134.42 Brief Karl Jaray an Samek
Materialitätstyp:
- Typoskript mit handschriftlichen Überarbeitungen
Schreiberhände:
- Karl Jaray, schwarze Tinte
Sender
ARCHITEKT | PROF.DR.TECH. KARL JARAYLANGACKERGASSE 22
XIX
Empfänger
An: Herrn | Dr. Oscar SamekSchottenring
Wien
Sehr geehrter Herr Doktor!
Verzeihen Sie diese (durchaus ausnahmsweise)Belästigung! Ich sende Ihnen hier einen Ausschnitt aus demAnnoncenteil der Arbeiter-Zeitung vom 5. ds., der Ihnen vielleichtentgangen sein dürfte. Es ist interessant, dass Herr König in der Arbeiter-Zeitung den Namen Karl Kraus totschweigt,selbst wenn er aus den „Letzten Tagen“ vorlesen oder über siesprechen will. Welcher Unterschied besteht noch gegenüber derNeuen Freien Presse?
Von allen Borniertheiten, die bei der Verhandlung am 4. zumVorschein kamen war wohl das Entsetzlichste die vom Richter in derUrteilsbegründung ausgesprochene Ansicht: „Herr Fritz König, naja, der gehört ja auch zur Fackel, das ist sozusagen eine Filiale.“
Ich sende Ihnen den Ausschnitt und schreibe Ihnen durchausnicht in der Absicht, diese unerfreulichen Dinge auf denUmweg über Sie Herrn Kraus mitzuteilen, sondern nur für Sie,aber ich gestehe, dass ich gerne mit Ihnen einmal über dieAngelegenheit König sprechen möchte. Ich habe Sie zu diesemZweck am 28. Oktober telefonisch angerufen, Sie waren aber damalsverreist. Es ist mir jetzt nicht mehr möglich zu glauben, wie ich
es bisher tat, dass Fritz König bloss aus Dummheit handelt.
Ich erwarte auf diesen Brief durchaus keine schriftlicheAntwort. Wenn Ihnen eine gelegentliche Besprechung über diesenGegenstand erwünscht ist, so bitte ich Sie um Ihren telefonischenAnruf. Wenn nicht oder wenn sie Ihnen überflüssig erscheint, sobitte ich Sie, mir diese Zuschrift nicht übelzunehmen und grüsseSie bestens
Dr. K. Jaray
Kraus – Dr. Pisk 9. DEZ. 1930