Knepler, Georg. Karl Kraus liest Offenbach. Erinnerungen, Kommentare,Dokumentationen. Wien: Löcker 1984, 256 S. + 1 Schallplatte.
- Kategorie
- Die Bearbeitungen und das "Theater der Dichtung"
- KAB-Nummer
- 8.11.3.6
- Autor*innen
- Knepler, Georg
- Titel
- Karl Kraus liest Offenbach. Erinnerungen, Kommentare,Dokumentationen
- Datum
- 1984
- Verlag(e)
- Löcker
- Ort(e)
- Wien
- Seiten
- 256 S. + 1 Schallplatte.
- Kommentar
- Die erste Gesamtanalyse von K.s Beschäftigung mit Offenbach und zugleich eine zentrale Veröffentlichung über K. überhaupt. Knepler stützt sich wohlauf seine persönlichen Erinnerungen an K., doch liegt der Schwerpunkt auf sorgfältigen Analysen. Knepler berichtet von K.s Vortragsdisziplin (17) und von der unbeschreiblichen Faszination der Offenbach-Vorlesungen (18). K. habe vor allem Offenbach-Operetten vorgelesen, in denen das Motiv [] des sozialen Rollentauschs (20) dominiere, die daher ein Element von Utopie in sich trügen (108). Die Rolle, die Offenbach im Wirken von Karl K. zufiel (111), habe sich gewandelt. In einer ersten Phase (1926–1928/29) hänge die Offenbach-Pflege eng mit der erfolgreichen Polemik gegen Békessy und der erfolglosen gegen Schober zusammen. Die zweite Phase (1928/29–1933)ist eine Phase des Rückzugs aus der Frontlinie des politischen Kampfes (152), in der das Gefühl, sich bei Offenbach in einer Inselwelt zu befinden (152), dominiere; Zeitstrophen seien in dieser Phase seltener und immer bitterer geworden (159), und "Die Briganten" hätten in diese Phase nicht mehr gepaßt (93).In der dritten Phase (ab 1933) nehmen Operetten mit harmloseren Stoffen mehr Raum ein (167); das Fehlen von Zeitstrophen bzw. die Thematik der letzten Zeitstrophen unterstreiche die Geste des Verstummens (167), von der diese Vorlesungen bestimmt seien. Neben Verzeichnissen zu K.s Offenbach-Vorlesungen und -Rundfunksendungen und einer Schallplatte, auf der Knepler Offenbach-Strophen im Stil K.s vorträgt, enthält das Buch zahllose wichtige Details: zum Ursprungs-Begriff (87, 90, 183); zu K.s Marx-Lektüre (89,152) und zu seinem Verhältnis zum Marxismus (242 f.), zu K.s Operettenästhetik (94) mit den Zentralbegriffen des Zeitgemäßen, des Unnatürlichen und des Doppelzüngigen (99), zu Vorlesungen für Arbeiter in der Tschechoslowakei (237), zu den Zeitstrophen im Nachlaß (225). Auch einige persönliche Erinnerungen (128, 221).
- Quelle
- Aus: Scheichl, Sigurd Paul: Kommentierte Auswahlbibliographie zu Karl Kraus. 15. Fortsetzung. In: Kraus-Hefte 38 (April 1986).
How to cite:
Digitale Karl-Kraus-Bibliographie. Digitalisierte Fassung von Sigurd Paul Scheichls
Kommentierter Auswahlbibliographie zu Karl Kraus. Hrsg. v. Bernhard
Oberreither und Peter Andorfer. ACDH. Wien 2025. URL:
https://karl-kraus.github.io/kb-static/kab-entry-8.11.3.6.html