. "Karl Kraus. die Erledigung eines Nachrufs." Morgen 2. 1. Halbjahr (1908): 241–243.

Kommentar
Wirft K. Denunziationsgekläff gegen den von der Staatsgewalt bedrohten Maximilian Harden vor.

Ramus, Pierre. "Karl Kraus und die Geschworenengerichte." Zukunft! (früher: Neue Freie Worte) (Wien) 3. Nr. 24 (1913): 5–8.

Kommentar
Polemik eines Anarchisten gegen K.'s Ablehnung der Geschworenengerichte. In dem Artikel klingen schon viele Gesichtspunkte späterer linker Kritik an K. an (etwa daß er die Presse statt des Kapitalismus ablehne). Erschienen in einer stark der "Fackel" nachempfundenen Zeitschrift.

Kisch, Egon Erwin. "Herr Karl Kraus." Deutsche Hochschule (Wien) 4 (1913/14): 6–8.

Kommentar
Sehr verständnislos und nur wegen des Verfassers interessant. Mit allen anderen Arbeiten Kisch' über K. wieder abgedruckt im Folgenden.

Polácek, Josef. "Egon Erwin Kisch über Karl Kraus." Germanistica Pragensia 5 (1968): 61–83.

Kommentar
Kommentierter Abdruck aller Texte Kisch' über K.: Kritiken von Vorlesungen aus Prager Zeitungen der Jahre 1910–1912, die oben angeführte Polemik von 1913 und ein längeres Manuskript aus dem Nachlaß, das in den vierziger Jahren entstanden zu sein scheint. In diesem wird K. als eingefleischter Liberaler verstanden und heftig angegriffen. Da viele überprüfbare Fakten in Kisch' Schrift unrichtig sind, wird man auch den von ihm überlieferten K.-Anekdoten gegenüber skeptisch sein müssen. Der Herausgeber verzichtet auf eine Analyse des Verhältnisses K.–Kisch.

Polácek, Josef. "Egon Erwin Kisch über Karl Kraus." Literatur und Kritik 5 (1970): 21–36.

Kommentar
Bringt aus dem Vorhergehenden die Präsentation der Fakten und das Manuskript aus dem Kisch-Nachlaß, nicht die Polemiken aus der Zeit vor 1914.

Lichtenstein, Alfred. "Zwei Bruchstücke aus der ersten Fassung der Geschichte "Café Klößchen". 2. Der Dackel-Laus (Erstdruck 1919)." In: AL: Gesammelte Prosa. Hrsg. v. Klaus Kanzog Zürich: Arche 1966, 64 f.

Kommentar
Anmerkungen S. 130 f. Der 'Fackel-Kraus' als Dackel-Laus, der eine Religion ohne Gott, aber mit einem Papst, nämlich sich selbst, verkünde. Vgl. dazu Kurt Hiller (9.2.8), S. 83.

Pollak, Oskar. "Ein Künstler und Kämpfer." Der Kampf (Wien) 16 (1923): 31–36.

Kommentar
Die erste der Polemiken des sozialdemokratischen Establishments gegen K., der, wiewohl damals 'Bundesgenosse', nicht in den Apparat integrierbar war. Pollak weist in böser Absicht, aber durchaus richtig auf K.'s Idealismus und seine Mißachtung des Materiellen hin, die ihn vom Sozialismus trennten und ihn gegen die kulturellen Vorwände des Kapitals kämpfen ließen, wo es gegen dieses selbst zu kämpfen gelte. Aus diesem Idealismus ergebe sich auch K.'s Pessimismus. Vgl. zu dieser Polemik K 1590, K 1614, K 1617, K 1618; ferner 9.1.4 (Matejka).

Austerlitz, Friedrich. "Der wahre Kraus." Der Kampf (Wien) 19 (1926): 309–314.

Kommentar
Austerlitz verteidigt K. gegen einen weiteren Angriff Pollaks als den entschlossensten Antibourgeois des europäischen Schrifttums. Wie Pollaks Artikel ein wichtiges Dokument für K.'s Beziehungen zur Sozialdemokratie in den Anfängen der Ersten Republik.

Kuh, Anton. "Der Affe Zarathustras (Karl Kraus)." In: AK: Von Goethe abwärts. Wien: Forum 1963, 207–241.

Kommentar
Im Zusammenhang der Bekessy-Polemiken gehaltene Stegreifrede gegen K. und seine Anhänger, sehr scharf formuliert, aber nur an wenigen Stellen interessant, etwa über die Vorlesungsbesucher (224) und über die Nachwirkungen Nietzsches bei K. (241). Über die an diese Rede anschließenden Auseinandersetzungen vgl. K 1316–1331. Siehe in dieser Ausgabe, S. 169, auch die Aphorismen Kuhs über K.

Kolb, Annette. "Die drei letzten Briefe an einen Toten." Die weißen Blätter 3. 1 (1916): 122–132.

Kommentar
Kritisiert S. 125 f. einen Aphorismus von K. (F 406/12, Oktober 1915, S. 97), in dem dieser die Schwäche des Christentums für den Weltkrieg verantwortlich machte. K. reagierte in F 418/22, April 1916, S. 48–51.

Kuh, Anton. "Der Affe Zarathustras (Karl Kraus)." In: AK: Luftlinien. Feuilletons, Essays und Publizistik. Hrsg. v. Ruth Greuner Berlin (DDR), Wien: Volk und Welt, Löcker 1981, S. 153–201.

Kommentar
Neudruck der Stegreifrede von 1925. Ferner auf K. gemünzte Aphorismen auf S. 282, 291, 292, 305 (?) dieser Ausgabe.

3.3 – Polemiken (seit 1945)

Hannak, Jacques. "Karl Kraus und die Folgen." Die Zukunft (Wien) 14 (1959): 227–230.

Kommentar
[…] so sollte gemäß der Krausschen Sozialgliederung der Schuster bei seinem Leisten, der Arbeiter bei seiner Drehbank, der Landmann auf seinem Acker bleiben (229); die Unterstützung des Ständestaats sei bei K. immer schon angelegt gewesen. Von dieser kaum belegten, aber nicht unwahrscheinlichen Beobachtung abgesehen, eine belanglose Arbeit, in der auch die Fakten nicht immer stimmen.

Raddatz, Fritz Joachim. "Der blinde Seher: Karl Kraus." In: FJR: Verwerfungen. Frankfurt: Suhrkamp 1972, 9–12.

Kommentar
Überarbeitung von K 1670. Sehr unsachlich, teilweise mit falschen oder manipulierten Behauptungen. Hauptvorwürfe sind K.'s Irrationalismus; sein Anti-Aufklärertum; seine Unfähigkeit, über die Sprache hinaus auf die soziale Realität zu blicken; sein schlechter Stil. Leidet unter einer Verwechslung von Literatur und Publizistik, hat aber als kritische Infragestellung von K. dennoch einen gewissen Wert. Vgl. die zustimmende Rezension von Jean Améry in Merkur 28. 1974. S. 291 und die kritischen Bemerkungen Naumanns (2.2.11), S. 44 f. Vgl. dazu die Dokumentation der Auseinandersetzung zwischen Raddatz und K.'s Verteidigern in: Literatur und Kritik 5. 1970. S. 2, sowie K 1663–K 1673.

Jenaczek, Friedrich. "Protest." Literatur und Kritik 5 (1970): 14–21.

Kommentar
Polemik gegen Raddatz, in der die Argumente für K. überzeugen, die Angriffe auf Raddatz aber zum Teil unfair sind. K. liegen die politischen und soziologischen (marxistischen) Begriffe fern. Raddatz kennt nur sie (oder läßt in dogmatischer Absicht nur sie gelten) […] (17). K. wird als der die Politiker messende antipolitische Aufklärer verstanden. Seine Haltung im Jahre 1933 sei aus seiner Situation als Österreicher zu erklären.

Hartl, Edwin. "Verblendete Hellseher und Schwarzseher. Überlegungen zu den Gegnern von Karl Kraus." Literatur und Kritik 5 (1970): 3–14.

Kommentar
Polemik gegen Raddatz und einige andere neuere Kritiker K.'s. Berichtigt einige Fehler, erspart sich aber eine Analyse der Ursachen der linken K.-Gegnerschaft.

Hartl, Edwin. "Zum neunundneunzigstenmal. Karl Kraus und die Nachrede." Die Pestsäule (Wien) l. (Heft 6, 1973) (1972/74): 523–526.

Kommentar
Polemik gegen K.-Kritiker (Sperber, Jens, Raddatz).

Kosten, Hermann. "Er hat Talente verschwendet." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1974-04-27): Literaturbeilage S. 1 f.

Kommentar
Verständnislos, nicht einmal zum Widerspruch herausfordernd.

Reich-Ranicki, Marcel. "Karl Kraus, sein Haß, seine Liebe." In: MRR: Nachprüfung. München: Piper 1977, S. 76–92, 300.

Kommentar
S. 76–82, 91 f. eine Polemik gegen K., der mit George und Arno Schmidt den hochmütigen und größenwahnsinnigen Anspruch auf Unfehlbarkeit und auf totale Unterwerfung (76) gemeinsam habe; zum Unterschied von anderen Satirikern [?] fehle ihm auch jede Selbstironie (78). K.s Dogma sei Erlösung durch Sprachkritik gewesen (79). Wiederholt Klischees aller Polemiken gegen K., etwa den angeblich antisemitischen Charakter seines Werks (80 ff.). Der Rest ist eine bruchstückhafte Nacherzählung der Beziehungen zwischen K. und Sidonie Nádherný. Hinter heutiger K.-Bewunderung vermutet Reich-Ranicki faschistoides Denken. Beachtenswert, möglicherweise auch glaubwürdig der Hinweis, daß die "Fackel" im Romanischen Café in Berlin meist in der Nähe gehobener Witzblätter gelegen sei (91).

Reich-Ranicki, Marcel. "Seine Liebe war wie sein Haß. Karl Kraus: Sprachfanatiker, Alleinunterhalter, Zuchtmeister, Intellektuellenclown, Weltverbesserer:." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1977-02-05).

Kommentar
Stark gekürzter Vorabdruck aus dem Vorhergehenden. Leserreaktionen in der gleichen Zeitung, 17. Februar 1977, S. 17.

3.4 – Kleine Äußerungen von Schriftstellern

Benjamin, Walter. "Kriegerdenkmal." In: WB: Gesammelte Schriften IV/I. Frankfurt: Suhrkamp 1972, 121.

Kommentar
Benjamins vielzitiertes Prosagedicht über K. (Nichts trostloser als seine Adepten, nichts gottverlassener als seine Gegner …). K 1743.

Benjamin, Walter. Briefe. Frankfurt: Suhrkamp 1966, 2 Bände 885 S.

Kommentar
Zahlreiche, zum Teil sehr wichtige Äußerungen über K. (durch ein Register erschlossen). So sieht Benjamin K. 1921 ganz auf dem Wege zum großen Politiker (251); 1928 deutet er eine gewisse aktive Teilnahme an der Fehde zwischen K. und Kerr an (484); bedeutsam auch die Reaktionen auf K.'s Eintreten für Dollfuß (620, 623). Zwei Stellen haben Quellenwert für die Beziehungen Brechts zu K. (643, 720).

Brecht, Bertolt. "über die Zeitungen an Karl Kraus." In: BB: Gesammelte Werke in 8 Bänden. Band 8: Schriften 2. Frankfurt: Suhrkamp 1967, 46 f.

Kommentar
Kritische Notizen zu K. (aus der Zeit vor der Bekanntschaft). Ähnlich im selben Band S. 15 die Notizen "Kraus" und "Shaw" aus der gleichen Zeit.

Brecht, Bertolt. "Über Karl Kraus." In: BB: Gesammelte Werke in 8 Bänden. Band 8: Schriften 2. Frankfurt: Suhrkamp 1967, 430–432.

Kommentar
Brecht studiert hier die Methoden K.'s. diesem sei der Aufbau eines Raumes, in dem alles zum Gerichtsvorgang wird, gelungen. Der diese Methoden anwendet, muß einzig durch seine große Autorität instand gesetzt sein, sein Schweigen zu einem Urteil zu machen (431). Das häufig zitierte Wort Brechts über K. Als das Zeitalter Hand an sich legte, war er diese Hand, ist in dieser Ausgabe nicht nachweisbar; Benjamin, bei dem es zuerst steht (3.1.02, S. 119), hat es vielleicht aus persönlichem Verkehr mit Brecht.

Brecht, Bertolt. "Über die Bedeutung des zehnzeiligen Gedichtes in der 888. Nummer der Fackel (Oktober 1933) (1934). Über den schnellen Fall des guten Unwissenden [1934]." In: BB: Gesammelte Werke in 8 Bänden. Band 4: Gedichte. Frankfurt: Suhrkamp 1967, 501–503, 505 f.

Kommentar
Das erste Gedicht aus 3.1.33 über das Schweigen K.'s zu Hitler; das zweite hat die Parteinahme für Dollfuß und gegen den Februaraufstand 1934 zum Thema.

Brecht, Bertolt. Arbeitsjournal. Frankfurt: Suhrkamp 1973, Band 1: 1938–1942. 507 S.

Kommentar
Unter dem 22. 8. 1940 einige Bemerkungen über K.'s Lyrik im Gegensatz zu der von George (155 f.).

Brecht, Bertolt. "Zu den Epigrammen. III." In: BB: Über Lyrik. Frankfurt: Suhrkamp 1964, 90 f.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Kraft, Werner. Gespräche mit Martin Buber. München: Kösel 1966, 174 S.

Kommentar
Es ist öfter von K. die Rede, doch geht aus Krafts Aufzeichnungen eigentlich nur hervor, daß Buber K. nicht gut gekannt und nicht sonderlich geschätzt hat. Die Wiedergabe von Krafts Gesprächsbeiträgen gibt für das Verständnis von K. eher etwas her.

Kafka, Franz. Briefe 1902–1924. FK: Gesammelte Werke. Frankfurt: Fischer 1958, 532 S.

Kommentar
Mehrere Stellen zeigen Kafkas Interesse an K.; wichtig vor allem S. 336 f. über "Literatur": [...] so mauscheln wie Kraus kann niemand [...].

Janouch, Gustav. Gespräche mit Kafka. Frankfurt: Fischer 1951, 138 S.

Kommentar
S. 50 Kafkas Ausspruch über K: Nur ein gerissener Wilddieb kann so ein strenger Waldhüter sein.

Musil, Robert. Tagebücher, Aphorismen, Essays und Reden. RM: Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Hamburg: Rowohlt 1955, 963 S.

Kommentar
Zahlreiche, zumeist nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Äußerungen über K., die durchwegs kritische Distanz zum, ja Ablehnung des erfolgreichen Kollegen zeigen. Wichtig die sehr pointierten Formulierungen S. 271 f., 354, 398 (geistige Diktatorenverehrung), 494 (die Kraus-Sekte), 565, 765 (K., der das Messer wetzt, wenn ein andrer Ich sagt). Der Band hat ein Register. Vgl. 8.08.2.

Schnitzler, Arthur. Aphorismen und Betrachtungen. Frankfurt: Fischer 1967, 516 S.

Kommentar
S. 371 f. über die Problematik der Verehrung von Strindberg, Wedekind und Altenberg; S. 475 f. einige sehr negative Bemerkungen über K.'s Niedrigkeit als Kern seines Wesens. Anerkannt habe er nur dort, wo Verschiedenheit der Lokalität, der Rasse, der Konfession eine Distanz schuf. Vgl. 7.6.06 (Urbach) und 7.6.00.2 (Kraft).

Trakl, Georg. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Salzburg: Otto Müller 1969, 2 Bände 585, 829 S.

Kommentar
Enthält in Band I einige Briefe Trakls an K. K. wird auch in Briefen Trakls an andere Adressaten erwähnt, zuerst im Juli 1910 (S. 479). In Band II in den Dokumenten und den Briefen an Trakl ebenfalls Hinweise auf K., u. a. ein Brief Robert Müllers an Buschbeck, in dem der Einfluß des buckligen Juden K. auf Trakls Verhalten beklagt wird (706 f.).

Adorno, Theodor Wiesengrund. "Juvenals Irrtum." In: Minima Moralia. Frankfurt 1970, S. 280–283.

Kommentar
Kurzessay über die Schwierigkeiten der Satire heute. Geht kurz, aber prägnant auf Kraus ein; dessen Prosa verdammt Korruption und Dekadenz, den Literaten und den Futuristen, ohne vor den Zeloten geistigen Naturstandes etwas anderes vorauszuhaben als die Erkenntnis von deren Schlechtigkeit (281).

Lukács, Georg. "Ausschnitte aus den Briefen von Georg Lukács an Cesare Cases." In: Literatur und Literaturgeschichte in Österreich. Hrsg. v. Ilona T. Erdélyi Budapest, Wien: Akadémiai Kiadó, Akademie der Wissenschaften 1979, S. 309 f.

Kommentar
Zuerst in ungarischer Übersetzung 1976. K.s Verstummen 1933 sei eine eindeutige, freilich nicht leicht entzifferbare Geste gewesen, die Lukács in Parallele zu Musils Scheitern an der Form des "Manns ohne Eigenschaften" sieht. Vermutet weiter, daß es auch bei K. Sympathie für den Josephinismus gebe. Vgl. KAB 1, 8.07.1.7; KAB 5, 9.2.16.

Broch, Hermann. Schriften zur Literatur. 1. Kritik. 2. Theorie. HB: Kommentierte Werkausgabe. Frankfurt: Suhrkamp 1975, 425, 321 S.

Kommentar
Neben KAB 3.1.51 mehrere durch ein Register in Band 2 (312) erschlossene Äußerungen Brochs über K., u. a. Band 1, 18 (über "Harakiri und Feuilleton"), 386 und ähnlich 109 über Viertel und K., den ethischen Künstler kat'exochen; Band 2, 29, 96 über die Bedeutung der Satire, 193 über eine Art Überkompensation des Sprachlichen bei K.

Seidel, Gerhard. "Intentionswandel in der Entstehungsgeschichte. Ein Gedicht Bertolt Brechts über Karl Kraus historisch-kritisch ediert." Zeitschrift für deutsche Philologie 101 Sonderheft: Probleme neugermanistischer Edition (1982): S. 163–188.

Kommentar
Brechts "Über die Bedeutung des zehnzeiligen Gedichtes " von 1934 wird vor allem als Exempel für editorische Fragen vorgestellt. Auch ohne Interpretation, die aufgrund der hier gedruckten Textzeugen zu leisten wäre, ergeben sich interessante Aspekte des Wandels in Brechts Einstellung gegenüber K. zwischen Ende 1933 (Entwurf: "appell an karl kraus", 180 f.) und Mitte 1934(endgültige Fassung).

4 – Weltanschauliche Positionen

Fischer, Heinrich. ""Brenner" und "Fackel"." Forum (Wien) 12 (1965): S. 314.

Kommentar
Ein längerer Leserbrief mit wichtigen Vermutungen über K.'s Verhältnis zum religiösen Bereich. Das Nichtbekennen zum Christlichen oder Jüdischen sei ein Opfer gewesen, um die Unabhängigkeit nicht zu verlieren. die Beziehungen zum "Brenner" wurden nur gestreift.

Kraft, Werner. "Die Idee des "Ursprungs" bei Karl Kraus." Süddeutsche Zeitung (1971-06-12): Wochenendbeilage [S. 4].

Kommentar
Weist auf einige Parallelen der 'Ursprungs'-ldee von K. zu Benjamin hin, versucht aber keine inhaltliche Bestimmung des für K. so wichtigen Begriffs. Wiederabgedruckt in 7.6.00.2, S. 221–231.

Obergottsberger, Hugo. Der Weltuntergangsgedanke bei Karl Kraus. Wien 1957, IX + 298 S.

Kommentar
Versucht, in K.'s Entwicklung eine Steigerung von der Gesellschafts- zur Kulturkritik und weiter zur eschatologischen Aussage nachzuweisen, Der Untergang werde von K. als Untergang durch Unnatur ("Chinesische Mauer") und als Untergang durch Ungeist ("Untergang der Welt durch schwarze Magie") dargestellt. Die Arbeit, die K.'s Werk nach 1919 nicht berücksichtigt, leidet unter dem rein geistes- bzw. problemgeschichtlichen Ansatz, der auf Hans Urs von Balthasar zurückgeht (10.1); auch das Bemühen, K. vor allem vom Religiösen her zu deuten, stimmt skeptisch. Dennoch wichtige Ausführungen zu K.'s weltanschaulicher Position und zum Inhalt seiner 'Ursprungs'- wie seiner 'Untergangs'-Vorstellung.

Schönauer, Emil. "Ober Karl Kraus." In: Friedrich Jenaczek: Zeittafeln zur "Fackel". Gräfelfing: Gans 1965, S. IX–Ll.

Kommentar
Hebt das Irrationale an K. hervor. Stellt den 'Ursprungs'-Begriff in den Mittelpunkt. K.'s Bemühen um die Entsühnung der Welt erkläre sich aus dem Bewußtsein der eigenen Mitschuld an allen Übeln. Auch hier wird K. dem religiösen Bereich angenähert. Sehr spekulativ, auch schwer lesbar, doch als Korrektiv zu Rationalisierungen des K.'sehen Werkes lesenswert, Vgl. die Rezension von Alff (0.5.3).

Thieme, Karl. "Der Apokalyptiker Karl Kraus." Die Erfüllung (Wien) 2 (1936/37): S. 109–120.

Kommentar
Sieht K. in Analogie zur biblischen Apokalyptik; die Beschwörung des Untergangs in seinem Werk sei nicht hyperbolisch. Von daher versucht Thieme auch K.'s Stellung zum Judentum als die eines Juden im Advent (119) zu deuten; daraus erkläre sich auch das Interesse christlicher Denker an K. Von diesem Hinweis auf die Rezeption abgesehen sehr spekulativ.

5.1 – Probleme der Satireninterpretation

Feigenwinter-Schimmel, Gunild. Karl Kraus. Methode der Polemik. Basel 1970, IV + 198 S.

Kommentar
Anhand von "Dritte Walpurgisnacht", "Warum die Fackel nicht erscheint", einigen Polemiken gegen Bekessy und "Der Hort der Republik" wird der Kunstcharakter der K.'schen Polemik herausgearbeitet. Die Satire wird dabei als Sonderform der Polemik verstanden. Betont die künstlerische Autonomie des polemischen Verfahrens; die vielberufene 'ethische Deckung' sei nicht die Voraussetzung, sondern ein Mittel dieses Verfahrens. Zwischen polemischem Ich und Verfasser der Polemik sei zu unterscheiden. In Einzelheiten einseitig, im ganzen aber grundlegend und neue Perspektiven eröffnend. Beobachtungen zur Rhetorik von K.; besonders ergiebig die Analyse des "Horts der Republik".

Kaufmann, Harald. "Über die aufgehobene Allegorie. Beobachtungen an Werken von Nestroy und Karl Kraus." In: Gestalt und Wirklichkeit. Festgabe für Ferdinand Weinhandl. Hrsg. v. Robert Mühlher and Johann Fischl Berlin: Duncker & Humblot 1967, S. 521–541.

Kommentar
Geht aus vom Gegensatz zwischen dem Symbol der klassizistischen Ästhetik, das ein Sinnbild der heilen Welt sei, und der Allegorie des Barock, die die zerbrochene Welt fixiere. Aus dieser allegorischen Konvention wird (529 ff.) der Sprachwitz von K. abgeleitet, wobei sich die Satire als literarische Ausformung der allegorischen Methode erweist (535). Auch für das Verständnis von K.'s Lyrik müsse man die Eigenart der allegorischen Methode berücksichtigen (538 ff.). Im ganzen eher konstruiert.

Kaufmann, Harald. "Spurlinien der Allegorie. Beobachtungen an Werken von Nestroy und Karl Kraus." In: HK: Spurlinien. Wien: Lafite 1969, S. 14–36.

Kommentar
Wiederabdruck des Vorhergehenden.

Keith, J. G. A Comparison of the Satirical Works of Jonathan Swift and Karl Kraus. Cambridge (England) 1971/72.

Kommentar
Dissertation vergleicht die satirischen Werke von Swift und Kraus; nähere Angaben fehlen.

Schalk, Fritz. "Karl Kraus und die Satire." Euphorion 53 (1959): S. 195–218.

Kommentar
Der Aufsatz, der viele Aspekte von K.'s Werk berührt (allerdings nicht die Dramen), betont die normative Funktion eines Lebens, das sich selbst als etwas Objektives begriff (202); aus dieser Auffassung von sich selbst heraus sei K. zur Satire gezwungen.

Timms, Edward Francis. Language and the Satirist in the Work of Karl Kraus. Cambridge (England) 1967.

Kommentar
Die außerhalb Englands praktisch unzugängliche Arbeit scheint den fiktionalen Charakter der K.'schen Satire zu betonen, in der nicht so sehr K. selbst als ein satirisches Ich in Erscheinung trete, dessen Identität mit dem Autor jeweils bewiesen werden müsse. Über diese Grundidee informieren Timms in Rezensionen (0.4.3, 1.1.1.7) und Williams (7.4.2.3, S. 187 f.). Der zweite Teil soll sich mit K.'s Sprachauffassung beschäftigen. Diese Dissertation dürfte recht wichtig sein.

Uhlig, Helmut. "Vom Pathos der Syntax, über Karl Kraus und gegen seine Lobredner." Akzente 2 (1955): S. 489–494.

Kommentar
K. sei nicht Satiriker, sondern ausschließlich Polemiker gewesen (was allerdings mehr behauptet als bewiesen wird). Er wird als Repräsentant der Vernunft verstanden. Problematisch.

Schick, Paul. "Karl Kraus. Der Satiriker und die Zeit." Etudes Germaniques 12 (1957): S. 240–249.

Kommentar
Im wesentlichen identisch mit K 1714. Gegen Uhlig wird K. als Satiriker dargestellt, und zwar als pathetischer Satiriker im Sinne Schillers. An einigen Querschnitten aus verschiedenen Perioden von K.'s Schaffen wird die fortwirkende Aktualität seiner Satire gezeigt.

Stieg, Gerald. "Theorie und Praxis der Kraus'schen Satire." In: A. G. E. S. Association des Germanistes de l'Enseignement Supérieur. Actes du Congrès de Bordeaux (1976). o. O. 1976, S. 90–99.

Kommentar
Die Theorie der K.schen Satire sei in "Nestroy und die Nachwelt" formuliert und zwar als Übersetzung von Schillers Satirentheorie in Metaphern (91). Zum 'Ideal' im Sinne Schillers habe K. die Sprache gemacht (92). An den Ausführungen über die Praxis sind besonders die Überlegungen zum Produktionsinstrument "Fackel" anregend (93 ff.). Am Schluß Gedanken zu K.s politischen Stellungnahmen, in denen er immer die Partei der Opfer gewählt habe (97). Fast zu weitgespannt, knapp, aber sehr anregend.

Stern, Joseph Peter. "Karl Kraus. Sprache und Moralität." In: Ornament und Askese im Zeitgeist des Wien der Jahrhundertwende. Hrsg. v. Alfred Pfabigan Wien: Brandstätter 1985, S. 168–177.

Kommentar
Perspektivenreicher grundsätzlicher Aufsatz. Betont K.s Theoriefeindlichkeit(169). Dennoch sei ein APRIORI erkennbar: daß ein sprachliches Gebilde auch immer etwas von der moralischen Beschaffenheit seines Verfassers verrate,wobei sich K. nicht auf dessen Gesamtwerk, sondern auf einzelne Gebilde beziehe, im Sinne einer atomaren Sprachanschauung (169). Die Sprache sei für K. ein Medium, das zwar nicht politisch sei, in dem aber, Freud vergleichbar,seine autoritäre Persönlichkeit (172) sich selbst zu behaupten suche. Die Sprache gebe jedoch keinen verläßlichen MORALISCHEN Maßstab ab (173); das Böse bestehe auch unabhängig von der Sprache. Der Wert der K.schen Satire liege daher nicht in ihrer Moralität, sondern in ihrer dichterischen oder fiktiven Seinsweise (177). Mit einer bedenkenswerten Bemerkung über die Eigenwilligkeit von K.s Lektüre anderer Autoren (174).

Stern, Joseph Peter. "Karl Kraus: Language and Experience." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 21–31.

Kommentar
Stimmt in den Grundgedanken mit KAB 38, 5.1.8 trotz etwas anderer Schwerpunktsetzung überein.

Rogers, Michael. "Karl Kraus and the Creation of a Symbolic Language." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 32–45.

Kommentar
Geht von einem Vergleich der Sprachauffassung K.s mit der von Rilke und Hofmannsthal aus. Bedenkenswerte Überlegungen zum "Ursprung", der Übereinstimmung zwischen Ausgedrücktem und Ausdruck bedeute und für K. auch in Shakespeare- und Goethe-Zitaten realisiert sei (35 f.). Die Grundfiktion K.s sei es, daß alle sprachlichen Einzelheiten (auch in mißbrauchter Sprache) wie alle Details des Alltags symbolische Bedeutung hätten (39 bzw. 41). Diese Sprachauffassung schließe für K. die Möglichkeit des Erzählens aus (43).

5.2 – Satirische Techniken

Gunn, A. The Satirical Technique of Karl Kraus. Newcastle upon Tyne 1971/72.

Kommentar
Dissertation zur satirischen Technik bei Karl Kraus; nähere inhaltliche Angaben fehlen.

Heidemann, Christel. Satirische und polemische Formen in der Publizistik von Karl Kraus. Freie Universität Berlin 1958, 133 S.

Kommentar
Die Arbeit beschreibt zunächst K.'s zunehmende Abkehr vom Publikum (wobei sie den Autor manchmal zu wörtlich nimmt). Zwischen Polemik und Satire unterscheidet sie im Sinne Lieglers: aufgrund der Einschätzung des Gegners. Im Hauptteil werden einige Stilmittel K.'s dargestellt: Zitat, Anschaulichkeit, Witz, satirische Steigerungsformen, Ironie und Pathos. Brauchbar vor allem die Einzelbeobachtungen zu Texten aus allen Schaffensperioden; die Schlußfolgerung, K.'s Sprache sei nicht auf Wirkung berechnet, kann kaum überzeugen.

Heidemann Christel. "Die publizistische Methode von Karl Kraus." Publizistik 4 (1959): 340-344.

Kommentar
Gekürzte Fassung des 1. Kapitels (S. 9-28) des Vorhergehenden. Stellt die Entwicklung K.'s unter dem Gesichtspunkt seines Verhältnisses zum Publikum dar, dessen Echo ihm zuerst lieb war, mit dem er aber später sehr diktatorisch verkehrte. Maßgebend sei ihm immer weniger die öffentliche Bedeutung seiner Stoffe, immer mehr seine subjektive Reaktion geworden, innerhalb deren wiederum die ästhetische Lust oft die sittliche Empörung zurückgedrängt habe. Trotz dieser Verschiebung des Schwerpunkts zum Künstlerischen sei K. ein Publizist geblieben, denn er distanzierte sich von der Realität, ohne sie zu meiden.

Jones, H. S. Forms of Satire in Karl Kraus. University of London. Bedford College 1972.

Kommentar

Pötschke, Joachim. Die satirischen Glossen von Karl Kraus (1914-1918). Leipzig 1961, Textband [VI] + 189 S., Anmerkungsband 85 S.

Kommentar
Diese wichtige, im Ansatz Hans Mayer (2.2.09) verpflichtete Arbeit betont den Zusammenhang zwischen der Entstehung der Glossenform und K.'s Wandlung vom Publizisten zum Schriftsteller in den Jahren 1908-1912. Doch sei der dokumentarische Charakter des Zitats in der Glosse so stark, daß diese immer noch als publizistische Form verstanden werden müsse - zum Unterschied von den Zitaten in den "Letzten Tagen der Menschheit", die in ein Kunstwerk integriert seien. Ausführlich über die Technik des Zitats und andere Gestaltungsmittel: Selbstzitat, Antithese, Hyperbel, Wortspiel. Eine Reihe guter Einzelanalysen von Glossen, zahlreiche wichtige Uberlegungen. Gegenüber K.'s idealistischer Sprachauffassung und seinem Mangel an historischem Sinn kritisch. Geht auch auf die Heine- und Nestroy-Aufsätze ein.

Riha, Karl. Cross-Reading und Cross-Talking. Zitat-Collagen als poetische und satirische Technik. Texte Metzler. Stuttgart: Metzler 1971, 104 S.

Kommentar
Über die Kontrastierung von Zitaten aus der Presse als satirisches Mittel. Interessanter als der nicht sehr bedeutende Abschnitt über K. (23–33), besonders über die "Letzten Tage", ist der Nachweis der literarischen Tradition von Lichtenberg bis Mon, in der diese Technik steht; damit wird zum Teil auch K.'s Wirkung dokumentiert. Nicht ganz überzeugend der Hinweis auf Beziehungen zwischen K. und Arno Holz (besonders der "Blechschmiede").

Riha, Karl. "Cross-Reading und Cross-Talking. Materialien zu einer satirischen Technik." In: Literatur und Geistesgeschichte. Festgabe für Heinz Otto Burger. Hrsg. v. Reinhold Grimm and Conrad Wiedemann Berlin: Schmidt 1968, S. 361–386.

Kommentar
Kurzfassung des Vorhergehenden.

Riha, Karl. "Durch diese hohle Gasse muß er kommen, es führt kein andrer Weg nach Küssnacht. Zur deutschen Klassiker-Parodie." Germanisch-Romanische Monatsschrift 54 (1973): S. 320–342.

Kommentar
Behandelt (S. 322–325, 338–340) die Parodien von "Wanderers Nachtlied", die K. in der Kriegs-"Fackel" und in den "Letzten Tagen" zitiert. Die kulturkritische Funktion dieser Zitate wird nicht ganz durchschaut.

Riha, Karl. "Annoncen als literarisches und literaturwissenschaftliches Thema." Sprache im technischen Zeitalter (1974): S. 230–240.

Kommentar
Behandelt S. 232–234 K.'s Annoncen-Zitate, stellt Parallelbeispiele zusammen und geht dann auf die Frage ein, inwieweit die satirische Verfahrensweise K.'s für die Wissenschaft fruchtbar gemacht werden kann.

Mon, Franz. "collage in der literatur." In: prinzip collage. Hrsg. v. Institut für moderne Kunst Nürnberg, Franz Mon, and Heinz Neidel Neuwied: Luchterhand 1968, S. 50–62.

Kommentar
Sieht, S. 51 f., den Ansatz zu Collagetechniken in der Literatur in dem zuerst von K. erkannten Auseinanderklaffen zwischen Sprachschablonen und Realität. Der Impuls von K. wirke in vielen mit Collageelementen arbeitenden literarischen Texten weiter.

Riha, Karl. "'Heiraten' in der "Fackel". Zu einem Zeitungs-Zitat-Typus bei Karl Kraus." Text + Kritik (2.3.2): S. 116–126.

Kommentar
Zeigt am Beispiel von in der "Fackel" zitierten Heiratsannoncen 4 Grundtypen des Zitierens aus der Zeitung bei K. Detailliert werden vor allem "Die Nebensache" (F 406–12, 1915, 38) und "Mitteilungen aus unterrichteten Kreisen" (F 370–71, 1913, 47 f.) analysiert, wobei es Riha vor allem auf K.s Techniken ankommt – das Sichtbarmachen des Vexierbildcharakters der Zitate (123) –, weniger auf K.s Kritik an der bürgerlichen Moral.

Riha, Karl. "Den Krieg photographieren." In: Kriegserlebnis. Der Erste Weltkrieg in der literarischen Gestaltung und symbolischen Deutung der Nationen. Hrsg. v. Klaus Vondung Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1980, S. 146– 161. 157–161.

Kommentar
über die Verwendung von Fotografien und über das Motiv des Fotografierens in den "Letzten Tagen der Menschheit"; es zeichne sich dort und in der Kriegs-"Fackel" ein Konzept der satirischen Aufklärung über die Funktion von Bildern und Lichtbildern im Zusammenhang des Ersten Weltkriegs ab (158). Der absolute Schluß des Dramas seien nicht die letzten Worte des Epilogs, sondern das Foto "Erhöret mich!" (159 f.). Berücksichtigt leider die Fotos der Akt-Ausgabe nicht.

Hart Nibbrig and Christiaan Lucas. Rhetorik des Schweigens. Versuch über den Schatten literarischer Rede. Suhrkamp-Taschenbücher. Frankfurt: Suhrkamp 1981, 329 S. 194–199.

Kommentar
Über K. sehr knapp über seine Kritik des öffentlichen Schweigens (196), am Beispiel Schober, und über K.'s Schweigen von 1914 und 1933(198 f.). Weiterführend die an Brecht anschließende Überlegung: Das rhetorische Prinzip seiner Polemik ist es, den Gegner zum Schweigen zu bringen,indem er ihn reden, ausreden läßt in jener "tödlichen Stille" sprachkritischer Aufmerksamkeit [...] (195).

Rogers, Michael Anthony. ""Dies Österreich ist eine kleine Welt"." In: Austrian Life and Literature 1780–1938. Hrsg. v. Peter Branscombe Edinburgh: Scottish Academic Press 1978, S. 72–80.

Kommentar
Untersucht an Beispielen aus K. (vor allem aus den "Letzten Tagen der Menschheit") und Nestroy die als typisch österreichisch empfundene Methode (79), die beschränkte österreichische Welt als Bild der Welt insgesamt zu präsentieren (72).

Rogers, Michael Anthony. ""Dies Österreich ist eine kleine Welt"." Forum for Modern Language Studies 13 (1977): S. 168–176.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Arntzen, Helmut. "Die Funktion der Polemik bei Karl Kraus." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 46–75.

Kommentar
Die weitaus meisten Polemiken K.s zielen auf Journalisten und Schriftsteller(49), wobei der Kreis der Betroffenen verhältnismäßig klein ist. Die Polemik gegen Bahr sei zunächst Polemik gegen Verhaltensweisen; doch nimmt nach1902 Bahrs SPRECHEN [] als das Exempel einer völligen Haltlosigkeit (51),als die durch kein Ethos gedeckte Unverbindlichkeit eines öffentlichen Redens (51) die zentrale Stelle in dieser Polemik ein. Bahr erscheint so als ein für die Epoche bestimmender Typus, aber nicht als sozialpsychologisches Konstrukt,sondern als dokumentierbarer Sprecher (53). Geht dann auf Typen der Polemik bei K. ein (56 f.) und behandelt die Polemiken gegen Münz (58 f.), Großmann(59 ff.), Benedikt (61 f.), Harden (63 f.), Kerr (64 f., 70 f.), Békessy und Schober(65 ff.). "Békessy's Panoptikum" (KKB K 833 usw.) bestätigte K.s Polemik(66 ff.). Diese Polemik sei dadurch gerechtfertigt, daß sie das Allgemeine im Persönlichsten zeigt (72). Durch das Festhalten an den Zielscheiben seiner Polemik habe K. an der persönlichen Verantwortung öffentlicher Sprecher festgehalten (72).

Arntzen, Helmut. "Karl Kraus und seine Gegner. Zur Funktion der Polemik in seinem Werk." Literatur und Kritik 20 (1985): S. 167–187.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Yates, W. E. "Karl Kraus and the Remembrance of Things Past." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 76–91.

Kommentar
Satiriker beziehen ihre Maßstäbe häufig aus der Vergangenheit, doch selten aus der jüngsten Vergangenheit – gerade das ist bei K. der Fall, der an einer Wiener "Kollektivnostalgie" (78) Anteil hat, mit Hofmannsthal, Weinheber, Wildgans u. a. Auch K.s Bilder vom Garten Eden gehören in die Reihe der elegischen Motive der Wiener Literatur seiner Zeit (79). Doch ist diese Orientierung an der Vergangenheit, so affirmativ K. darin ist, nicht eskapistisch (88). Mit einer interessanten Bemerkung zum K.schen Charakter von Roths "Antichrist" (84).

Timms, Edward. "Archetypal Patterns in the Satire of Karl Kraus." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 92–108.

Kommentar
Geht aus vom Unterschied zwischen Polemik und (fiktionalisierender) Satire bei K. In dessen Polemik bleibe die Dimension der sozio-ökonomischen Analyse ausgespart, oft zugunsten einer Deutung durch literarische Analogien. Am Beispiel der satirischen Figur Salten werden Beziehungen K.s zu literarischen Archetypen im Sinne Jungs und Fryes nachgewiesen, in diesem Fall zu der bei Juvenal, Pope u. a. nachweisbaren Trickster-Figur. K. dürfte sich dieser Analogien nicht bewußt gewesen sein (100). Neben dem Nachklang des Archetyps weisen die Figuren, gerade auch Salten, der unverantwortliche Journalist, sehr wohl historische Konkretheit auf (105 f.). Mit wichtigen Überlegungen zu K.s mythischen Anspielungen (102) und zu seinem Denken in literarischen Analogien (102 f.).

6.1 – Kraus' Auffassung von der Sprache

Disch, Andreas. Das gestaltete Wort. Die Idee der Dichtung im Werk von Karl Kraus. Zürich: Juris 1969, 179 S.

Kommentar
Die sehr engagierte, wichtige Arbeit beginnt mit methodischen Vorüberlegungen über das Verhältnis des Wissenschaftlers zu seinem Gegenstand K. und über die Unmöglichkeit, bei K. eine geschlossene Philosophie zu finden. Im weiteren die bisher überzeugendsten Überlegungen zum Ursprungsbegriff, der sich erst und jedesmal neu aus dem Nein der Satire konkretisiert (33); er wird hier vor allem als formaler Begriff verstanden. Im weiteren ausführlich über die Sprachauffassung, wobei sich Disch von Liegler distanziert und keine Verbindung zum Sprachdenken der Romantik gelten läßt; wesentlich scheint bei K. vielmehr die Befreiung des Wortes aus dem Gerede und die Beziehung zwischen Sprache und dichterischer Form. Abschließend über K.'s Auffassung von der Lyrik (weniger über seine Gedichte, die von den Konventionen des 19. Jahrhunderts abgesetzt werden). Rezensiert von J.M. Fischer in: Germanistik 12. 1971. S. 392.

Frenzel, Ivo. "Vom Leben und vom Wohnen in der Sprache (Karl Kraus – Martin Heidegger)." Forum (Wien) 2 (1955): S. 154 f.

Kommentar
Vor allem an Heidegger interessiert. Gemeinsam sei ihm und K. das Wissen, daß man über die Sprache nicht beliebig verfügen kann; doch vertrage K.'s Sprache die rationale Kontrolle, der sich Heidegger entziehe.

Kars, Gustave. "L'esthétique de Karl Kraus." Etudes Germaniques 8 (1953): S. 252–261.

Kommentar
So wenig der Versuch, eine Verbindung zwischen K. und dem Mittelalter herzustellen, und andere Spekulationen überzeugen, so brauchbar erscheint dieser Ansatz zu einer Systematisierung von Grundvorstellungen K.'s sonst: Trennung von Literatur- und Alltagssprache; Revitalisierung der Alltagssprache; die prästabilisierte Harmonie zwischen Wort und Sache; die Rolle der Ahnung; die Trennung der Stile aufgrund eines moralischen Urteils. Eine brauchbare Paraphrase theoretischer Äußerungen von K., mit fragwürdigen Parallelen aus der Philosophie.

Kraft, Werner. "Ludwig Wittgenstein und Karl Kraus (1961)." In: WK: Rebellen des Geistes. Stuttgart: Kohlhammer 1968, S. 102–134.

Kommentar
K 2114. Der Wert des mit Assoziationen überfrachteten und schwer zu lesenden Aufsatzes liegt weniger in der sehr vorsichtigen Darstellung der Beziehungen Wittgensteins zum Werk von K. als in den Aussagen über dieses: über K.'s Nicht-Verhältnis zur Philosophie (103), über seine Religiosität (112), über seine Beziehung zum antigeschichtlichen Denken Schopenhauers (113), über den bei ihm und bei Wittgenstein auftauchenden Gedanken von der Einheit der Ethik und der Ästhetik (124 ff.) – den Kraft mit K.'s Wilde-Rezeption in Verbindung bringt (130 ff.) –, über die "Rätsel" in den "Worten in Versen" (127 f.). Einige Ansätze zu einer Darstellung des Denkens der Epoche über Sprache, in welches K. wie Wittgenstein einzuordnen sind, mit der Einschränkung, daß nirgends die Gegensätze so stark entbrennen können wie eben unter Verwandten (124).

Kurzweil, Baruch. "Die Fragwürdigkeit der jüdischen Existenz und das Problem der Spradtgestaltung. Betrachtungen zu den Werken von Kafka. Brodl und Karl Kraus." Bulletin des Leo-Baeck-lnstituts 8 (1965): S. 28–10.

Kommentar
Durch das Hinschwinden der Glaubensgeborgenheit sei eine jüdische Existenzkrise eingetreten. Daraus ergebe sich unter Juden ein besonderer Sinn für Wertzerfall, daraus sei auch die zentrale Stellung des Untergangsmotivs in neuerer jüdischer Dichtung deutscher wie hebräischer Sprache zu erklären. K. sei in dieser Situation zum Bewahrer der heiligen Sprache geworden. die zwei Seiten über ihn (338 ff.) sind weniger wichtig als der Zusammenhang, in den er hier gestellt wird.

Liegler, Leopold. "Die künstlerische Sprachform bei Karl Kraus." In: Agathon. Almanach auf das Jahr 46 des zwanzigsten Jahrhunderts. Wien: Agathon o. J. [1945], S. 59–64.

Kommentar
Versucht K.'s Sprachauffassung (Sprachmystik) an dem Gedicht "Fahrt ins Fextal" zu erläutern.

Liegler, Leopold. Karl Kraus und die Sprache. Wien: Lányi 1918, 20 S.

Kommentar
Eine konzentrierte Fassung der wichtigsten Gedanken aus Lieglers Monographie (2.1.06). Ober die Persönlichkeit K.'s wie über sein Verhältnis zur Sprache.

Radecki, Sigismund von. "Karl Kraus und die Sprache." In: SvR: Wie ich glaube. Köln und Olten: Hegner 1953, S. II–20.

Kommentar
K 1783. Betont das jüdische Element in K.'s Denken über die Sprache.

Rühmkorf, Peter. "Die soziale Stellung des Reims. Karl Kraus oder die Grenzen der Wesensbeschwörung." In: Grüße. Hans Wolffheim zum 60. Geburtstag. Hrsg. v. Klaus Schröter Frankfurt: Europäische Verlags-Anstalt 1965, S. 103–III.

Kommentar
Auch u.d.T.: Sphärenklänge. K 1045. Im seinerseits wiederum sprachkritischen Ansatz überzeugende und brillant formulierte Kritik an den Thesen des Essays "Der Reim", an K.'s Ästhetik und davon ausgehend an seiner gesellschaftlichen Position: […] hinter der Auffassung des Reimes als einer organischen Einheit aus Zusammenhang und Zusammenklang steht sichtbarlich die alte bürgerliche Glaubensdreiheit des Guten. Wahren und Schönen. Bei Berücksichtigung des satirischen Werkes, das der Kontext dieser Äußerungen über den Reim ist, müßte der (so plump nicht ausgesprodiene) Vorwurf der falschen Harmonisierung allerdings modifiziert werden.

Stephan, Joachim. Satire und Sprache. Zu dem Werk von Karl Kraus. München: Pustet 1964, 192 S.

Kommentar
Stephan stellt einen großen Teil der Äußerungen von K. über 'Satire' und über 'Sprache' zusammen und versucht, aus ihnen eine Theorie der Satire sowie eine Sprachphilosophie abzuleiten, wie sie in den verstreuten, zeitlich weit auseinanderliegenden, oft aphoristischen Aussagen sicher nicht enthalten ist. Dennoch auch wichtige Gedanken: da Satire im Namen einer Instanz auftreten müsse, um 1900 aber keine Instanz mehr unangefochten gewesen sei, habe sie sich bei K. auf die Sprache zurückwenden müssen (99 f.). Daß Sprachverhalten moralisches Verhalten ist (170), sei K.'s große Entdeckung. Gute Beobachtungen zur Technik des Zitats, zum Ursprungsbeqriff, zu K' Ablehnung der zeitgenössischen Literatur u. a. m. Vgl. die Besprechungen von Timms (0.4.3) und von Praschek, in: Germanistik 6. 1965. S. 689 f.

Stern, Joseph Peter. "Karl Kraus's Vision of Language." Modern Language Review 61 (1966): S. 71–84.

Kommentar
Der wichtige Aufsatz versucht im ersten Teil K.'s Verhältnis zur Sprache weniger aufgrund theoretischer Äußerungen als aufgrund seiner satirischen Tedinik zu bestimmen (u. a. anhand von "Wieso kommt es"); im zweiten Teil wird seine Identifizierung von Sprache und Moral als zu eng, zu wirklichkeitsfern kritisiert.

Zohn, Harry. "Das Wort als Waffe: die Sprache in der Satire von Karl Kraus." Zeitschrift für die Geschichte der Juden 7 (1970): S. 167–171.

Kommentar
Stellt Äußerungen K.'s über die Sprache zusammen, die im Sinne Lieglers kommentiert werden.

Adorno, Theodor Wiesengrund. "Einleitung." In: TWA, Hans Albert u.a.: Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. Neuwied: Luchterhand 1969, S. 7–79.

Kommentar
Stellt S. 56–58 K.'s Sprachkritik als Modell einer sinnvollen nicht-'empiristischen' soziologischen Verfahrensweise vor. Die strenge Beziehung der Kraus'schen Analysen au! die Sprache und ihre Objektivität trägt sie über die [...] Zufälligkeit bloß subjektiver Reaktionsformen hinaus (57 f.).

Müller, Manfred. "Einspruch gegen einen Geburtstag. Zum 100. Geburtstag von Karl Kraus am 28. April." Frankfurter Rundschau (1974-04-27): Feuilleton S. III.

Kommentar
Der ausgezeichnete Aufsatz arbeitet nach einer Polemik gegen die K.-Rezeption im Journalismus der Gegenwart heraus, was man von K. lernen könne. Lernbar sei seine perspektivische Taktik: seine große, neu zu entdeckende Leistung sei die Analyse der alltäglichen Ideologieproduktion (als des Verfahrens zur Stabilisierung von Unrechtsverhältnissen) durch die Kritik der Sprache ihrer Produzenten und Verbraucher.

Egli-Schwab, Fritz. Das Sprach- und Kunstverständnis von Karl Kraus. Zürich 1974, 231 S.

Kommentar
Die Arbeit behandelt zuerst Kraus' Auffassung von der Sprache, dann seine Auffassung von den literarischen Gattungen und dem Theater, schließlich seine Ansicht über die Aufgaben der Kunst in seiner Zeit. Obwohl sich die Arbeit um kritische Distanz zu Kraus bemüht und dessen Einseitigkeit mehr behauptet als herausarbeitet, kommt sie über eine – gelegentlich zu sehr systematisierende – Paraphrase von Äußerungen Kraus' über weite Strecken nicht hinaus. Betont die Bedeutung des Ursprungsbegriffs, dessen Präzisierung der Verfasser für unmöglich hält. Am anregendsten die Überlegungen über die Schwächen von Kraus' Lyrik (84-101); wichtig auch die Bestimmung von Begriffen wie Sprachlogik (23 f.), Wortgestalt (36 ff.) und altes Wort (45 f.), ferner der Hinweis auf die Gemeinsamkeiten von ursprünglicher und satirischer Sprache (157).

Rukwid, Werner. "Dialog über die Sprache. Ein erdachtes Gespräch zwischen Lichtenberg und Karl Kraus." Welt und Wort 16 (1961): S. 361 f.

Kommentar
Wertlos.

Jenaczek, Friedrich. "Le langage chez Kraus." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 128–153.

Kommentar
Die – obendrein alles eher als glückliche – Übersetzung macht die Unmöglichkeit, Kraus' Äußerungen über Sprache in ein System zu fassen, besonders deutlich; die Schlüsselwörter wie Vorstellung, Phantasie u. a. lassen sich nicht wie eindeutige Begriffe in eine fremde Sprache übertragen, weil sie eben keine solchen Begriffe sind. Der Sprachverwendung Kraus' geht Jenaczek nicht nach, obwohl er an einer Stelle Kraus' Sprachglauben als Metapher für Kraus' Auseinandersetzung mit der Gesellschaft bezeichnet und von aller Mystik abhebt (131); am Ende des Aufsatzes ist allerdings auch wieder von Sprachmystik die Rede (153). Interessant die Überlegungen über den möglichen Einfluß Mauthners auf Kraus (150 f.) und der Hinweis, daß für Kraus die kommunikative Funktion von Sprache eng mit ihrer ästhetischen Funktion zusammenhänge: der Niedergang der literarischen Sprache schränke auch die kommunikativen Möglichkeiten der Sprache ein (145). Unterstreicht den Vorrang des Satzes vor dem Wort bei Kraus (131).

Rühmkorf, Peter. "Die soziale Stellung des Reims. Karl Kraus oder die Grenzen der Wesensbeschwörung." In: PR: Strömungslehre I. Poesie. Reinbek: Rowohlt 1978, S. 129–135.

Kommentar
Stilistisch stark, inhaltlich nicht überarbeiteter Neudruck von 6.1.10.

Beutin, Wolfgang. Sprachkritik – Stilkritik. Eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer 1976, 160 S.

Kommentar
Beutin unterscheidet zwischen Sprachkritik (Kritik der langue) und Stilkritik (Kritik der parole), die praktisch jedoch schwer voneinander zu trennen seien. Immer wieder wird auf K.s Bedeutung für die Entwicklung sprach- und stilkritischer Ansätze hingewiesen (z. B. 67, 81, 93). Der kurze, unmittelbar K. gewidmete Abschnitt (50–54) – mit einem Rückgriff auf Kürnberger – betont einerseits das ungenügende theoretische Fundament K.s, andrerseits die Bedeutung seiner Leistung.

Szabó, János. "Zur Sprachauffassung von Karl Kraus." Acta Litteraria Academiae Scientiarum Hungaricae 21 (3–4) (1979): S. 323–339.

Kommentar
Geht aus von einer relativ ausführlichen Darstellung der Sprachproblematik in Österreich-Ungarn, in dem der grundlegende Konflikt des Schriftstellers darin bestanden habe, daß er unzufrieden mit der Rede (parole) gewesen sei, aber um den Wert der Sprache (langue) gewußt habe (327). Charakterisiert dann K.s Glauben an die Idealsprache (330) in traditioneller Weise, betont aber: Kraus' Sprachverehrung ist als charakteristische affirmative Erscheinung der die schlechte Rede der Epoche bekämpfenden "sprachlichen Revolution" anzusehen (332). Geht dann auf die Methoden von K.s Redekritik (332) ein und charakterisiert u. a. einige Zitattypen (333 f.), behandelt aber auch K.s Annäherung an die Idealsprache im eigenen Sprachgebrauch K.s (335 ff.). Interessante Analyse des Aphorismus "Je größer der Stiefel, desto größer der Absatz." (337). K.s Sprachdenken sei streng synchron (331).

Mogge, Birgitta (Bearbeiterin). Die Sprachnorm-Diskussion in Presse, Hörfunk und Fernsehen. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Der öffentliche Sprachgebrauch. Stuttgart: Klett-Cotta 1980, 334 S.

Kommentar
In der von der Akademie angeregten Sprachnorm-Diskussion wurde auch die Frage, ob uns heute wohl ein Karl KRAUS fehlt (Weinrich, 19), gestellt. Mehrere Beiträge beziehen sich darauf, zum Teil in heftiger Ablehnung seines Fanatismus, der für eine wissenschaftlich begründbare Sprachpflege untragbar sei(Rupp, 256: ähnlich scharf Heringer, 58 – also zwei Sprachwissenschaftler);kritisch auch der Journalist Maxim Fackler (138 f.). Neben Heckmann (KAB6.1.22) wichtige Reflexionen über K. im Beitrag von Arntzen (78 f.) – an K.s Pressekritik sei nicht das Ausstellen einzelner Defekte wichtig, sondern die grundsätzliche Problematisierung der Reflexionslosigkeit und damit Automatisierung des Sprechens durch die Medien – und in Weinrichs Einleitung: wenn K. recht hat, liegen die Gefahren eher bei einer zu [] routinierten Beherrschung der Sprachnormen, so daß dem originalen Denken und kritischen Nachdenken in der journalistischen "Phrase" keine Chance bleibt (18 f.). Das Buch ist durch ein Register erschlossen.

Heckmann, Herbert. "Fehlt uns heute ein Karl Kraus?." In: Die Sprachnorm-Diskussion in Presse, Hörfunk und Fernsehen. Hrsg. v. Birgitta Mogge (Bearbeiterin) Stuttgart: Klett-Cotta 1980, S. 80–84.

Kommentar
Unterscheidet die Sprachkritik K.s, der sich in erster Linie an die Schwätzer gehalten habe (81), von der moralisch weniger entschlossenen, rein akademischen Sprachkritik der Gegenwart. Weniger an K. als an den Sprachproblemen der Gegenwart interessiert.

Rühmkorf, Peter. agar agar – zaurzaurim. zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven. Reinbek: Rowohlt 1981, 157 S.

Kommentar
Bezieht sich zweimal (38, 110) etwas ausführlicher auf K.s gestaltpsychologisch unendlich einfühlsamen Aufsatz "Der Reim" (110), viel knapper, aber im Grunde ähnlich wie in 6.1.10.

Kars, Gustav. "L'esthétique de Karl Kraus." In: GK: Spätlese. Lebensernte eines Außenseiters. St. Mandé: Selbstverlag (Auslieferung über Böhlau,Wien) 1953, S. 56–66.

Kommentar
Neudruck.

Lamping, Dieter. "Probleme der Reimpoetik im 20. Jahrhundert." WirkendesWort 35 (1985): S. 283–293.

Kommentar
Die Reimpoetiken von K., Loerke und Rühmkorf seien Reaktionen auf die Reimfeindlichkeit ihrer Zunft- und Zeitgenossen (290); durch die Betonung der inneren Spannung des Reims hätten K.s und Rühmkorfs Reimpoetiken innovatorischen Charakter (291). K. habe der Semantik des Reims eine Bedeutung verliehen, die ihr in früheren Poetiken nicht zugekommen war (286).

6.2 – Über Kraus' Sprachgebrauch

Heringer, Hans-Jürgen. "Karl Kraus als Sprachkritiker." Muttersprache 77 (1967): S. 256–262.

Kommentar
K.' sogenannte Sprachkritik wird als Redekritik, Kritik der parole, verstanden, die zum Teil schlechte Traditionen der deutschen Sprachkritik des 19. Jahrhunderts fortsetze, in vielem aber über diese hinausführe und durchaus neueren Erkenntnissen der Sprachwissenschaft entspreche. Kritisch gegenüber der brutalen Sprache, die K. gegenüber seinen Gegnern anwendet.

Wagenknecht, Christian Johannes. Das Wortspiel bei Karl Kraus. Palaestra. Göttingen: Vandenhoedt & Ruprecht 1965, 175 S.

Kommentar
Die wichtigste Arbeit zum Sprachgebrauch K.'s. Weist eine zunehmende relative Häufigkeit der Wortspiele nach, die als Mittel der Kürze und des Witzes analysiert werden. Ihre Funktion für K.'s Kritik der Phrase wird dargestellt. Schließlich geht Wagenknecht auf das Verhältnis der sprachlichen Praxis zur 'Theorie' K.'s ein und mißt dem Wortspiel weniger eine den Gedanken stiftende als eine ihn beglaubigende Funktion bei. Kommt vom Wortspiel auf die magische Ursprungsvorstellung und auf das Ineinander von Rationalität und Irrationalität bei K. Bezieht auch textkritische Beobachtungen ein. Vgl. die Rezensionen von Timms (0.4.3), Walter dietze, in: Germanistik 7, 1966. S. 666, und Sidney Rosenfeld, in: Journal of English and Germanic Philology 66. 1967. S. 320 f.

Wagenknecht, Christian Johannes. Das Wortspiel bei Karl Kraus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1975, 176 S.

Kommentar
Auf S. 176 ergänzende Hinweise, sonst bis auf kleine Korrekturen gegenüber der 1. Auflage unverändert.

Schmidt, Johannes N. "Der Satiriker und die Sprache: Jonathan Swift und Karl Kraus." In: Großbritannien und Deutschland. Festschrift für John W. P. Bourke. Hrsg. v. Ortwin Kuhn München: Goldmann 1974, S. 477–486.

Kommentar
Material zu sprachkritischen Verfahrensweisen Swifts; auf Analogien bei Kraus geht der Aufsatz nur am Rande – und nicht sehr genau – ein.

Schick, Paul. "De la pensée à la création." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 185–192.

Kommentar
Berührt sich teilweise mit 2.2.14. Betont die Wichtigkeit der textkritischen Analyse von Kraus' Manuskripten, seine Kriterien für Wahrhaftigkeit und die allmähliche Entwicklung seines Denkens. Anhand eines Entwurfs und des endgültigen Manuskripts von Mit der Uhr in der Hand (W 5, 104), beide faksimiliert, wird die Rolle der Formulierung für den Gedanken Kraus' gezeigt. (Zwei weitere Faksimiles, die ohne Bezug auf Schicks Artikel und ohne jedwede Angabe geboten werden, gehören zu Weltgericht, F 499–500, 1918, 3 f. und 1 f.)

Scheichl, Sigurd Paul. "Der Stilbruch als Stilmittel bei Karl Kraus." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 128–142.

Kommentar
Ausgehend von "Literatur" und Texten aus diesem zeitlichen Umkreis (z. B."Vom großen Welttheaterschwindel") werden Beispiele für Stilbrüche und deren unterschiedliche Funktionen gegeben: Ironiesignal, Verstärkung der Expressivität, Figurendarstellung, Sichtbarmachen von Kontrasten, lokales oder soziales Kolorit, Infragestellung von Pathos. Besonders häufig sind Stilbrüche durch Wortmaterial aus dem deutsch-jüdischen 'Jargon' markiert. Der Stilbruch sei ein zentrales Stilmittel bei K., auch in Zusammenhang mit dem Zitat.

Scheichl, Sigurd Paul. "Ohrenzeugen und Stimmenimitatoren. Zur Tradition der Mimesis gesprochener Sprache in der österreichischen Literatur." In: Österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts. Französische und österreichische Beiträge. Hrsg. v. SP and Gerald Stieg Innsbruck: Institut für Germanistik 1986, S. 57–97.

Kommentar
Über K. 66–68. Behandelt ihn unter dem Gesichtspunkt seines Zitierens von Gehörtem (68), das man neben seinem Zitieren von Gedrucktem auch beachten müsse, und überhaupt seiner akustischen Begabung. Er wird in die Tradition einer das Akustische betonenden Literatur in Österreich gestellt, besonders auch in die des Wiener Lokalhumors (Chiavacci, Pötzl u. a.; vgl. 68 und 66);Beispiele reichen von Raimund und Nestroy über Kuh und Canetti ('akustische Maske') bis zu Qualtinger, Jandl und Wolfgang Bauer.

6.3 – "Die Sprache"

Fässler, Peter. Studien zur 'Sprachlehre' von Karl Kraus. Zürich: Juris 1972, 126 S.

Kommentar
Vergleicht K.' „Die Sprache" mit der zeitgenössischen sowie der heutigen Grammatik. Dabei wird eigentlich nur nachgewiesen, daß K. kein Sprachwissenschaftler war, daß seine Sprachuntersuchungen methodische Mängel aufweisen und daß sein Begriff der Sprachrichtigkeit normativ ist. Fässlers Kritik an der These vom Sprachverfall und an der Verbindung von Sprache und Moral leidet an mangelnder Kenntnis des Zusammenhangs von K.'s Werk. Trotz einigen nützlichen Einzelhinweisen (z. B. auf die Anwendbarkeit des Begriffspaars langue-parole auf K.) kein wichtiger Beitrag zur Sprachauffassung von K., die als solche kaum behandelt wird, schon gar nicht in ihrer literarischen Funktion. Vgl. die anderen Ergebnisse Heringers (6.2.1). Rezensiert von Krolop in: Germanistik 15. 1974. S. 986.

Fließbach, Holger. "Die Sprache." In: Kindlers Literatur-Lexikon. Zürich: Kindler 1971, Sp. 1848–1850.

Kommentar
Weist auf Übereinstimmungen zwischen K.'s Sprachauffassung und der Hegels hin (aus Anlaß von "Subjekt und Prädikat").

Rychner, Max. "Karl Kraus: die Sprache (1954)." In: MR: Arachne. Aufsätze zur Literatur. Zürich: Manesse 1957, S. 132–143.

Kommentar
K 77. Mehr eine Gesamtwürdigung K.'s als ein Aufsatz über „Die Sprache". Betont besonders K.'s Orientierung an Goethe. Enthält die Anekdote von K.'s Urteil über ein George-Gedicht: Schön! – obwohl es von George ist.

Weiskopf, Franz Carl. "Hohe Schule der Sprache. Zur Neuausgabe der 'Sprache' von Karl Kraus." In: FCW: Gesammelte Werke. Band 8: Über Literatur und Sprache. Berlin (DDR): Dietz 1960, S. 453–459.

Kommentar
Einerseits Vorbehalte gegen die Fetischisierung der Sprache, andrerseits Entzücken und Bewunderung über den Sprachwitz, das Sprachgefühl, die Sprachgewalt und die Sprachkenntnis (456). Im ganzen wenig ergiebig. Identisch mit K 105.

Haueis, Eduard. Sprachwissenschaftliche Theoriebildung am Beispiel der kommunikativen Gliederung des Satzes. Schülerarbeitsbuch + Lehrerband. Deutsch in der Sekundarstufe II, Kurs 1. Stuttgart: Metzler 1977, VI + 108, VI + 32 S.

Kommentar
Enthält als ersten Text im Schülerarbeitsbuch (7–25) die "Es" betreffenden Passagen von "Subjekt und Prädikat" (W 2, 289–308), mit Arbeitsvorschlägen. Interessant im Lehrerband, 3 f., die Begründung für die Aufnahme dieses Texts: weil K. kein Sprachwissenschaftler, sondern wie die Schüler ein Laie gewesen sei, den die Überlegenheit des Fragens, nicht die des Antwortens (4) auszeichne, und weil seine Fragen über das hinausgegangen seien, was die institutionalisierte Wissenschaft damals an Antworten habe geben können. 15 f. ein kurzer Kommentar zum K.-Text.

Kully, Rolf Max. "Die Norm des Tribuns. Bemerkungen zu Karl Kraus' Sprachverständnis." In: Standard und Dialekt. Festschrift für Heinz Rupp. Hrsg. v. Heinrich Löffler, Karl Pestalozzi, and Martin Stern Bern: Francke 1979, S. 129–141.

Kommentar
Beschäftigt sich vorwiegend mit einigen Aufsätzen aus "Die Sprache" und klassifiziert die darin behandelten Einzelprobleme aus linguistischer Perspektive. Morphologie und Phonetik spielen bei K. eine geringe Rolle, weil er sich vor allem mit der geschriebenen Sprache befasse (133 ff.). Seiner Behandlung von Sprachproblemen liege ein differenziertes Normensystem zugrunde (135): 1. die Norm der grammatischen Korrektheit (135 f.); 2. der Normbereich des dichterischen Ausdrucks (136 f.); 3. die Norm der absoluten Freiheit, die sich in der scheinbar gebundendsten Form des Zitats verwirklicht (137). Anregende Hinweise auf K.s gelegentlich kritisches Verhältnis zur Sprache der Klassiker (132) und auf die Bedeutung nicht-satirischer fehlerhafter Zitate (137). Wenig überzeugt der abschließende. Versuch, K.s Verhältnis zur Sprache mit Kategorien Weiningers zu beschreiben (138 ff.).

7.1 – Die Presse

Arntzen, Helmut. "Presse, Phrase. Totalitarismus. Wiener Rede zum 100. Geburtstage von Karl Kraus." Neue deutsche Hefte 21 (1974): S. 321–337.

Kommentar
Karl Kraus ist der einzige, der durch die Mikroanalyse von Zeitungstexten die historische Qualität des Sprachproblems begriffen und es dadurch überhaupt erst konkret und also auch sinnvoll gemacht hat (322). Der totalitäre, bewußtseinsokkupierende Charakter der Pressesprache wird mit ständigem Bezug auf K.' aber gleichsam systematisch dargestellt – auch mit aktuellen Beispielen. Wichtige Bemerkungen zur "Dritten Walpurgnisnacht".

Arntzen, Helmut. "Satire und Presse. Anläßlich eines Buches über Karl Kraus (1968)." In: HA: Literatur im Zeitalter der Information. Frankfurt: Athenäum 1971, S. 217–220.

Kommentar
Positive Rezension des Buches von Weigel (2.1.09), Hinweise auf K.'s Auffassung von der Presse, die das Denken und die Wirklichkeit verwirre, indem sie die Sprache ihren sogenannten publizistischen Bedürfnissen unterwerfe.

Arntzen, Helmut. Literatur im Zeitalter der Information. Aufsätze. Essays. Glossen. Athenäum Paperbacks Germanistik. Frankfurt: Athenäum 1971, 389 S.

Kommentar
Arntzen nimmt hier nicht nur in den Arbeiten Bezug auf K., die diesen zum Gegenstand haben, sondern u. a. auch in: Nachricht von der Satire (1963; K 1691), S. 148–166; Deutsche Satire im 20. Jahrhundert (1961; K 1689), S. 167–192; Satire und Deutschunterricht (1966; K 1692), S. 192–202. In diesem Aufsatz tritt Arntzen für die Behandlung K.'s in der Schule ein (201 f.).

Bohn, Volker. Satire und Kritik. Uber Karl Kraus. Frankfurt: Athenaion 1974, [VI] + 102 S.

Kommentar
Eine ideenreiche, aber in der Darstellung recht fahrige und sprunghafte Arbeit, die im ersten Teil einige Grundsätze der K.'schen Pressekritik herausarbeitet, auf denen K.'s Satire überhaupt beruhe. Am anregendsten die Ausführungen über ,Gedanke' und ,Meinung' (15 f.) und die Auslegung der Ursprungsvorstellung, die nicht mit einer laudatio temporis acti verwechselt werden dürfe (23 f.), sondern vielmehr immer in der Sprache präsent sei (29 ff.). Der zweite Abschnitt versucht an K.'s Verhältnis zum Theater, zum alten Burgtheater einer-, zu Brecht andrerseits, das Widerspiel von reaktionärer Theorie und revolutionärer Praxis bei K. zu demonstrieren. Der letzte Teil geht auf K.'s Vorliebe für die Fortsetzung der Satire im Gerichtssaal ein; die Justiz sei für ihn ein Medium der Satire. Stützt sich vor allem auf die Anregungen Walter Benjamins.

Radecki, Sigismund von and SvR. "Rede über die Presse." In: Das Schwarze sind die Buchstaben. Köln: Burges 1957, 13-35.

Kommentar
Eine kritische Darstellung der Presse, die bewußt K.'s Gedanken in sozial anwendbare Formeln faßt. Radecki schreibt, daß ein sorgfältiges [...] Lesen der "Fackel" den Menschen konstitutiv ändert, indem er dadurch gegen die Presse geimpft wird (35).

Reinprecht, Hansheinz. Karl Kraus und die Presse. Wien 1948, Ill + 224 S.

Kommentar
Sehr materialreich, greift auch über die Grenzen des Themas hinaus. Jedoch gehen die wesentlichen Gesichtspunkte von K.'s Pressekritik in der Fülle der – manchmal fehlerhaften – Einzelanalysen unter; wichtige prinzipielle Texte werden kaum analysiert, dafür viele Pressepolemiken ausführlich nacherzählt. K.'s Gegner werden zu sehr aus dessen Optik gesehen. Nützlich u. a. die Übersicht über die zu dessen Lebzeiten gegen K. gerichteten Pamphlete.

Walter, Ingrid. Moriz Benedikt und die 'Neue Freie Presse'. Wien 1950, 231 S.

Kommentar
S. 142–145 über K.'s Verhältnis zur "Neuen Freien Presse". Bedeutungslos. Dagegen interessante Informationen über Benedikt und seine Zeitung.

Endler, Franz. Österreich zwischen den Zeilen. die Verwandlung von Land und Volk seit 1848 im Spiegel der .Presse'. Wien: Molden 1973, 367 S.

Kommentar
S. 160–172 das Kapitel: "Karl Kraus verläßt die Neue Freie Presse". Eine eher oberflächliche Charakterisierung der Anfänge der "Fackel" und des Verhältnisses von K. zur "Neuen Freien Presse". S. 135 f. ein amüsanter Hinweis zur "Krone für Zion".

Scheichl, Sigurd Paul. "Karl Kraus – Satire als Weg zur Unmittelbarkeit." Das Fenster Heft 15 (1974): S. 1545–1550.

Kommentar
Geht aus von „Innsbruck und anderes" (F 531/43, April 1920) und zeigt an Beispielen aus dieser Polemik und aus den „Letzten Tagen der Menschheit" die Kontrastierung von Phrase und Wirklichkeit als den Grundsatz von K.'s Satire auf, deren fortdauernde Aktualität nachgewiesen werden soll. Vgl. 7.6.02.5.3 (Methlagl).

Arntzen, Helmut. Karl Kraus und die Presse. Literatur und Presse. Karl-Kraus-Studien. München: Wilhelm Fink 1975, 116 S.

Kommentar
Der 1. Teil des Buches: "K. K. und die Presse" (9–58) versucht, vom 'Totschweigen' K.'s durch die Presse ausgehend, den Nachweis, daß Presse (Medien) nur ein Selbstzweck sei. An frühen Texten K.'s – u. a. zur Dreyfus-Affäre (18–24) – zeigt Arntzen, wie für K. die Literarisierung des Journalismus zum Problem geworden ist, einerseits in der Beobachtung der Phrase, die als Ergebnis dieses scheinbaren Literarisierungsprozesses nicht mehr Informationen vermittelt, sondern nur noch Reize auslöst, andererseits in dem bewußten Eintreten für die Idee der Literatur, durch die die Phrase überwindbar sei (56 f.). Ebenso interessant als konsequentes (und daher polemisches) Weiterdenken und als Aktualisierung von K.'s Deutung der Presse wie als Darstellung des zentralen Bereichs von K.'s Satire. S. 38–58 ist identisch mit 7.1.01, allerdings durch zwei Exkurse (über Journalismus im Jahre 1933, 50 f., und im Jahre 1973, 52 ff.) erweitert. Der 2. Teil ist unter 9.1.7 verzeichnet. Vgl. die kritische Rezension von G. J. Carr, in: Modern Language Review 72. 1977. S. 1003 f. sowie die Rezension von D. G. Daviau, in: Modern Austrian Literature 11. 1978. Heft 2. S. 131–135.

Goldschmidt, Hans Eberhard. Von Grubenhunden und aufgebundenen Bärenim Blätterwald. Wiener Themen. Wien: Jugend und Volk 1981, 152 S.

Kommentar
Stellt die von K., Arthur Schütz (KKB K 1096) und ihren Epigonen verfaßten 'Grubenhunde' zusammen und dokumentiert damit einen Aspekt der Wirkung von K. Enthält Faksimiles mehrerer in der "Fackel" behandelter 'Grubenhunde' und erhellt einige "Fackel"-Stellen (13 zu F 57, 1900, 32; 36 zu"Die Rauchplage", F 391–92, 1914, 16; 50ff. zu F 514–18, 1919, 41). Bemerkenswert auch 125 ff. der Bericht über das Ernstnehmen einer K.schen Parodie (F 68, 1901, 16) durch den Hofmannsthal-Forscher Wunberg.

Kähler, Hermann. "Karl Kraus, der Kritiker der Presse." In: HK: Von Hofmannsthal bis Benjamin. Ein Streifzug durch die Essayistik der zwanzigerJahre. Berlin (DDR): Aufbau 1982, S. 155–160.

Kommentar
Zusammenfassende Übersicht über Themen von K.s Pressekritik, die über viele Kritiker des bürgerlichen Journalismus hinausgehe (160). Behandelt besonders(158 ff.) den Brief Rosa Luxemburgs und seine Aufnahme in der "Fackel".Wenig ergiebig.

7.2 – Die Moral

Adorno, Theodor Wiesengrund. "Sittlichkeit und Kriminalität (1964)." In: TWA: Noten zur Literatur III. Frankfurt: Suhrkamp 1965, S. 57–82.

Kommentar
K 402. Versucht, von "Sittlichkeit und Kriminalität" ausgehend, K.'s Verhältnis zur Gesellschaft zu deuten, in dem die Verteidigung der Freiheit des Privatlebens im Mittelpunkt stehe. Wichtige Überlegungen zu K.'s Schwierigkeiten mit der großen Form der Prosa und zum Schauspielerischen an seinem Stil.

Grabowsky, Adolf. "[Rezension von]: Sittlichkeit und Kriminalität." Juristisches Literaturblatt 21 (1909): S. 190 f.

Kommentar
Interessante Rezension, die von K.'s konservativem Individualismus spricht und die Einflüsse von Nietzsche und Wilde hervorhebt. Über das besprochene Werk wenig informativ.

Pfäfflin, Friedrich. "Sittlichkeit und Kriminalität." In: Kindlers Literatur-Lexikon. Zürich: Kindler 1971, Sp. 1462–1464.

Kommentar

Wagner, Nike. Geist und Geschlecht, Karl Kraus und die Erotik der WienerModerne. Frankfurt: Suhrkamp 1982, 291 S.

Kommentar
Das sehr lesbare, perspektivenreiche Buch, das zum Teil auf unbekanntem Material (auch privaten Charakters) beruht, ist über weite Passagen mehr ein Buch über die Zeit als über K., zu dem es aber sehr präzis immer wieder zurückführt. Überzeugend wird durch den Vergleich mit zahlreichen parallelen Erscheinungen nachgewiesen, daß K. in seiner Sexualtheorie und in seinem Bild von der Frau den Obsessionen, die die modernen Bewegungen herauskristallisierten, eng verbunden gewesen ist (210). Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist, daß für K., anders als für die Wiener Moderne, die Beibehaltung sauberer Polaritäten, nicht die Vermittlung, Vertauschung und Verwischung der Gegensätze Lebens- und Denkprinzip gewesen ist (207, ähnlich u. a. 40, 163).Wichtig der dritte Teil mit ausführlichen Überlegungen zur erotischen Metaphorik, in der K. seine Sprachauffassung darstellt, und zu ihrem Zusammenhang mit seinem Bild von der Frau. Wichtige Einzelerkenntnisse betreffen u. a. die Berührungen mit Freud in der Phase von "Sittlichkeit und Kriminalität"(118 ff.), die Bedeutung einer maskulin orientierten, antimodernen Zeitströmung für K. (153), sein Partizipieren an anarchistischen Tendenzen (165), die Entwicklung seiner Aphoristik (190) usw. Insgesamt ein sehr gewichtiger Beitrag zur K.-Forschung. Vgl. die Rezensionen von Gerald Stieg in: Austriaca (Rouen) Nr. 15.1982.S. 209 f., und von Hansgeorg Schmidt-Bergmann in: Das Argument – Beiheft 83: Rezensionen. Berlin (W) 1983. S. 101.

Le Rider, Jacques. Le cas Otto Weininger. Racines de l'antiféminisme et del'antisémitisme. Perspectives critiques. Paris: Presses universitaires de France 1982.

Kommentar
Originalfassung des folgenden. Das Kapitel über K.s Weininger-Rezeption hierauf S. 142–150.

Le Rider, Jacques. Der Fall Otto Weininger. Wurzeln des Antifeminismus und Antisemitismus. Wien: Löcker 1985, 293 S.

Kommentar
Weniger eine Darstellung von Weiningers Denken als des "Falls" Weininger, indem K. eine große Rolle spielt: seine intellektuelle Bürgschaft (221) habe für den Erfolg Weiningers ausschlaggebende Bedeutung gehabt (vgl. auch 147).Zusammenhängend wird K.s Weininger-Rezeption und K.s Eintreten für Weininger auf 147–154 behandelt, wobei die Positionen K.s nicht immer sehr differenziert dargestellt werden. K.s Vorliebe für "Geschlecht und Charakter"hänge mit der darin enthaltenen paradoxen Mischung aus Dirnenverherrlichung und Puritanismus zusammen (154). 226 zwei interessante Belege für Schönbergs K.-Bewunderung. Gegenüber der Originalfassung wesentlich verbessert.

7.3 – Das Theater

Brock-Sulzer, Elisabeth. "Karl Kraus und das Theater." Akzente 2 (1955): S. 503–509.

Kommentar
K. dulde keinen Ersatz für die große Schauspielerpersönlichkeit, die es auf der Bühne seiner Zeit nicht mehr gegeben habe.

Grimstad, Karl Anne. Karl Kraus as a Literary Critic with Particular Reference to the Theater. Toronto: University of Toronto 1973, [VII] + 376 S.

Kommentar
Viel Material zur Kritik K.'s am Theater und am Drama seiner Zeit (seine sonstige literarische Kritik wird nicht berücksichtigt). die Interpretation ist eher dürftig, da K. nicht als Satiriker, sondern als Theaterkritiker verstanden wird. Wenig überzeugend der Versuch, K.'s Werk aus dem theatrical mode seines Erfahrens – des Sehens in Konflikten und Antithesen – zu erklären. Ausbaufähig der Gedanke von der undramatischen Auffassung von Bühne und Drama bei K.

Hahnl, Hans Heinz. Karl Kraus und das Theater. Wien 1947, 188 S.

Kommentar
Vier Abschnitte: Der Kritiker (relativ oberflächlich; arbeitet die Kriterien von K.'s Kritik des Theaters nicht heraus); Der Dramaturg (und Bearbeiter); Der Vorleser (das "Theater der Dichtung" als Bekenntnis zum Schauspielertheater); Der Dramatiker (wenig ergiebige Übersicht über die Dramen). Betont die Einheit von K.'s Werk, dessen affirmative Seite in der Arbeit für das Theater zu sehen sei; freilich vollziehe auch sie sich in bewußtem Gegensatz zu den Zeitgenossen. Trotz vielen zeitbedingten Mängeln immer noch wichtig.

Hahnl, Hans Heinz. "Karl Kraus und das Theater." Wort in der Zeit 2 (1956): S. 337–340.

Kommentar

Mühlher, Robert. "Karl Kraus und das Burgtheater vor 1890 (1966)." In: RM: Österreichische Dichter seit Grillparzer. Wien: Braumüller 1973, S. 276–287.

Kommentar
Identisch mit K 1805. Aufgrund einer ziemlich schmalen Textbasis wird die Bedeutung des alten Burgtheaters für K. unterstrichen. Um 1890 sei für K. eine Zäsur eingetreten. Einiges über die Schauspielkunst der Zeit, über K.'s Auffassung vom Zusammenhang zwischen Theater und Gesellschaft und über seine Ansicht vom Verhältnis von Theater und Literatur. Tendiert gelegentlich zur Überinterpretation.

Viertel, Berthold. "Karl Kraus und das Burgtheater [vermutlich nach 1947]." In: BV: Schriften zum Theater. Hrsg. v. Gert Heidenreich München: Kösel 1970, S. 404 f.

Kommentar
Fragment aus Viertels Nachlaß. Über K.'s Fähigkeit, die sprachliche Physiognomie der Schauspieler des alten Burgtheaters zu reproduzieren.

"Max Reinhardt im Spiegel der Wiener Theaterkritik." Maske und Kothurn 14 (1968): S. 109–213.

Kommentar
Unkommentierter Abdruck von 5 Äußerungen K.'s über Reinhardt aus den Jahren 1920 bis 1934.

Mayer-König, Wolfgang. "Karl Kraus als Theaterkritiker und Schauspieler." Wiener Kunsthefte (1978): S. 43–49, 62–67, 82–84.

Kommentar
Oberflächliche Zusammenfassung von längst Bekanntem.

7.4 – Die Politik

Field, Frank. The Last Days of Mankind. Karl Kraus and His Vienna. London: Macmillan 1967, XII + 280 S.

Kommentar
Eine historisch ausgerichtete Arbeit, der es nicht ganz gelingt, die Verbindung zwischen politischer Geschichte und Literatur herzustellen. K.'s kulturkritische Position ist wohl nicht ganz verstanden worden, andrerseits werden die historischen Ereignisse zu sehr durch K.'s Augen gesehen. Das verarbeitete Material erleichtert jedoch die Einordnung von K.'s Werk in seinen historischen Kontext. Vgl. die Rezensionen von Hanser (3.1.14); dieter Kimpel, in: Germanistik 10. 1969. S. 194 f.; Scheichl (0,4.2), Timms (0.4.3).

Korger, Matthias E. "Von rebellierender Mythenbildung zu revolutionärem Bewußtsein." In: Die österreichische Nation. Hrsg. v. Albert Massiczek Wien: Europa 1967, S. 139–151.

Kommentar
Die Außenseiterposition K.'s und des "Brenner"-Kreises wird wegen der Unbedingtheit ihrer ethisch motivierten Rebellion bejaht, wegen der mangelnden gesellschaftlichen Analyse kritisiert. K.'s Weg zum Ständestaat sei aus diesem Mangel zu erklären. Franz Ferdinand sei für ihn der Archetypus des starken Mannes gewesen, dessen Schutz er in der Gefahr gesucht habe. Im ganzen wohl etwas simplifizierend, aber nicht uninteressant.

Scheichl, Sigurd Paul. "Politik und Ursprung. Über Karl Kraus' Verhältnis zur Politik." Wort und Wahrheit 27 (1972): S. 43–51.

Kommentar
Die Widersprüche in K.'s politischer Entwicklung werden damit erklärt, daß Politik für ihn ein Lebensbereich von geringer Bedeutung war, mit dem er sich zwar in gewissen gefährlichen Situationen beschäftigen mußte, aber der kein emotionales Engagement verdiente. dieses bleibe höheren Werten vorbehalten, für die die Chiffre vom 'Ursprung' stehe.

Schartner, Gertrude. Karl Kraus und die politischen Ereignisse bis 1914. Wien 1952, 207 S.

Kommentar
Eine historische Arbeit, die K.'s politische Äußerungen als Quelle für das Verständnis seiner Epodie benützen will. Im Vergleich mit den Schriften von Zeitgenossen und von Historikern erscheinen K.'s Urteile häufig als richtig. Wertvoll durch das herangezogene historische Material; für die Interpretation des Werkes wenig ergiebig.

Scheichl, Sigurd Paul. Karl Kraus und die Politik (1892–1919). Innsbruck 1971, [5 Teilbände]. XXXIII + 1517 S.

Kommentar
Analysiert K.'s politische Einzelurteile von 1892 bis 1919 und versucht, sie immer in Relation zur Gesamtheit von K.'s Werk zu sehen. Dadurch wird der apolitische Charakter vieler scheinbar politischer Urteile sichtbar; diese enthüllen sich als Teilbereich einer allgemeineren Kulturkritik. Ein umfangreicher Schlussteil versucht unter Einbeziehung der Zeit bis 1936 Ks Einstellung zur Politik zusammenfassend darzustellen. S. 813–1074 eine Untersuchung über Ks Haltung zum Judentum, die auf seinen konservativen Tendenzen zu beruhen scheint. Die Arbeit verzichtet auf eine Wertung der 'reaktionären' Vorstellungen bei K.

Williams, Cedric E. The Broken Eagle. The Politics of Austrian Literature from Empire to Anschluss. London: Elek 1974, XXII + 281 S.

Kommentar
Zuerst als Dissertation, Cambridge 1968/69. Behandelt K.'s Reaktionen auf die Politik von 1914 bis 1934 relativ ausführlich (S. 187 bis 235); sie gelten dem Verfasser als die wichtigste literarische Antwort auf die österreichische Politik der Zeit. K. sei von der unpolitischen Wiener Tradition in Krisenmomenten immer wieder bewußt abgewichen; sein Verhalten im Jahre 1933 hingegen entspreche dieser Tradition (233). Der Wert der Arbeit, die hauptsächlich die wichtigsten politischen Äußerungen von K. paraphrasiert und weder für den literarischen Charakter seines Werks noch für die Grundposition des Satirikers einen besonders scharfen Blick hat, liegt in der Bereitstellung von Material zum Vergleich der politischen Stellungnahmen K.'s mit denen seiner Zeitgenossen (Hofmannsthal, Musil, Werfel, Schnitzler, Roth u. a.).

Czeitschner, Burgel. Karl Kraus' Stellungnahmen zur Ersten Republik Österreich. Eine Analyse der Zeitschrift "Die Fackel" von 1918 bis 1936. Salzburg 1972, VII + 224 S., 6 S. Anhang.

Kommentar
Anders als im Titel behauptet, beschäftigt sich diese historische Arbeit ausschließlich mit K.'s Haltung zur Sozialdemokratie, gelangt dabei aber über eine inhaltliche Paraphrase einiger Polemiken nicht hinaus. Im wesentlichen kommt es der Verfasserin nur auf eine Verteidigung der österreichischen Sozialdemokratie und auf eine Verurteilung von K.'s Haltung im Jahre 1934 an; zum Verständnis von K. trägt diese Arbeit nichts bei.

Alff, Wilhelm. "Karl Kraus und die Zeitgeschichte (1927–1934)." In: Karl Kraus: die Dritte Walpurgisnacht. München: Kösel 1967, S. 317–365.

Kommentar
Eine interpretierende Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken von "Dritte Walpurgisnacht", "Warum die Fackel nicht erscheint" und "Wichtiges von Wichten". Über die Zeit vor 1933 nur historische Fakten. Betont K.'s Wirklichkeitssinn, sein humanitäres Engagement und die Notwendigkeit, diese Texte aus der politischen Situation Österreichs zu verstehen. Die barbarische Archaik als Wesenszug des Nationalsozialismus habe K. deutlich erfaßt. Wichtige Ausführungen über die Spannung zwischen K.'s Hoffnung auf ein Fortschreiten der Menschheit und seiner apokalyptischen Metaphorik; geht auch auf die Ursprungsidee ein.

Broer, Wolfgang. Wort als Waffe. Politischer Witz und politische Satire in der Republik Österreich (1918–1927). Versuch einer Darstellung und Auswertung. Dissertationen der Universität Wien. Wien: Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs 1973, 844 S. in 2 Bänden.

Kommentar
Historische Dissertation von 1968. Es geht um den Wert, den der mündlich tradierte, vor allem aber in den zeitgenössischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte politische Witz bzw. die politische Satire als Quelle für den Historiker hat. Über die "Fackel", deren Sonderstellung Broer bewußt ist, S. 18 f., 20 f. Broer unterscheidet zwischen dem individuellen Satiriker – K. – und der ideologischen Satire in den politisch festgelegten Blättern, der sein Interesse vornehmlich gilt. Es werden dann politische Witze und Satiren zu insgesamt 40 Themen der österreichischen Politik zusammengestellt, darunter jeweils auch Texte von K. (z. B. zum Krieg, zu den Habsburgern, zu den Legitimisten, zu den Schiebern, weniger über politische Entwicklungen in der Republik selbst). Interessant der Kontext, in dem K.'s Äußerungen stehen; häufig werden Parallelen zwischen ihnen und den Stellungnahmen der Sozialdemokraten sichtbar, auch wenn Broer sie nicht immer betont (164, 167, 179, 215, 230 ff., 355 f., 367 f., 405 ff., 424 ff.). Gelegentliche Kontrastierungen zwischen K.'s Texten und der historischen Realität erfolgen nur aufgrund allgemeiner Darstellungen. Die Interpretationen Broers sind nicht gründlich, doch liegt der Wert seiner Arbeit im Materialreichtum (vgl. die Texte S. 621–844). Leider ohne Register.

Franzel, Emil. Franz Ferdinand d'Este. Leitbild einer konservativen Revolution. Wien: Herold 1964, 144 S.

Kommentar
Die Darstellung des Thronfolgers geht bewußt von K.'s "Franz Ferdinand und die Talente" aus (u. a. 67, 103 ff., 142).

Lusher, Harold E. Joseph Roth, Robert Musil and Karl Kraus: Their Image of the Old Monarchy and the Emperor Franz Joseph. Baltimore, Md.: Johns Hopkins University 1956, 296 S.

Kommentar
Ein Exemplar im Karl-Kraus-Archiv in Wien. Über K. S. 167–270. Zum Unterschied von der folgenden Arbeit legt Lusher den Akzent auf K.'s Ablehnung der monarchischen Staatsform; er will diese negative Haltung auch schon vor 1914 erkennen. Auch sonst einige problematische Behauptungen. Dafür Material zu dieser Frage, vor allem aus der "Fackel" der ersten Jahre nach 1918, aber auch aus der Vorkriegszeit. Die literarische Gestaltung des 'Rohstoffs' aus der Politik wird nicht berücksichtigt, und im ganzen leidet die Untersuchung an mangelnder Kenntnis von K.'s Grundpositionen.

Wlasaty, Siegfried. Das Bild der untergehenden österreichisch-ungarischen Monarchie bei Joseph Roth, Karl Kraus und Robert Musil. Innsbruck 1964, XII + 290 S.

Kommentar
Über K. S. 105–200. Wlasaty stützt sich fast ausschließlich auf die "Letzten Tage" und zieht die "Fackel" kaum heran. Wenig über das Verhältnis des Dramas zur historischen Wirklichkeit, wenig über Parallelen bzw. Gegensätze zu Musil und Roth, letztlich auch wenig über K.'s Österreich-Bild, auf dem vorgeblich der Akzent liegt, das aber hinter den Einzelheiten nicht deutlich wird. Geht über Bekanntes kaum hinaus. Zu K.'s Österreichbild siehe auch 10.4.4 (Magris).

Krebs, Helmut. Der Friedensgedanke in den Werken von Karl Kraus. Wien 1952, 152 S.

Kommentar
Kaum mehr als eine oberflächlich kommentierte Zusammenstellung einschlägiger Stellen aus der Kriegs-"Fackel" und den "Letzten Tagen"; auch als Materialsammlung unzureichend. Das Ergebnis – K. sei keiner der wichtigen pazifistischen Strömungen zuzuordnen, obwohl er dem juristischen Pazifismus positiv gegenüber gestanden sei – wäre interessant, wenn man sicher sein könnte, daß Krebs die pazifistische Bewegung genau genug kennt, um zu dieser Behauptung legitimiert zu sein.

Weigel, Hans. "Texte der Kriegs-'Fackeln'." Literatur und Kritik 3 (1968): S. 25–33.

Kommentar
Vorabdruck aus Weigels Buch (2.1.09). Vgl. 5.2.4 (Pötschke über die Glossen aus der Kriegszeit), 8.06.1 (Tucholsky über "Weltgericht") und die Literatur über die "Letzten Tage der Menschheit" (8.07). Ferner Fuchs 10.4.1.

Hannak, Jacques. Johannes Schober. Mittelweg in die Katastrophe. Österreichprofile. Wien: Europa 1966, 205 S.

Kommentar
S. 103–118 über die Polemiken K.'s gegen Schober in Zusammenhang mit Bekessy und den Ereignissen des 15. Juli 1927. Recht oberflächlich. Vgl. 5.1.1 (Feigenwinter-Schimmel) zum "Hort der Republik".

Pfabigan, Alfred. "Karl Kraus und die österreichische Arbeiterbewegung." Die Zukunft 29, Heft 8 (1974): S. 25–28.

Kommentar
Knappe Zusammenstellung der wichtigsten Fakten zu K.'s jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der österreichischen Sozialdemokratie. Der Verfasser verzichtet dabei weitgehend auf jede Interpretation, obwohl er seine Sympathie für die Sozialdemokratie nicht verhehlt.

Brügel, Johann Wolfgang. Antwort an Karl Kraus. Prag 1934, 32 hektographierte Seiten.

Kommentar
Kopien im Karl-Kraus-Archiv, Wien, und im Brenner-Archiv, Innsbruck. Sozialdemokratische Reaktion auf „Warum Die Fackel nicht erscheint" (F 890/905, Juli 1934); Brügel war in diesem Heft (253 ff.) direkt angegriffen worden. Zeigt trotz seiner Zeitgebundenheit und trotz einem nur mit der polemischen Absicht zu rechtfertigenden Insistieren auf Widersprüchen zwischen dem K. von 1934 und dem von 1927 deutlich die Problematik der Parteinahme für Dollfuß.

Jaromir [= Robert Ungar (?)]. Letzten Endes. Eine Studie über Karl Kraus. Wien: Moderna o. J. [recte: Brünn: Auslandsbüro österreichischer Sozialdemokraten 1935].

Kommentar
Diese seltene Schrift – die Wiener Stadtbibliothek scheint das einzige Exemplar in einer öffentlichen Bibliothek zu besitzen – ist die radikale Absage eines Sozialdemokraten an K. Sie setzt sich besonders mit F 890/905 auseinander und klärt dabei einzelne Anspielungen auf. Wichtiger ist die Zuordnung K.'s zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus und die Infragestellung seiner Auffassung von Phrase und Phantasiearmut.

Leschitzer, Franz. "An Karl Kraus (1934)." Die Weltbühne 9. 1954 (1954): S. 530-532.

Kommentar
Ein 1934 offenbar. K. zugesandtes Gedicht, das sein Schweigen rügt und ihn, in Anspielung auf "Man frage nicht", auf die immer noch lachende Sonne Moskaus hinweist.

Kommentar
[Fotomechanischer Nachdruck. Berlin (DDR): Rütten & Loening 1968]. Kritischer, aber nicht polemischer Nachruf eines anonymen Emigranten. K.'s Verhalten im Jahre 1933 habe nicht den Charakter des Schriftstellers, sondern seine Lehre von der Gefährlichkeit der Presse als brüchig erwiesen. 1934 habe er, wenn auch sicher nicht leichten Herzens, seiner Klasse die Treue gehalten. Vgl. in dieser Zeitschrift auch 1. 1936. Heft 2. S. 4 f. eine (anonyme) polemische Kontrastierung von K. und Rolland (dazu Benjamin, 3.4.1.2.,S. 720); 3. 1938. Heft 9. S. 110 Ernst Bloch über .Man frage nicht".

Brügel, Johann Wolfgang. "Einige Bemerkungen zur Karl-Kraus-Renaissance." Gewerkschaftliche Monatshefte 15 (1964): S. 231-235.

Kommentar
Betont die progressiven Aspekte von K.'s Werk. Zeigt die Widersprüchlichkeit im Eintreten für Dollfuß, den K. einerseits als kleineres Übel bezeichnete, andrerseits aber idealisierte.

Brügel, Johann Wolfgang. "Karl Kraus. Ein notwendig erscheinendes Nachwort." Die Zukunft 29. 1974. Heft 15/16 (1974): 37-41.

Kommentar
Glossiert zuerst polemisch einige Äußerungend zum 100. Geburtstag von K und beschäftigt sich dann, ausgehend von den Briefen an Sidonie Nadherny, ausführlich mit K.'s Stellung zu Dollfuß und zur Sozialdemokratie. Mit einigen Kontrastierungen zwischen Polemik und Quelle bzw. historischem Faktum.

Nemo, Korbinian [= Friedrich M. Reifferscheidt]. "Kotau vor der Macht oder Kleineres Übel?." Die Weltbühne 11. 1956 (1956): S. 1180-1184.

Kommentar
Neben Erinnerungen an K.'s Vorlesungen ein Versuch, dessen Verhalten im Jahre 1934 zu rechtfertigen.

Daviau, Donald G. "{Rezension von:] C. E. Williams: The Broken Eagle (1974)." Modern Austrian Literature 10 Heft 1 (1977): S. 95 bis 98.

Kommentar
Kritisiert, daß Williams die außer K. behandelten Autoren zu sehr aus dessen Perspektive sehe. Wichtig die Hinweise zu Bahrs Brief an Hofmannsthal aus dem Jahr 1914 (KKB GS 332).

Scheichl, Sigurd Paul. "Die politischen Polemiken von Karl Kraus. Am Beispiel "Hüben und Drüben"." In: Staat und Gesellschaft in der österreichischen Literatur. Hrsg. v. Friedbert Aspetsberger Wien: Österreichischer Bundesverlag 1977, S. 45-63.

Kommentar
Analysiert am Beispiel von Hüben und Drüben (F 876–84, 1932, 1 ff.) die Form von K.'s Polemiken und die Kriterien seiner Wertung; dabei stellen sich fast wörtliche Übereinstimmungen zwischen der Verurteilung der Sozialdemokratie im Jahre 1932 und der Abrechnung mit der Monarchie im Jahre 1919 (Nachruf) heraus. Die Problematik so allgemeiner Kriterien, die derart verschiedene Wertungen zulassen, wird unterstrichen.

Knepler, Georg. "Karl Kraus und die Bürgerwelt." Sinn und Form 27 (1975): S. 332–370.

Kommentar
332–338 Erinnerungen an die Person K. und an die Offenbach-Vorlesungen, die Kneipler begleitete. 339–356 eine Analyse von K.s politischer Haltung in den Zwanzigerjahren. Knepler ruft nachdrücklich in Erinnerung, daß K. in dieser Zeit nicht mehr innerhalb der Bürgerwelt stand (348). K.s teilweise durchaus nicht negatives Verhältnis zum Kommunismus wird 348 ff. dargestellt; allerdings sei K. mit dem Problem der Gewalt nicht fertig geworden (348). 356–365 beschäftigt sich Knepler mit K.s Offenbach-Verehrung: die Wiederaufnahme der Operetten habe anfänglich einen Kampfaspekt gehabt (360) und sei dann ein Rückzugsgebiet geworden (364). Abschließend eine kurze Polemik gegen die Wiener K.-Woche von 1974 und eine knappe kritische Stellungnahme zu K. aus marxistischer Sicht.

Knepler, Georg. "Karl Kraus und die Bürgerwelt." Text + Kritik (2.3.2): S. 58–87.

Kommentar
Um einige Stellen – Erinnerungen an die Gestaltung der Vorlesungen (334 f.) und eine persönliche Begegnung (341) – gekürzte Fassung des Vorhergehenden.

Früh, Eckart. "Karl Kraus contra "Arbeit und Wirtschaft"." Wiener Tagebuch Heft 7/8 (Juli/August) (1980): S. 29–32.

Kommentar
Berichtet über einen bisher nicht bekannten Ehrenbeleidigungsprozeß K.s gegen die sozialistische Zeitschrift "Arbeit und Wirtschaft" (Anfang 1927) und in Zusammenhang damit über K.s Kritik an Karl Renner. Kommentiert u. a. Stellen aus F 743–50 und F 771–76.

Zohn, Harry. "Karl Kraus and the Events of July 1927." Modern Austrian Literature 12 Heft 2 (1979): S. 80–91.

Kommentar
Übersicht über die Polemiken gegen Schober. K. habe im Blutbad des 15. Juli 1927 eine Fortsetzung des Weltkriegs gesehen und das Wirken der Banalität des Bösen (82) erkannt. "Die Unüberwindlichen" seien eine Fortsetzung des satirischen Kampfes mit anderen Mitteln (86). Mit einem Faksimile des "Schober-Lieds" aus dem Manuskript (80) und einer englischen Übersetzung dieses Couplets (89, 91).

Fischer, Jens Malte. "Das technoromantische Abenteuer. Der erste Weltkrieg im Widerschein der FACKEL." In: Kriegserlebnis. Der Erste Weltkrieg in der literarischen Gestaltung und symbolischen Deutung der Nationen. Hrsg. v. Klaus Vondung Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1980, S. 275–285.

Kommentar
Knappe, auf "Franz Ferdinand und die Talente", "In dieser großen Zeit" und "Nachruf" konzentrierte Darstellung von K.s Haltung zum Ersten Weltkrieg, in der alle wesentlichen Aspekte, auch K.s satirische Methode behandelt werden. Betont die Bestätigung von K.s Einsichten durch spätere historische Forschung (284).

Bähr, Rudolf. Grundlagen für Karl Kraus' Kritik an der Sprache im nationalsozialistischen Deutschland. böhlauforum litterarum. Köln und Wien: Böhlau 1977, VI + 156 S.

Kommentar
Die dogmatisch marxistische Arbeit, im einzelnen wie im gesamten fehlerhaft und K. gegenüber verständnislos, beschäftigt sich nur auf einem Viertel ihres Raums mit K.s Kritik am nationalsozialistischen Sprachgebrauch (etwa ab 91).Sie ist viel mehr daran interessiert, K. auf eine allgemeine Formel zu bringen,die in einer ihrer Fassungen lautet: "Die Rücknahme des Privaten aus dem Gesellschaftlichen, wie sie in Kraus' Satire durchgehend zu finden ist, leugnet die menschliche Natur in ihrem gesellschaftlichen Wesen" (81; vgl. auch 44, 74, 79 u.ö.). Gelegentlich wird K., nicht ganz zu Unrecht, als "Vertreter des altliberalen Bürgertums" charakterisiert (111); seine "individualistische Betrachtungsweise" (65) wird mehrfach kritisiert. Recht unergiebig, da Bähr an einer Einzelanalyse sichtlich nicht interessiert ist. Vgl. die ziemlich negativen Besprechungen von Felix Kreissler, in: Etudes Germaniques 33.1978. 102 f.; Dieter Kimpel, in:Germanistik 20.1979. Nr. 1723; Wilma Iggers, in: Modern Austrian Literature12.1979. Heft 2. 193–196.

Bähr, Rudolf. "Grundlagen für Karl Kraus' Kritik an der Sprache im nationalsozialistischen Deutschland." Jahrbuch für Internationale Germanistik. Reihe B:Germanistische Dissertationen in Kurzfassung Band 6 (1981): S. 146–157.

Kommentar
Übersichtliche Zusammenfassung des Vorhergehenden.

Glettler, Monika. "Karl Kraus zwischen Prussophilie und Prussophobie. Bismarck und Wilhelm II. in der "Fackel"." Österreich in Geschichte und Literatur 23 (1979): S. 148–166.

Kommentar
Die im Grunde mit K. wenig vertraute Verfasserin stellt wichtige Äußerungen K.s über Bismarck und Wilhelm II. zusammen. Wichtiger als die nicht neue Schlußfolgerung, daß Kraus in hohem Maße das Zusammenspiel geschichtlicher Kräfte außer acht ließ und bewußt unhistorisch argumentierte (159), ist die nachdrückliche Betonung der bisher wohl fast stets unterschätzten Bedeutung Bismarcks für K.s Wertvorstellungen (148 f.). 160 f. eine statistische Übersicht über die Häufigkeit des Vorkommens von Bismarck und Wilhelm II. in der"Fackel". K.s Bild von Preußen und die Kontrastierung Wien-Berlin werden nicht behandelt.

Bernhard Denscher, Red. Tagebuch der Straße. Geschichte in Plakaten. Wien: Österreichischer Bundesverlag, Jugend & Volk 1981, 344 S.

Kommentar
Das schöne und instruktive Buch macht nicht nur Hintergründe von K.s Werk lebendig (z. B. das Plakat der Sozialdemokratischen Kunststelle, 167), sondern enthält auch kommentierte Abbildungen von K.s Plakat gegen Schober (176) und von Ernst Winklers, des "Goldfüllfederkönigs", Gegenplakat (177).

Krämer, Wolfgang and Müller, Gerhard. Der Gegen-Angriff (Prag/Paris 1933–36). Autoren-, Personen- und Sachregister. Deutsches Exil 1933–45. Worms: Heintz 1982, VIII + 518 S.

Kommentar
In einem einleitenden Interview äußert sich Bruno Frei, der ehemalige Chefredakteur des "Gegen-Angriff", u. a. zu den Polemiken gegen K. (18 f.), die aus heutiger Sicht Unsinn gewesen seien. "isk" wird als Pseudonym von F. C. Weiskopf nachgewiesen (85). Im Register Verzeichnis aller K. betreffenden Stellen in der antifaschistisch-kommunistischen Wochenschrift (217).

Menges, Karl. "Karl Kraus und der Austrofaschismus. Bestimmungsversuch anhand der "Fackel" Nr. 890–905." Colloquia Germanica 14 (1981): S. 313 bis 331.

Kommentar
F 890–905 sei der Reflex eines wachen zeitgeschichtlichen Bewußtseins (316);K. habe trotz einzelner Verzerrungen und Fehlurteilen (327) angesichts der Existenzfrage des österreichischen Staates, nämlich der nationalsozialistischen Annexionsdrohung (327) im wesentlichen richtig entschieden, da er die Beschränkung der realpolitischen Möglichkeiten Dollfuß' verstanden habe. An F 890–905 arbeitet Menges das Thema des Schweigens (322 ff.), eine gewisse Gleichsetzung von Journalismus und Sozialdemokratie (324 f.) und die Abwehr der Anschlußbestrebungen um jeden Preis (325 ff.) heraus. Insgesamt überzeugend.

Frei, Norbert. "Karl Kraus und das Jahr 1934." In: Österreichische Literatur der dreißiger Jahre. Hrsg. v. Klaus Aman and AlbertBerger Wien: Böhlau 1934, S. 303–319.

Kommentar
Beschränkt sich auf eine Analyse von F 890–905. Frei stellt zwischen der Ideologie des österreichischen Ständestaats und zumindest Teilen des Karl K.schen Denkens eine nicht unerhebliche Übereinstimmung fest (312), vor allem in Hinblick auf Antiliberalismus, Antikommunismus und politischen Katholizismus. Die Bejahung Dollfuß' sei mehr als Zustimmung zum 'kleineren Übel'. Betont die Bedeutung der Persönlichkeit Dollfuß' für K., unterstreicht aber schließlich K.s ausgeprägten Sinn für das nüchtern Pragmatische, das realpolitisch Machbare und seine forcierte Aversion gegen Ideologie (315), seine antiprogrammatische politische Pragmatik (316) als zentrale Ursachen seiner Zustimmung zum autoritären Regime in Österreich, die mehr sei als ein Versagen des alternden K.

Kuh, Anton. "An einen Kraus-Jünger." In: AK: Luftlinien. Feuilletons. Essays und Publizistik. Hrsg. v. Ruth Greuner Wien: Löcker 1934, S. 485 bis489.

Kommentar
KKB K 1325. Faßt noch einmal Kuhs Feindschaft gegen das advokatorische Rechthaben (485) des Übergymnasiasten (487) K. zusammen, aus Anlaß von F 890–905, einer vierhundertseitigen Kabbala der hochgeputschten Feigheit(486). Deutet an, daß zwischen dem Tonfall K.s und Hitlers mehr Gemeinsamkeiten bestünden als Gegensätze zwischen dem Inhalt ihrer Äußerungen (488).

Field, Frank. "Karl Kraus, Bernard Shaw and Romain Rolland as Opponents of the First World War." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 158–173.

Kommentar
Durch einen Vergleich mit Shaw und Rolland, deren Verhalten im Ersten Weltkrieg ausführlich dargestellt wird, zeigen sich die Besonderheiten von K.s Haltung: die Unmittelbarkeit seines Leidens (168), die Überzeugung, daß seine Heimat Unrecht getan habe (169), seine Unfähigkeit, sich vom Leid anderer zu distanzieren (169). K.s langes Schweigen von 1914/15 sei Ausdruck seiner Authentizität als Künstler und Moralist (159).

Pfabigan, Alfred. "Karl Kraus als Kritiker des Austromarxismus." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 235–254.

Kommentar
K. ist Bestandteil einer "Gegenwelt" (235 f.) innerhalb der konservativ dominierten Ersten Republik. Seine Beziehungen zum Austromarxismus sind im Rahmen der Beziehungen aller dieser "Gegenwelten" zur größten oppositionellen Kraft zu sehen (238); allerdings stand K. den Sozialdemokraten als unabhängige Macht gegenüber (240). Seine Kritik traf vor allem den Stil der Partei(241), die er nie so erlebte, wie sie selbst sich auffaßte (242). Die sozialdemokratische Publizistik hatte große Schwierigkeiten im Umgang mit K. (245 f.). Im Békessy-Konflikt scheint K. Recht gehabt zu haben (247 ff.). Klare Herausarbeitung der Grundstrukturen der Konflikte zwischen K. und der österreichischen Sozialdemokratie in den Jahren 1919 bis 1934.

7.5 – Judentum und Antisemitismus

Lessing, Theodor. Der jüdische Selbsthaß. Berlin: Jüdischer Verlag 1930, 257 S.

Kommentar
S. 43 f. über K., das leuchtendste Beispiel des jüdischen Selbsthasses. Fragwürdig.

Reich-Ranicki, Marcel. Über Ruhestörer. Juden in der deutschen Literatur. Serie Piper. München: Piper 1973, 103 S.

Kommentar
S. 24 f. belanglose Bemerkungen über den 'jüdischen Selbsthaß' als produktive Kategorie bei K.

Siegert, Michael. "Karl Kraus und der Zionismus." Neues Forum 21, Heft 244 (April) (1974): S. 51–53.

Kommentar
Zitate aus "Eine Krone für Zion" lassen interessante Parallelen zwischen K.'s antizionistischer Polemik und einer marxistischen Analyse der Anfänge des Zionismus deutlich werden. Der Akzent liegt mehr auf der Kritik am Zionismus als auf K., der als Zeuge für diese Kritik herangezogen wird.

Theobald, J. Problems of Jewish Identity in German Literature with Particular Reference to Karl Kraus. Southampton 1971/72.

Kommentar

Zohn, Harry. "Karl Kraus." In: Wiener Juden in der deutschen Literatur. Hrsg. v. HZ Tel Aviv: Olamenu 1964, S. 65–72.

Kommentar
Eine recht allgemeine Einführung in das Werk von K., an der die Gedanken über sein Verhältnis zum Judentum am interessantesten sind.

Zohn, Harry. "A Crown for Zion: Karl Kraus and the Jews." Wiener Library Bulletin 24, Nr. 2 (1970): S. 22–26.

Kommentar
Vorabdruck aus 2.1.10.

Kuh, Anton. Juden und Deutsche. Berlin: Reiß o. J. (1921), 114 S.

Kommentar
S. 36–45 eine Polemik gegen K., die an dessen angeblichen 'jüdischen Selbsthaß' anknüpft. Soweit Kuhs mitunter amüsante Formulierungen – K. war der Meisterdetektiv des latenten Jüdelns im Weltraum – überhaupt Erkenntnisse vermitteln, beziehen sie sich eher auf K.'s Persönlichkeit und auf seine Anhängerschaft als auf sein Verhältnis zum Judentum. Vgl. auch S. 24.

Tietze, Hans. Die Juden Wiens. Geschichte – Wirtschaft – Kultur. Leipzig und Wien: E. P. Tal 1933, 301 S.

Kommentar
KKB K 1248. Über K. 266 f. und 269 f. Betont den Zusammenhang zwischen Judentum und Presse in Wien; K.s Kampf gegen die Presse wird auf Selbsthaß gegenüber seinem Milieu zurückgeführt. Der Verfasser war offenbar ein Bewunderer von K.

Daim, Wilfried. Der Mann, der Hitler die Ideen gab. München: Isar 1958, 286 S.

Kommentar
In der bekannten Biografie des Lanz von Liebenfels sind S. 128–133 der Beziehung zwischen K. und Lanz gewidmet. Zitiert allerdings fast nur Bekanntes. Hält K. für einen regelmäßigen Leser der "Ostara" (128 f.); beschreibt seine ambivalente Haltung gegenüber Lanz, den er einerseits ironisch darstelle, andrerseits fast ernst nehme (133).

7.6 – Literatur (und literarische Beziehungen)

Kraft, Werner. Das Ja des Neinsagers – Karl Kraus und seine geistige Welt. München: echtion text + kritik (Richard Boorberg) 1974, 248 S.

Kommentar
Behandelt K.'s Verhältnis zu Schriftstellern, vor allem zu jenen, die er schätzte und deren Bejahung ein Gegenbild zu seiner satirischen Kritik war. Dabei geht er auf K.'s Vorläufer Lichtenberg, Rochefort und Daniel Spitzer ein, auf K.'s Verhältnis zur literarischen Tradition (Shakespeare, Schiller, Goethe, Jean Paul, Hölderlin, Claudius), auf seine Heine-Kritik, auf seine Rezeption der großen Autoren der vorhergehenden Generation (Wilde, Ibsen, Strindberg, Hauptmann), schließlich auf die Auseinandersetzung mit den Zeitgenossen (Altenberg, Loos, Wedekind, Schnitzler, Werfel, Traki, Lasker-Schüler, Brecht, Benjamin). Es handelt sich um wenig miteinander verbundene Essays, die vor allem das Material sichten und dabei auch einiges zum Verständnis K.'s erbringen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse wird nicht versucht. Besonders wertvoll der erste ausführlichere Versuch, K.'s Verhältnis zur literarischen Tradition darzustellen. Nicht behandelt werden Nestroy und Offenbach. Vgl. 2.1.02 (lggers), Kapitel 3 (problematisch!); 7.3.2 (Grimstad); 0.1.5 (Ullmann). Zu Kriterien und Methoden von K.'s Literaturkritik siehe u. a. Stephan (6.1.11) und Kaufmann (8.03.7).

Pfeifer, Josef Ernst. La pensee romantique dans l'oeuvre de Karl Kraus. Bordeaux 1967, 160 S.

Kommentar
Die nicht auf der "Fackel", sondern nur auf den Büchern beruhende Arbeit stellt Parallelen zwischen K.'s Menschenbild und seiner Kultur- sowie Sozialkritik einerseits, dem Denken der Romantik andrerseits zusammen. die Arbeit leidet unter einem ungenauen Romantikbegriff und mangelnder Kenntnis sowohl der Romantik als auch des Werkes von K., aber auch unter dem Zwang, überall Analogien zu sehen. Der Verfasser bleibt an der Oberfläche, doch könnte es sich lohnen, manchen der von ihm angedeuteten Zusammenhänge nachzugehen.

Sailer, Franz Josef. "Kar; Kraus (Leserbrief)." Der Monat 6. 1953/54. 2. Halbband (1953/54): S. 102, 104.

Kommentar
Einwände gegen Erich Heller (2.2.06). Interessant wegen des Hinweises auf einen Briefwechsel Sailers mit K. (bzw. dem Verlag „Die Fackel"), in dem K. Hinweisen auf seine Beziehung zu Nietzsche und Hölderlin aus dem Weg gegangen sei. Über das Verhältnis K.'s zur literarischen Tradition vgl. jetzt vor allem Kraft (7.6.00.2); zu Lichtenberg auch Arntzen (8.05.2), zu Goethe Rychner (6.3,3 und 8.10.5) und Chiarini (8.07.2.01), zu Nietzsche und Wilde Hansel (3.1.13), Kuh (3.2.7), Grabowsky (7.2.2); zu Nestroy siehe 8.04; zu Heine 8.03; Keith (5.1.3); Literatur zum "Theater der Dichtung" (8.11).

Haueis, Eduard. Karl Klaus und der Expressionismus. Erlangen-Nürnberg 1968, [IV] + 193 S.

Kommentar
Eine sehr reichhaltige und informative Arbeit, in der zunächst, zum Teil aufgrund von unveröffentlichtem Material, die Fakten von K. 's Kontakten zu Vorläufern des Expressionismus und zu Expressionisten dargestellt werden (Strindberg, Wedekind, Waiden und der "Sturm", Pfemfert und die "Aktion", Werfel, Ehrenstein, die Regisseure Jeßner und Piscator), dann aber auch die wesentlichen Übereinstimmungen und Differenzen zwischen K. und den Expressionisten analysiert werden. In den poetologischen Grundsätzen sieht Haueis dabei weitgehende Übereinstimmung gegeben. Zum Abbruch der Beziehungen hätten die erste Kerr-Polemik sowie der Protest gegen den Ästhetizismus des Futuristischen Manifests beigetragen. S. 161 ff. wertvolle Gedanken zur "Dritten Walpurgisnacht"

Beigel-Ujhely, Margarete. "Der Expressionismus in Österreich: Revolution der Jugend." In: Deutsch-österreichische Literaturgeschichte. Band 4: Von 1890 bis 1918. Hrsg. v. Johann Willibald Nagl, Jakob Zeidler, and Eduard Castle Wien: Fromme 1937, S. 2103–2130.

Kommentar
Versucht S. 2106 expressionistische Züge bei K. nachzuweisen und ihn als Bahnbrecher des österreichischen Expressionismus darzustellen.

Lasker-Schüler, Else. Dichtungen und Dokumente. München: Kösel 1951, 631 S.

Kommentar
Druckt S. 566–572 die wichtigsten Äußerungen der "Fackel" über die Dichterin nach. S. 578 Erinnerungen Radeckis an Äußerungen von K. über Else Lasker-Schüler.

Carr, Gilbert J. "Zu den Briefen Else Lasker-Schülers an Karl Kraus." Literatur und Kritik 5. 1970 (1970): S. 549–556.

Kommentar
Berichtigt die Ausgabe der Briefe Else Lasker-Schülers an K. (1.2.11) … Siehe auch 7.6.00.2 (Kraft).

Smith, Clyde Robert. Karl Kraus and Franz Werfel. The Conflict Between Sorcerer and Mystic. University of California at Los Angeles 1970, IX + 209 S.

Kommentar
Der Arbeit geht es vor allem um die Spuren der K.-Polemik im Werk Werfeis. Für K. ergiebig ist die Kontrastierung der Sprachauffassung der beiden Autoren zu Beginn (Sprachglaube bei K., Ungenügen der Sprache für Werfel), die Interpretation von "Elysisches", das als Parodie von Werfeis "Vater und Sohn" (1913) erkannt wird, und von "Literatur". Trägt sehr viel Material aus Werfeis Werk zusammen. Was die Genese des Konflikts betrifft, zum Teil durch den Briefkommentar Pfäfflins (1.1.1) überholt.

Bauer, Roger. "Kraus contra Werfel: eine nicht nur literarische Fehde." In: Sprache und Bekenntnis. Sonderband des Literaturwissenschaftlichen Jahrbuchs. Hermann Kunisch zum 70. Geburtstag. Berlin: Duncker & Humblot 1971, S. 315–334.

Kommentar
Weniger eine Gesamtuntersuchung des Verhältnisses von K. und Werfel als eine Analyse von "Literatur" in Hinblick auf den "Spiegelmenschen", wobei Bauer sowohl in den spezifisch expressionistischen als in den neobarocken Zügen von Werfels Drama Anlässe für K.'s Satire sieht.

Bauer, Roger. "La querelle Kraus-Werter." In: L'expressionisme dans le théâtre européen. Hrsg. v. Denis Bablet and Jean Jacquot Paris: CNRS 1971, S. 141–151.

Kommentar
Stimmt weitgehend mit dem Vorhergehenden überein, betont aber stärker die ästhetischen Kriterien, aufgrund deren K. den Expressionismus ablehnte.

Reichert, Herbert W. "The Feud between Werfel and Karl Kraus." Kentucky Foreign Language Quarterly 4. 1957 (1957): S. 146–149.

Kommentar
Knappe Zusammenstellung der Fakten zu den verschiedenen Polemiken K.'s gegen Werfel ohne jedes Eingehen auf die Hintergründe. Zu K. und Werfel siehe auch Pfäfflins Kommentar zu den Briefen an Sidonie Nádherny (1.1.1), die Erinnerungen Kurt Wolffs (1.2.20), Kraft (7.6.00.2), Haueis (7.6.02), Goldstücker (9.3.02) und die Arbeiten zu "Literatur" (8.08.1). Siehe auch den Briefwechsel Kurt Wolffs (9.2.7).

Ulmer, Christine. Franz Janowitz. Innsbruck 1970, V + 352 S.

Kommentar
Informiert (S. 18 f., 26–28, 31–35) über die biographischen Beziehungen zwischen Janowitz und K.; im Anhang werden fast alle Briefe des jungen Dichters an K. veröffentlicht (S. 305–314). In einem Überblick faßt Ulmer die thematischen Gemeinsamkeiten von Janowitz und K. zusammen (265–274).

Bapka, Walter. "Der Brenner' von 1910–1915. (Geschichte seines Werdens). Innsbruck 1950, VII + 228 S.

Kommentar
Enthält S. 104–123 die bisher einzige ausführliche Untersuchung der Beziehungen des "Brenner" zu K. Vor allem als Materialsammlung nützlich. Betont einen gewissen Gleichklang zwischen der "Fackel" und vor allem den polemischen Beiträgen in den ersten "Brenner"-Jahrgängen.

Kohn, Caroline. ""die Fackel" et "Der Brenner"." In: L'année 1913. Les formes ésthetiques de l'œuvre d'art à la veille de la premiere guerre mondiale. Hrsg. v. L. Brion-Guerry Paris: Klincksieck 1971, S. 979–988.

Kommentar
In den Fakten unverläßlich, in der Interpretation unbrauchbar.

Methlagl, Walter. "Karl Kraus in Innsbruck." Das Fenster (Innsbruck) Heft 15. 1974 (1974): S. 1544 f.

Kommentar
Über K. als Vorbild des "Brenner" und über die Polemiken in Zusammenhang mit der Innsbrucker Lesung von 1920. Vgl. 7.1.09 (Scheichl). Zu den Beziehungen zwischen Kraus und dem "Brenner" (über die eine große Untersuchung von Gerald Stieg in Vorbereitung ist) siehe auch 1.1.1.3 und 3.1.07 (Ficker), 3.1.27 (Rundfrage), 3.1.34 (Stuchen), 4.1. (Heinrich Fischer), 7.4.1.2 (Korger) und 7.6.00.2 (Kraft). Zu K. und dem Expressionismus im allgemeinen vgl. den Index zu den expressionistischen Zeitschriften von Raabe (0.1.4) und die Verzeichnisse der – zum Teil 'expressionistischen' – Mitarbeiter der "Fackel" bei Ullmann (0.1.5) und Weiermair (8.02.9). Wichtig auch die Erinnerungen und der Briefwechsel Kurt Wolffs (1.2,20, 9.2.7). Siehe auch Kokoschka (1.2.09) und die Polemik von Lichtenstein (3.2.4). Ansätze zu einer Darstellung bei Muschg (8.07.2.12) und Sternbach-Gärtner (9.3.01). Zur Expressionismusparodie "Literatur" siehe 8.08.1, zu K. und dem Wiener Expressionisten Robert Müller 8.08.1.2 (Hahnl).

Krolop, Kurt. "Bertolt Brecht und K.arl Kraus." Philologica Pragensia 4. 1961 (1961): S. 95–112, 203–230.

Kommentar
Stellt K.'s Ansichten über Brecht zusammen, sowohl die anfängliche Ablehnung als auch die spätere Schätzung. Enthält eine sehr gründliche Interpretation von "Man frage nicht" im Zusammenhang mit "Dritte Walpurgisnacht" und "Warum die Fackel nicht erscheint", mit der Grabrede auf Loos und mit "Faust II". Abschließend eine Analyse der beiden K.-Gedichte Brechts (3.4.2.3). Den möglichen Einfluß K.'s auf Brecht untersucht Krolop nicht.

Radecki, Sigismund von. "Erinnerungen an Brecht." In: SvR: Gesichtspunkte. Köln und Ölten: Hegner 1964, S. 80–88.

Kommentar
Mit einigen Erinnerungen an das Verhältnis K.-Brecht, Zu den Beziehungen zwischen K. und Brecht siehe Brechts Äußerungen über K. (3.4.2) und die Briefe Walter Benjamins (3.4.1.2); ferner 1.1.3 (Pfäfflin), 1.2.05 (Heinrich Fischer), 2.2.16 (Simon), 3.1.23 (Leschnitzer), 7.1.04 (Bohn), 7.6.00.2 und 8.10.4 (Kraft) sowie 7.6.05.7 (Mayer). Über einen möglichen Einfluß der "Letzten Tage der Menschheit" auf Brechts Dramen vgl. 9.3.03 (Kohn) und 8.07.2.16 (Spalter).

Paulmichl, Leonhard. Zeit- und Gesellschaftskritik im Werke Peter Altenbergs. Innsbruck 1963, VII + 203 S.

Kommentar
S. 152–156 eine Zusammenstellung der Äußerungen Altenbergs über K. An manchen Stellen werden Parallelen zwischen K. und Altenberg sichtbar, ohne daß der Verfasser immer darauf hinweist.

Prohaska, Hedwig Elisabeth. Peter Altenberg. Versuch einer Monographie. Wien 1948, 400 S.

Kommentar
S. 3 f., 58–62, 240–259 Zusammenstellung der Äußerungen K.'s über Peter Altenberg. S. 187–192 über die mit Altenbergs Unterstützung erscheinende Zeitschrift "Ver!" (1917 ff.), die sich an das Vorbild der "Fackel" anlehnte. Ohne daß Prohaska näher darauf einginge, wird eine gewisse Nähe der lyrischen Motive K.'s und seiner 'Ursprungs'-Vorstellung zum Werk Altenbergs spürbar.

Schäfer, Hans Dieter. "Peter Altenberg und die Wiener "Belle Epoque"." Literatur und Kritik 3. 1968 (1968): S. 382–390.

Kommentar
Die Erwähnungen K.'s sind belanglos. Interessant die Illustration gegenüber S. 385: ein von K. gezeichnetes Porträt Altenbergs aus dem Jahre 1909. Über die Entstehung der Zeichnung gibt der Aufsatz keine Auskunft. Zu Altenberg auch Kraft, 7.6.00.2; vgl. ferner Malmberg (1.2.13).

Urbach, Reinhard. "Karl Kraus und Hugo von Hofmannsthal. Eine Dokumentation. I. 1892-1899. II. 1899-1935." Hofmannsthal-Blätter 1. 1968/71 (Heft 6. 1971) 2. 1972/74 (Heft 12. 1974) (1968/71): S. 447-458 S. 372-424.

Kommentar
Stellt das gesamte Material zur Beziehung zwischen den beiden Autoren zusammen. Besonders wichtig der Anhang mit dem Verzeichnis aller Hofmannsthal betreffenden Äußerungen in der „Fakkel" und der Vorlesungen, in denen K. Hofmannsthal-Glossen las. Urbach macht wahrscheinlich, daß Hofmannsthals gutes Verhältnis zu dem von K. verachteten Bahr wesentlich zur Entfremdung zwischen beiden beigetragen hat. Im zweiten Teil zeigt die Interpretation nicht immer Verständnis für K.'s Standpunkt. Enthält auch einzelne unveröffentlichte Äußerungen Hofmannsthals über K. Als Dokumentation vorbildlich.

Wunberg, Gotthard, ed. Hofmannsthal im Urteil seiner Kritiker. Dokumente zur Wirkungsgeschichte Hugo von Hofmannsthals in Deutschland. Frankfurt: Athenäum 1972, 612 S.

Kommentar
Druckt einige Texte K.'s über Hofmannsthal, gibt S. 476-479 einen Abriß der Beziehungen K.'s zu Hofmannsthal mit einer Bibliographie der Äußerungen K. s über Hofmannsthal. S. 530 f. ein Kommentar zum „Großen Welttheaterschwindel". Zur Orientierung brauchbar, sonst durch Urbach überholt.

Hirsch, Rudolf. "Brief an die Redaktion [mit Briefen Hofmannsthals über Kraus]." Literatur und Kritik 5. 1970 (1970): S. 546–548, S. 632.

Kommentar
Zwei Briefe Hofmannsthais an Bahr (1896) und einer an Max Rychner (1924).

Arntzen, Helmut. "Karl Kraus und Hugo von Hofmannsthal (1968)." In: HA: Literatur im Zeitalter der Information. Frankfurt: Athenäum 1971, S. 221–245.

Kommentar
K 1128, überarbeitet. die Fehde sei auf der Seite Hofmannsthais eine private Fehde gewesen, K. hingegen sei es um die Frage gegangen, inwieweit Dichtung in der Gegenwart noch möglich sei. Das sei sie für ihn weder im Einverständnis mit der Zeit – der Hofmannsthal der Salzburger Festspiele – noch in esoterischer Abwendung von ihr – der junge Hofmannsthal. Mit wichtigen Bemerkungen über die Grundpositionen von K.

Himmel, Hellmuth. "Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus." Österreich in Geschichte und Literatur 10. 1966 (1966): S. 551–565.

Kommentar
Bezugspunkt der Arbeit ist Hofmannsthal. Versucht die Entwicklung von K.'s Einstellung zu Hofmannsthal nuanciert zu deuten (besonders auch die Polemik von 1915/16). Am Schluß eine thesenhafte Gegenüberstellung der Grundpositionen der beiden Autoren.

Perl, Walter H. "Hugo von Hofmannsthai und Karl Kraus." Die Presse (Wien) (1969): 9./10. August 1969. S. 17.

Kommentar
K.'s Haß gegen Hofmannsthal erkläre sich aus seinem Minderwertigkeitsgefühl, seiner geringeren künstlerischen Begabung. K. sei nur ein Journalist höheren Stils. Sehr einseitig; die Fakten stimmen nicht immer. Korrigierende Leserbriefe in der Ausgabe vom 23./24. August 1969, S. 18.

Mayer, Hans. "Zwei vom Jahrgang 1874: Hofmannsthal und Kraus." Theater heute 15. 1974. Heft 8 (1974): S. 12–15.

Kommentar
Die wesentlichen Partien über K. entstammen dem unter 2.2.09 zitierten Essay Mayers. Es geht ihm um die Gemeinsamkeiten zwischen K. und Hof-mannsthal: Beider Kunst war essentiell dramatisch: Beide gehörten zu Minderheiten im alten Österreich; beiden sei es gelungen, die höchste Unzuversicht in die eigene Zukunft und den Sinn des eigenen Seins durch Lachen mitzuteilen (15): in der Satire bzw. im "Schwierigen"; beide hätten nicht an einen gesellschaftlichen Neubeginn geglaubt. Allerdings habe Hofmannsthai den Kompromiß mit der Gesellschaft gesucht und ihren Untergang verklärt; K. habe diese Gesellschaft verworfen. Daher hätten sich Brecht und Schönberg zu diesem bekannt und jenen abgelehnt. Zu K. und Hofmannsthal vgl. auch 8.01.3 (Weber) mit einer frühen Hofmannsthal-Rezension von K., 3.1.26 (Politzer), 8.05.3 (Heller).

Urbach, Reinhard. "Karl Kraus und Arthur Schnitzler. Eine Dokumentation." Literatur und Kritik 5. 1970 (1970): S. 513–530.

Kommentar
Druckt Briefe K.'s an Schnitzler von 1892 bis 1894 sowie von 1895 und 1908; Notizen Schnitzlers über K. (mit dem er 1895 nicht mehr verkehrte) von 1893–1896, 1909, 1911, 1912, 1922. Hervorragend kommentiert. Das Bild Schnitzlers in der "Fackel" wird ausgespart. Vgl. auch Schnitzler über K. (3.4.6), ferner Kraft (7.6.00.2) mit dem Hinweis (182 ff.), in der Gestalt des Kritikers Rapp aus dem "Weg ins Freie" sei K. zu erkennen.

Nedomansky, Herbert. Der Theaterkritiker Hermann Bahr. Wien 1949, 152 S.

Kommentar
S. 42, 147–149 sehr oberflächlich über K.'s Angriffe auf Bahr von 1897 bis 1900. Vgl. zu den Beziehungen zwischen K. und den Wiener Autoren auch die Literatur über die Jugendwerke (8.01) sowie 10.3.1 (Greve). Zu Schaukal 3.1.28 (Schaukal) und 3.1.19 (Kars). Zu Robert Müller 8.08.1.2 (Hahnl).

Rilke, Rainer Maria. Briefe an Sidonie Nádherny von Borutin. Frankfurt: Insel 1973, 383 S.

Kommentar
Für Rilkes Verhältnis zu K. wichtig die Briefe vom 9, Dezember 1913, vom 26. Dezember 1913, 1. Januar 1914 und 25. Februar 1914 (über einen Werfel-Aufsatz Rilkes für die "Fackel"), vor allem aber der vom 21. Februar 1914, in dem er Sidonie vor K. warnt. Vgl. auch das Vorwort Blumes, S. 15–19.

Blume, Bernhard. "Rilke und Karl Kraus." Neue Zürcher Zeitung (1973): 28. Oktober 1973. S. 50.

Kommentar
Einige Hinweise auf K.'s Meinung über Rilke; Vorabdruck eines K. betreffenden Briefes aus dem Vorhergehenden.

Albert-Lasard, Lou. Wege mit Rilke. Frankfurt: S. Fischer 1952, 189 S.

Kommentar
S. 131 (Rilke über K.: er produziert ein sehr reines Gift) und S. 184 f. (K. habe im Gespräch Rilke angegriffen). Zumindest das Datum der zweiten Episode ist inkorrekt. Zu K. und Rilke auch eine Erinnerung Sigismund von Radeckis (1.2.15).

Storck, Joachim W., ed. Rainer Maria Rilke. 1875. 1975. Sonderausstellungen des Schiller-Nationalmuseums. Marbach am Neckar: Schiller-Nationalmuseum (München: Kösel in Kommission) 1975, VIII +360 S.

Kommentar
Enthält Material zu den Beziehungen Rilke–K., vor allem zu Rilkes zustimmender Haltung gegenüber K.'s Stellungnahmen im Weltkrieg (204 ff.).

Fließbach, Holger. Mechtilde Lichnowsky. Eine monographische Studie. München 1972, 282 + XXXIX S.

Kommentar
Geht gelegentlich auf die persönlichen Beziehungen Mechtilde Lichnowskys zu K. ein, beschränkt sich dabei aber auf Bekanntes (64 ff., 78, u. ö.; vgl. das Namensregister). die Einflüsse K.'s auf das literarische Schaffen Mechtilde Lichnowskys sollten nicht überschätzt werden, Im Anhang eine Aufstellung der Bestände im Lichnowsky-Nachlaß, in dem neben 76 Briefen, Karten und Telegrammen von K. selbst auch andere Zuschriften den Satiriker betreffen dürften. Vgl. 1.2.12 (Lichnowsky) und 1.1.5 (Sternbach-Gärtner).

Kraft, Werner. "Ein Gedicht von Julius Zerzer." Neue Zürcher Zeitung (1970): 12. Juli 1970. S. 50.

Kommentar
Bezieht sich auf den Aufsatz von Burgert (1.2.02) und interpretiert das nach dessen Aussage von K. geschätzte Gedicht Zerzers.

Lenz-Medoc, Paulus. "Karl Kraus et les philosophes du "Brenner"." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 243–249.

Kommentar
Oberflächliche, durch Stieg (7.6.02.5.5) überholte Darstellung der Wirkung Kraus' auf Wittgenstein, Ebner und Haecker.

Stieg, Gerald. Der Brenner und die Fackel. Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Karl Kraus. Brenner-Studien. Salzburg: Otto Müller 1976.

Kommentar
Gründliche, gut dokumentierte Darstellung der bis in Sprache und Stil nachweisbaren Wirkung von Karl Kraus auf die wichtigsten Autoren des Brenner (Ficker, Dallago, Haecker, Ebner, Trakl; besonders interessant der Exkurs über E. Messing). Erschließt viel unbekanntes Material zur Rezeption von Kraus und gestattet dadurch, obwohl der Schwerpunkt auf dem Brenner liegt, neue Rückschlüsse auf Kraus' Werk, vor allem auf dessen "konservative" Aspekte, aber auch auf seine Sprachauffassung (223 ff. u. ö.), auf seinen Satirebegriff u. a. m. Auch manche Details von Kraus' Werk werden erhellt. In der Wirkung auf eine Gruppe wird der fast religiöse Charakter der Kraus-Bewunderung besonders deutlich. Vgl. die Ergänzungen in Kraus-Hefte 3, 11 ff. und 15; die Rezension von Scheichl, in: Sprachkunst 8. 1977. S. 144–147, setzt sich kritisch mit Stiegs Kapitel über Kraus und Trakl auseinander.

Stieg, Gerald. "Die Beziehungen Kraus – Trakl." Das Fenster Heft 18 (1976): S. 1872–1875.

Kommentar
Vorabdruck eines – wichtigen, wenn auch mit sehr kühnen Hypothesen arbeitenden – Kapitels aus 7.6.02.5.5.

Bauer, Roger. "Kraus contra Werfel: Eine nicht nur literarische Fehde." In: RB: Laßt sie koaxen, Die kritischen Frösch' in Preußen und Sachsen! Zwei Jahrhunderte Literatur in Österreich. Wien: Europa 1977, S. 181–199, 253–256.

Kommentar
Nachdruck des Vorhergehenden mit geringen stilistischen Veränderungen.

Stieg, Gerald. "Georg Trakl und Karl Kraus:." In: Salzburger Trakl-Symposion. Hrsg. v. Walter Weis and Hans Weichselbaum Salzburg: Otto Müller 1978, S. 52–65, 178 ff.

Kommentar
So gut wie völlig identisch mit dem Kapitel über K. und Trakl in 7.6.02.5.5.

Sauermann, Eberhard. "Die Widmungen Georg Trakls." In: Salzburger Trakl-Symposion. Hrsg. v. Walter Weis and Hans Weichselbaum Salzburg: Otto Müller 1978, S. 66–100, 180–187.

Kommentar
S. 73–79 über die K. gewidmeten oder an K. gerichteten Gedichte. Deren Deutung durch Stieg wird, vor allem anhand der Varianten, als Überinterpretation kritisiert.

Unglaub, Erich. "Karl Kraus – das private Urteil. Ein unveröffentlichter Brief an Max Halbe." Literatur und Kritik 12 (1977): S. 557 bis 566.

Kommentar
Stellt im Zusammenhang mit einem Brief an Halbe vom Mai 1893 K.'s Verbindungen zu Halbe, Liliencron und anderen norddeutschen Autoren dar. Am Schluß Hinweise auf den späteren Wandel im Urteil K.'s über Halbe. Benützt unveröffentlichte Briefe von K. an Dehmel.

Weinzierl, Ulrich. Er war Zeuge. Alfred Polgar. Ein Leben zwischen Publizistik und Literatur. Wien: Löcker & Wögenstein 1978, 213 S.

Kommentar
Materialreiche Monografie, die in vielem Aufschluß über den K. und Polgar gemeinsamen Zeithintergrund gibt. Weist erstaunlich viele und sehr enge Parallelen zwischen K. und Polgar nach (Register!). 31–34: "Polgar und Kraus" mit einer Analyse von K.'s Urteilen über Polgar.

Carr, Gilbert J. The Major Literary Polemics of Karl Kraus. Durham (GB) 1972, XI + 449 + [7] S.

Kommentar
1–32 eine Analyse der satirischen Position K.s, vor allem seiner Auffassung von Sprache und Persönlichkeit. Untersucht dann die Polemiken gegen Bahr (33–89) von 1893–1906 (in den späteren Äußerungen über Bahr sieht Carr keine Polemik mehr); Harden (90–153); Kerr (154–221): Werfel (222–288); George (289–335). Geht vor allem auf K.s kritische Prinzipien, weniger auf die Form der Polemiken ein. Wertvoll durch die Einbeziehung von unveröffentlichtem Archivmaterial und durch die oft sehr detaillierten Nachweise der Anlässe für K.s polemische Äußerungen. Zwischen den einzelnen Polemiken werden nur wenig Zusammenhänge hergestellt.

Kosler, Hans Christian. "Karl Kraus und die Wiener Moderne." Text + Kritik (2.3.2): S. 39–57.

Kommentar
Analysiert weniger die Auseinandersetzung K.s mit den Jungwiener Autoren als die unterschiedlichen poetologischen Auffassungen, wobei Kosler zwischen dem frühen und dem späteren K. wenig unterscheidet. Die Kritik K.s, und zwar schon des jungen K., wird als Ideologiekritik (52) verstanden. Einige anregende Überlegungen, etwa zu K.s Kritik am Ästhetizismus (54 f.), im ganzen jedoch nicht sehr ergiebig.

Arntzen, Helmut. "Karl Kraus als Kritiker des Fin de siècle." In: Fin de siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende. Hrsg. v. Roger Bauer and et al. Frankfurt: Klostermann 1977, S. 112–124.

Kommentar
An Beispielen aus den frühen Schriften und den ersten "Fackel"-Heften versucht Arntzen zu zeigen, wie sich K. schon sehr früh vom kritischen Meinungsjournalismus zur literarischen, nämlich satirischen Darstellung (113) entwickelt habe. Die Kritik an der Phrase setze die Ablehnung der Pose der Jungwiener Literaten fort. Perspektivenreicher Aufsatz; ob die Entwicklung K.s insgesamt so früh abgeschlossen ist, kann allerdings bezweifelt werden.

Avery, George C. "Der Briefwechsel Herwarth Walden – Karl Kraus." Neue Zürcher Zeitung 16. September (1978): S. 31.

Kommentar
Skizziert aufgrund der insgesamt fast 700 Stücke umfassenden Korrespondenz zwischen Walden und K. die Beziehungen zwischen beiden (1909– 1912). K.s Anteil an der Entwicklung des "Sturm" sei groß. Die Gründe, die zum Konflikt und zum Ende der Beziehungen führten, werden mehr angedeutet als analysiert.

Kraft, Werner. Der Chandos-Brief und andere Aufsätze über Hofmannsthal. Erato-Druck. Darmstadt-Berlin (W): Agora 1977.

Kommentar
Mehrere Hinweise auf K.: auf den Unterschied zwischen der Sprachauffassung K.s und der Hofmannsthals (36 f.); auf die Möglichkeit, Hofmannsthals Stilkopien anders zu werten, als K. es getan hat (67 ff.): auf Gundolfs Verhältnis zu K. (70). Vgl. 0.1.6.1 (Bibliografie).

Bodine, Jay F. "A Letter of Joseph Olbrich to Hermann Bahr." Modern Austrian Literature 9 Heft 2 (1976): S. 45–49.

Kommentar
Versucht – nicht ganz überzeugend – aufgrund eines hier erstmals veröffentlichten Briefes zu beweisen, daß K. im verlorenen Prozeß gegen Bahr und Bukovics (1901) doch recht gehabt habe.

Segebrecht, Wulf. Johann Wolfgang Goethes Gedicht "Über allen Gipfeln ist Ruh" und seine Folgen. Zum Gebrauchswert klassischer Lyrik. Text, Materialien, Kommentar. Reihe Hanser. München: Hanser 1978, 215 S.

Kommentar
Dokumentiert (92–96; 185; 126–130, 187) in breiterem Zusammenhang K.s Auseinandersetzungen mit den Parodien von Goethes Gedicht, wobei die "Fackel" für Segebrecht zugleich eine wichtige Sammlung solcher Parodien ist. K. habe sich für diese Parodien nur insofern interessiert, als sie Zeugnisse des von ihm so empfundenen Barbarentums (94) sind (95); die Anlaßgebundenheit solcher Poesien berücksichtigt er dagegen kaum (107). Daß K. das Gedicht falsch zitiert habe, wird behauptet, aber nicht belegt (70 f.). Anm. 294 (185) enthält ergänzende Informationen zu F 577–82, 1921, 45; Anm. 351 (187) zu F 649–56, 1924, 87. In Hinblick auf K. kaum mehr als eine brauchbare Materialsammlung.

Doppler, Alfred. ""Der Brenner" als Kontext zur Lyrik Georg Trakls." In: Die Andere Welt. Aspekte der österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Festschrift für Hellmuth Himmel. Hrsg. v. Kurt Bartsch, Dietmar Goltschnigg, and et al. Bern: Francke 1979, S. 249–259.

Kommentar
S. 253 f. und 259 werden Übereinstimmungen von Trakls K.-Gedicht mit den K.-Essays von Heinrich und Dallago (KAB 3.1.34) fest- und damit Stiegs Hypothese von einer verborgenen Kritik Trakls an K. infragegestellt.

Arntzen, Helmut. "Robert Musil und Karl Kraus." Musil-Forum 4 (1978): S. 204–220.

Kommentar
Stellt Musils Äußerungen über K. zusammen. Arbeitet Unterschiede in K.s und Musils Positionen in der "Pan"-Kerr-Affäre von 1911 heraus; betont die spätere literarische Gemeinsamkeit, die im Interesse am Zitat als Kern satirischer Prosa liege. Musils bekannte Antipathie gegen K. muß aufgrund dieser Interpretation differenzierter gesehen werden. Dieser Artikel ist 1978, ohne Anmerkungen, auf französisch erschienen (in: Robert Musil. Aix-en-Provence 1978.S. 93–102. = L'Arc 74).

Szabó, János. "Karl Kraus und Frigyes Karinthy. Parallelen und Ähnlichkeiten." Helikon (1979): S. 153–163.

Kommentar
Der bedeutende ungarische Satiriker Karinthy (1887–1938) bediente sich zum Teil ähnlicher Formen wie K. (158) und gestaltete auch ähnliche Themen. K. scheint gesellschaftlich stärker engagiert gewesen zu sein (156). Beide werden in eine gemeinsame literarische Tradition der Länder der Donaumonarchie ein- und dem Typ des entfremdeten, einsamen, aber stets ehrlichen Bürgers (153) zugeordnet. Ein direkter Einfluß von K. auf Karinthy wird nicht behauptet.

Szabó, János. "Der Genius der Ironie. Karl Kraus und Frigyes Karinthy, Parallelen und Ähnlichkeiten." Pannonia (Eisenstadt) 7 Heft .4 (1979): S. 8 f.

Kommentar
Willkürlich gekürzte Fassung des Vorhergehenden.

Torberg, Friedrich. "Karl Kraus und der große Kahn. Eine Reminiszenz / Zugleich ein Geburtstagsbrief an Erich Heller." In: Versuche zu Goethe. Festschrift für Erich Heller. Hrsg. v. Volker Dür and Géza von Molnár Heidelberg: Stiehm 1976, S. 17–19.

Kommentar
Wenig belangvolle Notiz über Torbergs Einwände gegen einen von K. (W 2, 356) gepriesenen Vers aus "Faust II". Nur als Rezeptionszeuge und wegen der Erinnerung an ein Urteil K.s über Ludwig Steiner erwähnenswert.

Avery, George C. "The Unpublished Correspondence between Herwarth Walden and Karl Kraus." In: Expressionism Reconsidered. Relationships and Affinities. Hrsg. v. Gertrud Bauer Picka and Karl Eugene Webb München: Fink 1979, S. 19–24.

Kommentar
Vollständige Fassung von KAIB 10/11, 7.6.02.6. Vorbericht über die ziemlich vollständig erhaltene Korrespondenz zwischen K. und Walden, die 153 Briefe, 93 Karten und 90 Telegramme von K. umfaßt. K.s Anteil an der Konzeption des "Sturm" scheint sehr groß gewesen zu sein; er redigierte sogar Waldens Programmentwurf für die Zeitschrift (21). Die Druckfehler in seinen Beiträgen waren der erste Anlaß der Entfremdung (22). Die Beziehungen werden auch im Lichte von K.s Bemühungen um eine weitere Verbreitung der "Fackel" in Deutschland dargestellt.

Torberg, Friedrich. "Karl Kraus und der große Kahn. Eine Reminiszenz / zugleich ein Geburtstagsbrief an Erich Heller (1976)." In: FT: Apropos. Nachgelassenes – Kritisches – Bleibendes. München: Langen-Müller 1981, S. 27–30.

Kommentar
Neudruck von KAB 18, 7.6.01.4.

Szabó, János. "Satirische Feuilletons aus der untergehenden österreichisch-ungarischen Monarchie." Zeitschrift für Germanistik 4 (1983): S. 179–183.

Kommentar
Stellt Parallelen zwischen K.s "Biberpelz" (1910) und gleichzeitigen Geschichten des Tschechen Hašek und des Ungarn Karinthy fest. Neben stilistischen Gemeinsamkeiten sei auch das Thema der mißlungenen Kommunikation in allen drei Texten zu finden, deren Verfasser einer ostmitteleuropäischen satirischen Strömung des Jahrhundertbeginns zuzuordnen seien (183). Anregende Detailbeobachtungen zum "Biberpelz".

Nimmervoll, Hermann. "Materialien zu einer Bibliographie der Zeitschriftenartikel von Hermann Bahr (1881–1910)." Modern Austrian Literature Heft 2 13 (1980): S. 27–110.

Kommentar
Verzeichnet 104–108 alle (?) Artikel der "Fackel" (bis 1906), die sich mit Bahr beschäftigen.

Philipoff, Eva. Alfred Polgar. Ein moralischer Chronist seiner Zeit. Minerva-Fachserie Geisteswissenschaften. München: Minerva Publikation 1980, X + 414 S.

Kommentar
Die methodisch nicht gerade sehr überzeugende Arbeit weist 356–361 auf einige stilistische Gemeinsamkeiten zwischen K. und Polgar hin und spricht auch von einigen thematischen Berührungspunkten; doch stünden die für K. wichtigen Themen bei Polgar nicht im Vordergrund. Wenig ergiebig.

Kraft, Werner. "Ferdinand Ebner und Karl Kraus." Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv (Innsbruck) 1 (1982): S. 8–41.

Kommentar
Eher beliebiges – und gelegentlich spekulatives – kommentiertes Zitieren von ausgewählten Äußerungen Ebners über K. Hervorzuheben sind die Nachweise bisher nicht erkannter K.-Anspielungen bei Ebner (18 f., 27, 31 f., 34, 35) und die Überlegung, daß Ebner nie auf die Aufsätze K.s in "Die Sprache" eingehe, weil diese antiphilosophisch seien (35). Auch Gedanken zum Jüdischen an K. (24, 40 f.). Vorwiegend – mit einer gewissen Distanz – an Ebner interessiert.

Klettenhammer, Sieglinde. "Die Nicht-Rezeption Georg Trakls in den Zeitschriften "Der Sturm" und "Die Aktion"." Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv (Innsbruck) 2 (1983): S. 50–61.

Kommentar
Macht wahrscheinlich, daß die überraschende Interesselosigkeit von "Sturm" und "Aktion" an der Lyrik Trakls mit den Spannungen zwischen K. und diesen Zeitschriften zusammenhängt, von denen sich der "Brenner"-Kreis im Sinne K.s distanziert habe.

Krolop, Kurt. ""Ahnenwertes Ahner". Zur Genesis und Funktion der Traditionswahl bei Karl Kraus." Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 28 Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. Heft 2 (1979): S. 49–63.

Kommentar
Die Haltung K.s zur Tradition sei nie statisch gewesen, sondern stets bewegte und bewegende Energie künstlerischer Praxis (61). Übersicht über K.s Traditionswahl (51), in Hinblick u. a. auf die Zitate aus älteren Autoren über die Presse (51 f.) und andere Themen wie den Krieg (52 f.), auf die Vorlesungen (52 ff.) und besonders das "Theater der Dichtung" (vor allem 58). Wichtige Überlegungen über K.s Verhältnis zu Schiller (59 f.). Den 'Ursprung' identifiziert Krolop mit K.s Erinnerungswelt aus der Jugend (50). Macht auf eine versteckte Polemik Thomas Manns gegen K. (53 f.), auf den Anteil Max Steiners an der "Fackel" (62), auf ein (konfisziertes) "Fackel"-Echo im "Prager Tagblatt" von 1916 (62 f.) und auf eine mögliche Zuschrift Gertrud Kolmars an K. (63) aufmerksam.

Krolop, Kurt. "Ebenbild und Gegenbild. Goethe und "Goethes Volk" bei Karl Kraus." Impulse. Aufsätze, Quellen, Berichte zur deutschen Klassik und Romantik 6 (1983): S. 225–251.

Kommentar
In einer gründlichen Interpretation von "Bekenntnis" (226–229) arbeitet Krolop die kämpferische Botschaft dieses Gedichts heraus: das Erbe der "alten Meister" sei für K. etwas täglich zu Eroberndes, einem wachsenden Widerstand strukturell bedingter Kunst- und Kulturwidrigkeiten abzuringendes (229); hingegen wende er sich scharf gegen eine bloß 'kulinarische' Klassik-Rezeption, etwa bei Hofmannsthal (235). Nicht um konservierende BEWAHRUNG von Reinheit geht es, sondern um deren BEWÄHRUNG am Widerstand des Zeitstoffes, die nur durch produktive Zerstörungsarbeit geleistet werden kann (232). Sehr wichtig die Ausführungen zur Bedeutung der "Pandora" für K. (236 ff). Hinweise auf die traditionsstiftende Kraft (226) von K.s Goethe-Rezeption; wichtig die Beobachtung, daß der Helena-Akt von "Faust II" in "Dritte Walpurgisnacht" nicht zitiert wird (242).

Krolop, Kurt. "Ebenbild und Gegenbild. Goethe und "Goethes Volk" bei Karl Kraus." In: Goethe-Studien. Zum 150. Todestag des Dichters. Hrsg. v. Antal Mád and László Tarnói Budapest: Loránd Eötvös-Universität 1982, S. 85–114.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Zohn, Harry. "Trakl, Kraus, and the Brenner Circle." In: Internationales Georg Trakl-Symposium. Hrsg. v. Joseph P. Strelka Albany, N. Y.; Bern: Lang 1984, S. 146–153.

Kommentar
Faßt den Wissensstand über die Beziehungen zwischen Trakl und K. sowie zwischen dem "Brenner" und K. übersichtlich, jedoch relativ unkritisch zusammen.

Neumann, Peter Horst. "Trakl als Briefschreiber." In: Internationales Georg Trakl-Symposium. Hrsg. v. Joseph P. Strelka Albany, N. Y.; Bern: Lang 1984, S. 37–4.

Kommentar
Hier interessiert der Hinweis, Trakls eindringlichste Briefe hätten stilistisch viel mit dem Prosastil der "Fackel" gemeinsam; seine Briefprosa sei weltrichterlich gestimmt (41).

Laugwitz, Uwe. Albert Ehrenstein und Karl Kraus. Entwicklung einer literarischen Polemik 1910–1920. Hamburg: Universität Hamburg 1982, 108 S.

Kommentar
Die sorgfältige Arbeit, die auch unveröffentlichtes Material einbezieht (vor allem die Korrespondenz K.-Ehrenstein), bemüht sich um eine kritische Überprüfung der polemischen Urteile K.s über Ehrenstein, vor allem um 1920. Auch die Mitarbeit Ehrensteins in der literarischen "Fackel" wird behandelt. Laugwitz kommt zu dem Schluß, K. habe 1920 Ehrenstein Unrecht getan (101). Die Untersuchung, deren Schwerpunkt auf Ehrenstein liegt, überzeugt mehr in der Darbietung des Materials als durch die Interpretation, bereichert aber unsere Kenntnis von K.s Verhältnis zum Expressionismus. Interessant briefliche Äußerungen Stefan Zweigs über K.s Polemik gegen die 'Kriegsliteraten' (54 f.; vgl. auch 76). Die Arbeit ist in mehreren Bibliotheken, u. a. Wiener Stadt- und Landesbibliothek, DLA Marbach, Brenner-Archiv Innsbruck, vorhanden.

Timms, Edward. "Hofmannsthal, Kraus and the THEATRUM MUNDI:." In: Hugo von Hofmannsthal (1874–1929). Commemorative Essays. Hrsg. v. W. E. Yuil and Patricia Howe London: University of London 1982, S. 123–132.

Kommentar
Hofmannsthals und K.s Werk können als Varianten einer gemeinsamen Urform identifiziert werden: des Bildes der Welt als einer Bühne (124). Überraschende Parallelen zwischen beiden Autoren werden von ihrer Theaterauffassung her sichtbar, z. B. zwischen K.s "Sterbendem Menschen" und Hofmannsthals "Jedermann" (126 f.). Schließt mit einer Gegenüberstellung zwischen den "Letzten Tagen der Menschheit" und dem – als unzureichend empfundenen – "Salzburger Großen Welttheater" (128 ff.).

Wagenknecht, Christian. ""A proposito del Girotondo". Karl Kraus e Arthur Schnitzler." In: Arthur Schnitzler e il suo tempo. Hrsg. v. Giuseppe Farese Mailand: Shakespeare & Company [1983], S. 318–327.

Kommentar
Stellt K.s Äußerungen über den "Reigen" von 1903 und von 1921/22 zusammen. Bedeutsam daran sei, daß K. den Dichter (wohl nicht nur Schnitzler) für den Entschluß verantwortlich mache, ein Werk zu veröffentlichen (326); er unterscheide scharf zwischen Werk und (vorhersehbarer) Wirkung.

Lensing, Leo A. "Karl Kaus as "Volksklassiker"? Upton Sinclair and the Translation of DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT (Including an unpublished Kraus manuscript)." Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 58 (1984): S. 156–168.

Kommentar
In einer 1925 von Upton Sinclair geplanten sozialistischen Buchreihe "People's Classics" war auch eine Übersetzung der "Letzten Tage der Menschheit" geplant. Aufgrund eines Entwurfs für ein Schreiben des Verlags der Fackel (etwa vom Oktober/November 1925) wird klar, daß K. seine anfängliche Zustimmung zu diesem Plan wegen der Beteiligung von Fritz Wittels an Sinclairs Projekt zurückgezogen hat. Geht abschließend kurz auf die Beziehungen zwischen K. und Sinclair ein: dieser habe jenen kaum gekannt, K. habe Sinclair respektiert. Im Briefentwurf auch (respektvolle) Äußerungen K.s über Popper-Lynkeus (159).

Rieckmann, Jens. Aufbruch in die Moderne. Die Anfänge des Jungen Wien. Österreichische Literatur und Kritik im Fin de Siècle. Königstein/Ts.: Athenäum 1985, 232 S.

Kommentar
Geht im Zusammenhang mit Jung Wien – die Darstellung beschränkt sich auf die Jahre 1889 bis 1893 – immer wieder auf K.s Kritik an diesen Autoren ein,die sich mit ihren Schlüsselelementen Dekadenz und Ästhetizismus (193)schließlich in der Literaturgeschichtsschreibung durchgesetzt habe (193, 196).K.s Taktik als Rezensent lasse ihn als Verfechter des Naturalismus (153 f.)erscheinen; sein Bahr-Ressentiment (120) sei für viele seiner Rezensionen bestimmend. In vielen Details sehr aufschlußreich für den Hintergrund des jungen K.

Adamy, Bernhard. "Schopenhauer-Rezeption bei Karl Kraus." Schopenhauer-Jahrbuch 66 (1985): S. 85–102.

Kommentar
Die Qualität der Bezugnahmen K.s auf Schopenhauer läßt dessen Bedeutung für die "Fackel" ahnen. Die Vorbild-Beziehung K.s zu Schopenhauer wurzelt im sprachkünstlerischen Bereich, mehr jedenfalls als im philosophischen (85).Obwohl Adamy sieht, daß K.s pessimistische Äußerungen in keinem Gedankensystem fundiert sind (88), neigt er im einzelnen doch dazu, K. als Philosophen zu betrachten. Doch der Nachweis zahlreicher Parallelen ist wertvoll,ebenso eine Reihe anregender Gedanken zu Einzelheiten (z. B. zum Namen"Nörgler", 86). Geht vor allem auf K.s Sprachpurismus (90) ein, der – als Teil einer Mitleidsethik (98) – mit Blick auf Schopenhauer besser begriffen werden könne. Sehr anregend.

Stieg, Gerald. "Otto Weiningers "Blendung". Weininger, Karl Kraus und der Brenner-Kreis." In: Otto Weininger. Werk und Wirkung. Hrsg. v. Jacques Le Ride and Norbert Leser Wien: Bundesverlag 1984, S. 59–68.

Kommentar
Zugespitzte Darstellung der Auseinandersetzung des "Brenner", insbesondere Dallagos und Ebners, mit den idealistischen Konstrukten (67) von K. und Weininger, welche alles eher als unschuldig gewesen seien, ihren eigenen potentiellen Mördern Argumente zugeliefert hätten (67). Mit starkem Rückbezug auf Stieg, 7.6.02.5.5.

Kraft, Werner. "Ein Gedicht von Julius Zerzer." In: WK: Österreichische Lyriker von Trakl zu Lubomirski. Eisenstadt: Edition Roetzer 1970, S. 20–24.

Kommentar
Wiederabdruck.

Weinzierl, Ulrich. Alfred Polgar. Eine Biographie. Wien: Löcker 1985, 313 S.

Kommentar
Wesentlich erweiterte und verbesserte Fassung von KAB 8, 7.6.12, allerdings nicht mehr mit einem geschlossenen Kapitel über Polgar und K. Zu dieser Beziehung enthält das Buch überhaupt wenig über die Erstfassung Hinausgehendes. Hinzuweisen ist auf einige Bemerkungen zum Café Griensteidl (20 f.),auf die mit K. zu identifizierende Figur Rapp in Schnitzlers "Weg ins Freie"(47), auf zum Teil neue Belege für K.-Anspielungen Polgars (114 ff.), auf einige aufschlußreiche Briefstellen über K. (157, 227). Auch als Hintergrundinformation lesenswert. Register.

Hahnl, Hans Heinz. "Zielscheibe Zeitgenosse. Karl Kraus und Hermann Bahr." Neue Zürcher Zeitung (3. August 1985).

Kommentar
Weniger eine Übersicht über K.s lebenslange Auseinandersetzung mit seinem existentiellen und ästhetischen Widerpart Bahr als eine Überlegung über ihre Ursachen, die in tieferen Gemeinsamkeiten zwischen beiden liegen könnte:auch K. habe stets den Zeitgeist zur Kenntnis genommen, freilich auf dem Umweg über die Polemik gegen [seine] Vertreter.

8.01 – Die frühen Schriften

Schweiger, Werner J. "Wiener Literatencafés. Das Griensteidl." Die Pestsäule (Wien) I. 1972/74 (Heft 8, 1973) (1972): S. 747–767.

Kommentar
Etwas unübersichtliche Darstellung des Jung-Wiener Kreises, der sich im Cafe Griensteidl zu treffen pflegte, und der Stellung K.'s zu diesen Autoren bzw. dieser Autoren zu K. Behandelt einige frühe Arbeiten K.'s als Beleg für diese Beziehungen.

Urbach, Reinhard. "Crêpe de Chine. Karl Kraus und die Zeitschrift "Liebelei"." Neue Zürcher Zeitung (1974-04-28): S. 52.

Kommentar
Über K.'s Mitarbeit an der kurzlebigen Wiener Zeitschrift "Liebelei" (Anfang 1896). Macht einige frühe Ansätze zu seinem Denken sichtbar.

Weber, Eugene. "Eine frühe Rezension von Karl Kraus: Hofmannsthals "Gestern"." Hofmannsthal-Blätter I. 1968/71 (Heft 5, 1970) (1968): S. 346–355.

Kommentar
Nachdruck der Rezension aus der "Gesellschaft" 8, 1892, S. 799–801 (Kerry Vf 2). Der Kommentar geht hauptsächlich auf das Eindringen des Naturalismus in Wien und auf die Stellung Hofmannsthals zur "Freien Bühne" ein. Wenig über K.'s frühe Hofmannsthal-Bewunderung.

Kimpel, Dieter. "Nachwort." In: Karl Kraus: Die demolirte Literatur. Steinbach: Anabas 1972, S. 54–64.

Kommentar
Gibt zunächst einige Hinweise auf die kulturelle Situation Wiens um 1900 und bemüht sich dann um den Nachweis, daß K. dem transzendentalen sprachphilosophischen Ansatz sehr nahe komme. Auch der Ursprungsgedanke müsse vom Sprachlichen her verstanden werden. Über die frühe Literatursatire enthält das Nachwort wenig; sie wird zu sehr vom späteren Werk K.'s her gesehen.

Perl, Walter H. "Die demolierte Literatur. Eine frühe Streitschrift von Karl Kraus gegen Jung-Wien." du 30. 1970 (1970): S. 586–588.

Kommentar
Oberflächliche Paraphrase, zahlreiche sachliche Fehler.

Wernigg, Ferdinand. "60 Jahre demolierte Literatur." In: Die Kleinausstellung in der wissenschaftlichen Bibliothek. Zur 100. Ausstellung. Hrsg. v. Wiener Stadtbibliothek Wien: Stadtbibliothek 1960, S. I–XVI.

Kommentar
Bericht über eine Ausstellung aus dem Jahre 1957 mit viel Material zum Wiener Literatencafé im allgemeinen und zur „Demolierten Literatur" im besonderen, leider manchmal mit nicht ganz vollständigen Angaben.

Zohner, Alfred. ""Café Griensteidl'." In: Deutsch-österreichische Literaturgeschichte. Hrsg. v. Johann Willibald Nagl, Jakob Zeidler, and Eduard Castle Wien: Fromme 1937, S. 1715–1736.

Kommentar
S. 1717 ff. über "die demolierte Literatur", mit Entschlüsselung der Anspielungen.

Goldschmidt, Hans Eberhard. Quer sacrum. Wiener Parodien und Karikaturen der Jahrhundertwende. Wiener Themen. Wien: Jugend und VoIk 1976.

Kommentar
Erläutert S. 71–76 Kraus' Beiträge zur Faschingszeitung Fin de siècle von 1895 (KKB Vf 74 – Vf 78) und gibt einige Hinweise auf das Fortleben früher Motive in der Fackel. Wichtig vor allem wegen der Informationen zum Hintergrund von Kraus' frühen Schriften, einschließlich der Demolirten Literatur.

Carr, Gilbert J. "Nature and Artificiality in Karl Kraus's Early Writings." In: Fin de Siècle Vienna. Hrsg. v. GJ and Eda Sagarra Dublin: Trinity College 1985, S. 104–125.

Kommentar
Versucht, einen systematischen Kontrast zwischen Natur und Künstlichkeit in den frühen Schriften nachzuweisen, der auf K.s Sympathie für den Naturalismus zurückgehe (104), sich aber weiterentwickle. Betont die Bedeutung der Figur Beer-Hofmanns in der "Demolirten Literatur" (113). 1897/98 sei dieser Gegensatz schon mehr als Mittel der Satire, vielmehr eine Vorwegnahme innerer Widersprüche von K. selbst, zwischen privater Natur und gesellschaftlichem Äußeren (121). Auch einige Beobachtungen zur "Krone für Zion".

8.02 – "Die Fackel"; einzelne Polemiken

Kraft, Werner. "Henri Rochefort und Karl Kraus." Forum (Wien) 6. 1959 (1959): S. 157–160, 186–189.

Kommentar
Arbeitet – teils zufällig wirkende – Parallelen zwischen dem französischen Publizisten (1831–1913), Herausgeber der "Lanterne", und K. – der jenen erwähnt – heraus, aber auch den Unterschied zwischen Politiker und Satiriker. Einflüsse Rocheforts auf K. werden nicht ausgeschlossen. Wiederabgedruckt in 7.6.00.2 (Kraft), S. 18–35.

Pross, Harry. Literatur und Politik. Geschichte und Programme der politisch-literarischen Zeitschriften im deutschen Sprachgebiet seit 1870. Ölten: Walter 1963, 376 S.

Kommentar
Über K. und die "Fackel" nicht besonders gut informiert, jedoch viel Material über Vorläufer und Parallelerscheinungen.

Torberg, Friedrich. "Als die ersten "Fackel"-Hefte erschienen." Literatur und Kritik 5. 1970 (1970): S. 531–545.

Kommentar
Gibt – mit vielen Zitaten – einen ausführlichen Überblick über die ersten vier Hefte der "Fackel" und betont den politisch-literarischen Charakter der Anfänge von K.'s Zeitschrift. Vgl. auch Schmid (3.1.41).

Rauscher, Otto. "Der Bauernfeld-Preis." Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft (Wien) 34, 1937 (1937): S. 79–101.

Kommentar
S. 84–88 über eher unwichtige antikorruptionistische Polemiken K.'s bei Verleihungen des Bauernfeld-Preises (1901–1903).

Stieg, Gerald. "Karl Kraus und Adam Müller-Guttenbrunn." Südostdeutsche Semesterblätter (München) 22. Heft. 1968 (1968): S. 1–9.

Kommentar
Müller-Guttenbrunn war seit 1898 Direktor eines von der liberalen Presse totgeschwiegenen Theaters antisemitischer Tendenz in Wien, K. interessierte sich zwar nicht für dieses Theater und seinen Direktor, konnte aber an diesem Beispiel die Taktiken der liberalen Presse polemisch darstellen. Eine der wenigen gründlichen Arbeiten über die Anfänge der "Fackel". Auf K.'s Haltung zum Antisemitismus geht sie nicht ein.

Weiler, Björn Uwe. Maximilian Horden und die "Zukunft". Stuchen zur Publizistik. Bremer Reihe. Deutsche Presseforschung. Bremen: Schünemann 1970, 486 S.

Kommentar
Darin S. 343–352, 441–444: "Karl Kraus und Harden". Informativer Überblick über das Verhältnis der beiden sowohl in der Zeit vor Gründung der "Fackel" als auch in der Zeit der Polemiken. Im Kapitel über Hardens Sprache nimmt Weiler auf K. Bezug und gibt seiner Kritik an Harden teilweise recht. Mit Zitaten aus unveröffentlichten Briefen.

Weiler, Björn Uwe. "Karl Kraus und Maximilian Horden." Publizistik 13. 1968 (1968): S. 44–53.

Kommentar
Vorabdruck des betreffenden Kapitels aus dem Vorigen.

Young, Harry F. Maximilian Horden. Censor Germaniae. International Scholars Forum. Den Haag: Nijhoff 1959, [VII] +288 S.

Kommentar
Über Harden und K. S. 144–147. Anhand von unveröffentlichtem Material macht Young wahrscheinlich, daß sich Harden im Grunde schon seit 1899 von K. abwandte. Über das Wesen der Polemik zwischen K. und Harden erfährt man nicht viel, wohl aber einiges über Harden, das zum Verständnis der Auseinandersetzungen beiträgt. Zitiert in Übersetzung aus Briefen K.'s an Harden (44, 144 f.).

Young, Harry F. Maximilian Harden, censor Germaniae. Ein Publizist im Widerstreit von 1894 bis 1927. dialog der gesellschaft. Münster: Regensberg 1971, 291 S.

Kommentar
Deutsche Fassung des Vorhergehenden. Zur Harden-Polemik siehe unter den Gesamtdarstellungen besonders Kraft (2.1.04) und Weigel (2.1.09) sowie Mühsam (3.2.1).

Kreuzer, Helmut and Reinhard Döhl. "Georg Kulka und Jean Paul. Ein Hinweis auf expressionistische Centonen." Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesqeschichte 40. 1966 (1966): S. 567–576.

Kommentar
S. 567 f. über eine Polemik K.'s gegen den Wiener Expressionisten Kulka, der unter seinem Namen Texte von Jean Paul publiziert hatte (1920). Zu dieser Polemik, in der u. a. Albert Ehrenstein Partei für Kulka ergriff, siehe K 1562, K 1564, K 1573 ff., ferner 9.2.1 (Ebner), 7.6.00.2 (Kraft, S. 93 ff.), 7.6.02 (Haueis).

Goblot, Germaine. "Gottlieb." Mercure de France 41. Jg. 1930. Band 223 (1930): S. 594–611.

Kommentar
Eingehende, für K. Partei ergreifende Darstellung der zweiten Polemik gegen Alfred Kerr (1926–1930). Der Titel des Aufsatzes bezieht sich auf das Pseudonym, unter dem dieser seine Kriegsgedichte hatte erscheinen lassen. Zur ersten Polemik gegen Kerr siehe 2,2.15 (Simon) und 7.6.02 (Haueis), zur zweiten u. a. 1.2.05 (Fischer).

Weiermair, Helmut. Literarische Zeitschriften Österreichs von 1890 bis 1900. Graz 1966, 224 S.

Kommentar
S. 99–109 über die "Fackel" (bis 1910/11), oberflädilich und nicht ohne Fehler. Vor allem Informationen bibliographischer Art, besonders auch über K.'s Mitarbeiter. Nützlicher sind die kurzen Darstellungen der Wiener Zeitschriften, in denen K. vor 1899 publiziert hat.

Lunzer-Lindhausen, Marianne. "Die Fackel (1899–1936)." In: Deutsche Zeitschriften des 17. bis 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Heinz Dieter Fischer Pullach bei München: Dokumentation 1973, S. 281–289.

Kommentar
Geht über Bekanntes nicht hinaus; bemerkenswert nur die – überspitzte und nicht weiter begründete – Formulierung, das Wort "Presse" sei bei K. eine Metapher [...] für die Gesamtheit der von der Presse abhängigen Kultur (287).

Metzner, Joachim. Persönlichkeitszerstörung und Weltuntergang. Das Verhältnis von Wahnbildung und literarischer Imagination. Studien zur deutschen Literatur. Tübingen: Niemeyer 1976, X + 286 S.

Kommentar
Die anspruchsvolle Untersuchung zur apokalyptischen Tradition in der neueren Literatur (vgl. im allgemeinen dazu die Rezension in: Germanistik 19. Nr. 2208) behandelt von K. vor allem "Die Entdeckung des Nordpols" (F 287, 1909, 1–14), geht jedoch kaum auf den satirischen Charakter des Werkes ein, wodurch die Interpretation sehr einseitig wird (140 f., 255–261).

Kajtár, Mária. "Die Fackel. Die Zeitschrift von Karl Kraus." Helikon (1979): S. 323–327.

Kommentar
Zuerst ungarisch 1976. Oberflächlich und fehlerhaft.

Weber, Christoph. Der "Fall Spahn" (1901). Ein Beitrag zur Wissenschafts-und Kulturdiskussion im ausgehenden 19. Jahrhundert. Rom: Herder 1901, XV1 + 257 S. 191–206.

Kommentar
über K.s Stellungnahmen zu den Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Katholiken im deutschen und österreichischen Hochschulwesen und zu deren Hintergründen. Behandelt auch Chamberlains "Katholische Universitäten" (F 92, 1902). Enthält einen unbekannten Brief an Ludwig von Pastor, den K. zu einer Stellungnahme gegen den Exjesuiten Hoensbroech einlädt (28. 11. 1901). Interessant für K.s Antiliberalismus.

Hall, Murray G., Franz Kadrnoska, and u. a. Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905–1941. Wien: Edition Tusch 1983, 235 S.

Kommentar
Querschnitt vor allem durch den Bildteil der satirischen Wiener Zeitschrift, der K. förmlich in Haßliebe 'zugetan' gewesen sei (22). Einige Hinweise auf Polemiken K.s (Schmidt-Dengler, 41, 42): 42 f. wird in der "Muskete" eine Origo für die "Letzten Tage der Menschheit" vermutet, u. a. weil vielleicht die Sirk-Ecke auf einen Artikel von Kreutz anspielt. 118 eine aus der "Fackel" bekannte K.-Karikatur (1913), 203 ein nicht bekanntes satirisches Gedicht, in dem K. erwähnt wird.

Stieg, Gerald. "Karl Kraus und Adam Müller-Guttenbrunn." In: Vergleichende Literaturforschung. Internationale Lenau-Gesellschaft 1964 bis 1984. Hrsg. v. Antal Mád and Anton Schwob Wien: Bundesverlag 1968, S. 456–463.

Kommentar
Wiederabdruck.

8.03 – "Heine und die Folgen"

Borries, Mechthild. Ein Angriff auf Heinrich Heine. Kritische Betrachtungen zu Karl Kraus. Studien zur Poetik und Geschichte der Literatur. Stuttgart: Kohlhammer 1971, 108 S.

Kommentar
Versucht vom Heine-Verständnis unserer Zeit her die Gründe für K.'s Ablehnung dieses Dichters zu erhellen. Seiner Kritik lägen traditionelle, klassizistische Kunstmaßstäbe zugrunde, von denen sich Heine emanzipiert habe. Davon ausgehend kommt Borries, die sich explizit zu einem progressiven Standpunkt bekennt, zu einer partiellen Verurteilung der ahistorischen und irrationalen Position K.'s, die sich dem Reaktionären und Totalitären bedenklich annähere. Obwohl die Arbeit K.'s Werk über die Heine-Texte hinaus nur wenig heranzieht, sind ihre Ergebnisse – nicht unbedingt ihre Wertungen – ein wichtiger Beitrag zur Bestimmung von K.'s gesellschaftlicher Position. Vgl. die Rezension von Walter Dietze, in: Germanistik 12. 1971. S. 627.

Cwojdrak, Günther. "Heine und die Literarhistoriker." Neue deutsche Literatur 4. 1956. Heft 2 (1956): S. II–22.

Kommentar
S. 20–22 kurz über "Heine und die Folgen". K. habe die gesellschaftlichen Bedingungen nicht verstanden, aus denen Heines Werk und im weiteren auch das Feuilleton zu erklären seien. Seine Heine-Kritik sei der Treitschkes durchaus vergleichbar.

Jenaczek, Friedrich. "Heine und die Folgen." Kindlers Literatur-Lexikon (1967): Sp. 1580–1582.

Kommentar

Kämmerling, Bernd. "Die wahre Richtung des Angriffs. Über Karl Kraus': Heine und die Folgen." Heine-Jahrbuch II. 1972 (1972): S. 162–169.

Kommentar
"Heine und die Folgen" lasse deutlich den konkreten, gesellschaftskritischen Ansatzpunkt in Gestalt der zeitgenössischen Presse erkennen. die Bedeutung des Essays liege in diesem Angriff, nicht in der Darstellung Heines. Weist auf neoklassizistische Tendenzen K.'s im Sinne Loos' hin. Einige Bemerkungen über den Aufbau des Werkes. Im ganzen oberflächlich.

Sieburg, Friedrich. "Karl Kraus (1953)." In: Nicht ohne Liebe. Profile der Weltliteratur. Stuttgart: DVA 1967, S. 129–136.

Kommentar
K 47. K.'s Sprachkünstlerschaft sei in sich selbst bereits ein Akt des Widerstandes gewesen. In "Heine und die Folgen", dem Sieburg große Bedeutung beimißt, werde der Unverbindlichkeit der bürgerlichen Gefühlswelt der Prozeß gemacht.

Betz, Albrecht. Ästhetik und Politik. Heinrich Heines Prosa. München: Hanser 1971, 175 S.

Kommentar
S. 169 f. (Fn, 138) ein kritischer Exkurs über "Heine und die Folgen". K.'s darin zum Ausdruck kommende Vorstellung von der hehren Kultursphäre stehe dem offiziellen bürgerlichen Klischee nahe. Betz betont die idealistische Komponente von K.'s Denken.

Kaufmann, Hans. "Zur literaturgeschichtlichen Stellung Erich Weinerts (1971)." In: Analysen, Argumente, Anregungen. Hrsg. v. HK Berlin (DDR): Akademie 1973, S. 61–76.

Kommentar
S. 71 ff, ein Exkurs über die romantisch-antikapitalistischen Prämissen und Schlußfolgerungen, die K.'s Kampf gegen den Journalismus zugrundelägen, und seinen mangelnden geschichtlichen Sinn. Kritisiert, von "Heine und die Folgen" ausgehend, auch K.'s Literaturbegriff.

8.04 – "Nestroy und die Nachwelt"

Brill, Siegfried. Die Komödie der Sprache. Untersuchungen zum Werke Johann Nestroys. Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft. Nürnberg: Carl 1967, 232 S.

Kommentar
Betont S. 11 f. den Wert von K.'s Essay für das Verständnis Nestroys und bezieht sich auch im Verlauf der Darstellung immer wieder auf K.

Drews, Jörg. "Nestroy und die Nachwelt." Kindlers Literatur-Lexikon 5 (1969): Sp. 395 f.

Kommentar
Betont den Charakter der Selbstdeutung, der diesen Essay auszeichnet.

Hein, Jürgen. "Nestroyforschung (1901–1966)." Wirkendes Wort 18 (1968): S. 232–245.

Kommentar
"Nestroy und die Nachwelt" markiere mit Rommels ersten Nestroy-Arbeiten einen Wendepunkt in der Nestroy-Forschung (234 f.). S. 235 f. kurz über spätere Äußerungen K.'s über Nestroy.

Hillach, Ansgar. Die Dramatisierung des komischen Dialogs. Figur und Rolle bei Nestroy. München: Fink 1967, 189 S.

Kommentar
Geht aus von der Kritik am Kraus'schen Mißverständnis, den Witz Nestroys über seine Bühnenwirkung zu stellen.

Mendel, Rüdiger. Die Entwicklung des Nestroybildes. Graz 1965, [IX] + 267 S.

Kommentar
S. 180–210: "Die Nestroyrenaissance durch Karl Kraus" (vgl. auch 211; Bibliographie 263 f.). Sehr verständnisvoll über die Intentionen des Nestroy-Essays; behandelt auch die Reaktionen auf K.'s Nestroy-Feier von 1912 und K.'s Bemühungen um Nestroy nach 1912. Macht den Hintergrund der Entdeckung Nestroys durch K. sichtbar.

Sengle, Friedrich. Biedermeierzeit. Deutsche Literatur im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution 1815–1848. Band 3: Die Dichter. Stuttgart: Metzler 1980, XVI + 1162 S.

Kommentar
Bezeichnet 191–196 die Nestroy-Forschung, die sich an K. anschließt,.als Irrweg, da K. – dessen "Nestroy und die Nachwelt" nach den ersten Ausgaben und Biografien erschienen ist – Nestroy enthistorisiert und in einen Mythos vom Wiener Shakespeare (196) verwandelt habe; der Nestroy-Aufsatz sei im Kern das Pamphlet eines reaktionären Autors gegen die eigene demokratische, wissenschaftliche, technische Gegenwart (193). Wirft K. an anderer Stelle (204, Anm.) paradox-unklare Denkart und Tiefsinnsgeflüster vor. Auch die Traditionslinie, der Heine angehöre, habe K. verkannt (530), dessen Äußerungen über Grillparzer (68, Anm.), Nestroy und Heine – trotz den interessanten Bemerkungen zu "Nestroy und die Nachwelt" – Sengle wie Äußerungen eines Literaturwissenschaftlers liest und deshalb als puren Dilettantismus (582) verkennt.

8.05 – Die Aphorismen

Kipphoff, Petra. Der Aphorismus im Werk von Karl Kraus. München 1961, IV + 158 S.

Kommentar
Nach dem Versuch einer Definition des Aphorismus und einer Einführung in das Werk von K. stellt Kipphoff zunächst die Äußerungen des Autors über diese Gattung zusammen, geht dann auf die Ausbildung dieser Form in seinem Werk ein und interpretiert schließlich 30 Aphorismen, nicht immer glücklich. Recht brauchbar die Zusammenstellung der stilistischen Mittel und die Darstellung ihrer Verteilung auf die drei Aphorismenbücher. Am Schluß einige textkritische Hinweise zu verschiedenen Fassungen einzelner Aphorismen und Überlegungen zur Umformung von Aphorismen in Epigramme sowie zu ihrem Einbau in Essays. Enthält zahlreiche wertvolle Einzelbeobachtungen.

Arntzen, Helmut. "Aphorismus und Sprache. Lichtenberg und Karl Kraus." In: HA: Literatur im Zeitalter der Information. Frankfurt: Athenäum 1971, S. 323–338.

Kommentar
Über K. S. 332 ff. Es werden nicht Beziehungen, sondern Gemeinsamkeiten zwischen beiden Autoren dargestellt, Arntzen betont die Nähe von Sprachdenken und aphoristischer, im Unterschied zur Phrase auf alles Ornamentale verzichtender Form. Lehnt die Anwendung der langue-parole-Dichotomie auf das Denken K.'s über die Sprache ab: Sprache sei für K. die Gesamtheit der Sprachakte.

Heller, Erich. "Beim Aphorismus genommen." Forum (Wien) 3 (1956): S. 217–220.

Kommentar
Versucht in Dialogform eine Wesensdeutung von K., ausgehend von den Aphorismen, speziell von jenen, die Freud und Hofmannsthal ungerecht zu beurteilen scheinen. Einige wichtige Gedanken: K. verharrte im Urteilsakt als dem ihm gemäßen Zustand; er sei in der intimsten Verstricktheit in seine Zeit ihr dennoch entbunden […] durch die Prägung seines geistigen Charakters; ihm waren Aphorismen wie mathematische Formeln, welche die Stimmigkeit seiner intuitiven Hypothesen über den Zustand von Welt und Zeit schlüssig bewiesen. Im ganzen freilich sehr essayistisch.

Hesse, Hermann. "[Rezension von:] Sprüche und Widersprüche (1910)." In: HH: Schriften zur Literatur 2. Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen. Hrsg. v. Volker Michels Frankfurt: Suhkamp 1972, S. 429 f.

Kommentar
K 707. Vor allem wegen des Autors interessant.

Krolop, Kurt. "Nachwort." In: Karl Kraus: Anderthalb Wahrheiten. Aphorismen. Hrsg. v. Kurt Krolop Berlin (DDR): Rütten & Loening 1969, S. 137–157.

Kommentar
Eine knappe Darstellung des Wirkens von K. bis etwa 1920, mit besonderer Berücksichtigung der Aphorismen. Vergleicht den Aufbau der drei Aphorismenbücher (150 f.), geht sonst aber über Bekanntes kaum hinaus. Vgl. Heinrich Fischers Nachwort zum 3. Band der Kösel-Ausgabe, 2.2,16 (Simon) und 8.09.1.5 (Weitzmann).

Huppert, Hugo. "Das Hauptwort ist der Kopf. Bemerkungen über Karl-Kraus-Aphoristik (1956)." In: HH: Minuten und Momente. Ausgewählte. Publizistik. Halle-Leipzig: Mitteldeutscher Verlag 1978, S. 370–373.

Kommentar
KKB K 126. Neben viel Lob für die Form der Aphorismen auch Kritik aus marxistischer Sicht. In vielen Aphorismen habe nicht zwingende Einsicht die Hand geführt, sondern der Zauber des verlockenden paradoxen Ausdrucks, die Sprache als eigenwilliger Usurpator des Denkprozesses (372).

Döblin, Alfred. "[Karl Kraus]." In: Alfred Döblin. Hrsg. v. Jochen Meyer Marbach: Schiller-Nationalmuseum (München: Kösel in Kommisssion) 1978, S. 1 12 f.

Kommentar
Eine bisher nicht veröffentlichte, wahrscheinlich für den "Sturm".bestimmte, sehr metaphorische Rezension von "Pro domo et mundo" (1912), die vor allem die Sprachphantasie K.s hervorhebt. Die Aphorismen über Erotik und Moral haben Döblin besonders beeindruckt; er schätzt bei dem für ihn schwer zu kategorisierenden (und von ihm offenbar keineswegs vorbehaltlos bewunderten) K. die Wucht und Continuität des Pathos, eine neue und fruchtbare Art der Schriftstellerei. Die Vorbemerkung beruft sich auf einen ungedruckten Brief K.s an Walden (März 1910), in dem Döblin lobend hervorgehoben wird.

Mieder, Wolfgang. "Sprichwörter im modernen Sprachgebrauch." Muttersprache 85 (1975): S. 65–88.

Kommentar
Zitiert 71 f. einige Aphorismen K.s, die auf veränderten Sprichwörtern beruhen, da der moderne Gebrauch des Sprichwortes einiges über die moderne Gesellschaft auszusagen habe (71). Ohne viel Verständnis für den Autor und die Form des Aphorismus. In Hinblick auf K. durch den folgenden Beitrag überholt, doch interessant wegen des weiteren Zusammenhangs, in den K.s Aphorismen gestellt werden.

Mieder, Wolfgang. "Karl Kraus und der sprichwörtliche Aphorismus." Muttersprache 89 (1979): S. 97–115.

Kommentar
Stellt, ohne genauere Kenntnis des Werkes von K., besonders auch seines Begriffes der " Phrase", den Gebrauch von Redewendungen, Sprichwörtern u. dgl. in K.s Aphorismen dar. [ ... ] die anscheinend leicht wortspielerische Verdrehung von Redensarten ergebe neue Einsichten, die zur Aufdeckung und Entblößung des fragwürdigen Wertsystems dienen (100). Der eigentliche Wert der Arbeit liegt im Verzeichnis der einschlägigen Aphorismen mit Angabe der zugrundeliegenden Sprichwörter und Redensarten (107–115).

Mieder, Wolfgang. "Sprichwörter im modernen Sprachgebrauch." In: WM: Deutsche Sprichwörter in Literatur, Politik, Presse und Werbung. Hamburg: Buske 1975, S. 53–76.

Kommentar
Fotomechanischer Nachdruck von KAB 18, 8.05.8.1.

Mieder, Wolfgang. "Karl Kraus und der sprichwörtliche Aphorismus." In: WM: Deutsche Sprichwörter in Literatur, Politik, Presse und Werbung. Hamburg: Buske 1979, S. 113–131.

Kommentar
Fotomechanischer Nachdruck von KAB 18, 8.05.8.2.

Fricke, Harald. Aphorismus. Sammlung Metzler. Stuttgart: Metzler 1984, 168 S.

Kommentar
Über K. 125–132. Seine Aphorismen seien wirklich ästhetisch sublimierte und sozialisierte Aggression, damit ein Modellfall satirischen Sprechens (127). Nach sehr knappen Bemerkungen über die Themen von K.s Aphorismen die wichtige Feststellung zur Form: es gebe bei K. keinen Aphorismus ohne deutlich zugespitzte Pointe; und deren Quelle liegt fast ausnahmslos in der Sprache (129 f.). Unterstreicht K.s Virtuosität (132). An anderen Stellen Beobachtungen über die auffallende Häufigkeit der Sprichwort-Kontrafakturen bei K. (32), über mögliche (m. E. eher unwahrscheinliche) Einflüsse vom Talmud her (35 f.); über Anton Kuh als Affen von Karl Kraus (60); über die Unterschiede zwischen der Aphoristik K.s und Canettis (132 ff.). Darüber hinaus allgemein wichtig für die gattungsgeschichtliche Einordnung von K.s Aphorismen.

Johnston, William M. "The Vienna School of Aphorists 1880–1930. Reflections on a Neglected Genre." In: The Turn of the Century. German Literature and Art, 1890–1915. Hrsg. v. Gerald Chappl and Hans H. Schulte Bonn: Bouvier 1981, S. 275–290.

Kommentar
Belangloser Vergleich K.s mit anderen Wiener Aphoristikern.

8.06 – Die Sammelbände

Tucholsky, Kurt. "Weltgericht (1920)." In: KT: Gesammelte Werke. Hrsg. v. Mary Gerold-Tucholsky and Fritz J. Raddatz Reinbek: Rowohlt 1960, S. 651–653.

Kommentar
Sieht den Grundgedanken der Kriegsaufsätze in der Entdeckung des alten Ornaments, das auf die neue Zeit aufgeklebt ist.

Radler, Rudolf. "Literatur und Lüge." Kindlers Literatur-Lexikon 4 (1968): Sp. 1496 f.

Kommentar

8.07 – "Die letzten Tage der Menschheit"

Baumgart, Reinhard. "Unmenschlichkeit beschreiben. Weltkrieg und Faschismus in der Literatur (1965)." In: RB: Literatur für Zeitgenossen. Frankfurt: Suhrkamp 1970, S. 12–36.

Kommentar
Nur eine Seite (13 f.) über die "Letzten Tage" als Beleg für die Ohnmacht der herkömmlichen Literatur angesichts der endgültigen Zerstörung der Autonomie des Individuums. Für die historische Einordnung des Dramas anregend.

Grossberg, Mimi. Die k. u. k. Armee in der österreichischen Satire. Österreich-Reihe. Wien: Bergland 1973, 53 S.

Kommentar
S. 41–47 zu K. Völlig belanglos.

Hermlin, Stephan. "Lektüre. Karl Kraus." Sinn und Form 21. 1969 (1969): S. 1504–1507.

Kommentar
K. habe den eigentlichen gesellschaftlichen Hintergrund des Krieges nicht verstanden und dennoch die poetische Entsprechung zu den großen marxistischen Zeitanalysen verfaßt.

Hermlin, Stephan. "Karl Kraus." In: SH: Lektüre 1960–1971. Frankfurt: Suhrkamp 1974, S. 100–105.

Kommentar
Nachdruck des Vorigen. Der gleiche Sammelband ist auch in der DDR erschienen (Berlin und Weimar: Aufbau 1973).

Hermlin, Stephan. "Die Letzten Tage der Menschheit." Die Epoche l. 1947. Nr. 8 (1947): 27. April. S. 3.

Kommentar
Zu einer Lesung des Kriegsdramas im Rundfunk. Betont das Unfilmische der "Letzten Tage". Skeptisch gegenüber K.'s 'Überschätzung' der Presse.

Hermlin, Stephan. "Die letzten Tage der Menschheit." In: SH und Hans Mayer: Ansichten über einige Bücher und Schriftsteller. Berlin (DDR): Volk und Welt 1947, S. 121–125.

Kommentar
In der westdeutschen Ausgabe (Wiesbaden 1947) nicht enthalten. Identisch mit dem Vorhergehenden; nur die sich auf die Aufführung beziehenden Passagen sind gestrichen.

Kauffmann, Stanley. "The Last Days of Mankind by Karl Kraus." The New Republic 170. Nr. 18 (1974-05-04): S. 22, 33 f.

Kommentar
Knappe, aber verständnisvolle Bemerkungen anläßlich der englischen Übersetzung. K. benütze das dokumentarische Material nicht wie die Dokumentarliteratur, sondern behandle es mit den Mitteln von poetic imagination. Zieht eine Parallele zwischen K. und den sprachkritischen Ansätzen bei Orwell, Einige Informationen zur allmählich einsetzenden K.-Rezeption in den Vereinigten Staaten.

Heißenbüttel, Helmut. "Auch das Unerträgliche muß benannt werden." Die Welt der Literatur 2. 1965 (1965): S. 105 (Nr. 5. 4. März. S. 13).

Kommentar
Über die "Letzten Tage" und ihre Sonderstellung in der Literatur ihrer Zeit. Die Szenen haben bei Kraus keine Pointen. Ihre Schärfe liegt in der Genauigkeit des Details, der Redegewohnheiten sowohl wie der Denkklischees. K. habe den hoffnungslosen Versuch gewagt, durch ihre Reproduktion einer Wirklichkeit Herr zu werden, der schon niemand mehr Herr zu werden vermag.

Chiarini, Paolo. "Le due apocalissi di Karl Kraus. Dalla grande guerra al Nazismo (1954 bzw. 1955)." In: PC: Romanticismo e realisrno nella letteratura tedesca. Padua: Liviana 1961, S. 175–191.

Kommentar
Der erste der beiden hier vereinten Aufsätze behandelt die "Letzten Tage" im Rahmen der Entwicklung des deutschen Dramas vom Barock zum Expressionismus. Auch Chiarini sieht den traditionalistischen Ausgangspunkt von K.'s Satire. Am wertvollsten die Hinweise auf die Integration verschiedener Bühnentraditionen (Barockdrama, Volksstück, Operette) in das Werk, besonders auf die Verbindungen zum "Faust II" bzw. der "Klassischen Walpurgisnacht". Der zweite Aufsatz beschäftigt sich, nicht sehr tiefschürfend, mit "Dritte Walpurgnisnacht".

Daviau, Donald G. "Language and Morality in Karl Kraus' s DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT." Modern Language Quarterly 22. 1961 (1961): S. 46–54.

Kommentar
K.'s Drama gestalte den sittlichen Verfall, der sich unweigerlich einstellt, wenn eine Gesellschaft den Wortschatz einer früheren, humanistischen Kultur bewahrt, aber gleichzeitig auf einer anderen Grundlage denkt und handelt. Zur Interpretation des Dramas trägt der Aufsatz wenig bei.

Dietze, Walter. "'die letzten Tage der Menschheit' von Karl Kraus – Dramaturgische Besonderheiten eines Antikriegs-Schauspiels (1962)." In: WD: Erbe und Gegenwart. Aufsätze zur vergleichenden Literaturgeschichte. Berlin (DDR) und Weimar: Aufbau 1972, S. 220 bis 246, 519–525.

Kommentar
K 174. die formalen Besonderheiten des Dramas erklären sich aus der primär nicht dramatischen, sondern polemisch-publizistischen Intention seines Autors. Wesentliche dramaturgische Elemente sind nur als Negation feststellbar: die Handlung ist keine; die Helden sind keine, usw. Betont besonders den Rang des Epilogs, wo K. darauf verzichtet, aus einer realen Objektivität idealistische und metaphysische Inhalte dokumentarisch herausdestillieren zu wollen, wo er vielmehr, konträr, auch in der Formgebung adäquat idealistisch und metaphysisch verfährt (238).

Fischer, Otokar. "Zur Stilkritik der "Letzten Tage der Menschheit"." Prager Presse Beilage "Dichtung und Welt" Nr. 11 (1930-03-16): S. 1 f.

Kommentar
In der Bayerischen Staatsbibliothek vorhanden. Das Geniale des Werkes liegt in des Verfassers akustischer Veranlagung, mittels deren die feinsten Schattierungen einzelner Dialekte und Argots wiedergegeben werden können, weshalb das Werk unübersetzbar sei. Einige gut ausgewählte Beispiele für die sprachliche Vielfalt des Werkes. Sehr knapp.

Jenaczek, Friedrich. "Die letzten Tage der Menschheit." Kindlers Literatur-Lexikon (1968): Sp. 1272–1275.

Kommentar

Kimpel, Dieter. "Hugo von Hofmannsthal: Dramaturgie und Geschichtsverständnis. Mit einem Ausblick auf Karl Kraus." In: Deutsche Dramentheorien. Hrsg. v. Reinhold Grimm Frankfurt: Athenäum 1971, Band 2. S. 451–181.

Kommentar
über K. S. 479 ff. Unergiebig.

Lopatta, Rudolf. Der Einfluß des I. Weltkrieges auf die österreichische Dramatik. Wien 1951, 236 S.

Kommentar
Wenig (S. 126–129) über "die letzten Tage der Menschheit", deren Humanismus der liberalen Tradition zugeordnet wird, doch viel Material zu der Literatur, zu der K. in Opposition steht, und damit auch zu Quellen seines Kriegsdramas. In mehr als zwei Drittel der während des Krieges entstandenen Dramen und Libretti werde auf den Krieg überhaupt nicht Bezug genommen.

Mautner, Franz H. "Karl Kraus: DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT (1958)." In: FHM: Wort und Wesen. Kleinere Schriften zur Literatur und Sprache. Frankfurt: Insel 1974, S. 98–132, 350 f.

Kommentar
Identisch mit K 213. die "Letzten Tage" seien eine Fortsetzung von K.'s Kulturkritik. Der Stoff spiele darin eine außerordentliche Rolle – der Anteil des wörtlich zitierten Rohstoffes wird auf die Hälfte geschätzt –, denn es gehört zur Idee des Stückes, zu zeigen, daß diese Äußerungen möglich waren (103). Mautner kommentiert das Stück an Hand des Ablaufs der Ereignisse, wobei auf die zunehmende Entfernung von der Realität gegen Ende hingewiesen wird. Neben der Dialogisierung der Dokumente und der Doppelbödigkeit der Sprache seien Nachahmung, Kontrastierung, Überhöhung und Anordnung die wichtigsten satirischen Mittel. Schließlich hebt der Verfasser die Bühnenwirksamkeit einzelner Szenen und die überlegte Strukturiertheit des ganzen Dramas hervor.

Mautner, Franz H. "Critical Analysis." In: Karl Kraus: The Last Days of Mankind. Hrsg. v. Frederick Ungar New York: Ungar 1974, S. 239–263.

Kommentar
Gekürzte englische Fassung des Vorhergehenden.

Melzer, Gerhard. Der Nörgler und die Anderen. Zur Anlage der Tragödie "Die letzten Tage der Menschheit' von Karl Kraus. Freie Universität Berlin 1973, 298 S.

Kommentar
Viele Beobachtungen zur Form des Kriegsdramas – etwa zu einzelnen Leitmotiven (Frau und Moral, Operettentitel) und zur, in der zweiten Fassung verschärften, Diskrepanz zwischen Szenenfolge und Ablauf der historischen Ereignisse –, besonders aber zur Figur des Nörglers, von der aus Melzer immer wieder auf K. und seine Kulturkritik kommt. Zu K.'s Sprachauffassung heißt es, er gehe von sachlichen Urteilen aus, bringe aber in seinem Werk statt Tatsachenbeweisen symbolische Verweise, die er aus der Sprache schöpfe (58). Die Form des Dramas hänge mit K.'s satirischer Praxis zusammen: es sei eine dramatisierte "Fackel" (227).

Mensching, Gerhard. Das Groteske im modernen Drama. Dargestellt an ausgewählten Beispielen. Bonn 1961, 196 S.

Kommentar
S. 89–102 über die "Letzten Tage der Menschheit". K.'s Montagetechnik lasse an sich nicht groteske Sachverhalte durch Kontrastierungen grotesk erscheinen. Stellt einen – gewollten – Verfall des Dialogs und den marionettenhaften Charakter der Figuren fest. Das Drama spiele auf zwei Ebenen, der der Realität und der der journalistischen Darstellung, die Schlußfolgerungen des Kapitels sind allerdmgs problematisch; Irrtümer im Detail.

Muschg, Walter. "Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit." In: WM: Von Trakl zu Brecht. München 1961, S. 174–197.

Kommentar
Als Widersacher der Zeit und besonders des Bürgertums berühre sich K. mit dem Expressionismus; seine Lyrik habe jedoch erzkonservativen Charakter. K. wird wieder einmal als prophetischer Jude verstanden. Zum Drama selbst vor allem Einzelbeobachtungen; Muschg ordnet es in die im Expressionismus wieder auflebende Tradition des Mysterientheaters ein, in durchaus religiösem Sinn.

Nagel, Henry K. "Die Satire in Karl Kraus' DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT." University of Dayton Review 7. 1971. Heft 3 (1971): S. 73–92.

Kommentar
Der unter einem ungenügenden Begriff von Satire leidende Aufsatz klassifiziert die satirischen Mittel K.'s: sprechende Namen; Zitat, Phrase und Dialekt; die Glossierung der Sprech- und Denkweise der Personen; Zynismus, Ironie, Situationskomik, Paradoxie und Parodie; Überraschungseffekte. Die Beispiele sind nicht immer richtig interpretiert.

Rieder, Heinz. "Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" in ihrer Beziehung zur historischen Wirklichkeit." In: Geschichte in der Österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Institut für Österreichkunde Wien: Hirt 1970, S. 135–147.

Kommentar
Im ganzen nur eine inhaltliche Paraphrase; eine Kontrastierung des Werkes mit Fakten aus der Geschichte erfolgt nicht. So bleibt nur eine banale Gegenüberstellung der verschiedenen Haltungen von Satiriker und Historiker.

Snell, Mary. "Karl Kraus' s DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT. An Analysis." Forum for Modern Language Studies 4. 1968 (1968): S. 234 bis 247.

Kommentar
Die Struktur des Dramas sei sehr sorgfältig; sie werde vor allem durch die Parallelität verschiedener Szenen gesichert. Diese Struktur ersetze die Kohärenz der Fabel. Manche Einzelheiten sind problematisch.

Spalter, Max. Brecht's Tradtion. Baltimore: Johns Hopkins Press 1967, XII + 271 S.

Kommentar
S. 137–155 eine Interpretation der "Letzten Tage der Menschheit", die, vor allem aufgrund inhaltlicher Gesichtspunkte, in die Tradition des antiidealistischen Theaters eingeordnet werden (Lenz, Grabbe, Büchner, Wedekind, Brecht). Unbefriedigend. Fast nichts über das Verhältnis K. – Brecht.

Stempfer, Rene. Les idees et la langue de Karl Kraus dans "Les derniers jours de l'humanité". Lilie 1963, 234 S.

Kommentar
Stellt zuerst Themen des Dramas zusammen (vor allem die Variationen des Verfallsthemas), dann verschiedene sprachliche Mittel (fehlerhaft!). Neben Detailbeobachtungen ist der Vergleich zwischen Aufbau des Dramas und Ablauf der Kriegsereignisse (28–41) am interessantesten, obwohl die Interpretation der Ergebnisse nicht überzeugt.

Melzer, Gerhard. Das Phänomen des Tragikomischen. Untersuchungen zum Werk von Karl Kraus und Ödön von Horvath. Graz 1974, (111] + 164 S.

Kommentar
Weist tragikomische Züge in einigen (teils überinterpretierten) Szenen der "Letzten Tage der Menschheit" nach; doch treten diese Elemente hinter den satirischen zurück. Betont die starke Typisierung der Figuren bei K. und hebt das Fehlen der für die traditionelle Tragödie konstitutiven Elemente Schuld, Schicksal und Held hervor. Das Kriegsdrama als ganzes kommt nicht in den Blick. Beziehungen zwischen K. und Horvath werden nicht vermutet. Siehe unter anderen auch 3.1.08 (Ernst Fischer), 5.2.4 (Pötschke), 5.2.6 (Riha), 5.2.8 (Mon), 8.08.0.1 (Snell), 8.11.3.3 (Tucholsky), 9.1.3 (Fischer), 10.2.3 (Kaufmann).

Torberg, Friedrich. "Ist Karl Kraus vorlesbar?." Forum (Wien) 10. 1963 (1963): S. 301.

Kommentar
Die "Letzten Tage der Menschheit" seien nach K. nicht mehr vorlesbar, nicht einmal von Helmut Qualtinger – dessen Lesungen Anlaß für diesen Aufsatz waren –, da ihm und seiner Generation das dafür notwendige Pathos fehle. Vgl. die Leserbriefe auf S. 352 dieses Jahrgangs.

Wiener Festwochen im Theater an der Wien. [Programmheft zu "Die letzten Tage der Menschheit"]. [Wien] 1964, (20 S.+8 S. Beilage).

Kommentar
[S. 4–10] "Marginalien zu den "Letzten Tagen der Menschheit" von Heinrich Fischer: über die Schwierigkeiten bei der Bearbeitung und Inszenierung des Dramas; nach den Untaten der Hitler-Zeit haben Fischer und Leopold Lindtberg alle als judenfeindlich interpretierbaren Szenen ausgeschieden. Mit Erinnerungen an eine Vorlesung von K. und einem Faksimile des handschriftlichen Entwurfs der ersten Szene.

Kaiser, Joachim. "Letzter Tag der "Letzten Tage"? Leopold Lindtberg inszeniert Karl Kraus im Theater an der Wien." Süddeutsche Zeitung (1964-06-16): S. 16.

Kommentar
Stück und Aufführung gegenüber kritisch.

Torberg, Friedrich. "Das Wort gegen die Bühne. Zur szenischen Uraufführung der "Letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus." Forum (Wien) II. 1964 (1964): S. 282–284.

Kommentar
Über die Unspielbarkeit des Dramas.

Wendt, Ernst and Günther Fleckenstein. "Oh, was ein schöner Krieg!." Theater heute 5. 1964. Nr. 10 (1964): S. 42–44.

Kommentar
Interview mit dem Regisseur der Hannoveraner Aufführung der "Letzten Tage", der sich an Joan Littlewood anlehnte und stark die politische Tendenz des Dramas akzentuierte.

Schulte, Gert. "Apokalypse mit Gesang. "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus in Hannover." Die Welt (1964-09-07).

Kommentar
Vernichtende Kritik der Hannoveraner Aufführung.

Baumgart, Reinhard. "Diese Leichenstarre der Lebendigkeit. Hollmann inszeniert "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus in Basel." Süddeutsche Zeitung (1974-12-18): S. 16.

Kommentar

Rischbieter, Henning. "Zu Schatten und Marionetten abgezogen. Hollmann inszeniert "Die letzten Tage der Menschheit" in Basel." Theater heute 16. 1975. Heft 2 (1975): S. 16–19.

Kommentar
Der Kraus'sche Moralismus ist zutiefst unpolitisch […], Sehr informativ über den Stil der Inszenierung.

Rühle, Günther. "Welttheater des Nörglers. Ein bravouröser Versuch des Baseler Theaters. "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1974-12-17): S. 21.

Kommentar

Lukács, Georg. "Eine Kampfschrift gegen den Krieg der Bourgeoisie (1923)." In: Die Rote Fahne. Kritik, Theorie, Feuilleton 1918–1933. Hrsg. v. Manfred Brauneck München: Fink 1973, S. 187–191.

Kommentar
"Die letzten Tage der Menschheit" seien die beste Kampfschrift gegen den imperialistischen Krieg, die wir besitzen, auch wenn die Stimme des revolutionären Proletariats fehle. Kritisiert die flache Literaturutopie des Epilogs. Vor allem als Dokument der Rezeption von Bedeutung.

Gilman, Sander L. The Parodic Sermon in European Perspective. Aspects of Liturgical Parody from the Middle Ages to the Twentieth Century. Beiträge zur Literatur des XV. bis XVIII. Jahrhunderts 6. Wiesbaden: Steiner 1974, XI + 244 S.

Kommentar
S. 122–129: Kraus and Tucholsky. Der Verfasser untersucht die Predigtszenen in den "Letzten Tagen der Menschheit" (I, 27; III, 15-18), erkennt aber nicht den Zitatcharakter dieser Stellen, sondern faßt sie als Parodien auf. Außerdem gibt er ihnen durch seinen an spätmittelalterlicher religiöser Polemik gewonnenen Begriff des parodic sermon zu sehr religiöse Bedeutung. Allenfalls einige Einzelbeobachtungen zur Kriegspredigt sind brauchbar.

Früh, Eckart. Das volkstümliche Wort bei Karl Kraus. Ein interpretativer und lexikalischer Beitrag zum Verständnis des Dramas "Die letzten Tage der Menschheit". Wien 1973, IX + 921 S. [2 Teilbände].

Kommentar
Vgl. 0.6.4 und 0.7.1. Der interpretative Teil – dessen Ergebnisse auf S. 218–227 knapp zusammengefaßt sind – behandelt die Funktion des Humors bei K., ausgehend von der komischen Wirkung der Mundart besonders in den Vorlesungen; K.'s Verhältnis weniger zur Mundart als solcher denn zu ihrer Verwendung bei den Naturalisten einerseits, bei Nestroy andererseits; verschiedene Aspekte der Wiedergabe von mundartlichem Sprachmaterial in den "Letzten Tagen der Menschheit". Zahlreiche wertvolle Detailbeobachtungen, u. a. auch durch das Eingehen auf die verschiedenen Stufen der Gestaltung. Die Frage nach der Verwendung des mundartlichen Materials tritt etwas in den Hintergrund.Enthält u. a. ein sprachwissenschaftlich ausgerichtetes Glossar der mundartlichen, umgangssprachlichen usw. Ausdrücke in K.'s Kriegsdrama.

Calasso, Roberto, Braun, Ernesto, and Carpitella, Mario. "La guerra perpetua." In: Karl Kraus: Gli ultimi giorni dell'umanità. Mailand: Adelphi 1980, 2 Bände Band 2, S. 755–779.

Kommentar
Reflexionen über K. und über unsere Zeit. Stützt sich vor allem auf Canetti und Benjamin. Unterstreicht mehrfach den akustischen Charakter von K.s Erfahrungen (757): K. wird die Stimme, die alle Stimmen einfängt, genannt (759 u. ö.). Weist emphatisch jeden Zusammenhang zwischen den "Letzten Tagen" und dem epischen sowie dem Dokumentartheater zurück; es handle sich bei K. vielmehr um magische Praxis (759). Interessanter Hinweis auf Parallelen zwischen K.s Kriegsdrama und dem unveröffentlichten zweiten Teil von Flauberts "Bouvard et Pécuchet" (761). Originelle Überlegungen zum Leitmotiv "Es bilden sich Gruppen", das der schrecklichste Satz des Dramas sei (766). Polemische Bemerkungen gegen Brecht, dessen Werk die Konfrontation mit den "Letzten Tagen der Menschheit" nicht aushalte (771 f.). Trotz einer gewissen altmodischen Haltung habe K. im Kriegsdrama radikal die formalen Konsequenzen aus seiner Situation gezogen (776). Vielleicht nicht sehr präzis, aber stets anregend.

Pynsent, Robert. "The Last Days of Austria: Hašek and Kraus." In: The First World War in Fiction. A Collection of Critical Essays. Hrsg. v. Holger Klein London: Macmillan 1978, S. 136–148, 227 f.

Kommentar
Ausgangspunkt ist eher der volkstümliche "Schwejk" Hašeks als das intellektuelle Kriegsdrama K.s (147). Gemeinsam sei beiden Werken das Bewußtsein, daß man den Ersten Weltkrieg, der alle Regeln menschlichen Verhaltens durchbrochen habe, nur durch ein Durchbrechen der literarischen Regeln adäquat darstellen könne (142). Auch lasse sich in beiden Werken eine antitraditionelle Haltung (147) feststellen, obwohl Schwejk ebenso wie der Nörgler eigentlich Konservative seien (147). Auch in Details der Darstellung des Weltkriegs ergeben sich Berührungspunkte.

Krolop, Kurt. "Genesis und Geltung eines Warnstücks." In: Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Materialien und Kommentare. Hrsg. v. Kurt Krolop Berlin (DDR): Volk und Welt 1978, S. 249–329.

Kommentar
Souveräne und ungemein kenntnisreiche Darstellung der Entstehung des Kriegsdramas im Rahmen der Kriegs-"Fackel" und der Briefe an Sidonie Nádherný. Methodisch vorbildlich die detaillierte Auswertung der Vorlesungsprogramme. Wichtige Überlegungen u. a. zur Form, besonders zur relativen Füllungsfreiheit der fünf Binnenakte (251); immer wieder zur Verarbeitung von "Fackel"-Passagen im Drama; zur Bedeutung von Dostojewskijs "Die Judenfrage" (F 413–17, 1915, 49–74) für die Kriegs-"Fackel" (268–274); über die Bedeutung der Shakespeare-Vorlesungen und überhaupt des Theaters der Dichtung für die Konzeption der "Letzten Tage der Menschheit" (282–285, 295, 302 f.); über K.s Verhältnis zu Georg Büchner (301 f.). Dazu zahlreiche interessante Einzelbeobachtungen zu Szenen des Dramas wie zu "Fackel"-Texten (z. B. 307 f.). Auch anregende Überlegungen zur Interpretation (die nicht das eigentliche Anliegen Krolops ist). Im letzten Teil Informationen zur Buchausgabe, zur Bühnengeschichte des Werkes, zur Bühnenfassung und zu Nachwirkungen, von denen die Darstellung eines möglichen Echos in Thomas Manns "Doktor Faustus" (vgl. schon Naumann, Abbau, 1969, KAB 2.2.11, 33 f.) am interessantesten ist.

Riha, Karl. "Veränderungen des Dramas in der Satire: Arno Holz, "Die Blechschmiede", Karl Kraus, "Die letzten Tage der Menschheit" – ein Vergleich." In: Literatur und Theater im Wilhelminischen Zeitalter [Festschrift für Hans Schwerte]. Hrsg. v. Hans-Peter Bayerdörfer, Karl Otto Conrady, and Helmut Schanze Tübingen: Niemeyer 1978, S. 107–120.

Kommentar
Vergleicht die beiden satirischen Monstre-Dramen (117) von Holz und von K. Arbeitet an einigen Beispielen knapp vergleichbare Formen des satirischen Dokumentartheaters (117) in beiden Werken heraus, zeigt aber auch den Unterschied im Begriff von Satire: anders als K. sei Holz in einer veralteten Witz- und Komik-Konzeption verharrt (119 f.).

Sander, Emil. Gesellschaftliche Struktur und literarischer Ausdruck. Über "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus. Theorie – Kritik – Geschichte. Königstein/Ts.: Scriptor 1979, [XIV +] 322 S.

Kommentar
Zugleich Diss. Kassel 1977. Die Arbeit, deren Verfasser von K., von seinem konkreten historischen Umfeld, von literaturwissenschaftlichen Methoden und wohl überhaupt von Literatur gleichermaßen keine Ahnung hat und obendrein einen unleidlichen Stil schreibt (vgl. Kraus-Heft 18, 1981, 11 f.), tut im wesentlichen nichts anderes als Zitate aus Marx, Adorno und Benjamin durch mehr oder minder willkürlich herausgegriffene Passagen aus den "Letzten Tagen der Menschheit" illustrieren. Der Grundansatz ist gleichwohl interessant: der Versuch, den Stellenwert der Satire in der kapitalistischen Gesellschaft zu bestimmen (zu der sie als Bestandteil einer Einheit gehöre; 26 u. ö.); die Zuordnung K.s zu bürgerlichen Formen der Melancholie (28 ff.); die (allerdings schwer nachvollziehbare) Herstellung einer Beziehung von K.s zitierender Satire zur Allegorie im Sinne Walter Benjamins (72 ff.); auch die Überlegungen zum Zusammenhang des Kriegsdramas mit dem barocken Trauerspiel (261 f.). Jedoch wird Beweisführung durch emphatische Wiederholung ersetzt: die Einzelanalysen sind durchwegs wertlos. Vgl. die Rezension von Ansgar Hillach in: Germanistik 21 (1980), Nr. 6153.

Ruske, Norbert. Szenische Realität und historische Wirklichkeit. Eine Untersuchung zu Karl Kraus: "Die letzten Tage der Menschheit". Literatur und Kommunikation. Frankfurt: Rita G. Fischer 1981, [18 +] 300 S.

Kommentar
Zugleich Diss. Mannheim 1980. Versucht, durch einen Vergleich zwischen der Wirklichkeit des Ersten Weltkriegs und deren Gestaltung in K.s Kriegsdrama die Perspektive zu ermitteln, aus der heraus K. die Realität beurteilt (24), nämlich aus der Perspektive seines 'Kultur'-Ideals (20 f.). Ruske kennt jedoch die historische Wirklichkeit zu wenig genau, um einen solchen Vergleich wirklich durchführen zu können. Dennoch enthält die Arbeit wertvolle Einzelergebnisse und weiterführende Fragestellungen, etwa 26 ff. zu I/2; zur Nichtberücksichtigung des Wandels der "Neuen Freien Presse" nach 1917 im Drama (124 ff.); zum verhältnismäßig seltenen Vorkommen der österreichischen Sozialdemokratie und ihrer Presse (u. a. 171 f., 277); zur Nichtbeachtung des Anteils der Militärbehörden am Stil der Kriegsberichte (223); zum Nichtvorkommen der Streiks von 1918 (269 ff.). Wichtig an der insgesamt doch recht ungenauen Arbeit auch die Unterscheidung zwischen K. und dem "Nörgler": dieser urteile wesentlich totaler und undifferenzierter als K. in der "Fackel" (278). Vgl. Kraus-Heft 18 (1981), 16.

Branscombe, Peter J. "Some Depictions of the First World War in Austrian Drama." In: Studies in Modern Austrian Literature. Hrsg. v. Brian Oliver Murdoch and Mark G. Ward Glasgow: Scottish Papers in Germanic Studies 1981, S. 74–86.

Kommentar
Geht vor allem auf Weltkriegsdramen von Chlumberg und Csokor ein und behandelt "Die letzten Tage der Menschheit" nur sehr global (75–77); mit einem interessanten Gedanken über die Funktion des Schlusses von V/53.

Drews, Jörg. ""Denn wer den Bestien seiner Zeit genug hat angetan / der hat gelebt". Notizen zu den Ähnlichkeiten zwischen Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" und Otto Nebels "Zuginsfeld"." In: Das Tempo dieser Zeit ist keine Kleinigkeit. Zur Literatur um 1918. Hrsg. v. Jörg Drews München: text + kritik 1981, S. 128–142.

Kommentar
Der Widerspruch zwischen Ideologie/Phraseologie einerseits und Frontrealität andererseits (129) habe bei K. und dem gleichzeitig schreibenden Otto Nebel (die erste Fassung von "Zuginsfeld" entstand 1918/19 wohl ohne Kenntnis der "Letzten Tage der Menschheit") zu ähnlichen literarischen Verfahrensweisen geführt, wobei Nebel in seiner Zitat-Collage noch radikaler als K. zu sein scheint. Auch die Thematik über das Kriegsproblem hinaus ist verwandt. Wichtig die Warnung vor einer Mystifizierung der Sprachauffassung beider Autoren.

Lensing, Leo A. ""Kinodramatisch": Cinema in Karl Kraus' DIE FACKEL and DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT." German Quarterly 55 (1982): S. 480–498.

Kommentar
Obwohl K. "kinodramatisch" schon früh mit pejorativer Bedeutung verwendet (480), hat er sich mit dem Medium Film dennoch intensiver auseinandergesetzt, als bisher angenommen worden ist. Verweist auf K. als Vorläufer der Fotomontage (481 f.), untersucht dann – sorgfältig die Kino- und Filmgeschichte einbeziehend – einschlägige Glossen der Kriegs-"Fackel" und schließlich die einschlägigen Szenen und Passagen der "Letzten Tage der Menschheit". Auf die Kritik am propagandistischen Mißbrauch des Films (489) legt Lensing dabei weniger Wert als auf das Verhältnis der Erscheinungen in V/54 zu Filmtechniken (489 f.). Deutet abschließend Wirkungen dieses Stils auf das Drama der Weimarer Republik an (492 ff.). Sehr gründlich und informativ.

Pfotenhauer, Helmut. "Sprachsatire als Ursprung und Crux dramatischer Formen. Überlegungen zu Karl Kraus." Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 27 (1983): S. 326–344.

Kommentar
Geht, mit einem Schwerpunkt auf den "Letzten Tagen der Menschheit", von Überlegungen zum Gattungsproblem aus. In der Bezeichnung "Tragödie" komme K.s Wille zum Ausdruck, der tendenziell unendlichen Anzahl beängstigender und lächerlicher Details eine finale Ausrichtung zu geben (335). Jene Details sind sprachsatirisch konzipiert, was Pfotenhauer an I/25 und I/7 zeigt; jene finale Ausrichtung sei im wesentlichen durch den Epilog gegeben. In den "Unüberwindlichen" (338–340) sei dagegen der Sprachwitz dadurch überfordert, daß er die einsichtige Motivation der Figuren ersetzen solle (339); in "Literatur" (340–342) ersetze "sprachliche Kunstfertigkeit", was bei Offenbach die Musik leiste (341). Geht abschließend kurz auf das "Theater der Dichtung" und auf K.s Verstummen als Dramatiker ein.

Schuh, Franz. "Aus dem Supermarkt der Kultur. Zu Hans Hollmanns Inszenierung der "Letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus (1980)." protokolle (Wien) Band 4 (1981): S. 111–114.

Kommentar
Auseinandersetzung mit der Wiener Aufführung der "Letzten Tage der Menschheit" von 1980. Die stolze Exhibition von Theatermitteln macht sich einem dichterischen Zweck gegenüber lächerlich, der die Menschheit umfaßt (112). Wenig über Einzelheiten der Aufführung, mehr über ihren Stellenwert im Kulturbetrieb und vor allem einige wichtige Bemerkungen über das aufgeführte Drama. Ein Verzeichnis wichtiger Rezensionen der Wiener Inszenierung der "Letzten Tage der Menschheit" von 1980 (Hans Hollmann) findet sich in: Kraus-Heft 16 (1980), S. 9 f.

Borosch, Helga, Christlieb, Hirte, Isolde, and u. a. "Register." In: Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Materialien und Kommentare. Hrsg. v. Kurt Krolop Berlin (DDR): Volk und Welt 1978, S. 351–391.

Kommentar
Erklärendes Verzeichnis von Personen, Orten, Sachen und Spracheigentümlichkeiten in den "Letzten Tagen der Menschheit", jeweils mit Stellennachweisen. Sehr nützlich, sowohl als Register wie durch die Sachinformationen.

[Krolop, Kurt]. "Materialien." In: Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Materialien und Kommentare. Hrsg. v. Kurt Krolop Berlin (DDR): Volk und Welt 1978, S. 7–248.

Kommentar
Enthält Texte aus der "Fackel" (bzw. Verweise auf solche), die in die "Letzten Tage der Menschheit" eingegangen sind. Für I/29 und IV/26 ist exemplarisch Vollständigkeit dieser Nachweise angestrebt. Geht jedoch nicht über die "Fackel" zurück auf deren Quellen. Bietet eine verläßliche Grundlage für Untersuchungen des Verhältnisses zwischen Zeitschrift und Kriegsdrama.

[Krolop, Kurt]. "Szenenkonkordanz." In: Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Materialien und Kommentare. Hrsg. v. Kurt Krolop Berlin (DDR): Volk und Welt 1978, S. 331–349.

Kommentar
Diese Szenenkonkordanz zwischen Buch- und Aktausgabe geht über die in Kraus-Heft 4 (1977) enthaltene dadurch hinaus, daß sie auch die Aufnahme einzelner Szenen in Vorlesungsprogramme nachweist.

Braun, Ernesto, Carpitella, Mario, Braun, Ernesto, and Carpitella, Mario. "Indice dei nomi." In: Karl Kraus: Gli ultimi giorni dell'umanità. Mailand: Adelphi 1980, Band 2, S. 693–754.

Kommentar
Verzeichnet Personen- und Ortsnamen sowie Titel von K. erwähnter musikalischer und literarischer Werke. Geht gelegentlich über das Register der Krolop-Ausgabe (8.07.4.1) hinaus. Ergänzt durch erläuternde Anmerkungen (Fußnoten) im fortlaufenden Text. In Einzelheiten fehlerhaft.

Baltz-Balzberg, Regina. Primitivität der Moderne 1895–1925 am Beispiel des Theaters. Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur. Königstein/Ts.: Hain 1983, 208 S.

Kommentar
Zugleich Dissertation Klagenfurt. Geht, entgegen der Verlagsankündigung, auf K. unmittelbar nur an einer Stelle ein, nämlich auf die Szene IV/13 des Kriegsdramas (131), speziell auf die Technik der Karikatur. Enthält jedoch viel Material zur exakteren literarischen Einordnung von K.s dramatischen Techniken.

8.08 – Die anderen Dramen

Snell, Mary A.C. The Dramatic Satire of Karl Kraus and Johann Nestroy: a Comparative Study. St. Andrews (Schottland) 1965/66.

Kommentar

Kaiser, Joachim. "Kraus' Dramen – beim Wort genommen." Süddeutsche Zeitung (1967-07-08): Beilage S. 8.

Kommentar
Scharfe Kritik an der 'undramatischen' Form und an der Sprache der Dramen.

Grebenickova, Ruzena. "Kalrl Kraus' magische Operette "Literatur oder Man wird doch da sehn"." alternative (1971): S. 225–233.

Kommentar
Die recht textferne Interpretation betont richtig das Zentralmotiv der Pervertierung (228), weist auf Gemeinsamkeiten mit Komödien von Musil und Kaiser hin, unterschätzt aber wohl den 'scherzhaften' Charakter dieser Satire, wenn sie diese vor allem aufgrund von K.'s Kritik am Geschäft zu deuten versucht.

Hahnl, Hans Heinz. "Harald Brüller und Ekkehard Meyer." Literatur und Kritik (1968): S. 425–428.

Kommentar
Hinter der Figur des Harald Brüller in "Literatur" verberge sich der Wiener Schriftsteller Robert Müller, der seinerseits 1917 in einem Drama "die Politiker des Geistes" eine K.-Figur unter dem Namen "Ekkehard Meyer" auf die Bühne gebracht hatte. Siehe zu "Literatur" auch 7.6.02.3 (Literatur über die Fehde zwischen K. und Werfel), die Äußerung Kafkas (3.4.4.1) und Brod (9.2.12).

Musil, Robert. "Wiener Theater (1924)." In: RM: Theater. Kritisches und Theoretisches. Hrsg. v. Marie-Luise Roth Reinbek: Rowohlt 1965, S. 172–174.

Kommentar
S. 173 f. eine kurze Rezension der Wiener Aufführung von "Traumspiel" und "Traumtheater". Steht K.'s Versdramen sehr skeptisch gegenüber. Siehe 2.2.14 (Schick) zum Entstehungsdatum von "Traumtheater".

Benjamin, Walter. "Wedekind und Kraus in der Volksbühne (1929)." In: WB: Gesammelte Schriften 4/1.2. Frankfurt: Suhrkamp 1972, S. 551–554.

Kommentar
1042 (Nachweis des Erstdrucks). K 614. Benjamins Rezension der "Unüberwindlichen" sieht im 4. Akt einen Bruch, den der Verfasser damit erklärt, daß K. die eigene Niederlage nicht zu gestalten vermöge. Schließt mit einem Prosagedicht auf K.

Tucholsky, Kurt. "Berliner Theater (1929)." In: KT: Gesammelte Werke. Hrsg. v. Mary Gerold-Tucholsky and Fritz J. Raddatz Reinbek: Rowohlt 1961, S. 242–248.

Kommentar
S. 242 f. über die "Unüberwindlichen". Dem Drama und besonders der Rolle des Arkus gegenüber kritisch; interessant die Bemerkungen über das Verhältnis des Publikums zu K.

Musil, Robert. "Wiener Theater (1924)." In: RM: Gesammelte Werke in 9 Bänden. Band 9: Kritik. Hrsg. v. Adolf Frisé Reinbek: Rowohlt Taschenbuchverlag 1978, S. 1659–1661.

Kommentar
Identisch mit 8.08.2. Kommentar S. 1879.

8.09 – Die Lyrik

Brock-Sulzer, Elisabeth. "Die Gedichte von Karl Kraus." du 29. 1969 (1969): S. 451.

Kommentar
K. als poeta doctus, als konstruierender und darum moderner Lyriker, dessen Gedichte von der kunstvollen Dichte der schönsten Horaz-Oden seien.

Kohn, Caroline. Karl Kraus als Lyriker. Germanica II. Paris: Dicher 1968, VII + 183 S., 4 Seiten Beilage.

Kommentar
Überarbeitete Diplomarbeit von 1954. Geht kaum über eine inhaltliche Paraphrase der Gedichte, verbunden mit der Beteuerung ihres hohen Wertes, hinaus. Nicht berücksichtigt werden die Epigramme. Von ganz wenigen Einzelbeobachtungen abgesehen ziemlich unbrauchbar. Siehe die Rezensionen von J.M. Fischer in: Germanistik 10. 1969. S. 906; Scheichl (0.4.2).

Kubasta, Elisabeth. Karl Kraus als Lyriker. Wien 1950, 133 S.

Kommentar
Methodisch unsicher, teilweise Klischees reproduzierend, aber mit brauchbaren Einzelbeobachtungen, Versucht zuerst, K.'s Vorstellung von Lyrik aufgrund seiner theoretischen Äußerungen und der vor 1912 in der "Fackel" veröffentlichten Gedichte anderer Autoren zu bestimmen, und geht dann auf verschiedene Themengruppen seiner Gedichte ein (unter Ausschluß aller zeitkritischen Gedichte). Sprach- und Formprobleme werden nicht berücksichtigt.

Radecki, Sigismund von. "über Karl Kraus' "Worte in Versen"." In: SvR: Gesichtspunkte. Köln und Ölten: Hegner 1964, S. 89–93.

Kommentar
Führt über eine Einführung in K.'s Biographie zum Bewußtsein der in Schöpfung und Welt beschlossenen Antithetik als der Wurzel des K.'schen Denkens, zur Ursprungsidee und zu K.'s Bemühen um die strikteste Trennung aller Gegensätze.

Weitzmann, Siegfried. "Stuche über Karl Kraus." Bulletin des Leo Baeck Institute 4. 1961 (1961): S. 123–133.

Kommentar
Betont den unsinnlichen, unanschaulichen Charakter von K.'s Werk, das allein vom Gedanken her bestimmt sei und auch in der Lyrik kein Verhältnis zur Natur habe. Zitat und Jargon hätten vor allem die Funktion, das Werk der Sinnenwelt näherzubringen. Der abstrakte Aphorismus sei die einem so unsinnlichen Dichter gemäße Darstellungsform. Der sicher sehr einseitige Aufsatz hat den Vorzug, vom Werk und nicht von den Selbstkommentaren K.'s auszugehen. Ähnlich argumentiert Hennecke (3.1.18).

Bauer, Roger. "Karl Kraus; Von der Prosa zum Vers. Bemerkungen zum ersten Band der "Worte in Versen" und zum Gedicht "Sonnenthal"." In: Sprachthematik in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Institut für Österreichkunde Wien: Hirt 1974, S. 83–99.

Kommentar
Bauer analysiert den Aufbau von "Worte in Versen I" und betont den optimistischen Grundton, der durch die Verklärung der heilen Welt den Gedichtband präge, "Sonnenthal" wird mit der Prosafassung "Denkmal eines Schauspielers" (1914) verglichen. Aus der Interpretation zieht Bauer wichtige Schlußfolgerungen für das "Theater der Dichtung": Die nicht mehr mögliche naive Darstellung wird ersetzt durch eine bewußte, sentimentalische Postulation der absoluten Wiedergabe des verklungenen dichterischen Wortes.

Kraft, Werner. ""Bange Stunde". Ober ein Gedicht von Karl Kraus." Philologica Pragensia II. 1968 (1968): S. 165–170.

Kommentar

Kraft, Werner. "Ober Karl Kraus." Neue Zürcher Zeitung (II. Februar 1967): Blatt 19.

Kommentar
Identisch mit dem Vorhergehenden.

Kraft, Werner. "Ober den Dichter Karl Kraus." Der Sumpf (Berlin) [1]. 1932 (1932): S. 240–249.

Kommentar
Interpretationen von "Bekenntnis", "Die Unentbehrlichen", "Er" und "Fahrt ins Fextal". Nur zum Teil und stark verändert in Krafts Buch (2.1.04) übernommen.

Liegler, Leopold. "Eine Gedichtanalyse ("Der Tag" von Karl Kraus)." Agathon. Almanach auf das Jahr 47 des zwanzigsten Jahrhunderts (o. J. [1946]): S. 25–33.

Kommentar
Geht auch auf die Form des Gedichts ein.

Bauer, Roger. "Karl Kraus: Von der Prosa zum Vers. Bemerkungen zum ersten Band der "Worte in Versen" und zum Gedicht "Sonnenthal"." In: RB: Laßt sie koaxen, Die kritischen Frösch' in Preußen und Sachsen! Zwei Jahrhunderte Literatur in Österreich. Wien: Europa 1977, S. 200–216, 256 f.

Kommentar
Nachdruck des Vorherigen, mit minimalen stilistischen Veränderungen.

Krolop, Kurt. "Klopstock und Karl Kraus." In: Friedrich Gottlieb Klopstock. Werk und Wirkung. Wissenschaftliche Konferenz der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Juli 1974. Hrsg. v. Hans-Georg Werner Berlin (DDR): Akademie 1978, S. 255–274.

Kommentar
Das nachweisliche Fortleben Klopstocks in österreichischen Lesebüchern könnte auf K. gewirkt haben (257). Analysiert K.s Oden "Gebet an die Sonne von Gibeon" (am ausführlichsten) – die radikalste Apokalypse unter den Gedichten von K. (263) –, "An einen alten Lehrer" (264 f.) und "An den Schnittlauch" (265), unter eingehender Berücksichtigung formaler Aspekte. Mit dieser Ode habe K. seine reimlose Lyrik weitgehend abgeschlossen und zugunsten des Reimgedichts aufgegeben.

Kraft, Werner. "Zwei Gedichte von Christine Lavant." In: WK: Österreichische Lyriker von Trakl zu Lubomirski. Eisenstadt: Edition Roetzer 1984, S. 57bis 63.

Kommentar
Als Gegenstück zu einem antihumanen Gedicht (61) von Christine Lavant wird "Grabschrift für ein Hündchen" als humanes Gedicht kurz interpretiert(61 ff.).

8.10 – "Dritte Walpurgisnacht"

Dürrenmatt, Friedrich. "Die dritte Walpurgisnacht (1953)." In: FD: Theater-Schriften und Reden. Zürich: Arche 1966, S. 247–250.

Kommentar
K 8. Betont die Genauigkeit von K.'s Satire und seine Konzentration auf das Konkrete. Er weigerte sich, ins Allgemeine Reißaus zu nehmen (248). Mehr über K. als über die Polemik.

Feest, Johannes. "Die Dritte Walpurgisnacht." Kindlers Literatur-Lexikon 2 (1966): Sp. 1632 f.

Kommentar

Frühwald, Wolfgang. "Kritik der Phraseologie. Sechs Thesen zu Karl Kraus' "Dritter Walpurgisnacht"." In: Interpretationen zur österreichischen Literatur. Hrsg. v. Institut für Österreichkunde Wien: Hirt 1971, S. 111–132.

Kommentar
Demonstriert zunächst am Beispiel des "Ehrenkreuzes" (1909) die ethische Absicht der K.'schen Satire, versucht dann eine Deutung von "Man frage nicht" auf dem Hintergrund der "Dritten Walpurgisnacht" und untersucht schließlich diese: sie stehe in der Tradition von Scheltreden deutscher Dichter auf ihr Vaterland (besonders Hölderlins); nationalsozialistische Schlagworte hätten in ihr die Funktion von Leitmotiven; sie überschreite die Grenzen der Satire in Richtung auf das politische Pamphlet. Die letzten Nummern der "Fackel" stellten einen bewußten und satirisch gemeinten Kontrast zur Zeit dar. Sehr materialreich und informativ.

Kraft, Werner. "Es war einmal ein Mann … über die "Dritte Walpurgisnacht" von Karl Kraus." Merkur 22. 1968 (1968): S. 926–935.

Kommentar
Versucht eine Rechtfertigung von K.'s vielkritisierter Polemik. Als Gegner Hitlers hätte dieser auch Mussolini akzeptiert. Veröffentlicht ein Zeugnis aus K.'s Umgebung für die Nichtveröffentlichung der Schrift (von Karl Jaray). S. 927 kurz über K. und Brecht. Kraft bemerkt u. a. häufige Vorausdeutungen auf K.'s Tod in "Dritte Walpurgisnacht" und beschäftigt sich mit der Funktion der Goethezitate.

Rychner, Max. ""DIE dritte Walpurgisnacht" von Karl Kraus (1953)." In: MR: Bedachte und bezeugte Welt. Darmstadt: Agora und Hamburg; Schröder 1962, S. 222–225.

Kommentar
K 26 und K 45. Betont vor allem die Konfrontation der niedrigsten mit der höchsten Sprache, der Naziphrasen mit Goethe und Shakespeare.

Scharang, Michael. "Kritik und Praxis im Angesicht der Barbarei. Zur Dritten Walpurgisnacht von Karl Kraus." Protokolle (Wien) (1969): S. 237–248, 253–260.

Kommentar
Scharang geht es hauptsächlich um eine Auseinandersetzung mit den faschistischen Zügen der gegenwärtigen Gesellschaft. Die Leistung der "Dritten Walpurgnisnacht", auf die im einzelnen nicht eingegangen wird, sieht er daher vor allem im Sichtbarmachen der Kontinuität zwischen bürgerlicher und faschistischer Gesellschaft. Zu Beginn wichtige Überlegungen zur Position des keineswegs abgelehnten K. im Lichte heutiger kritischer Theorie; mehrere Bemerkungen zur K.-Rezeption.

Polgar Alfred. "Die dritte Walpurgisnacht (1952)." In: AP: Taschenspiegel. Hrsg. v. Ulrich Weinzierl Wien: Löcker 1979, S. 88–90.

Kommentar
Nachdruck von KKB K 41, identisch mit KKB K 42. Glänzend formulierte Rezension der Erstausgabe des Nachlaßwerks.

Stremmel, Jochen. "Dritte Walpurgisnacht". Über einen Text von Karl Kraus. Literatur und Wirklichkeit. Bonn: Bouvier 1982, [VI + ] 243 S.

Kommentar
Enthält einen einleitenden Versuch der Abgrenzung von Satire und Polemik;eine ausgezeichnete Übersicht über die Entwicklung von K.s Pressekritik mit dem Hinweis, K. habe in der frühen "Fackel" die gesellschaftlichen Bedingungen des Zeitungsmachens sehr wohl durchschaut; Studien zur Entstehung und Textkritik der "Dritten Walpurgisnacht" sowie zur Verwendung der Zitate in ihr (dagegen nur Hinweise zu ihrer Thematik); eine vollständige (und sehr kritische) Darstellung der Rezeption des Buches in Presse und Germanistik. Wichtige Ergebnisse der sehr interessanten Arbeit: "Dritte Walpurgisnacht" ist sicher nicht vollendet (70); der Abbruch der Arbeit daran Ende August 1933hängt vielleicht mit der Ermordung Theodor Lessings zusammen (71); die Zitate aus der klassischen Literatur müssen im ursprünglichen Zusammenhang gelesen werden, will man ihre Funktion in K.s Werk über den Nationalsozialismus und damit dieses verstehen. Das auch im Detail sehr anregende, sehr sorgfältige und verständnisvolle Buch ist unter anderem die derzeit gründlichste textkritische Studie zu einem Werk von K.

Riha, Karl. "Zur Dritten Walpurgisnacht." Sprache im technischen Zeitalter (1982): S. 197–206.

Kommentar
Von K.s "Dritter Walpurgisnacht" ausgehender Überblick über Wiederaufnahmen des Goetheschen Walpurgisnachtmotivs in der deutschen Literatur des19. und 20. Jahrhunderts, von denen manche Parallelen zu K. aufweisen. K.s Werk, ein 'verweigertes Drama' (198), bringe Goethes Walpurgisnacht in eine satirische Ersatzfunktion (199) und sei zugleich ein Versuch, Goethe vor offizieller Inbesitznahme und Nutzung zu retten (205 f.). So knapp wie anregend.

Krolop, Kurt. "Präformation als Konfrontation. "Drittes Reich" und "DritteWalpurgisnacht"." Impulse 8 (1985): S. 128–154.

Kommentar
Auch in den Detailnachweisen (vgl. 136 zu W 1, 49; 150 zu F 426–30, 70 f.; 153zu F 406–12, 52) sehr überzeugende Analyse von Einzelaspekten der "Dritten Walpurgisnacht". Zeigt zunächst (129 ff.), daß K. sehr wohl Hitler seit jeher ernst genommen habe; versucht dann die implizite Anwesenheit des neudeutschen Klischees vom "Faustischen" (134) in "Dritte Walpurgisnacht" zu belegen. Behandelt u. a. den Ausdruck "Faustnatur" (136), der wortspielerisch ("Faust"/Faust) gebraucht sei, und die besonders gewichtigen Anspielungen auf die Philemon- und Baucis-Episode (140 ff.).

Teusch, Ulrich. "Sprache und Faschismus: Karl Kraus' "Dritte Walpurgisnacht"." Zeitgeschichte 12 (1984/85): S. 351–389.

Kommentar
Gut lesbare, allerdings mehr auf der bisherigen Forschung beruhende als sie erweiternde Darstellung, die auch allgemein in K.s Sprachauffassung einführt. Einige Beobachtungen zu einzelnen Stilmitteln der "Dritten Walpurgisnacht":Gebrauch der Pronomina (364), Zitate (369 ff.). Die literarischen Zitate müßten vom Fundort her begriffen werden (369). Die Sozialdemokraten seien die Hauptzielgruppe der "Dritten Walpurgisnacht" gewesen (353).

8.11 – Die Bearbeitungen und das "Theater der Dichtung"

Fischer, Jens Malte. Karl Kraus. Stuchen zum "Theater der Dichtung" und Kulturkonservatismus. Theorie – Kritik – Geschichte I. Kronberg (Taunus): Scriptor 1973, VIII +240 S.

Kommentar
Zerfällt in zwei nur wenig miteinander verbundene Teile: der erste beschäftigt sich mit dem "Theater der Dichtung" und den Bearbeitungen und bietet dabei eine gute Zusammenstellung der Fakten, ohne in der Interpretation sehr weit zu gehen; der zweite, wichtigere Teil versucht eine Definition der konservativen Position von K, Besonders zu beachten sind die Abgrenzung K.'s von der 'konservativen Revolution' und der Versuch, die Begriffe des 'Ursprungs' und des 'Epigonentums' bei K. zu klären. die Vorstellung des 'Epigonen' scheint weit weniger zentral zu sein, als man bisher geglaubt hat. Dazu die Rezension von Alfred Pfabigan, in: Literatur und Kritik 9. 1974. S. 565 ff.

Borgmeier, Raimund. Shakespeares Sonett "When forty-winters …' und die deutschen Übersetzer. Bochumer Arbeiten zur Sprach- und Literaturwissenschaft 4. München: Fink 1970, 170 S.

Kommentar
Geht auf K.'s Übersetzung nur kursorisch ein, vor allem in Fußnoten; Borgmeier steht ihr offenbar sehr skeptisch gegenüber.

Clemen, Wolfgang. "Shakespeares Sonette. Nachdichtung von Karl Kraus." Nachrichten aus dem Kösel-Verlag 19. Frühjahr (1964): S. 9 f.

Kommentar
K.'s Übersetzungen wirken als eine eigene, geprägte Form. Knappheit, Bündigkeit und Schlichtheit seien Merkmale dieser Nachdichtung, die die Substanz des Originals bewahre.

Flatter, Richard. Karl Kraus als Nachdichter Shakespeares. Eine sprachkritische Untersuchung. Wien: Borger & Fischer 1933, 87 S.

Kommentar
Polemisiert gegen K.'s Shakespeare-Übersetzung anhand einer Analyse der Sonette 81, 116 und 150 sowie der Hexen-Szenen aus "Macbeth". Flatter geht auf K.'s Voraussetzungen nicht ein und kommt über die Feststellung seiner fehlenden Englischkenntnisse kaum hinaus. Am interessantesten noch der Hinweis, daß K. dazu tendiert, in den Sonetten Konkreta durch Abstrakta zu ersetzen. die von Flatter wiedergegebenen Auszüge aus Briefen des Verlags "Die Fackel" an ihn geben teilweise Aufschluß über die Situation, aus der die Nachdichtung der Sonette entstanden ist.

Plard, Henri. "Traductions allemandes des sonnets de Shakespeare." Etudes Germaniques (1964): S. 529–532.

Kommentar
Gegenüberstellung von K. und George. Empfindet K.'s Übersetzung als das Original abschwächend, zu sehr der banalen deutschen Lyrik um 1900 ähnelnd.

Radecki, Sigismund von. "Reim und Konjunktiv." In: SvR: Im Gegenteil. Zürich: Diogenes 1966, S. 43–56.

Kommentar
Eine Polemik gegen Kritiker der Sonette-Übersetzung, mit einigen Beobachtungen zu sprachlichen Feinheiten dieser Übersetzung.

Benjamin, Walter. "Karl Kraus liest Offenbach (1928)." In: WB: Gesammelte Schriften 4/1.2. Frankfurt: Suhrkamp 1972, S. 515–517.

Kommentar
1038 f. (Nachweis des Erstdrucks). Vollständige Fassung von K 1464; im Erstdruck waren Kerr betreffende Passagen gestrichen worden (vgl. Benjamins Briefe, 3.4.1.2, S. 466). Eine Berliner Offenbach-Vorlesung von 1928, mit Angriffen auf Kerr, wird von Benjamin als Requiem auf die Generation unserer Großväter (517) gedeutet.

Deutsch, Otto Erich. "Ottenbach, Kraus und die anderen (1931)." Österreichische Musik-Zeitschrift 18 (1963): S. 408–412.

Kommentar
K 1468. Über K.'s Vorlesungskunst, über seine Einstellung zu Offenbach und über die "Perichole"-Bearbeitung. Vor allem als zeitgenössisches Zeugnis wichtig.

Irmer, Hans-Jochen. "Jacques Offenbachs Werke in Wien und Berlin." Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Berlin. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 18 (1969): S. 125–145.

Kommentar
S. 133–138 über K.'s Verhältnis zu Offenbach und seine Auffassung von der Operette, Elemente von K.'s Ästhetik der Operette seien Entstofflichung, Zauber, Parodie bzw. Travestie. Eine genauere Analyse im Zusammenhang von K.'s Werk unterbleibt. Viel Material zur deutschen Offenbach-Rezeption, zahlreiche Hinweise auf literarische und theatergeschichtliche Bezüge. K 1489 a ist ein Vorabdruck aus dieser Arbeit.

Sternbach-Gärtner, Lotte [= Caroline Kohn]. "Karl Kraus und Offenbach." Der Monat 8. 1955/56. Heft 96 (September) (1955): S. 55–61.

Kommentar
Als Zusammenstellung von K.'s Äußerungen über Offenbach nützlich.

Radecki, Sigismund von. "Blaubart. Betrachtung und Erinnerung." In: SvR: Der eiserne Schraubendampfer Hurricane. München: Kösel 1955, 104–113.

Kommentar
S. 109 ff. über eine Offenbach-Vorlesung von K. Identisch mit K 1530. Zum "Theater der Dichtung" siehe unter den Gesamtdarstellungen vor allem Weigel (2.1.09); ferner 3.1.04 (Cysarz), 7.3.3 (Hahnl), 7.6.00.2 (Kraft) und 8.09.2.1 (Bauer).

Karl Kraus als Vorleser. [Wien] 1913, [18 S.].

Kommentar
Privatdruck, Je ein Exemplar im Karl Kraus-Archiv, Wien, und im Brenner-Archiv, Innsbruck. Stellt – zumeist vorher schon in der "Fackel" nachgedruckte – Rezensionen über Lesungen von K. bzw. Auszüge daraus zusammen. Die Texte stammen aus den Jahren 1910 bis 1913.

Ihering, Herbert. "Karl Kraus als Vorleser (1918)." In: HI: Von Reinhardt bis Brecht. Band I. Berlin (DDR): Aufbau 1958, 18–20.

Kommentar
Abdruck von K 1868. Gibt ein eindringliches Bild von K. als Vorleser eigener Schriften; als Vorleser fremder Dichtungen scheitere er.

Tucholsky, Kurt. "Karl Kraus liest (1920)." In: KT: Gesammelte Werke. Hrsg. v. Mary Gerold-Tucholsky and Fritz J. Raddatz Reinbek: Rowohlt 1960, Band 1: 1907–1924 581 f.

Kommentar
K 553. Über die Berliner Vorlesung vom 20. Januar 1920 (aus den "Letzten Tagen").

Susini, Eugène. "Karl Kraus et nous." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 182–184.

Kommentar
Erinnerungen an eine Kraus-Vorlesung und an eine Äußerung Hofmannsthals, der nicht gewußt haben soll, daß Kraus Gedichte schrieb.

Mixner, Manfred. "Zweimal Shakespeare. Die Übersetzungen von Erich Fried und die Bearbeitungen von Karl Kraus." Literatur und Kritik 14 (1979): S. 413–420.

Kommentar

Diehl, Siegfried. Zauberei und Satire im Frühwerk Nestroys. Mit neuen Handschriften zum 'Konfusen Zauberer' und zum 'Zauberer Sulphur'. Frankfurter Beiträge zur Germanistik. Bad Homburgv. d. H.: Gehlen 1969, 199 S.

Kommentar
S. 129–131: "Exkurs: 'Der konfuse Zauberer' von Karl Kraus". Weist einige Schönheitsfehler von K.s Bearbeitung nach, legt jedoch mehr Gewicht auf den durch eine neu aufgefundene Handschrift möglichen Beweis, daß die von K. angestrebte Zwischenfassung zwischen "Tod am Hochzeitstag" und dem"Konfusen Zauberer" genau den Intentionen Nestroys entspricht (131).

Walla, Fred. "Nestroy und die Bearbeiter: cui bono? Zu Karl Kraus, Nestroy und die Nachwelt (Bibliothek Suhrkamp. Bd. 387)." Österreich in Geschichte und Literatur 23 (1979): S. 55–58.

Kommentar
Kritisiert ins einzelne gehend die Nestroy-Bearbeitungen K.s. Dieser arbeite ohne eine zugrundeliegende bewußte Methode. er hat zumeist keinen bestimmten Zweck im Auge (56); die Bearbeitungen seien theaterferner [] als das Original (57).

Rössler, Helmut. Karl Kraus und Nestroy. Kritik und Verarbeitung. Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik. Stuttgart: Akademischer Verlag Heinz 1981, 205 S.

Kommentar
Die sorgfältige Arbeit untersucht sowohl K.s Äußerungen über Nestroy (mit interessanten Überlegungen zu den Absichten, die K. mit "Nestroy und die Nachwelt" verfolgte) als auch die beiden Nestroy-Bearbeitungen (unter Berücksichtigung der Korrekturfahnen). Die Beschäftigung mit Nestroy habe den Charakter von Berichtigungen (14) und Wiedergutmachungen (37), sei ein Bestandteil von K.s Reaktion auf Presse und Theaterbetrieb (70). Vor 1914 hänge die Beschäftigung mit Nestroy mehr mit K.s Sprachdenken, nach 1920 eher mit seinen kulturpolitischen Intentionen zusammen (59). "Das Notwendige und das Überflüssige" sei eher in Richtung auf ein Volksstück Raimundscher Art bearbeitet, betone den Gehalt; dagegen 'nestroyisiere' K. den "Konfusen Zauberer", indem er z. B. Leichtigkeit und Spielfreude des Stückes verstärke (133)und die Eigenständigkeit der Theaterwelt akzentuiere (135). Die Bedeutung der Musik in K.s Nestroy-Pflege wird unterstrichen. Wichtige Ausführungen über den Stellenwert der Nestroy-Bearbeitungen unter dem Gesichtspunkt des für K. zentralen Begriffs der Phantasie (149 ff.).

Hartl, Edwin. "Vergessener Vortragsmeister. Karl Kraus las (und sang) ganze Theaterstücke: Goethe, Shakespeare, Gogol, Nestroy usw." Salzburger Nachrichten 13./14.Juni (1981): S. 19.

Kommentar
Fast nur Bekanntes. Mit einigen Erinnerungen an Vorlesungen und einer Kritikan Canettis "Fackel im Ohr" (KAB 9.2.17.1). Betont vor allem die Vorlesungen aus Schriften anderer Autoren.

Knepler, Georg. Karl Kraus liest Offenbach. Erinnerungen, Kommentare,Dokumentationen. Wien: Löcker 1984, 256 S. + 1 Schallplatte.

Kommentar
Die erste Gesamtanalyse von K.s Beschäftigung mit Offenbach und zugleich eine zentrale Veröffentlichung über K. überhaupt. Knepler stützt sich wohlauf seine persönlichen Erinnerungen an K., doch liegt der Schwerpunkt auf sorgfältigen Analysen. Knepler berichtet von K.s Vortragsdisziplin (17) und von der unbeschreiblichen Faszination der Offenbach-Vorlesungen (18). K. habe vor allem Offenbach-Operetten vorgelesen, in denen das Motiv [] des sozialen Rollentauschs (20) dominiere, die daher ein Element von Utopie in sich trügen (108). Die Rolle, die Offenbach im Wirken von Karl K. zufiel (111), habe sich gewandelt. In einer ersten Phase (1926–1928/29) hänge die Offenbach-Pflege eng mit der erfolgreichen Polemik gegen Békessy und der erfolglosen gegen Schober zusammen. Die zweite Phase (1928/29–1933)ist eine Phase des Rückzugs aus der Frontlinie des politischen Kampfes (152), in der das Gefühl, sich bei Offenbach in einer Inselwelt zu befinden (152), dominiere; Zeitstrophen seien in dieser Phase seltener und immer bitterer geworden (159), und "Die Briganten" hätten in diese Phase nicht mehr gepaßt (93).In der dritten Phase (ab 1933) nehmen Operetten mit harmloseren Stoffen mehr Raum ein (167); das Fehlen von Zeitstrophen bzw. die Thematik der letzten Zeitstrophen unterstreiche die Geste des Verstummens (167), von der diese Vorlesungen bestimmt seien. Neben Verzeichnissen zu K.s Offenbach-Vorlesungen und -Rundfunksendungen und einer Schallplatte, auf der Knepler Offenbach-Strophen im Stil K.s vorträgt, enthält das Buch zahllose wichtige Details: zum Ursprungs-Begriff (87, 90, 183); zu K.s Marx-Lektüre (89,152) und zu seinem Verhältnis zum Marxismus (242 f.), zu K.s Operettenästhetik (94) mit den Zentralbegriffen des Zeitgemäßen, des Unnatürlichen und des Doppelzüngigen (99), zu Vorlesungen für Arbeiter in der Tschechoslowakei (237), zu den Zeitstrophen im Nachlaß (225). Auch einige persönliche Erinnerungen (128, 221).

Goldschmidt, Hans Eberhard. "Die Vorlesungen für Arbeiter. Eine Dokumentation." In: Georg Knepler: Karl Kraus liest Offenbach. Wien: Löcker 1984, S. 233–237.

Kommentar
Mit Ausnahme einer Ergänzung zu Vorlesungen für Arbeiter in der Tschechoslowakei nach 1929 identisch mit Kraus-Heft 18. 1981. S. 4–9.

Wagenknecht, Christian. ""Lyrik der Deutschen" – für seine Vorlesungen ausgewählt von Karl Kraus." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 143–157.

Kommentar
Die Auswahl, die K. für seine Vorlesungen aus älterer und neuerer deutscher Lyrik getroffen hat, war zum Teil durch konkrete Anlässe bestimmt (etwa seine 'Entdeckung' Claudius' um 1917), hatte aber insgesamt die Aufgabe, Fehlurteile der Literaturgeschichte zu korrigieren, etwa im Falle Goeckingks. Neben thematischen Gesichtspunkten waren sicher auch die rezitatorischen Interessen des Vorlesers K. für die Wahl mancher Gedichte ausschlaggebend (152). Die Auswahl der Gedichte ist auch als Bestandteil von K.s Werk anzusehen (153). Mit einem Verzeichnis der gelesenen Gedichte (154 f.).

9.1 – Darstellungen der Rezeption

Hartl Edwin. "Karl Kraus im Spiegel der Literaturgeschichte oder Literaturgeschichte im Spiegel von Karl Kraus?." Österreich in Geschichte und Literatur 13 (1969): 183–196.

Kommentar
Stellt zusammen, welche Geschichten der deutschen Literatur seit etwa 1910 K. behandeln, welche nicht. die zahlreichen Entgleisungen werden allerdings nicht zureichend erklärt; dazu müßten die Methoden und Ideologien der Literarhistoriker analysiert werden.

Hartl, Edwin. "Karl Kraus: 35 Jahre nachher." Literatur und Kritik 6 (1971): 431 f.

Kommentar
Ein sehr knapper Überblick über die K.-Rezeption seit 1936, am ehesten für die Zeit von 1936 bis 1938 interessant. Siehe dazu die Ergänzung in 9.1.4.

Fischer, Heinrich. "Zum Thema "Renaissance"." Forum (Wien) 10 (1963): 426f.

Kommentar
Rechtfertigt die Wiener Aufführung der "Letzten Tage" (1964) mit K.'s Bestreben, in die Realität hinein zu wirken.

Matejka, Viktor. "[Leserbrief]." Literatur und Kritik 7 (1972): 170 f.

Kommentar
Ergänzend zu 9.1.2. Berichtet über das erfolgreiche Bemühen sozialdemokratischer Kreise um Oskar Pollak, nach dem Zweiten Weltkrieg das Erscheinen einer K.-Ausgabe unter der Obhut der Gemeinde Wien zu verhindern.

Spiel, Hilde. "Zweifler, Apologeten und ein Heiliger. Die Karl Kraus-Woche in Wien." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1974-04-30): 25.

Kommentar
Knappe Zusammenfassung der Referate, die bei der K.-Woche der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien gehalten worden sind, mit einigen Bemerkungen zum Verhalten der bedingungslosen 'Krausianer'.

Arntzen, Helmut. "Die Presse und Karl Kraus. Zur Kraus-Rezeption." In: HA: Karl Kraus und die Presse. (7.1.10). 1975, S. 59–108.

Kommentar
Polemische Auseinandersetzung mit der Reaktion der Presse auf die Wiener Kraus-Woche von 1974 (u. a. Spiel, 9.1.5), mit anderen journalistischen Äußerungen über K. (Reich-Ranicki; Raddatz. 3.3.2; Kesten, 3.3.3) und mit Borries (8.03.1). Die K.-Rezeption wird als Katastrophe bezeichnet: im Detail zeigen sich so viele Informationsmängel, daß man nur ein weitgehendes Unvermögen oder gar die Weigerung, genau zuzuhören und zu lesen, konstatieren könne (95). Am Beispiel der Rezeption von Karl Kraus wird jedenfalls deutlich, daß das, was Kraus an der Presse in Frage stellte, heute noch genauso in Frage steht wie zu seiner Zeit (96). Vgl. auch S. 9-14 des Buches. Die polemische Absicht setzt sich gegen die Methoden der Rezeptionsanalyse durch.

Fischer, Jens Malte. "Affe oder Dalai Lama? Kraus-Gegner gestern und heute." Text + Kritik (2.3.2): S. 145–157.

Kommentar
Präsentiert einige ältere, wenig bekannte Polemiken gegen K.: Wittels (KKB K 1300), Müller (KKIB K 1202), Kuh (KKB K 1326), Flatter (KKB K 1735), Kisch (KAB 3.2.3.1), sowie – stärker polemisch – aus der neueren K.-Literatur Raddatz (KAB 3.3.2) und Borries (KAB 8.03.1), mit einigen Hinweisen auf konstante und variable Elemente in den Polemiken.

Zohn, Harry. "Karl Kraus im Bewußtsein österreichischer Schriftsteller der Gegenwart." In: Österreichische Gegenwart. Die moderne Literatur und ihr Verhältnis zur Tradition. Hrsg. v. Wolfgang Paulsen Bern: Francke 1980, S. 133–151.

Kommentar
Es sei offensichtlich, daß K. wie kaum eine andere der das neunzehnte mit dem zwanzigsten Jahrhundert verbindenden literarischen Gestalten wegweisend fortwirkt und aus dem Selbstverständnis vieler österreichischer Autoren nicht mehr wegzudenken ist (133). Zohn behandelt weniger den Einfluß K.s. auf die österreichische Gegenwartsliteratur als explizite Zeugnisse seiner Wirkung, dar. unter auch unpublizierte Briefe und eine unveröffentlichte Polemik Herbert Eisenreichs gegen K. (104 f.). Ausführlicher zu Wort kommen, u. a. Ernst Lothar (135 f.), Canetti (136 f.), Guttenbrunner (138. – wobei dessen Zeitschrift Das Ziegeneuter unerwähnt bleibt), Torberg (139 f.), André Heller (143).

Bilke, Martina. Zeitgenossen der "Fackel". Wien: Löcker 1981, 328 S.

Kommentar
Bilke behandelt drei Formen der "Fackel"-Rezeption: bei den Leserbriefschreibern; in zeitgenössischen Zeitschriften (unter besonderer Berücksichtigung der zahlreichen "Fackel"-Imitationen, darunter einiger bisher völlig unbekannter); bei einigen zeitgenössischen Autoren (Hofmannsthal, Schnitzler,Werfel, Brod, "Brenner"-Kreis, Roth, Kafka, Brecht), einschließlich der Gestaltung K.s als literarischer Figur bei Karlweis, Wittels u. a. Das Buch ist vor allem wegen des Materialreichtums in Teil 1 und Teil 2 bemerkenswert, die sich weitgehend auf das Kraus-Archiv stützen. Im 3. Teil geht Bilke (mit Ausnahme des interessanten Abschnitts über Roth) kaum über Bekanntes hinaus. Die interpretierenden Passagen, etwa über das Publikum K.s (103–108), sind sehr vorsichtig und insgesamt wenig befriedigend; der Wert des Buchs liegt eindeutig in der Materialsammlung. Wichtig der Abschnitt über das Klima in K.s Vorlesungen (70–76). Vgl. die Rezension von Stieg, in: Austriaca Nr. 15.Rouen 1982. 207 f.

Bilke, Martina. Zeitgenossen der "Fackel". Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Karl Kraus (1899–1936). Trier 1979., IV+ 390 S.

Kommentar
Dissertationsfassung des Vorhergehenden.

Quack, Josef. "Grammatiker sind keine Rebellen. zur Rezeption von Karl Kraus nach dem zweiten Weltkrieg." Literaturmagazin 7. Nachkriegsliteratur (1977): S. 341–354.

Kommentar
Eigenwillige kritische Musterung ausgewählter Publikationen über K. vor allem aus den Jahren von 1945 bis 1960. Es haben sich [] die unterschiedlichsten Geister aus dem Werk bedient (354). Kritisiert den unpolitischen Charakter von Fischers Ausgabe (343), weist überspitzt auf die Bedeutung K.s für Adorno und Benjamin hin (341), beschäftigt sich mit dem Verhältnis des"Wörterbuchs des Unmenschen" zu K. (352). Anregender Essay.

Gross, Ruth V. PLAN and the Austrian Rebirth: Portrait of a Journal. Studies in German Literature, Linguistics, and Culture. Columbia, S. C.: Camden House 1982, XIV + 157 S.

Kommentar
57–63, 128 f.: ein Kapitel über die Bedeutung von K. als Schutzheiliger (59) der Zeitschrift "Plan" (1945–48) in der Nachkriegszeit. Betont die Häufigkeit der (oft programmatischen) K.-Erwähnungen, faßt sonst im wesentlichen nur die K. betreffenden Beiträge der Zeitschrift zusammen. Stellt eine interessante Hypothese über die Wichtigkeit der K.-Tradition im Nachkriegsösterreich auf (62 f.). 138–152: Inhaltsverzeichnis der Zeitschrift.

Wischenbart, Rüdiger. Der literarische Wiederaufbau in Österreich 1945–1949. Am Beispiel von sieben literarischen und kulturpolitischen Zeitschriften. Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur. Königstein/Ts.: Hain 1983, 153 S.

Kommentar
Zugleich Dissertation Graz 1981. Behandelt die K.-Rezeption in der österreichischen Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit in Zusammenhang mit dem "Plan" (21 f., 25 f.) und im Überblick (96 ff.). K. sei in dieser Periode zu einem hoch über allen Kontroversen des Tages schwebenden Idol geworden (96).

Weyrer, Ursula. "Das Silberboot" Eine österreichische Literaturzeitschrift (1935–36, 1946–52). Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe. Innsbruck: Institut für Germanistik 1984, VII + 330 S.

Kommentar
Zugleich Dissertation Innsbruck 1983. K. war eine der wichtigsten Bezugsfiguren der bedeutenden von Ernst Schönwiese herausgegebenen Zeitschrift (17); nach 1945 wurde vor allem der Lyriker und Mensch K., nicht so sehr der Kritiker des Bürgertums präsentiert (172 f.). Nachweis aller K. betreffenden Stellen der Zeitschrift (281).

Hartl, Edwin. "Hüben und drüben." P.E.N.-Informationen (Wien) 13. Jahresbericht (1985): S. 2–9.

Kommentar
Polemik gegen auf mangelnder Werkkenntnis beruhende Fehlurteile über K.,mit einigen wenig bekannten Fakten zur K.-Rezeption nach 1945. Akzentuiert vielleicht zu sehr die Schattenseiten der K.-Rezeption.

Lensing, Leo A. "Karl Kraus im englischen Sprachraum." In: Heinz Lunzer: Karl Kraus 1874–1936. Katalog einer Ausstellung . Wien: Dokumentationsstellefür neuere österreichische Literatur 1986, S. 13–24.

Kommentar
Von geringfügigen Ausnahmen abgesehen, ist Interesse an K. in der angelsächsischen Welt erst nach 1920, vor allem bei sozialistischen Verlegern und linken Journalisten (14), festzustellen. Der Aufsatz geht ausführlich auf Albert Bloch,auch auf seine vorbildliche Auswahl aus K.s Gedichten, ein. Behandelt dann die Übersetzungen, die britische und amerikanische K.-Forschung und die Aufführung der "Letzten Tage der Menschheit" bei den Festspielen von Edinburgh1983. Mit Bibliographie.

Sonino, Claudia. "Zur Karl-Kraus-Rezeption in Italien." In: Heinz Lunzer: Karl Kraus 1874–1936. Katalog einer Ausstellung . Wien: Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur 1986, S. 25–33.

Kommentar
Überblick über die italienische K.-Rezeption, die vor 1914 beginnt (Italo Tavolato), dann nach einer 40jährigen Pause erst in den fünfziger Jahren wiedereinsetzt. Erst die Übersetzungen der siebziger Jahre gestatten es, von einer gewissen, wenn auch beschränkten Präsenz K.s in der italienischen Kultur zusprechen (31). Diese Präsenz hänge auch mit dem neuen italienischen Interesse an 'Mitteleuropa' zusammen. Faßt auch entlegenere Äußerungen italienischer Kritiker über K. kurz zusammen. Mit Bibliographie.

Kaufmann, Hans. "Wienerische Literaturkonzepte der Jahrhundertwende und ihr Weiterwirken." Zeitschrift für Germanistik 7 (1986): S. 5–14.

Kommentar
Über K. 10–12: er biete der linken Intelligenz eine Möglichkeit, an sein literarisches Konzept anzuschließen (10); sein Ideal, die im reinen Wort manifestwerdende Humanität, könne je nach der Art, in der die Erfahrungen mit der bürgerlichen Welt verarbeitet sind, mit verschiedenen Inhalten besetzt werden(10). Geht dann auf Brechts Verarbeitung von K.schen Anstößen ein (11 f.).

9.2 – Zeugnisse für die Rezeption von Kraus

Ebner, Ferdinand. Schriften. München: Kösel 1963–1965, 1087, 1193, 810 S.

Kommentar
Zahlreiche – durch ein Namensregister im 3. Band erschlossene – Erwähnungen K.'s, die meist mehr über Ebner als über K. aussagen, mit dem sich jener offenbar sehr intensiv auseinandergesetzt hat, dabei ist ein Bemühen um kritische Distanz unverkennbar: in einem Aphorismus nennt Ebner K. direkt eine gefährliche geistige Krankheit, die man in der Jugend durchzumachen hatte (l, 965). Einiges über K.'s Wirkung im Vortragssaal (II, 1072; III, 232 f.) und Reaktionen auf K.'s Polemik gegen Kulka sowie die Gegenpolemik von Ehrenstein (vgl. 8.02.7). Siehe auch 3.1.40.

Koeppen, Wolfgang. "Er war ein Genie." Frankfurter Allgemeine Zeitung (1974-04-27): Literaturbeilage S. 1.

Kommentar
Versucht, die Wirkung K.'s auf den Verfasser darzustellen.

Kolb, Fritz. "Ein Wiedersehen mit Karl Kraus." Die Zukunft (Wien) 29. Heft 10 (1974): 27–29.

Kommentar
Bericht eines Sozialdemokraten über die Wirkung, die K. zwischen 1918 und 1936 auf ihn ausgeübt hat.

Kraft, Werner. Spiegelung der Jugend. Bibliothek Suhrkamp. Frankfurt: Suhrkamp 1973, 163 S.

Kommentar
Bis 1933 reichende autobiographische Aufzeichnungen. Zeigt die außerordentliche Rolle, die K. für die Entwicklung des Autors gespielt hat (vgl. dazu auch das Nachwort von Jörg Drews). Enthält auch Überlegungen zum Heine-Essay (115) und Informationen über Rudolf Borchardts – ablehnendes – Verhältnis zu K. (120 ff.).

Roth, Joseph. Briefe 1911–1939. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1970, 643 S.

Kommentar
In einem Brief an Carl Seelig vom 1. Oktober 1933 drückt Roth seine wenig hohe Meinung von K. aus (282). Einige andere Erwähnungen K.'s.

Tucholsky, Kurt. Gesammelte Werke. Reinbek: Rowohlt 1960 bis 1962, 1349, 1404, 1350, 570 S.

Kommentar
Zahlreiche, mit Hilfe der Register aufzufindende Stellen, in denen sich Tucholsky auf Gedanken K.'s beruft oder Formulierungen aus der "Fackel" übernimmt. Siehe auch 1.2.19, 8.08.3.2, 8.11.3.3.

Wolff, Kurt. Briefwechsel eines Verlegers. 1911–1963. Frankfurt: Scheffler 1966, LVIII + 622 S.

Kommentar
Vor allem S. 222 eine wichtige Äußerung über K. an Heinrich Mann; siehe auch S. 342 f. (an Werfel). S. 544–549 Informationen zum Briefwechsel K. – Wolff.

Hiller, Kurt. Leben gegen die Zeit. Band I: Logos. Reinbek: Rowohlt 1969, 423 S.

Kommentar
Erwähnt K. an vielen Stellen (Register!) bewundernd, oft in merkwürdig berührender Verbindung mit Kerr. die persönlichen Erinnerungen Hillers an seine Mitarbeit an der "Fackel" (91) sind wenig wichtig. die Briefe K.'s an Hiller sind 1933 vernichtet worden (230 f.).

Jacobsohn, Siegfried. "Antworten." Die Schaubühne 13. 1. Halbband (1917): 167 f.

Kommentar
Mit dieser hymnischen, als – auch politisches – Bekenntnis geschriebenen Rezension einer K.-Vorlesung (nachgedruckt in F 454/56, April 1917, S. 31 ff.) beginnt die Zustimmung der "Schau-" bzw. der "Weltbühne" zum Werk, besonders auch zur pazifistischen Politik des bisher kritisierten K. Vgl. ebenda, S. 191, 240, 491 f., ferner K 1814 (== K 1872). K. nimmt auf dieses im Krieg gefährliche Bekenntnis zu seinem Werk Bezug in "Der Fall Jacobsohn" (F 686/90, Mai 1925, S. 54–69, besonders S. 56) und in einer Notiz (F 743/50, Dezember 1926, S. 69). Siehe auch 9.3.09 (Enseling).

Hofmiller, Josef. Ausgewählte Briefe. Memmingen: Dietrich 1955, 351 S.

Kommentar
S. 148 über Spuren K.'scher Intoleranz bei Haecker; S. 186 f. über Hofmillers zunehmende Ablehnung von K.'s Werk, an dem er die frühen "Fackel-Jahrgänge am meisten schätzt.

Matejka, Viktor. "Gedenkrede auf Karl Kraus." Plan (Wien) 1 (Heft 2, November 1945) (1945/46): 86–90.

Kommentar
Ein Bekenntnis zu K" mit der oft zitierten, eindrucksvollen Stelle von der K.-Lektüre im KZ Dachau (87).

Brod, Max. Streitbares Leben. Autobiographie. München: Kindler 1960, 543 S.

Kommentar
Ein Beispiel für eine äußerst kritische Rezeption von K. (vgl. das Register), u.a. über seinen Vortragsstil (85 f.), über seine Judenhetze (91 ff.) und über "Literatur" (98). die Erinnerungen im engeren Sinn wirken unverläßlich.

Lukács, Georg. "Lettre à Madame Caroline Kohn." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 206.

Kommentar
Französische Übersetzung eines Briefes vom 26. 8. 1966, in dem Lukács höflich ein sehr allgemeines Interesse an Kraus kundtut.

Wittgenstein, Ludwig. Vermischte Bemerkungen. Bibliothek Suhrkamp. Frankfurt: Suhrkamp 1977.

Kommentar
Eine interessante Bemerkung über die Stilisierung von K.s Bühnenfiguren (31). sowie eine Reihe von Stellen, die zunehmende Distanz Wittgensteins zu K. ausdrücken (51, 124 f., 127). In einer Bemerkung aus dem Jahr 1931 betont Wittgenstein den Einfluß, den K. auf ihn ausgeübt hat (43).

Kraft, Werner. "Ich bin an meinen Punkt gebannt." Werner Kraft im Gespräch mit Jörg Drews. München: text + kritik 1978, 32 S.

Kommentar
K. ist für Kraft, der ihn 1914 zum ersten Mal gelesen hat, eine nie in Frage gestellte moralische Instanz (6) gewesen, doch sieht Kraft auch Grenzen von K.s Urteilsbildung, deren Hauptgewicht wesentlich auf einzelnen Personen (7) liege, etwa in den Fällen Hofmannsthal und George. Enthält auch eine Bemerkung über K.s Vorlesungen (8 f.) und ein Bekenntnis zu K.s Lyrik ( 10 ff., 21). K. habe auch auf Krafts eigene Lyrik gewirkt (24).

Roth, Joseph. "Schwarz-Gelbes Tagebuch." In: JR: Werke. 4. Band. Hrsg. v. Hermann Kesten Köln: Kiepenheuer & Witsch 1976, S. 742–765.

Kommentar
KKB K 1619. In der zuerst in der Pariser (Exil-) Österreichischen Post vom 1. 3. 1939 erschienenen Folge dieser Kolumne, 748 f., eine Zurückweisung sozialdemokratischer Angriffe auf K. Roth habe zwar K. nie leiden können, aber, wie Austerlitz und Karl Leuthner, viel von ihm gelernt.

Schramm, Wilhelm von. Die Bücherkiste. Das literarische München 1919–1924. München: Langen Müller 1979, 240 S.

Kommentar
Erinnerungen eines Münchner Buchhändlers und Literaten. "Die Fackel" wird gelegentlich erwähnt; Schramm kam über die Jean Paul-Fälschung Kulkas und deren Aufdeckung durch K. (F 546–50, 1920, 52ff.) zu seinem Interesse an Jean Paul (112ff.). 119 wird eine K.-Vorlesung erwähnt.

Canetti, Elias. Die Fackel im Ohr. Lebensgeschichte 1921–1931. München: Carl Hanser 1980, 410 S.

Kommentar
Abgesehen von ihrem eigenen literarischen Wert ist diese Autobiografie auch ein wichtiges Zeugnis für Canettis K.-Rezeption. Canetti beschreibt in diesem Band die Zeit seiner Leibeigenschaft (326), der völligen Unterwerfung unter K., aber auch die ersten Erschütterungen seines Glaubens an diesen (vgl. 330). Interessante Hinweise auf das Publikum der K.-Vorlesungen und auf deren Wirkung. Zu verzeichnen sind vor allem 77–87 (die erste K.-Vorlesung, an der Canetti teilgenommen hat), 90, 136f., 139, 142ff., 180ff., 247f., 275f. und 284 (K.s Verhalten nach dem 15. Juli 1927), 298, 306ff. (K. und Brecht, K.s Berliner Kreis), 311, 326 und 330f. (K. und Ludwig Hardt).

[Canetti, Elias]. "Questions à Elias Canetti." Austriaca. Cahiers universitaires d'information sur l'Autriche (Rouen) Nr. 11. [1. Heft des 6. Jahrgangs] (1980): S. 17–30.

Kommentar
In diesem ins Französische übersetzten Gespräch mit Gerald Stieg distanziert sich Canetti von K.s Äußerungen über die französische Sprache in "Heine und die Folgen" und von den Offenbach-Vorlesungen (26 f.), bekennt sich aber erneut zu dem Eindruck, den K. auf ihn gemacht habe (26, 27 und 28/29: Ich müßte mich, rein sprachlich schon, zur Literatur Wiens zählen: Nestroy und Karl Kraus.) Vgl. im selben Heft 122, 172.

Matejka, Viktor. Widerstand ist alles. Notizen eines Unorthodoxen. Wien: Löcker 1984, 232 S.

Kommentar
Bezieht sich auf: den Bericht über das Einschmuggeln von K.s Werken in das Konzentrationslager Dachau (89–92) (vgl. 9.2.11) und eine Auseinandersetzung mit konservativ-antisemitischen K.-Verhinderern der Ersten und Zweiten Republik (209–226). Auf S. 212 eine interessante Bemerkung über – positive – konservative Reaktionen auf K.s Haltung von 1933/34. Im ganzen – auch über die einschlägigen Passagen hinaus – ein Zeugnis engagierter K.-Aufnahme.

Matejka, Viktor. "Nicht mehr von der Tagesordnung absetzen! Bedenken eines alten Judenknechts zum ewigen Haß." Das jüdische Echo (Wien) 30 Nummer 1 (1981/82): S. 63–66.

Kommentar
Vorabdruck aus dem vorhergehenden (S. 209–226).

Canetti, Elias. Das Augenspiel. Lebensgeschichte 1931–1937. München: Hanser 1985, 355 S.

Kommentar
123–126 über Elemente der Ablösung Canettis von K.; sehr eindringlich 309 f. über die Enttäuschung durch K.s Stellungnahme von 1934, vor allem auch über das allgemeine Desinteresse an K. in dessen letzten Lebensjahren – jedoch auchüber K.s bleibende Wirkung.

Sheppard, Richard, ed. Die Schriften des Neuen Clubs 1908–1914. Hildesheim: Gerstenberg 1980, 2 Bände XVIII + 556, 685 S.

Kommentar
Enthält für die K.-Rezeption interessante Äußerungen in Briefen und Dokumenten des dem Expressionismus zuzuordnenden Berliner Neuen Clubs (um Kurt Hiller). K. soll bei einer von diesen Sitzungen anwesend gewesen sein (II,570, Anm. 158). K. wird von diesen Autoren immer wieder mit Kerr verglichen(I, 519; II, 164, 166). Ein aufschlußreicher Brief über eine K.-Vorlesung (V 2)erwähnt auch Gerüchte über die schlechte wirtschaftliche Lage der "Fackel"(1910; I, 217). II, 458 über die besonders intensive Rezeption der "Entdeckung des Nordpols"; II, 489 f. über K. und van Hoddis. II, 586 f. eine Kurzbiografie des "Fackel"-Mitarbeiters Franz Grüner.

Kraft, Werner. "Ein geschichtliches Gedicht von Friedrich Bergammer." In: WK:Österreichische Lyriker von Trakl zu Lubomirski. Eisenstadt: Edition Roetzer 1984, S. 53–56.

Kommentar
Wiederabdruck der in Kraus-Heft 29, 1984, 12–14 erschienenen Interpretation des Gedichts "Die Alice Schalek in New York" von dem österreichischen Lyriker Friedrich Bergammer.

9.3 – Kraus' Wirkung auf andere Schriftsteller

Sternbach-Gärtner, Lotte [= Caroline Kohn]. "Karl Kraus und das expressionistische Theater." In: Worte und Werte. Festschrift für Bruno Markwardt. Hrsg. v. Gustav Erdmann and Alfons Eichstaedt Berlin: de Gruyter 1961, 398–409.

Kommentar
Behandelt im ersten Teil persönliche Beziehungen K.'s zu expressionistischen Kreisen und behauptet dann, allerdings ganz ohne Textanalyse, Beziehungen zwischen "Traumstück" sowie "Traumtheater" und den Expressionisten, vor allem aber eine gewisse Abhängigkeit dieser Stücke von Strindberg. Ziemlich verständnislos.

Goldstücker, Eduard, ed. Weltfreunde. Konferenz über die Prager deutsche Literatur. Prag: Academia und Neuwied: Luchterhand 1967, 430 S.

Kommentar
In den Beiträgen von Reimann (16) und besonders von Krolop (57, 78 f.) einiges zur Wirkung von K. auf die Präger deutschen Autoren. S. 88 (Fn. 157 zu Krolop) ein Hinweis auf eine mögliche Quelle zu "Elysisches". Im Beitrag Bruno Freis (u. a. S. 365) Hintergrundsinformationen zu den Polemiken der Prager Emigranten gegen K. im Jahre 1933/34. Vgl. 3.2.3 (Kisch); 7.6.02.4 (Ulmer über Janowitz); 7.6.02.3 (Werfel); 9.2.12 (Brod).

Machácková-Riegerova, Vera. "Einige Randbemerkungen zu Karl Kraus und Ernst Sommer." Germanistica Pragensia 5 (1968): 85–92.

Kommentar
Über einen wenig bekannten deutschsprachigen Autor aus Böhmen als bedingungslosen Bewunderer K.'s. Sommer hat auch über K. geschrieben (nicht bei Kerry).

Kraft, Werner. Franz Kafka. Durchdringung und Geheimnis. Bibliothek Suhrkamp. Frankfurt: Suhrkamp 1968, 215 S.

Kommentar
S. 199–208 ein Exkurs über das Verhältnis Kafkas zu K. Kraft interpretiert eingehend Kafkas Äußerungen über K. (3.4.4) und arbeitet den Gegensatz zwischen beiden Autoren heraus. Manche Äußerungen Kafkas könnten auf seine K.-Lektüre zurückgehen.

Kraft, Werner. "Die "Fackel" als eine Quelle für Kafka." Neue Zürcher Zeitung (1970-01-25): 53.

Kommentar
Beiträge zur "Fackel" von Victor Loos (1904/05) als eine mutmaßliche Quelle für "Amerika".

Nemeth, Andre. Kalka ou le mystere juif. (Übersetzung aus dem Ungarischen]. Paris: Vigneau 1947, 203 S.

Kommentar
S. 160–168 über "Josephine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse". Hinter der Gestalt der "Josephine" sei K. zu erkennen; die Erzählung sei ein respektvolles, aber strenges Urteil über K.'s Einfluß auf einige Generationen junger Juden, zu denen sich Kafka (bzw. der Erzähler) selbst rechne. Kafka habe sich geweigert, K. bedingungslos zu akzeptieren. Die Kafka-Forschung hat sich mit dieser Hypothese bisher nicht beschäftigt.

Sternbach-Gärtner, Lotte [= Caroline Kohn]. ""Die letzten Tage der Menschheit" und das Theater von Bert Brecht." Deutsche Rundschau 84 (1958): 836–842.

Kommentar
Geht über das aus der "Fackel" Bekannte kaum hinaus. Interessant eine Äußerung Brechts über den Theatermann K. gegenüber der Verfasserin und der Hinweis auf eine mögliche Abhängigkeit des "Arturo Ui" von den "Unüberwindlichen". Zahlreiche Ungenauigkeiten.

Pfabigan, Alfred. "Der Schriftsteller B. Traven – ein Münchner Karl Kraus?." Literatur und Kritik 9 (1974): 161–170.

Kommentar
Über eine wahrscheinliche Wirkung der "Fackel" auf die pazifistisch-anarchistische Münchner Zeitschrift "Der Ziegelbrenner", die von dem vermutlich mit B. Traven identischen Ret Marut herausgegeben wurde. Über K. nur mangelhaft informiert; beschränkt sich auf das Zusammenstellen von Parallelen.

Durzak, Manfred. Hermann Broch. Der Dichter und seine Zeit. Sprache und Literatur. Stuttgart: Kohlhammer 1968, 234 S.

Kommentar
S. 11–14 über K.'s Einfluß auf den jungen Broch, auch im Zusammenhang mit Weininger. S. 144–146, 151–154 über die Wurzeln von Brochs Hofmannsthal-Rezeption, die ebenfalls mit K. zusammenhängt.

Lützeler, Paul Michael. Hermann Broch – Ethik und Politik. Studien zum Frühwerk und zur Romantrilogie "Die Schlafwandler". München: Winkler 1973, 192 S.

Kommentar
Weist S. 16–20, 26–29 u. ö. den direkten Einfluß K.'s auf den jungen Broch nach. Parallelen in den Grundpositionen werden auch dort deutlich, wo Lützeler sie nicht ausspricht.

Burgstaller, Erich. "Zur Behandlung der Sprache in Elias Canetlis frühen Dramen." In: Sprachthematik in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Institut für Österreichkunde Wien: Hirt 1974, 101–117.

Kommentar
Geht S. 105 ff. auf den Einfluß ein, den K. auf Canetti ausgeübt haben dürfte. Vgl. 3.1.03 und 1.1.1.8 (Canetti).

Hartl, Edwin. "Josef Weinheber und Karl Kraus." Österreich in Geschichte und Literatur 9 (1965): 214–223.

Kommentar
Identisch mit K 2010. Behauptet einen starken Einfluß von K.'s Schriften zur Sprachlehre, besonders des "Reims", auf Weinheber. Dieser habe in seinem späteren Werk auch die Vorstellung des 'Ursprungs' übernommen. Zahlreiche Belege für Repliken auf und Antithesen zu K.'s Werk bei Weinheber. Gemeinsamkeiten der Weltsicht und der historischen Situation bleiben ausgeklammert.

Jenaczek, Friedrich. "Josef Weinhebers frühe Gedichte." Stifter-Jahrbuch (Gräfelfing) 6 (1959): 164–190.

Kommentar
S. 189 f. eine längere Notiz über fassbare Beziehungen Weinhebers zu K.

Jenaczek, Friedrich. "Resultate eines lyrischen Experiments." Jahresgabe der Josef-Weinheber-Gesellschaft (1960): 10–50 33–53.

Kommentar
Interpretiert Weinhebers Gedicht "die Trommel" ausgehend von K.'s Sprachauffassung, die in zwei Exkursen (1960, S. 33–46; 1961, S. 47–53) gesondert behandelt wird. Paraphrasiert hauptsädilich K.'s Aphorismen zum Sprachproblem, Hebt den Vorrang des Satzes vor der Vokabel für K. hervor. Sprache sei für ihn satzgebundenes Vorstellungsgeflecht. Sprache gehöre dem personalen Bereich an (daher die Möglichkeit der Spracherotik). Sprache sei auf die Vorstellungskraft des Menschen angewiesen und daher durch die Presse bedroht. Der Einfluß K.'s auf Weinhebers Dichtungen wird mehr behauptet als nachgewiesen.

Jenaczek, Friedrich. "Zum Begriff der "Wortgestalt". Ein Brief über den Einfluß der Ästhetik von Karl Kraus auf Josef Weinheber." Stifter-Jahrbuch (Gräfelfing) 7 (1962): 203–220.

Kommentar
Zeigt Reflexe von K.'s Auffassung der Geschlechter bei Weinheber und geht auf die sprachliche Gestaltung dieses Themas bei diesem ein.

Hackert, Fritz. Kulturpessimismus und Erzählform. Studien zu Joseph Roths Leben und Werk. Europäische Hochschulschriften. Reihe 1: Deutsche Literatur und Germanistik. Bern: Lang 1967, [X] + 220 S.

Kommentar
S. 27–42: "Karl Kraus: Ursprünglichkeit und klassische Form als Folien der Zeitkritik." Trotz seiner Abneigung gegen den Menschen K. finden sich in Roths Werk zahlreiche Parallelen zu dessen Denken. Die Fundamente seiner Wertwelt übernahm [Roth] von der konservativen Kulturkritik, wie sie Karl Kraus am schärfsten ausprägte (30). Auch als Charakteristik K.'s interessant, wiewohl einseitig.

Enseling, Alf. Die Weltbühne. Organ der "Intellektuellen Linken". Studien zur Publizistik. Münster: Fahle 1962, 191 S.

Kommentar
S. 149 f. eine kurze Übersicht über das Verhältnis Jacobsohns und seiner Mitarbeiter zu K., das anfänglich und dann wieder seit 1917 von Bewunderung gekennzeichnet sei. Berücksichtigt K.'s Stellungnahmen nicht. Vgl. 1.2.19 (Tucholsky), 9.2.9 (Jacobsohn).

Krenek, Ernst. "Alban Bergs "Lulu" (1937)." In: EK: Zur Sprache gebracht. München: Längen-Müller 1958, 241–250.

Kommentar
S. 244 f. über die Wirkung K.'s auf Berg, dessen Auffassung des Weiblichen von jenem geprägt sei. Vgl. zu diesem Thema auch den Abschnitt 7.6. Zur Nachwirkung K.'s satirischer Techniken 5.2.5 (Riha) und 5.2.8 (Mon). Zum Verhältnis zwischen K. und Wittgenstein 3.1.06 (Engelmann), 6.1.05 (Kraft), 10.4.2 (Janik und Toulmin).

Binder, Hartmut. Motiv und Gestaltung bei Franz Kafka. Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft 37. Bonn: Bouvier 1966, VIII + 406 S.

Kommentar
S. 17-25 : Kafkas Verhältnis zu Karl Kraus. Dieses wird als exemplarisch für Kafkas Einschätzung der Situation des jüdischen Schriftstellers deutscher Sprache dargestellt.

Kommentar
Aufsätze über die Auseinandersetzung der Philosophie mit der Sprache. Die gelegentlichen Erwähnungen Kraus' (S. 9, 13, 18 ff., 26 f., 29, 33; 45, Fn. 34) sind zufällig; die Nähe Wittgensteins zum Denken Kraus', auf die sie es abgesehen haben, ist anderswo besser dargestellt.

Bouveresse, Jacques. Wittgenstein: la Rime et la Raison. Science, éthique et esthétique. Collection "Critique". Paris: Editions de Minuit 1973, 239 S.

Kommentar
Das zu 9.3.11.1 Gesagte gilt auch für dieses Buch, das Kraus u. a. auf S. 73 f., 83, 154, Fn. 3 erwähnt; die Erwähnungen beruhen übrigens auf Sekundärliteratur.

Thieberger, Richard. "Oskar Jellinek et Karl Kraus." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 269–274.

Kommentar
Stellt Jellineks öffentliche und private Äußerungen über Kraus – auch im deutschen Original – mit kurzem Kommentar zusammen. Am interessantesten S. 273, Fn. 22, über den Sinn der Nicht-Aufführung der Letzten Tage der Menschheit.

Richter, Armin. Der Ziegelbrenner. Das individualanarchistische Kampforgan des frühen B. Traven. Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft. Bonn: Bouvier 1977, 442 S.

Kommentar
Weist – detaillierter als Pfabigan – die Parallelen zwischen K. und Ret Marut (Traven) nach. Dessen Zeitschrift Der Ziegelbrenner (1917–1921) wird hier überdies durch einen Kommentar und ein Register erschlossen, wodurch weitere Details der Beziehung geklärt werden. Die Entsprechungen in der Gestaltung der Zeitschrift, in der Selbststilisierung der Herausgeber, in Themen (Kriegsgegnerschaft, Pressekritik), Motiven und Formen (Glossen auch bei Marut) scheinen sehr eng, obwohl Maruts Zeitschrift keinesfalls eine Kopie der "Fackel" ist. Die auf K. bezüglichen Stellen lassen sich anhand des Registers feststellen.

Bouveresse, Jacques. "Les derniers jours de l'humanité." Critique Jg. 28 Bd. 31 (Nr. 339/340, August-September 1975: Vienne. début d'un siècle) (1975): S. 753–805.

Kommentar
Sammelrezension über neuere Wittgenstein-Literatur (u. a. Engelmann, KAB 3.1.06; Janik-Toulmin, KAB 10.4.2), die auch mehrfach auf das Verhältnis Wittgensteins zu K. eingeht. Warnt vor einer Überschätzung von K.s Einfluß auf Wittgenstein (784 f.). Die Gemeinsamkeit beider sieht Bouveresse vor allem in der Bedeutung, die Wittgenstein und K. der absoluten moralischen Integrität des Künstlers beimessen (767, 786). Vgl. auch 773, 776 f.

Kraft, Werner. "Canetti pour et contre Karl Kraus." Austriaca. Cahiers universitaires d'information sur l'Autriche (Rouen) Nr. 11. [1. Heft des 6. Jahrgangs] (1980): S. 81–88.

Kommentar
Hauptsächlich Kritik an einigen Behauptungen von Canettis erstem K.-Essay von 1966 (KKB K 1747), die sich zu einer knappen Darstellung von K.s Verhältnis zu E. A. Poe ausweitet (84f.). Gegen Canettis "Neuen Karl Kraus" (1975, KAB 1.1.1.8) führt Kraft an, daß man diesen neuen K. auch ohne BSN, nur aufgrund der Gedichte habe kennen können.

Schneider, Manfred. "Augen- und Ohrenzeuge des Todes. Elias Canetti und Karl Kraus." Austriaca. Cahiers universitaires d'information sur l'Autriche (Rouen) Nr. 11. [1. Heft des 6. Jahrgangs] (1980): S. 89–101.

Kommentar
Versucht die Unterschiede zwischen Canetti und K. zu deuten; der Schwerpunkt liegt auf Canetti. Dessen Distanzierung zu Kraus sei auf dem Wege einer Akzentverlagerung in den Instanzen der Wahrnehmung erfolgt: vom Ohr zum Auge (90); entscheidend für diesen Wandel sei Canettis Erfahrung des 15. Juli 1927. Deutet überraschende Korrespondenzen zwischen dem Werk Canettis (etwa der "Blendung") und K. an (93). Einen wesentlichen Unterschied zwischen K. und Canetti sieht Schneider in der Einstellung zum Tod; beide seien Denunzianten des Todes (98), doch sei die Stimme K.s die Stimme eines Rächers, während Canetti zur Rettung der Welt im Namen des Lebens aufrufe (101). Geistreich, aber nicht immer überzeugend.

Witte, Bernd. Walter Benjamin – Der Intellektuelle als Kritiker. Untersuchungen zu seinem Frühwerk. Stuttgart: Metzler 1976, 244 S.

Kommentar
Beschäftigt sich 178–185 eingehend mit Benjamins K.-Essay (KAB 3.1.02), das wegen seiner Esoterik so gut wie keine Resonanz in der K.-Literatur gefunden habe (231, Anm. 212). Der K.-Aufsatz sei der unter Benjamins Schriften der Weimarer Zeit eindeutigste und radikalste Versuch [...], zu einer Synthese von theologischem und materialistischem Denken zu gelangen (179). Die an Benjamin, nicht an K. interessierte Untersuchung trägt wesentlich zur Erhellung des K.-Essays bei.

Barnouw, Dagmar. Elias Canetti. Sammlung Metzler. Stuttgart: Metzler 1979, XII + 138 S.

Kommentar
Behandelt mehrfach (Register!) die Wirkung K.s auf Canetti; 96–100 relativ ausführlich über "Der Neue Karl Kraus (KAB 1.1.1.8). Canettis Essay wird dabei mehr zusammengefaßt als analysiert.

Berger, Albert. "Der Begriff SPRACHKUNST und die Lyrik Josef Weinhebers." Sprachkunst 12 (1981): S. 311–333.

Kommentar
Behandelt auf Grund der neuen Weinheber-Ausgabe von Jenaczek unter anderem auch den Einfluß von K. auf Weinheber. Für die K.-Forschung von Interesse vor allem der Abschnitt über die Vorwegnahme K.scher Gedanken über die Sprachkunst durch Gustav Gerber (1871), 317–325, und die scharfe Herausarbeitung des Unterschieds zwischen K. und Weinheber: Das sprachkritische bildet das notwendige Gegengewicht und Korrektiv zum sprachkünstlerischen Bewußtsein; jenes aber habe Weinheber gefehlt (332). Anregend auch als Darstellung von K.s Sprachauffassung.

Kraft, Werner. "Ludwig Wittgenstein und Karl Kraus, direkt und indirekt." In: Untersuchungen zum "Brenner". Festschrift für Ignaz Zangerle. Salzburg: Otto Müller 1981, S. 451–459.

Kommentar
Analysiert die in Wittgensteins "Vermischten Bemerkungen" (KAB 10/11,9.2.14) enthaltenen Äußerungen über K., auch jene, in denen K. nicht genannt,aber wahrscheinlich gemeint ist.

Schuhmann, Klaus. Der Lyriker Bertolt Brecht 1913–1933. Neue Beiträge zur Literaturwissenschaft. Berlin (DDR): Rütten & Loening 1964, 340 S. 282–285, 328.

Kommentar
über die beiden Gedichte Brechts auf K. und ihren Stellenwert in Brechts Entwicklung. Dessen Erkenntnis der Notwendigkeit, über die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse zu sprechen, könnte am Versagen K.'s gewonnen sein (328).

Stieg, Gerald. "Elias Canetti und Karl Kraus. Ein Versuch." Modern Austrian Literature Heft 3/4 16 (1983): S. 197–210.

Kommentar
Der in seinen Hypothesen kühne Aufsatz weist bedenkenswerte Analogien zwischen K. und Kien, der Hauptfigur von Canettis "Blendung", nach. Noch überraschender sind die Überlegungen zum – durch Weininger, vor allem durch dessen Auffassung von Judentum vermittelten – Eingehen K.s in die Figur Fischerles. "Die Blendung" stehe auch durch ihre Verarbeitung des 15. Juli 1927 in Beziehung zu K.

Kampel, Beatrix. ""Ein Dichter braucht Ahnen". Canettis Begegnungen mit Literatur und Literaten im Spiegel seiner Autobiographie." In: Experte der Macht. Elias Canetti. Hrsg. v. Kurt Bartsch and Gerhard Melzer Graz: Droschl 1985, S. 102–115.

Kommentar
Aus einer statistischen Untersuchung der Autorennennungen in Canettis autobiografischen Büchern geht hervor, daß K. der bei weitem am meisten genannte Autor ist (107).

Früh, Eckart. "Die graue FACKEL. Herbert Müller-Guttenbrunns Zeitschrift DAS NEBELHORN." In: Österreichische Literatur der dreißiger Jahre. Hrsg. v. Klaus Aman and Albert Berger Wien: Böhlau 1985, S. 320–353.

Kommentar
Beschreibt – mit Nennung anderer "Fackel"-Imitationen – die Zeitschrift "Das Nebelhorn" (1927–1933 bzw. 1934) des österreichischen Anarchisten Herbert Müller-Guttenbrunn (1887–1945). Parallelen und Unterschiede zwischen der"Fackel" und diesem interessanten Rezeptionszeugnis werden im Detail nachgewiesen; eine Anspielung K.s auf Müller-Guttenbrunn (F 759–65, 1927, 86 f.)wird erläutert (326 f.), eine interessante stoffliche Parallele zwischen Berichten Müller-Guttenbrunns und den "Letzten Tagen der Menschheit" erwähnt, ohne daß belegt werden könnte, K. hätte Informationen Müller-Guttenbrunns benützt (332 f.). Interessant auch einige Bemerkungen über das China-Bild K.s und seines Bewunderers (336 ff.).

9.4 – Übersetzungen

Brügel, Johann Wolfgang. "Ist Karl Kraus wirklich unübersetzbar? Die tschechische Ausgabe der "Letzten Tage der Menschheit"." Literatur und Kritik 9. 1974 (1974): 140–142.

Kommentar
Siehe zur tschechischen Übersetzung auch 8.07.2.04 (0. Fischer).

Zohn, Harry. "The Translation of Satire. Kurt Tucholsky and Karl Kraus." Babel 14. 1968 (1968): 201–206.

Kommentar
Geht auf Einzelheiten nicht ein. Tucholsky sei leichter zu übersetzen als K.

Bodine, Jay F. "[Rezension von:] The Last Days of Mankind. By Karl Kraus. Translated by Alexander Gode and Sue Ellen Wright. New York 1974." Modern Austrian Literature 10 Heft 1 (1974): S. 88–91.

Kommentar
Die Kritik an Kürzungen und Übersetzungen vor allem im Schlußmonolog des Nörglers trägt auch zur Interpretation des Dramas bei. Informativ über diese Übersetzung.

Daviau, Donald G. "Karl Kraus in English Translation." The Psychoanalytic Review 65 1978 Heft 1 (1978): S. 95–108.

Kommentar
Behandelt die derzeit vorliegenden 4 Auswahlbände mit englischen Übersetzungen von Werken K.s, geht allerdings mehr auf Einleitungen und Auswahlprinzipien ein als auf Übersetzungsprobleme. Mehr als die Hälfte des Artikels nimmt eine Auseinandersetzung mit Szasz (KAB 10/11, 7.7.1) ein, und zwar wiederum mehr mit dessen fragwürdigem K.-Verständnis als mit seinen (ja nicht minder fragwürdigen) Übersetzungen. Überraschend, daß der informative Artikel die älteren Übersetzungen von K.s Lyrik durch Albert Bloch (KKB EA28 und Teile von "Ventures in Verse", KKB K 1014) nicht erwähnt.

Brügel, Johann Wolfgang. "Karl Kraus auf Französisch." Literatur und Kritik 11 (1976): S. 632 f.

Kommentar
Rezensiert Roger Lewinters Übersetzung von K.s Aphorismen ins Französische (1975) und die Übersetzungen im K. Band von "L'Herne" (1975. KAB2.3.1), betont besonders Probleme der Kommentierung.

Schwarzinger, Heinz. ""Sie wollen DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT übersetzen? Bumstinazi!" Bemerkungen zum französischen Übersetzungsprojekt." In: Karl Kraus 1874–1936. Katalog einer Ausstellung des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Hrsg. v. Heinz Lunzer Wien: Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur 1986, S. 8–12.

Kommentar
Interessanter Arbeitsbericht des Übersetzers über die Arbeit an der französischen Übersetzung der "Letzten Tage der Menschheit" (Bühnenfassung) und die sich dabei ergebenden Probleme.

10.1 – Problemgeschichte

Balthasar, Hans Urs von. Geschichte des eschatologischen Problems in der modernen deutschen Literatur. Zürich 1930, 219 S.

Kommentar
Über K. S. 116, 118–121. Was über seine Verwendung eschatologischer Symbole gesagt wird, ist eher unwesentlich; wichtiger das Material zur Verbreitung endzeitlicher Vorstellungen unter den Zeitgenossen. In desselben Autors „Apokalypse der deutschen Seele" (3 Bände. Salzburg und Leipzig 1937–1939) ist das Thema noch breiter ausgeführt; die Passagen über K. sind im wesentlichen unverändert geblieben.

10.2 – Literaturgeschichten

Just, Klaus Günther. Von der Gründerzeit bis zur Gegenwart. Geschichte der deutschen Literatur seit 1871. Handbuch der deutschen Literaturgeschichte. 1. Abtlg: Darstellungen. Bern: Francke 1973, 702 S.

Kommentar
S. 212–214 über Harden und K. als Publizisten. Sieht fast nur den politischen Aspekt von K.'s Werk.

Kaufmann, Hans, ed. Geschichte der deutschen Literatur vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis 1917. Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin (DDR): Volk und Wissen 1974, 600 S.

Kommentar
S. 82–87: "Der Einzelgänger als Partei: Karl Kraus". Weist auf K.'s liberal-individualistische Züge und auf seinen Kulturkonservatismus hin. Interessante Formulierungen zum antithetischen Zusammenhang zwischen Dichtung und Satire.

Kaufmann, Hans, ed. Geschichte der deutschen Literatur 1917 bis 1945. Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin (DDR): Volk und Wissen 1973, 754 S.

Kommentar
S. 102–104 über die "Letzten Tage der Menschheit" und ihren Gegensatz zum Welterneuerungsprogramm des Expressionismus.

Alker, Ernst. Die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert (1832–1914). Kröners Taschenausgabe. Stuttgart: Kröner 1969, 948 S.

Kommentar
Die K. betreffenden Passagen identisch mit KKB K 1340. Behandelt 681f. die Prosa, 695–697 die Dramen – wobei Alker die "Letzten Tage der Menschheit" in die Nähe des österreichischen Naturalismus stellt (695f.) –, 919 die Lyrik. Betont den letzthin sehr konservativ gerichteten Charakter von K.s Kulturkritik, sieht eine gewisse Nähe zu Gedankengängen Georges (681) und weist auf eine Wesensverwandtschaft zwischen K. und dem katholischen Polemiker Sebastian Brunner (1814–1893) hin (184). Alkers Urteil über die Wiener Presse ist direkt von K. übernommen (601f.).

Alker, Ernst. Profile und Gestalten der deutschen Literatur nach 1914. Mit einem Kapitel über den Expressionismus von Zoran Konstantinović. Stuttgart: Kröner 1977, XVI + 880 S.

Kommentar
Zwei kurze Abschnitte über K., der hier der Neuen Sachlichkeit zugeordnet wird, 426f. über die formkonservativ gerichtete Lyrik, vor allem über die polemischen Gedichte und ihre Wirkungen, 506–508 über die "Letzten Tage der Menschheit" (zu deren Rang vgl. auch 391) – deren Wirkung auf die neusachliche Prosaepik unterstrichen wird – und, relativ ausführlich, über die "Unüberwindlichen". Sonst wird für K.–, – auf das vorhergehende Werk verwiesen. Hervorzuheben sind die außerordentlich zahlreichen Hinweise auf K. – mehr als auf irgendeinen anderen Autor –, die einerseits die K.-Rezeption des Wieners Alker belegen (vgl. zu Alkers Einordnung von K. 5), andrerseits in vielen Fällen auf mögliche, bisher kaum beachtete Wirkungen K.s aufmerksam machen (bei Walter Mehring, 467; Ernst Waldinger, 485; Brecht, 565; Ortner 578; Chlumberg, 579; Gertsch, 611; u.a.m.).

Lehnert, Herbert. Geschichte der deutschen Literatur vom Jugendstil zum Expressionismus. Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart: Reclam 1978, 1100 S.

Kommentar
333–346 – zwischen Auernheimer und Musil – über K.s Werk vor 1914,1016–1023 über seine Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Zahlreiche wenig belangvolle Einzelerwähnungen (Register!) dokumentieren vor allem K.s literarische Beziehungen. Die Darstellung von K.s Werk, dem gegenüber Lehnert Distanz wahrt, ist eher anekdotisch und bringt kaum etwas Neues, gewiß auch kaum Falsches. Bemerkenswert der Gedanke: Kraus Vorgehen gegen []Presse und [] Kapitalismus ist eine sublime Selbstkritik an der Richtung, die die Emanzipation der Juden genommen hatte (342); K. stehe dem antisemitischen Antikapitalismus von rechts nahe (1022). Weist auch auf K.s gelegentliche Berührung mit Boheme-Schriftstellern (346) hin, denen er aber nicht zugehöre. Seine Angriffe auf den Liberalismus hätten auch das demokratische Bewußtsein mitgetroffen (346). "Die letzte Nacht" wird als eine Art Parodie auf Goethes "Faust" beschrieben (1020). Sieht schließlich eine grundlegende Gemeinsamkeit zwischen K. und Hofmannsthal in ihrem Glauben an das humane Wort (1023).

10.3 – Zur Wiener Literatur der Jahrhundertwende

Greve, Ludwig and Volke, Werner. Jugend in Wien. Literatur um 1900. Sonderausstellungen des Schiller-Nationalmuseums. Marbach am Neckar: Schiller-Nationalmuseum (München: Kösel in Kommission) 1974, 445 S.

Kommentar
Zahlreiche Dokumente zu Gesellschaft, bildender Kunst und, vor allem, Literatur in Wien von ca. 1870 bis 1914. Nachdruck von Ausschnitten aus einigen Arbeiten K.'s vor 1899 und einigen Briefen aus seiner Frühzeit. Hervorragende Einführung in die Periode.

Hofmann, Werner. Gustav Klimt und die Wiener Jahrhundertwende. Österreicher des 20. Jahrhunderts. Salzburg: Galerie Welz 1970, 180 S.

Kommentar
Weist mehrfach (7 f., 47) auf den exemplarischen Gegensatz zwischen der Stilkunst und dem Kunstbegriff K.'s hin, der sich jeder gesellschaftlichen Anpassung und Nutzung verweigert und Kunst mit dem Pathos der unbedingten Wahrhaftigkeit ausstattet.

Hofmann, Werner and Hamburger Kunsthalle, ed. Experiment Weltuntergang. Wien um 1900 [Ausstellungskatalog der] Hamburger Kunsthalle. München: Prestel 1900, 264 S.

Kommentar
Vor allem in den Beiträgen des Herausgebers wird mehrfach auf K. als eine zentrale und exemplarische Gestalt der Epoche Bezug genommen. Der Ausstellung liegt als Idee der Gegensatz zwischen der Stilkunst und ihren Überwindern zugrunde (6): und im Ornament bekämpfen [K. und Loos] das Imperium, das den Tod verdient, weil es sich ornamentalisiert (7). Für K. sei in dieser Welt alles Pose, Verstellung und Schaustellung (252); in Franz Ferdinand sehe er den Erwecker zum Tode (252). Weist auf Parallelen zwischen K.s Denken und Bildern der Wiener Zeitgenossen (Klimt, Kokoschka, Schiele, Gerstl, Schönberg [!] und Kubin sowie Makart) hin. Gerade durch die Abbildungen – u. a. auch Kokoschkas Lithographien zur "Chinesischen Mauer" (114–118) – eröffnet das Buch einen instruktiven und eindringlichen Zugang zu K.

10.4 – Zur österreichischen Geistesgeschichte

Fuchs, Albert. Geistige Strömungen in Österreich 1867–1918. Wien: Globus 1949, XXV + 320 S.

Kommentar
Übersichtliche Darstellung der wichtigsten geistesgeschichtlichen Tendenzen in K.'s Osterreich, gesehen von einem marxistischen Standpunkt. S. XVIII ff. über K.'s Wirkung auf den Verfasser in seiner Jugend, mit dem Hinweis auf die Verbindung jungkonservativer Mystizismen und progressiver Ideen bei K.: S. 271–275 über K.'s Haltung im Krieg.

Janik, Allan and Toulmin, Stephen. Wittgensteins Vienna. New York: Simon and Schuster 1973, 314 S.

Kommentar
Eine deutsche Ausgabe wird vom Insel-Verlag, Frankfurt, vorbereitet. Bemüht sich um ein Gesamtbild des geistigen Lebens in Wien um 1900, in Hinblick auf Ludwig Wittgenstein, dessen Denken auch als Antwort auf eine spezifisch österreichische Problemstellung verstanden werden müsse. Viele Hinweise auf die Sprachproblematik im Denken jener Zeit. S. 67–91 das Kapitel: "Language and Society. Karl Kraus and the Last Days of Vienna". Gibt eine Übersicht über K.'s wichtigste Gedanken, wobei auf die Bedeutung von Schopenhauer und Weininger für ihn hingewiesen wird. Einige Bemerkungen über die Wichtigkeit K.'s für den "Tractatus" (199 f.).

Johnston, William M. The Austrian Mind. An Intellectual and Social History 1848–1938. Berkeley: University of California Press 1972, XVI + 515 S.

Kommentar
Sehr namenreiches Kompendium der österreichischen Geistesgeschichte dieser Zeit; in den Interpretationen nicht immer überzeugend. Sehr eigenwillige K.-Deutung (203–207): seine Vergötzung der Sprache sei seinem photographischen Gedächtnis entsprungen; er habe sich immer nach Neuem, nicht von der Erinnerung Getrübtem gesehnt; grundsätzlich sei er ein therapeutischer Nihilist gewesen, der sich auf die Zeitdiagnose beschränkt habe. Durch die Fülle des Materials könnten immerhin Beziehungen sichtbar werden, die für eine sinnvollere K.-Interpretation taugen.

Johnston, William M. Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848–1938. Wien: Böhlau 1974, 503 S.

Kommentar
Deutsche Fassung des Vorigen. Über K. S. 212–215.

Magris, Claudio. Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur. Salzburg: Otto Müller 1966, 355 S.

Kommentar
Zuerst italienisch, Turin 1963. Über K. S. 235–238; oberflächlich. Betont das Konservative an K., vermag aber keinen Bezug zum Thema des habsburgischen Mythos herzustellen.

2.2 – Kategorie 2.2 fehlt

Bauer, Werner M. Karl Kraus. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages [Abhandlung zur] Sonderpostmarke 100. Geburtstag von Karl Kraus. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1974, S. 3–12.

Kommentar
Einführung in Kraus' Werk für ein breiteres Publikum.

Schalk, Friedrich. "Actualité de Karl Kraus." In: L'Herne. Karl Kraus. (2.3.1.)., S. 177–181.

Kommentar
Berührt Kraus' Bindung an die Vergangenheit und an eine unberührte Natur; seinen Verzicht darauf, Sicherheiten der Zukunft anzukündigen; das Verhältnis der ihre Entstehungszeit überdauernden Satire zur Realität.

Wagner, Nike. "Karl Kraus." Critique Jg. 28 Bd. 31 Nr. 339/340, August-September 1975: Vienne, début d'un siècle (1975): S. 998–1012.

Kommentar
Recht allgemeine Einführung in Kraus' Werk, die auf weite Strecken nur die immer wieder zitierten Kraus-Stellen in französischer Übersetzung bietet.

Simon, Dietrich. "Literatur und Verantwortung. Zur Aphoristik und Lyrik von Karl Kraus." Text + Kritik (2.3.2): S. 88–107.

Kommentar
Identisch mit 2.2.16.

Rosenfeld, Sidney. "Karl Kraus: The Future of a Legacy." Midstream (New York, N.Y.) 20 Heft 4 (1974): S. 71–80.

Kommentar
Im ganzen kenntnisreiche Präsentation des Werkes von K., geht 78 ff. besonders auf K.s Verhältnis zum Judentum ein, wobei die Behauptung, er habe die Idee einer völligen Assimilation früh aufgegeben (78), wohl nur schwer zu belegen sein dürfte. Interessant der Hinweis, daß W. H. Auden eine Übersetzung von K.s Aphorismen geplant habe (80).

Arntzen, Helmut. "Kraus, Karl." In: Neue deutsche Biographie. 12. Band. Berlin (W): Duncker & Humblot 1980, S. 694–696.

Kommentar
Konzise Darstellung mit Bezug auf die wesentlichsten Interpretationsansätze. U. a. Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Justizkritik und Pressekritik (694) und auf die Wirkung K.s (696). Die zentrale Aussage der trotz ihrer Knappheit wichtigen Darstellung: K. begreift Sprache weder als Abstraktum noch als System, vielmehr als das wirkliche, also historische Sprechen der Epoche, das er nicht von einer Verfallsthese aus kritisiert, sondern im ständigen Vergleich zwischen großer Literatur [...] und Presse (696).

Lilienfeld, Robert. "Reflections on Karl Kraus." The Nation (New York) Band 216. 1973/1 (1973): S. 534–537, 568–573.

Kommentar
Im ganzen brauchbare Einführung in die wichtigsten Themen des Werkes von K., die freilich nichts Neues enthält. Am Schluß ein amüsanter Versuch über K.s Aktualisierbarkeit in den heutigen USA.

Stern, Joseph Peter. "Karl Kraus and the Idea of Literature." Encounter (London) Band 45 (Jg. 1975/II). Nr. 2. August (1975): S. 37–48.

Kommentar
Sehr weitgespannter und gewichtiger Aufsatz. Der Grundgedanke ist, daß K. seit seinen Anfängen unter Literatur Sprache auf einer besonders hohen Ebene der Intensität verstehe (40). Daraus ergebe sich K.s Konzentration auf kurze literarische Gattungen (41). Wichtige Überlegungen u. a. über K.s Verhältnis zu älterer Literatur (41 f.) und über das Zitat (42 f.). K.s Auffassung von Sprache als Führer zu Wahrheit und menschlichem Wert sei nicht Teil einer psycholinguistischen Theorie, sondern eine literarische Fiktion (44). Am Beginn (38 ff.) eine kurze Interpretation von "Ich rufe die Rettungsgesellschaft" (F 343–44. 1912, 55 f.); am Ende (45–48) ausführlich über "Dritte Walpurgisnacht" und ihre Kritik an verschiedenen Arten des Phantasieverlusts (45).

Obermaier, Walter. "Karl Kraus." In: Wien. 1870–1930. Traum und Wirklichkeit. Hrsg. v. Robert Waissenberger Salzburg: Residenz 1984, S. 224–230.

Kommentar
Informativer, nicht ganz unkritischer Überblick über K.s Leben und Werk. Bemerkungen über die Problematik der Zusatzstrophen (229). Sieht an den Polemiken gegen Schober die Gefahr einer Wirkungsminderung durch Überargumentation (229), ähnliches an denen gegen Kerr. Andere Hinweise auf K. in diesem Buch sind durch ein Register erschlossen.

Pollak, Michael. "Une sociologie en acte des intellectuels. Les combats de Karl Kraus." Actes de la Recherche en sciences sociales Heft 36/37 (Februar – März 1981): S. 87–103 (englisches und deutsches Abstract S. 127 f., 130).

Kommentar
Im Detail fehlerhafte Einführung in K., allerdings mit einer überzeugenden Grundidee: die charismatische, ja mythische Persönlichkeit K. (87) sei nicht von einer Theorie her zu verstehen, sondern als jemand, der durch eine "sociologie action" (Soziologie in Handlungen) die Spielregeln der intellektuellen Welt bloßlege, indem er sie durchbricht (88). Pollak betont die Wichtigkeit von K.s Prozessen, unterstreicht die sorgfältige Inszenierung von K.s Stellungnahmen und vergleicht sie mit dem Happening (88). K. habe durch diese an einigen Beispielen (Bahr, Weltkrieg, Toller-Protest, Békessy) gezeigte Technik geradezu experimentell die Grenzen der Autonomie der Intellektuellen deutlich gemacht (101). Anschließend an diese Neudeutung der Polemiken interessante Überlegungen zu K.s elitärer Haltung und zu seinem Publikum.

0.6 – Kategorie 0.6 fehlt

Kohn, Caroline. "Lexique viennois dans l'œuvre de Kraus." In: L'Herne. Karl Kraus (2.3.1)., S. 315–374.

Kommentar
Als Lesehilfe für nicht-österreichische Leser ohne Zweifel von Nutzen. Es werden jeweils sowohl die hochdeutschen als auch die französischen Entsprechungen des Mundartausdruckes angegeben. Leider werden die Wörter nicht in der von Kraus verwendeten Schreibung wiedergegeben; Stellennachweise fehlen fast immer; einzelne von Kraus gebrauchte Wörter sind nicht aufgenommen, während andererseits aus den Idiotika zahlreiche Stichwörter übernommen worden sind, die bei Kraus nicht vorkommen dürften.

Kohn, Caroline. "Der Wiener jüdische Jargon im Werke von Karl Kraus." Modern Austrian Literature 8 Heft 1/2. Special Karl Kraus Issue (1975): S. 240–267.

Kommentar
Auf einige allgemeine Bemerkungen über das Jiddische (241–247) folgt die Erklärung von im Wiener Jargon üblichen jiddischen Wörtern, soweit sie bei K. vorkommen. Belege für das Vorkommen werden nur vereinzelt angegeben, doch will das Wortverzeichnis nur Lesehilfe sein. Als solche ist es nützlich.

Bäuml, Gustav H. and Bäuml, Franz H. "Sachnamen- und Jargonregister zu Karl Kraus' DIE FACKEL." Modern Austrian Literature 8 Heft 1/2. Special Karl Kraus Issue (1975): S. 181–210.

Kommentar
Schon in KAB 1 angezeigt. Nützlich sind die Angaben zum Stilwert einzelner Wendungen und Wörter.

Früh, Eckart. "Der volkstümliche Wortschatz in den "Letzten Tagen der Menschheit"." In: EF: Das volkstümliche Wort bei Karl Kraus (8.07.2.05). 1973, S. 228–821. Korrigenda S. 908–922.

Kommentar
Verzeichnis aller nicht eindeutig hochsprachlichen Wörter und Wendungen – nicht nur der wienerisch-österreichischen – in den "Letzten Tagen der Menschheit", mit Worterklärungen, Belegen, Angabe der Herkunft und des Stilwerts. Auch Wörter des österreichischen Amtsdeutsch und Abkürzungen, Zitate u. ähnl. sind aufgenommen. Sehr sorgfältig angelegt und auch über das Kriegs-Drama hinaus für die Kraus-Lektüre nützlich.

2.3 – Kategorie 2.3 fehlt

Kaufholz, Eliane, ed. Karl Kraus. Cahiers de L'Herne. Paris: L'Herne 1975.

Kommentar
Eine Sammlung französischer Übersetzungen von Texten Kraus' sowie von alten und neuen Aufsätzen über ihn, ebenfalls zum Großteil (meist schlechte) Übersetzungen. Vor allem als Einführung für französische Leser gedacht. Sehr uneinheitlich, dilettantisch redigiert – jeder Übersetzer übersetzt Schlüsselbegriffe Kraus' anders –, wimmelt außerdem von Druckfehlern. Einige Beiträge sind trotzdem auch für den nicht-französischen bzw. für den mit Kraus vertrauten Leser von Interesse. Vgl. die Rezension von Wilma Iggers, in: Modern Austrian Literature 10. 1977. Nr. 2. S. 130 f. In der Bibliographie werden nur jene Beiträge verzeichnet, die den Auswahlprinzipien entsprechen und die auf deutsch nicht zugänglich sind.

Arnold, Heinz Ludwig, ed. Karl Kraus. Text + Kritik. Sonderband. München: edition text + kritik 1975, 243 S.

Kommentar
Alle Beiträge sind einzeln verzeichnet.

Scheichl, Sigurd Paul and Edward Timms, ed. Karl Kraus in neuer Sicht.Londoner Kraus-Symposium / Karl Kraus in a New Perspective. London Kraus Symposium. Sonderband der Kraus-Hefte. München: text + kritik 1986, 255 S.

Kommentar
Alle Beiträge des zweisprachigen Bandes (jeweils mit Zusammenfassungen in der anderen Sprache) sind einzeln verzeichnet.

0.7 – Kategorie 0.7 fehlt

Früh, Eckart. "Anhang: Die Bühnenfassung der "Letzten Tage der Menschheit"." In: EF: Das volkstümliche Wort bei Karl Kraus (8.07.2.05). 1973, S. 822–868.

Kommentar
Gibt eine genaue Übersicht über die Veränderungen am Bestand des Dramas, die K. 1929/30 zur Herstellung einer Bühnenfassung vorgenommen hat, sowohl durch Streichung von Szenen als auch durch Veränderungen innerhalb von Szenen. S. 879–881 eine Übersicht über die Bestände des Karl Kraus-Archivs an Manuskripten und Korrekturbögen zu den "Letzten Tagen der Menschheit". Zahlreiche textkritisch wichtige Hinweise auf K.'s Arbeitsweise auch im Hauptteil der Arbeit (u. a. 96 ff., 106, 148, 156, 158 f., 179 f.).

Früh, Eckart. "Karl Kraus' Bühnenfassung der "Letzten Tage der Menschheit"." Wiener Tagebuch Nr. 7/8 (1976): S. 44–46.

Kommentar
Gibt die Szenenfolge der Bühnenfassung wieder und läßt damit das Auswahlprinzip K.'s erkennen; Details der Bearbeitung innerhalb der Szenen sind hier nicht angegeben. Interessante Beobachtungen über möglicherweise politisch motivierte Auslassungen, z. B. Streichung der Kaiser- und Reduzierung der Benedikt-/Biach-Szenen.

Wagenknecht, Christian. "Korrektur und Klitterung. Zur Arbeitsweise von Karl Kraus." Text + Kritik (2.3.2): S. 108–115.

Kommentar
Stellt die Arbeitsweise K.s am Beispiel von "Eine Prostituierte ist ermordet worden" (F 378–80, 1913, 59–72) dar, sowohl die sich über 7 Stufen erstreckende Korrekturarbeit als auch die Erweiterung auf das – gegenüber dem Manuskript – Fünffache. Diese Einschaltungen (Klitterung) seien das eigentlich Bestimmende für K.s Arbeitsweise, mehr als die Korrekturen im engeren Sinn. Ersatzlose Streichungen von Sätzen gebe es dagegen kaum. K.s ständiges Sprechen vom Arbeitsprozeß solle für den Leser ein Beispiel richtigen Verhaltens sein; der Leser solle zweifeln und ändern lernen.

Sauermann, Eberhard. "Kraus-Manuskripte erworben." Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv (Innsbruck) 4 (1985): S. 81 f.

Kommentar
Das Brenner-Archiv hat einen (bereits veröffentlichten) Brief von 1893, die Handschrift des Gedichts "Immergrün" und die Fahnen zu "Aus Redaktion und Irrenhaus" (F 781–86, 1928) erworben. Aus diesen Fahnen geht hervor,daß K. den Namen Trakls in die Reihe der großen Lyriker auf S. 97 erst in einer späten Fassung eingefügt hat.

2.1 – Kategorie 2.1 fehlt

Schick, Paul. Karl Kraus in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rowohlts monographien. Reinbek: Rowohlt 1976, 168 S.

Kommentar
Kleine Veränderungen gegenüber der Erstausgabe, u. a. auf 77 f., 107, aufgrund von BSN. Ferner sind einige "Zeugnisse" durch andere ersetzt worden.

Weigel, Hans. Karl Kraus oder Die Macht der Ohnmacht. Wien: Brandstätter 1986, 341 S.

Kommentar
Im wesentlichen unveränderter Neudruck der nach wie vor lesenswerten Darstellung, ohne Bildteil, aber mit einem sehr willkommenen Anmerkungsteil (der auch die "Fackel"-Zitate nachweist) und einem Register.

Horowitz, Michael. Karl Kraus. Bildbiographie. Wien: Orac 1986, 172 S.

Kommentar
Völlig wertloser Textteil. Im Bildteil einige wenige unbekannte Materialien,von denen freilich viele trivial sind. U. a. Manuskripte (82, 97); eine Steuererklärung von 1917 (83); Titelblätter von Gegenzeitschriften (85); ein anonymer Drohbrief von 1930 (85 f.); ein Scherz-Vertrag mit Altenberg (105); Kuriosa von K.s Reisen (129 ff.); eine Benützerkarte der Nationalbibliothek von 1935(135); das Beileidstelegramm an Dollfuß' Witwe (149); das Testament (161 f.). Insgesamt auch graphisch ein Machwerk.

7.7 – Kategorie 7.7 fehlt

Szasz, Thomas. Karl Kraus and the Soul-Doctors: A Pioneer Critic and His Criticism of Psychiatry and Psychoanalysis. London: Routledge & Kegan Paul 1977, XVIII + 180 S.

Kommentar
Dasselbe: Baton Rouge: Louisiana State University Press 1976 Kein Buch über K., sondern eine Polemik gegen die Psychoanalyse. K. wird nur als Kronzeuge gegen Freud verwendet (weshalb – um die Bedeutung des Kronzeugen herauszustreichen – der K.-Rezeption breiter Raum gegeben wird). Zwar werden Freuds Briefe an K. zusammengestellt (20 f.) und betont, daß K.s Kritik an der Psychoanalyse schon vor Wittels' Attacke. von 1910 (KAB 1.3.1) entwickelt war, und es gibt Hinweise auf K.s frühere Kritik an der forensischen Psychiatrie; doch gibt Szasz nicht einmal eine zusammenhängende Darstellung von K.s Polemik gegen die Psychoanalyse: nur die Anfänge der Polemik werden halbwegs exakt dargestellt (28 f.). Bemerkenswert noch der wiederholte Hinweis, daß K.s Haltung gegenüber Freud bisher kaum ernsthaft untersucht worden ist (87). 103–159 schlechte Übersetzungen von Passagen aus K.s Werk, die im Hinblick auf das Thema ausgewählt sind und über die Szasz' Werkkenntnis kaum hinausgehen dürfte. Vgl. die Rezension von Zohn, Modern Austrian Literature 10. 1977 Heft 2. S. 125–129.

Hartl, Edwin. "Karl Kraus und die Psychoanalyse. Versuch einer Klarstellung." Merkur 31 (1977): S. 144–162.

Kommentar
Stellt Irrtümer der K.-Literatur zum Thema "K. und die Psychoanalyse" klar – auf Szasz kann Hartl noch nicht eingehen – und zeichnet aufgrund der Briefe Freuds und der "Fackel" die Entwicklung von K.s Verhältnis zu Freud und seiner Lehre nach. Einige "Fackel"-Stellen werden dadurch besser verständlich, auch das Verhältnis zu Wittels (mit dem K. lange vor dessen ominösem Vortrag gebrochen hatte) wird behandelt. Hartls Grundthese – K. halte die Theorie für gut. die Praktiker für ungut (155) – überzeugt dennoch nicht ganz, da sich die Polemik doch auch gegen die Theorie richtet.

Sherman, Murray H. "Prefatory Notes: Arthur Schnitzler and.Karl Kraus." The Psychoanalytic Review 65, Heft 1 (1978): S. 5–13.

Kommentar
S. 8–13 über K. Interessant nur 12 f. die Hinweise auf die 5 Erwähnungen K.s bei Freud und auf eine Polemik Reiks gegen K. (KKB K 1725).

Carr, Gilbert J. "Karl Kraus and Sigmund Freud." In: Irish Studies in Modern Austrian Literature. Hrsg. v. GJ and Eda Sagarra Dublin: [Trinity College] 1982, S. 1–30.

Kommentar
Sehr wichtiger Aufsatz, der die Parallelen zwischen K. und Freud, vor allem um 1907/08, behandelt. K.s damalige begrenzte theoretische Begegnung mit Freud könnte durchaus als Katalysator im Prozeß seiner Selbstfindung gewirkt haben (27). Diese Hypothese macht Carr durch den Nachweis einer Reihe bisher nicht bemerkter Freud-Echos bei K. wahrscheinlich; insbesondere wird, in recht überzeugender Weise, K.s Entdeckung der Sprache als 'Wünschelrute' in Verbindung zu Freuds Entdeckungen gebracht.

7.8 – Kategorie 7.8 fehlt

Koll, Alfred. "Nestroy, Karl Kraus – und der Zopf." Wiener Kunsthefte (1978): S. 86–92.

Kommentar
Versucht in recht wirrer und methodisch fragwürdiger Weise, Parallelen zwischen der Nestroyschen und der K.schen Sozialkritik aufzuzeigen; beide dürften nicht einfach als Konservative vereinnahmt werden (90). Unergiebig.

8.4 – Kategorie 8.4 fehlt

Kling, Vincent. "[Sammelrezension von drei Kraus-Auswahlbänden in englischer Übersetzung]." Modern Austrian Literature Heft 2 12 (1979): S. 188–192.

Kommentar
Informiert über die zwei 1976 in Montreal erschienen K.-Übersetzungen von Zohn ("In These Great Times"; "Half-Truths and One-and-a-Half-Truths")und eine 1977 bei Ungar, New York, veröffentlichte Auswahl ("No Compromise).

0.8 – Kategorie 0.8 fehlt

Webhofer, Erika. "Zur Rezeption von Karl Kraus. Der Briefwechsel aus dem Nachlaß Albert Bloch – Michael Lazarus – Sidonie Nádherný." Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv (Innsbruck) 3 (1984): S. 35–53.

Kommentar
Ausführlicher Archiv-Bericht über K. betreffende Materialien aus dem Nachlaß von Albert Bloch (Brenner-Archiv, Innsbruck). Informiert über Bloch selbst,über seine Briefpartner (u.a. Werner Kraft, Sidonie Nádherný, Mechtilde Lichnowsky) und vor allem über zahlreiche Leben und Werk von K. erhellende Briefstellen. Über K. entstand zwischen diesen Menschen eine geistige Verbindung eigener Art.

0.9 – Kategorie 0.9 fehlt

Hall, Murray G. Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Band 1:Geschichte des österreichischen Verlagswesens. Band 2: Belletristische Verlage der Ersten Republik. Literatur und Leben N. F. Wien: Böhlau 1985, 427, 600 S.

Kommentar
Als (ungemein reichhaltiges) Nachschlagewerk konzipiert. Geht zwar, was die"Verlage um Karl Kraus" betrifft, kaum über Kraus-Heft 26/27 hinaus, enthält aber eine Fülle von Hinweisen auf Verlage und Personen, die in der "Fackel"vorkommen, auch auf die K.-Rezeption. Eine aufschlußreiche Einzelheit: von K. scheinen 1937 im Deutschen Reich nur die "Zeitstrophen" verboten gewesen zu sein (I, 267, Anm.).

4.6 – Kategorie 4.6 fehlt

Gerald Stieg. "Ferdinand Ebners Kulturkritik. Am Beispiel der Salzburger Festspiele." In: Gegen den Traum vom Geist. Ferdinand Ebner. Beiträge zum Symposion Gablitz 1981. Hrsg. v. Walter Methlagl, Peter Kampits, Christoph König, and Franz Josef Brandfellner Salzburg: Otto Müller 1985, S. 237–245.

Kommentar
Ausgehend von einem Vergleich zwischen K.s "Vom großen Welttheaterschwindel", F 601–07) und Ebners Polemik gegen die Salzburger Festspiele arbeitet Stieg grundsätzliche Aspekte auch des Denkens von K. heraus, den er(mit Ebner) in die große kulturelle Tradition der abendländischen Säkularisierung (239) einordnet. K.s religiöse Metaphorik sei das stärkste rhetorische Element in einer ethischen Entscheidung []; K. 'bedient' sich des Religiösen,um das Ethische zu retten (240). K.s Kritik an Reinhardt (auch in F 917–22)wird schließlich darauf zurückgeführt, daß dieser ein Verbrechen am Wort begangen habe, indem er K.s persönliches Bild-Verbot aufhob (244). (Andere K. betreffende Stellen des Buches sind durch das Register erschlossen).

4.7 – Kategorie 4.7 fehlt

Müller-Dietz, Heinz. "Diktat, Diktatur und Geist. Anmerkungen zu Anmerkungen Robert Musils über Karl Kraus." Musil-Forum 10 (Festschrift Ernst Schönwiese) (1984): S. 171–180.

Kommentar
Musils Kritik an K. als einem "geistigen" Diktator (KAB 3.4.5) wird mit Belegen aus K.s Werk und aus Canettis Erinnerungen vorsichtig als eine richtige Diagnose dargestellt. Eher unter diesem Aspekt denn als Darstellung von Musils K.-Kritik zu lesen.

8.1 – Kategorie 8.1 fehlt

Carr, Gilbert J. "Kraus's Reception of Satire in his Early Career." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 109–127.

Kommentar
Schon in seinen frühen Schriften beschäftigt sich K. immer wieder mit Satire, somit Nestroy (111 ff.), den er allerdings erst 1901 als literarisches Phänomen erkennt; mit Hauptmanns "Biberpelz" (113 f.); mit Offenbach. Seine frühen Forderungen nach einer Offenbach-Renaissance nehmen sein späteres Ursprungs-Denken vorweg. Besonders aufschlußreich für seine frühe Satire-Konzeption ist die Rezension von Gustav Schwarzkopfs "Schlimmen Geschichten" (FS 1, 208) (118). Auch auf den Einfluß Daniel Spitzers wird hingewiesen (121 f.). Aber bis 1907, als die "Sprache" in diese Funktion eingetreten ist, hat K. eine durchgehende Norm gefehlt (110).

8.7 – Kategorie 8.7 fehlt

Früh, Eckart. "Die "Arbeiter-Zeitung als Quelle der "Letzten Tage der Menschheit"." In: Karl Kraus in neuer Sicht (2.3.3). 1986, S. 209–234.

Kommentar
Weist neben einigen frühen Auseinandersetzungen der "Arbeiter-Zeitung" mit der "Fackel" (209 ff.) vor allem zahlreiche, auch formale Parallelen zwischen dem Ausdruck der Kriegsfeindschaft in der "Arbeiter-Zeitung" und in der"Fackel" nach. Insgesamt gehen mehr als 40 Szenen der "Letzten Tage der Menschheit" auf die "Arbeiter-Zeitung zurück: einige dieser Quellen (u. a. für V/55, III/1: Verehrer der "Reichspost", IV/30, II/32) werden angegeben. Allerdings sind sie im neuen Kontext bei K. stärker von tagespolitischen Absichten entfernt (222, 223). Unterstreicht den freundschaftlichen Charakter der Beziehungen zwischen K. und Austerlitz.
How to cite: Digitale Karl-Kraus-Bibliographie. Digitalisierte Fassung von Sigurd Paul Scheichls Kommentierter Auswahlbibliographie zu Karl Kraus. Hrsg. v. Bernhard Oberreither und Peter Andorfer. ACDH. Wien 2025. URL: https://karl-kraus.github.io/kb-static/listbibl.html